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Last Passenger – Zug ins Ungewisse

Originaltitel: Last Passenger__Herstellungsland: Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Omid Nooshin__Darsteller: Dougray Scott, Lindsay Duncan, Kara Tointon, Iddo Goldberg, David Schofield, Joshua Kaynama, Lee Asquith-Coe, Frank Stone u.a.
Last Passenger

Eine Handvoll Zug-Passagiere im hektischen Überlebenskampf in “Last Passenger”.

Wer Bus, Bahn oder Taxi fährt, der trinkt und feiert unbeschwert. So wahr dieser Slogan der öffentlichen Verkehrsmittel auch sein mag, Fakt ist auch, dass man sich mit der Nutzung dieser Fahrzeuge immer auch einer gewissen Willkür ausliefert: Verspätungen, unfreundliches Personal, Fahrpläne, die man ohne Doktortitel kaum versteht, und natürlich die anderen Passagiere mit ihren lärmenden Handys und quengelnden Kindern. „Last Passenger“ nun nimmt sich eines weiteren Horrorszenarios an: Was, wenn das gewählte Verkehrsmittel einfach durch alle Haltestellen hindurchrast und gar keine Anstalten macht, irgendwann anzuhalten?

Lewis Shaler ist mit seinem Sohn in einem Pendlerzug aus London in Richtung eines Vorortes unterwegs, wo er seine Spätschicht als Arzt einer Klinik antreten und seinen Sohn daheim abliefern will. Auf der Fahrt macht der alleinerziehende Vater die Bekanntschaft der hübschen Sarah, die mehr als eindeutige Signale aussendet und Lewis heftig anflirtet. Als sie Lewis anbietet, er könne doch gemütlich ein wenig schlafen, sie werde sowohl ihn als auch seinen Sohn bei der richtigen Haltestelle wecken, sagt der geschaffte Lewis nicht nein und begibt sich ins Reich der Träume. Doch sein Schlaf währt nicht lange. Er erwacht und merkt, dass der Zug still steht. Er versucht durch Blicke aus dem Fenster in die stockdunkle Nacht, zu erahnen, was der Grund für den unvermuteten Halt sein könnte.

Last Passenger

Am Ende steht ein feuriges Inferno.

Da läuft auf einmal ein Typ in Warnweste unmittelbar vor seinem Fenster entlang und auf den Gleisen meint Lewis eine kriechende Person zu erkennen, die sich offensichtlich in Not befindet. Da rollt der Zug auch schon wieder los. Lewis versucht verzweifelt, ihn zu stoppen, immerhin möchte er dem Verletzten auf den Gleisen helfen. Doch keine der Notbremsen spricht an, der Zugführer reagiert nicht auf ihn und auch eine von Hand zu bedienende Feststellbremse schafft keine Abhilfe. Auch macht der Zugführer keine Anstalten, an irgendeinem Unterwegsbahnhof zu halten und alles deutet darauf hin, dass der Mann im Führerhäuschen entweder einen Anschlag plant oder Selbstmord begehen will. Mit anderen Passagieren des Zuges unternimmt Lewis nun alles, um den Zug anzuhalten…

Die Ausgangssituation ist so schlicht wie genial: Ein mehrtonniger Zug mit diversen Passagieren rollt unaufhaltsam über Englands Schienen und keiner weiß, was eigentlich los ist. Doch was der Zugführer bezweckt, ist für den weiteren Handlungsverlauf gar nicht weiter wichtig. Alles, was man wissen muss, ist, dass er es todernst meint. In der Folge beschäftigt sich „Last Passenger“ ausschließlich mit den Passagieren des Zuges. Und diese zeichnet der Film durchaus interessant. Zwar gibt es auch zwei sehr nervige Figuren im Film, von denen eine auch noch arg irrational handelt, dies verstärkt das Reibungspotential der Figuren aber nur noch und verschärft den Überlebenskampf. Highlight ist freilich Hauptfigur Lewis selbst, der als Mensch mit extrem starker Beobachtungsgabe eingeführt wird und sehr besonnen wirkt, aber ab und an auf erstaunliche Art und Weise ausklinkt und sehr seltsame Charakterzüge offenbart. Auch die anderen Charaktere im Film machen es dem Zuschauer nicht leicht, sie in Schubladen zu stecken. So entstehen durchaus glaubwürdige und vor allem lebendige Figuren, mit denen man im Laufe der weiteren Ereignisse auch gerne mitfiebert, zumal sich die Darsteller, allen voran Dougray Scott („Mission Impossible 2“) als Lewis, hervorragend schlagen!

Last Passenger

Dougray Scott als Held in “Last Passenger”

Inszenatorisch wirkt der Film erstaunlich aus der Zeit gefallen. Er sieht beinahe aus wie die großen Katastrophenklassiker der 70er und 80er Jahre, was durch den verwendeten Zug, der sichtlich aus einer sehr frühen Epoche der englischen Eisenbahn stammt, nur unterstrichen wird. Schaut man dann in die Extras, kommt man aus dem Staunen kaum noch heraus. Wenn man erfährt, dass wirklich alle Szenen im Zug in den Shepperton- und Pinewood Studios entstanden und alle Außenszenen samt und sonders aus dem Computer stammen, kann man nur von einer perfekten Illusion sprechen, denn von derartigen Tricks bemerkt man im Film absolut gar nichts. Und auch die sonstigen Special Effects, von denen es mit zunehmender Laufzeit einige zu bestaunen gibt, immerhin nimmt der Überlebenskampf der Passagiere immer heftigere und rabiatere Züge an, funktionieren hervorragend und lassen ihre digitale Herkunft nicht erahnen. Erstaunlich ist auch, dass der sehr rau und düster wirkende Film mit HD-Kameras gedreht wurde, schaut er doch definitiv aus, als sei er auf 35 mm Filmmaterial gedreht worden. Dazu tauschte man einfach die üblichen HD Linsen der verwendeten Kameras gegen Kameralinsen aus den 1930er Jahren aus und umging so den glatten, scharfen Look üblicher HD-Produktionen. Den Rest besorgte die sehr dunkle Ausleuchtung des Zuges. Und auch hier kann man nur von einer perfekten Illusion sprechen!

Last Passenger

Welche Rolle spielt der osteuropäische Fahrgast?

Am Ende bleibt ein wirklich spannender Streifen, der im Grunde nur ein wirkliches Problem hat: Regisseur Omid Nooshin lässt den Zuschauer einfach zu oft durchschnaufen. Immer wieder konstruiert er hochspannende Momente, die den Zuschauer vollends zu packen wissen, doch dann lässt er unvermutet wieder locker und lässt beispielsweise seine Charaktere zu viel erzählen. Wäre Nooshin hier stringenter und konsequenter vorgegangen, sein ausschließlich in dem Zug spielender Actioner hätte ein ähnlich atemloses Event werden können wie „Speed“ oder „Unstoppable“ – nur eben kleiner skaliert. Und wo wir gerade am Kritisieren sind: Auch der Soundtrack zum Film mutet etwas misslungen an, zumal er einige Szenen unschön dominiert, ohne eine besondere Größe oder Gänsehautwirkung zu haben. Von diesen Punkten abgesehen bleiben allerdings noch genug Spannungsspitzen, um den Film aus dem üblichen Einerlei herauszuheben. Auch die Art und Weise, wie die Macher die Budgetbeschränkungen umschifften, verblüfft, und die dabei zum Zuge kommenden Tricksereien überzeugen auf ganzer Linie. Hinzu kommt ein stark aufgelegter Cast, der erfreulich kantige Figuren entwerfen darf. Und so entpuppt sich „Last Passenger“ als erfreulich zupackendes Filmhäppchen für zwischendurch…

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt am 17. Januar 2014 von Universum Film und ist mit einer FSK 12 Freigabe ungeschnitten. Die erfreulich informativen Extras sind mir eine kleine Extraerwähnung wert!

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: SquareOne/Universum__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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