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Night of the Wild – Die Nacht der Bestien

Originaltitel: Night of the Wild__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2015__ Regie: Eric Red__Darsteller: Rob Morrow, Kelly Rutherford, Tristin Mays, Jill Zarin, Carmen Tonry, Kayla Adams, Dalton Alfortish, Marcus Anderson, Andre Bauth, Artur Benson u.a.
Night of the Wild

Tierhorror der blutigen Sorte von Eric Red: “Night of the Wild”

Eric Red. Ein Name, so kurz wie klangvoll. Immerhin hat Red als Drehbuchautor Klassiker wie „Hitcher – Der Highway Killer“, „Blue Steel“ oder „Near Dark“ auf den Weg gebracht. Und auch als Regisseur hat er ein paar interessante Kerben in seinen Bettpfosten geritzt. So die Geheimtipps „Bad Moon“ und „Hitman – In der Gewalt der Entführer“. Da horcht man bei neuen Projekten immer gespannt auf. Liest man dann allerdings, dass der „SyFy“-Channel und „The Asylum“ sein neuestes Werk produziert haben, wird man schnell misstrauisch. Zu Recht?

In einem Kuhkaff irgendwo in Amerika geht ein Meteoriten-Hagel nieder. Die Einzelstücke der Gesteinsbrocken werden wild über die Umgebung verteilt und leuchten seltsam grün. Wer nun eine Zombie-Plage erwartet, wird schnell enttäuscht, denn die Gesteinsbrocken haben auf die Menschen keinerlei Auswirkungen. Dafür machen sie die vierbeinigen treuen Freunde des Menschen schier verrückt.

Voller Aggressivität stürzen sich in der Folge wilde und domestizierte Hunde auf die Menschen der kleinen Ortschaft und veranstalten ein unglaubliches Gemetzel. Mittendrin sexy Rosalyn, die mit ihren Freundinnen just in diesen Tagen einen Ausflug unternimmt und sich ebenfalls der zähnefletschenden Gefahr ausgeliefert sieht. Kann sie den blutrünstigen Kreaturen entkommen und kann man selbige vielleicht sogar stoppen?

Eric Red gelingt es vorzüglich, die Ausgangssituation seines Filmes anzuschieben. Zwar zeigt er einige Male zu oft die grünen Gesteinsbrocken und deren Auswirkungen auf die Hunde, aber so hat es letzten Endes vielleicht auch der dümmste „The Asylum“-Fan irgendwann kapiert. Hernach zieht Red das Tempo an und lässt sowohl die verwilderten Exemplare als auch die treuen Vierbeiner auf die Menschen losgehen. Subtilität ist dabei nicht gefragt, denn Red setzt vom ersten Moment an auf die Wucht, die die Angriffe der Tiere auf den Menschen haben.

Inklusive ordentlich schlotzigem Gesplatter. Entgegen aller „The Asylum“-Gewohnheiten stammen die Angriffe niemals aus dem Computer, sondern werden von hervorragend dressierten Tieren ausgeführt, die auf Stuntmen und -women treffen und ordentlich an diesen herumreißen. Dank handgemachter Prosthetic Effects dürfen hierbei Körperteile abgerissen werden und Knochen ordentlich brechen. Zudem fließt der rote Lebenssaft in Strömen. Die Folge: Die Angriffe wirken erstaunlich naturalistisch und haben einen enormen Impact.

Leider führt Red bis auf Rosalyns Familie keinerlei andere Figuren irgendwie tiefgehender ein, weswegen sich die Hunde ausschließlich auf relativ gesichtslose Opfer stürzen dürfen. Die Spannung hält sich infolgedessen leider in Grenzen. Die generiert Red allerdings auf anderen Wegen. Wenn beispielsweise ein kleines Kind in einen Hundekäfig flüchtet, um sich vor den Hunden in Sicherheit zu bringen, entbehrt dies einerseits nicht einer gewissen Ironie und mündet andererseits in eine ziemlich spannende „Ob das Kind das wohl überleben wird“-Situation. Und solche Momente gelingen Red einige. Hier merkt man einfach, das Red im Vergleich zu manch anderem „The Asylum“-Regisseur ganz genau weiß, was er da macht.

Dennoch kann auch er nicht verhindern, dass irgendwann die „The Asylum“-Routinen durchbrechen. Die Folge sind zunehmend haarsträubendere laienschauspielerische Leistungen, dümmliche Dialoge und bekloppt irrationale Entscheidungen der handelnden Figuren. Leider kann Red dies auch nicht mit den „großen“ Namen seines Castes abfedern, denn während Rob Morrow („Numbers“) niemals im Film ankommt, spielt Kelly Rutherford („Gossip Girl“) wirklich grauenerregend schlecht. Nur Tristin Mays als sexy Heldin weiß einigermaßen zu gefallen, hat gegen Ende aber auch einige nervige Momente abbekommen.

Überhaupt baut der Film gen Ende hin stark ab. Die dichte Atmosphäre weicht zunehmend einem wahren Fressfest. In den letzten 30 Minuten erreicht der Bodycount schwindelerregende Höhen, da die Hunde alles und jeden auffressen. Leider sind Hunde nun keine großen Kettensägen-Schwinger und auch mit Schusswaffen haben sie es nicht so. Die Folge: Das ewig lange Gemetzel ist irre gleichförmig. Die immer gleichen Attacken führen zu den immer gleichen Folgen. Das ist blutig und brutal, beginnt aber irgendwann massiv zu langweilen. Zumal der Spannungsbogen hier am heftigsten zu spüren bekommt, wie egal dem Zuschauer die Figuren doch sind.

Was vor allem im Schlussdrittel gefällt, ist die krasse Komplementärfarben-Optik, die sich mit Kraft gegen das gewohnte „The Asylum“-Farbfiltergewichse stemmt. Auch sonst inszeniert Red solide und durchaus etwas wertiger als es das ausstrahlende Medium (TV) verdient hat. Zudem funktioniert der dargereichte Score sehr ordentlich. Geerdet wird das Ganze dann durch blöde Effektshots zum Ende hin, die einfach grützig aussehen und nicht wie gewünscht funktionieren.

Es gibt also viel Licht und viel Schatten bei „Night of the Wild“ zu verzeichnen. Dennoch haben wir es hier mit einem der wertigsten Filme des produzierenden „The Asylum“-Studios zu tun – fernab der gewohnten Trash-Pfade! Eric Red drückt nämlich vor allem den ersten beiden Dritteln überdeutlich seinen Stempel auf. Die sehr schmale Story funktioniert dank dichter Atmosphäre sehr gut. Richtig genial wäre gewesen, wenn Red seine Ausgangslage nicht erklärt hätte, sondern die Natur einfach nur so hätte Amok laufen lassen. Das hätte die Spannungsschrauben sicherlich ordentlich angezogen. Ein absolutes Highlight sind die wuchtigen und enorm effektiven Tierangriffe, die mittels hervorragender Tierdressuren und gut getarnten „Handpuppen“-Effekten präsentiert werden. Im Abgang meint es Red dann etwas zu gut und stellt für seine Produzenten zu sehr auf blutiges Spektakel um. Der Blutzoll und der Leichenberg sind nun zwar enorm, das ganze Treiben aber irre repetitiv. In dem ganzen Beißen und Zähnefletschen fällt dann leider so richtig auf, wie dünn die Story und deren Charaktere eigentlich ausgefallen sind. Die logischen Fehler und seltsamen Handlungen der Figuren nehmen zu und so manchen Charakter möchte man für seine Dummheit selbst erwürgen.

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt von dem Label The Asylum/White Pearl Movies/Daredo und ist laut Coveraufdruck mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: The Asylum/White Pearl Movies/Daredo__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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