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Mad Mission

Originaltitel: Zeoi Gaai Paak Dong__Herstellungsland: Hongkong__Erscheinungsjahr: 1982__Regie: Eric Tsang__Darsteller: Sam Hui, Karl Maka, Sylvia Chang, Dean Shek, Carroll Gordon, Robert Houston, Hon Gwok-Choi, Gam Biu, Veronica Lau Man-Yee, Anna Ng Yuen-Yee, Shing Gwan-On, Andrew Miller, Tsui Hark u.a.
Mad Mission

Im ersten Teil der legendären Nonsens-Reihe „Mad Mission“ formiert sich das Trio aus Sam Hui, Karl Maka und Sylvia Chang

Neben diversen Vehikeln für Jackie Chan stürmte kaum eine andere Verbindung von Action und Hongkong-Klamauk dermaßen die Videothekenregale der 1980er so sehr wie die „Mad Mission“-Reihe, international auch als „Aces Go Places“ bekannt, die es auf fünf Filme in schneller Folge brachte.

Meisterdieb Sam (Sam Hui) bringt den Plot ins Rollen, als er einen Deal zwischen Gangstern überfällt und dabei einen Koffer voller Diamanten erbeutet. Sein Kumpel Charlie (Dean Shek) bringt die Beute in Sicherheit, während Sam auf der Abschussliste der Verbrecher landet. Auf einer solchen befindet sich allerdings auch Charlie, weil der Womanizer bei seinen Eskapaden die Schwester des lokalen Gangsterbosses angegraben hat und der das gar nicht so witzig fand. Ergo ist bald Exitus für Charlie angesagt, der Sam vor seinem Tod nur einen vagen Hinweis auf das Versteck der Diamanten geben konnte.

Da auch der international gesuchte Meisterdieb White Glove (Robert Houston) in den Fall verwickelt wird, schickt man den US-Polizisten Kodyjack (Karl Maka) nach Hongkong, der zusammen mit der ortsansässigen Inspektorin Ha Tung (Sylvia Chang) Jagd auf Diamanten und Gauner macht…

Mad Mission

Gerne wird hier der direkte Weg gewählt, etwa mit dem Motorrad aus dem Fenster

Vorhang auf für eine Blödelorgie sondergleichen, die vor allem das Komikerduo Sam Hui („Meister des Schwertes“) und Karl Maka („Lucky Stars Go Places“) in den Mittelpunkt stellt. Ersterer tritt vor allem als kompetentes, teilweise an Jackie Chan erinnerndes Schlitzohr auf, während Maka vor allem den von sich selbst eingenommenen, sich aber auch stets überschätzenden Cop irgendwo zwischen Trottel und zupackendem Cop spielt. Da muss Sylvia Chang („Twin Dragons“) schon zurückstecken, da sie etwas sehr auf die Rolle des Mannweibes reduziert wird, das insgeheim gerne möchte, dass ein Kerl sich für sie interessiert und deshalb immer etwas zickig ist. In Sachen Cameos darf man sich über Tsui Hark als wusligen Theaterregisseur freuen – Hark inszenierte später auch den dritten Teil der „Mad Mission“-Reihe.

Die Handlung ist bei dem Treiben herzlich egal, der ehrenhafte Dieb Sam und die Cops arbeiten mal mit-, mal gegeneinander, andere Übelwichte mischen auch noch mit und in Sachen Zwischenmenschliches gibt es zum Liebeleien zwischen Kodyjack und Ha Tung sowie zwischen Sam und Ha Tungs Schwester, ohne dass der Film mit Attributen wie Charakterzeichnung und Figurenentwicklung viel am Hut hätte, wobei die deutsche Fassung den Eindruck noch verschärft, da manche Comedy- und Handlungsszenen aus Straffungsgründen weggelassen wurden. Das Weggelassene erklärt aber auch nicht so wirklich, warum Ha Tung etwa den großkotzigen Kodyjack anhimmelt, der sie noch beim Date von oben herab behandelt oder in welchem Sinnzusammenhang die ganzen Set-Pieces denn stehen.

Mad Mission

Meisterdieb Sam (Sam Hui) hat ein paar explosive Tricks parat

Und da gibt es dann auch reichlich was an Stunts und komödiantisch überzeichneter Action zu sehen, vom gelegentlichen Schusswaffengebrauch über einige Kloppereien bis hin zu hauptsächlich zu findenden Verfolgungsjagden, in denen man Füße, Fahrzeuge und sogar Fluggeräte einsetzt um einander zu hetzen. Das ist alles nur begrenzt elegant oder filigran, die Anmut eines John Woo oder die einfallsreichen Choreographien eines Corey Yuen oder eines Yuen Woo-Ping sucht man hier besser nicht, sondern freut sich an grobem Actionklamauk, der immerhin diverse durchgeknallte Ideen zu bieten hat und so die eher grobschlächtige Inszenierung aufwiegt. Wenn Sam und Kodyjack im Finale etwa von einer Horde futuristisch designter Fieslingskarren gejagt werden, so setzen sie wiederum ferngesteuerte Miniautos mit Sprengladungen ein und pulverisieren so nach und nach die Gegnerhorden.

Vor allem ist der Film aber Comedy, die in der deutschen Fassung von einer Schnodder-Synchro aufwarten kann und für die ohnehin schon absurden Szenen stets einen durchgeknallten Spruch parat hat. Auf die Frage nach seinem Führerschein, nachdem Kodyjack das Auto einiger Gangster geschrottet hat, antwortet der mit „Ich bin bisher immer nur Tretroller gefahren“, der nicht nur namentlich, sondern auch von der Pläte her an Kojak erinnernde Inspektor stellt sich einmal als Carlos Glatzos vor („Ist ein spanischer Name“) und Weisheiten wie „Fragen sie meine Mutter, die war bei meiner Geburt dabei“ gibt es auch. Dazu kommt Slapstick mit reichlich geschnittenen Grimassen und Rumgehampel, sowie einige Anspielungen, etwa auf die James-Bond-Reihe oder andere populäre Kriminalfilme, etwa bei der Bemerkung, dass der andere auf White Glove angesetzte Starermittler, Inspektor Clouseau (aus der „Pink Panther“-Reihe), nicht mehr lebe.

Wer also Spaß an temporeichem Nonsens ohne solche Feinheiten wie Sinn und Verstand, Handlung und Figurenzeichnung hat, dem bietet „Mad Mission“ ein kleines Eldorado an Klamaukaction, kultig-doofen Sprüche und grobem Slapstick. Das ist alles reichlich grobschlächtig und hin und wieder etwas anstrengend, insgesamt aber schon ziemlich vergnüglich, da Eric Tsangs Film den Wahnsinn regelrecht umarmt.

Sowohl die DVD von Laser Paradise als auch die Blu-Ray von Crest Movies bieten lediglich die um rund 10 Minuten Comedy-Szenen geschnittene internationale Fassung; dafür kommt man in den Genuss der deutschen Schnodder-Synchro.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Laser Paradise/Crest Movies__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Ja__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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