| Originaltitel: The Lost Battalion__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2001__Regie: Russell Mulcahy__Darsteller: Ricky Schroder, Phil McKee, Jamie Harris, Jay Rodan, Adam James, Daniel Caltagirone, Michael Goldstrom, André Vippolis, Adam Kotz, Justin Scot, Anthony Azizi, George Calil, Wolf Kahler, Joachim Paul Assböck, Michael Brandon u.a. |

Russell Mulcahy inszenierte den Kriegsfilm „The Lost Battalion“ nach wahren Begebenheiten fürs Fernsehen
Mit dem Ende der 1990er bekam Regisseur Russell Mulcahy („Silent Trigger“) weniger Regieposten im Kino, sondern eher auf dem Video- und TV-Markt. Dort immerhin mit etwas prestigeträchtigeren Projekten, etwa dem ordentlich budgetierten „The Lost Battalion“ für die Fernsehsparte von 20th Century Fox.
Die Produktion widmet sich dem Ersten Weltkrieg, der auf dem Film- und Fernsehmarkt deutlich weniger behandelt wird als beispielsweise der Zweite Weltkrieg oder der Vietnamkrieg. „The Lost Battalion“ basiert auf realen Ereignissen und ist im Jahr 1918 angesiedelt. Es beginnt in den charakteristischen Schützengräben, von denen aus Major Charles White Whittlesey (Ricky Schroder) mitansehen muss, wie viele seiner Leute sterben, die gerade von einer Erkundungsmission kommen. Whittlesey ist im Zivilleben eigentlich ein New Yorker Anwalt, was ihm nicht nur Respekt einbringt, erweist sich aber schnell als ehrenhafter Offizier, dem das Schicksal seiner Männer am Herzen liegt, während die Frontlinien verhärtet sind und sich beide Seiten eingegraben haben.
Deutlich weniger Respekt bringt der Film der obersten Kommandoebene entgegen, allerdings kann man so auch die Haltung der Kommandeure gegenüber den einfachen Soldaten beschreiben: Für erstere sind letztere einfach nur Menschenmaterial zum Verheizen, Befehlsverweigerung wird nicht geduldet, da hat sich seit den Zeiten von Stanley Kubricks „Wege zum Ruhm“ nichts geändert. Besagte Obrigkeit, allen voran General Robert Alexander (Michael Brandon), gibt Whittlesey den Auftrag, ein Bataillon für einen Vorstoß in die Argonnen anzuführen. Seine Einsprüche werden beiseite gewischt, da ist die Sympathieverteilung mehr als klar.
Whittlesey fügt sich und führt das verlustreiche Himmelfahrtskommando an. Doch nach ersten Erfolgen werden er und seine Soldaten eingeschlossen – vor und hinter ihnen sind deutsche Truppen. Sie harren aus, rufen mit Brieftauben nach Hilfe, verteidigen sich und hoffen auf Unterstützung…
Schaut euch den Trailer zu „The Lost Battalion“ an
Obwohl Mulcahy ja vor allem als Stilist bekannt ist, dessen Musikvideowurzeln sich in Spielfilmen wie „Razorback“, „Karen McCoy“ und vor allem „Highlander“ niederschlugen, so ordnet er seinen Stil in „The Lost Battalion“ dem Sujet unter. Nur selten gibt es optisch extravagante Kniffe, etwa wenn die Kamera einem Geschoss folgt, ansonsten inszeniert er den Krieg nicht als deftige Action, sondern als rohes Töten und Sterben. Abrupte Schnitte, schnelle Ortswechsel und eine mobile Kamera vermitteln das Gefühl das Dabeiseins auf dem Schlachtfeld, sparen aber auch Budget, ohne dass der Film unterfinanziert wirkt. Den Härtegrad eines Vorbilds wie „Der Soldat James Ryan“ erreicht „The Lost Battalion“ nicht, ist aber mit blutigen Einschüssen, zerfetzten Leibern und Tod durch Flammenwerfer auch nicht gerade zimperlich. So geht Mulcahys Film auch immer dann am meisten unter die Haut, wenn man dem Abnutzungskampf der Eingeschlossenen zusieht. Die Männer aus den unteren Gesellschaftsschichten gelten als Kanonenfutter, die Vorgesetzten belügen sie über französische Truppen, die angebliche ihre Flanke sichern, die Deutschen unterbrechen die Kommunikationswege. Die Optik passt sich der trostlosen Stimmung an, ist vor allem in tristen Grau- und Brauntönen gehalten, ganz im Gegensatz zu Mulcahys sonstiger Vorliebe für buntes Neon-Styling.
Drehbuchautor und Vietnamveteran James Carabatsos verfasste zuvor unter anderem den ähnlich gelagerten „Hamburger Hill“, über das Verheizen von Soldaten im Vietnamkrieg. Dass dieser allerdings besser funktionierte, liegt daran, dass die Figuren dort mehr Persönlichkeit besaßen. Hier gibt es abseits von Whittlesey kaum jemanden mit echtem Profil, gerade unter den kämpfenden Soldaten. Man spricht zwar kurz über Persönliches oder über die Unterschiede zwischen Stadtmenschen und Landeiern, aber wenig bleibt hängen. Allenfalls der unerfahrene Lieutenant James V. Leak (Jay Rodan), der Texaner unter lauter New Yorkern, bleibt noch etwas im Gedächtnis, wenn er schnell lernen muss, mitten im Gefechtslärm und im Sterben seiner Kameraden. Da diese allerdings kaum Profil besitzen und (wie der gesamte Film) eigentlich nur mit No-Names besetzt sind, wirken ihre Tode nicht so tragisch wie in anderen Filmen des Genres.
Auch Hauptdarsteller Ricky Schroder („Consequence“) war weder davor oder danach ein großer Name, macht aber einen guten Job als wohlmeinender, fürsorglicher Vorsitzender, der zwar gegen den Vorstoß argumentiert, aber am Ende des Tages doch die Befehle verfolgt. Seine Predigt gegen Ende wirkt etwas gestelzt, was aber eher am Drehbuch als an Schroders Schauspielfähigkeiten liegt. Interessanterweise sind die deutschen Offiziere nicht nur mit deutschen Schauspielern wie Wolf Kahler („Wonder Woman“) besetzt, sodass sie auch im Original akzentfrei Deutsch sprechen. Noch dazu zeichnet „The Lost Battalion“ ein differenziertes Bild der Deutschen: Einerseits wollen sie das Bataillon los werden, das sich da zwischen ihren Linien eingegraben hat, setzen den US-Soldaten unter anderem mit Scharfschützen und später hinzugerufenen Sturmtruppen zu. Andrerseits geben sie Whittlesey die Chance zur Kapitulation, um das Sterben zu beenden, sind eben nicht einfach nur Fanatiker und Mordbrenner, sondern Kriegsgegner mit Ehre.
Damit kommen die deutschen Offiziere vielleicht sogar besser weg als ihre amerikanischen Pendants, die für Geländegewinne auch die eigenen Truppen verheizen und belügen. General Alexander sagt am Ende zwar, dass er mit diesen Verlusten leben und diese mit seinem Gewissen vereinbaren müsse, aber das macht die Figur nur bedingt facettenreicher, nachdem man sie zuvor eher als Unsympath kennengelernt hat. Aber letzten Endes bietet „The Lost Battalion“ handlungstechnisch in erster Linie Kriegsfilmroutine, die vor allem in Einzelszenen so richtig glänzen kann. Etwa wenn die US-Soldaten Wasser vom Fluss für die Verwundeten besorgen wollen, aber ein deutscher Scharfschütze dabei auf sie feuert, dann steigt der Spannungspegel, oder wenn ein schwer verwundeter Pilot versucht zum Stützpunkt zu kommen, um den Standort des Bataillons durchzugeben. So ist Mulcahys Film in erster Linie durch die Stimmung, durch die Momentaufnahmen stark, während das große Ganze doch etwas nebulös bleibt, auch wenn Texttafeln gegen die Authentizität des Ganzen bezeugen sollen und die historische Bedeutung der Schlacht hervorheben.
„The Lost Battalion“ ist ein solider TV-Kriegsfilm, versiert inszeniert, der vor allem durch Mulcahys Können in den Gefechtsszenen seine Intensität entwickelt und den Krieg gleichzeitig packend und grauenhaft zeigt. Allerdings bleiben fast alle Charaktere außer dem Protagonisten schwach entwickelt, sodass einem die Soldatenschicksale nicht so nah gehen wie in den starken Vertretern des Genres. Ein ordentlicher Routinefilm, mit knackiger Laufzeit, aber ohne große Langzeitwirkung.
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„The Lost Battalion“ lief zuerst als „Zwischen allen Linien – Das verlorene Bataillon“ im Pay-TV, später erschien er als „The Lost Battalion – Zwischen allen Linien“ bei e-m-s auf DVD. Spätere Auflagen auf DVD und Blu-Ray erschienen bei Koch Media und Ascot Elite, teilweise unter dem Titel „Batallion der Verdammten“. Alle Fassungen sind ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben, als Bonusmaterial gibt es Trailer, auf der DVD von e-m-s eine kurze Bio- und Filmographie von Russell Mulcahy.
© Nils Bothmann (McClane)
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