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Outcast – Die letzten Tempelritter

Originaltitel: Outcast__Herstellungsland: China, Kanada, USA__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Nick Powell__Darsteller: Nicolas Cage, Hayden Christensen, Ron Smoorenburg, Liu Yifei, Andy On, Preston Baker, Jawed El Berni, Fernando Chien, Byron Lawson, Anoja Dias Bolt, Paul Philip Clark u.a.
Outcast - Die letzten Tempelritter

Nicolas Cage flankiert Hayden Christensen in dem Abenteuerfilm “Outcast – Die letzten Tempelritter”

In gewisser Weise ist der deutsche Zusatz zu dem Originalfilmtitel „Outcast“ schon witzig. Denn Nicolas Cage war ja schon einmal „Der letzte Tempelritter“. In dem Film ging es dann zwar um Hexen und ein Tempelritter war nirgends zu finden, aber hey, wer wird schon kleinlich sein? Die deutsche Titelschmiede jedenfalls nicht. Zumal man sich so an den letzten großen Hit von Cage dranhängen konnte, der auch irgendwas mit Tempelrittern zu tun hatte. Immerhin ging es da um „Das Vermächtnis der Tempelritter“, welches ein Schatz war. Tja, und nun also „Outrage“. Jener hat tatsächlich etwas mit den Tempelrittern zu tun. Und Cage darf sogar einen spielen!

Asien im 12. Jahrhundert. Ein alternder Herrscher will vor seinem Ableben die zukünftigen Geschicke seines Landes in die rechten Bahnen lenken. Er beschließt darum, die Thronfolge zu missachten und statt seines älteren, sehr kriegerischen Sohnes seinen Jüngsten zu seinem Nachfolger zu bestimmen. In der Hoffnung, dass dieser sein Land in eine friedliche Zukunft führen wird. Dem älteren Bruder Shing gefällt das freilich gar nicht. Er meuchelt seinen eigenen Vater und schiebt seinem jüngeren Bruder Zhao den Mord in die Schuhe. Der befindet sich derweil längst mit seiner Schwester Lian auf der Flucht…

Irgendwann begegnen sie dem ehemaligen Tempelritter Jacob. Des Tötens müde setzte er sich von den Kreuzzügen ab und fristet nun, betäubt von seinem ständigen Opium-Konsum, ein Outlaw-Leben in Asien. Die beiden hilflosen Flüchtlinge wecken den Beschützerinstinkt in Jacob. Er lässt sich als eine Art Leibwächter engagieren und versucht, Lian und Zhao zu ihrem Bestimmungsort zu bringen, wo Zhao seine Thronfolge antreten soll.

Das Ergebnis ist eine Art historisches Road-Movie, bei dem der Weg deutlich wichtiger ist als das Ziel… welches man – bei aller Liebe – irgendwie nie so recht benennen kann. Dafür staunt man freilich über das Setting: Ein Tempelritter unter Chinesen. Diese Kombination gab es dann auch noch nicht so oft. Leider wird aus diesem Culture Clash nicht viel gemacht. Erstaunlicherweise interessieren sich etwa Lian und Zhao nicht ein einziges Mal für die Vergangenheit von Jacob. Der Zuschauer bekommt zwar Einblicke in Jacobs Vergangenheit dargereicht, den anderen Filmfiguren scheint sein Schicksal aber herzlich egal zu sein. Und er selbst ist auch wenig interessiert an den Hintergründen seiner Schutzbefohlenen.

Outcast - Die letzten Tempelritter

Hayden Christensen in seiner ersten Hauptrolle seit über 4 Jahren…

Nicht nur hier wirkt „Outcast“ immer ein wenig zu gehetzt. Was schade ist, da die Annäherung zwischen dem Bodyguard und seinen Mitstreitern sehr sympathisch gezeichnet wirkt und den Zuschauer gut abholt. Da wird der kleine, unbedarfte Zhao von Jacob im Umgang mit Waffen ausgebildet und mit Lian bahnen sich zarte, zurückhaltend dargereichte Liebesbande an. Was ein wenig fehlt, ist das Gefühl einer permanenten Bedrohung. Die Handlanger Shings machen sich recht lange ziemlich rar und Jacob und Co. stolpern zumeist eher unverhofft über kleine marodierende Banden von Shings Anhängern. Nicht nur diese Scharmützel sorgen dafür, dass „Outcast“ immer in Bewegung ist, was für ein angenehm temporeiches Voranschreiten der Handlung sorgt.

Die Action ist gut über den Film verteilt. Alles beginnt in – wie man später erfährt – Bagdad. Hier inszeniert Regisseur Nick Powell (hat sich vor allem als vielbeschäftigter Stuntman einen Namen gemacht) mit den Mitteln des modernen Kriegsfilmes: Rasend schnelle Montage, eine dynamische Kamera und kurze Verschlusszeiten sorgen für Hektik. Ein rauer Look und diverse Brutalitäten sorgen für eine dreckige Atmosphäre. Dazu kommen eine starke, sehr stimmige Ausstattung und wirklich riesige Sets. Schon in den ersten Minuten hebt sich „Outcast“ inszenatorisch vom restlichen DTV Einheitsbrei ab.

Outcast - Die letzten Tempelritter

Jacob wehrt sich seiner Haut…

Und diese Wertigkeit behält der Streifen bei. Powell packt über die meisten Bilder einen Sepiafilter, arbeitet mit erstaunlich schrägen Perspektiven und sorgt für eine tolle Bildgewalt. Wobei weiterhin vor allem die Ausstattung, die Bauten und die durchgehend gigantischen Sets überzeugen. Auch die atemberaubende Schönheit der chinesischen Landschaften nutzt der Regisseur gewinnbringend für seine Tempelritter-Mär. Kritisieren muss man jedoch, dass die Actionszenen mit zunehmender Laufzeit ein wenig zu hektisch montiert wirken.

Die Action besteht vollkommen aus Swordplay-Action. Diese ist durch einen interessanten Kontrast gekennzeichnet: Der behäbige, effektive Schwertkampfstil Jacobs auf der einen Seite und der verspielter wirkende, alle Körperteile als zusätzliche Waffe einbringende Kampfstil seiner Gegner auf der anderen Seite. Die Kämpfe sind flott choreografiert und atmen eine gesunde Härte. Was für einen ansprechenden Bodycount sorgt. Die Highlights bilden dabei die Stürmung Bagdads zu Beginn des Filmes, eine dynamische Actionszene in einem Waldstück, bei der Banditen unseren Helden zur Hand gehen, und der lang ausgewalzte Showdown.

Outcast - Die letzten Tempelritter

Nic Cage overacted leider zu sehr…

Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass „Outcast“ mühelos die beste Schauspielleistung von seinem Star Hayden Christensen („Jumper“) darstellt. Der Mime wirkt erstmals in einem Film wirklich rundweg sympathisch und er kommt nicht ansatzweise so steif rüber, wie man es von ihm gewohnt ist. Ganz im Gegenteil. Auch die Chemie zwischen ihm und der weiblichen Hauptdarstellerin Yifei Liu („The Forbidden Kingdom“) stimmt auf den Punkt und die beiden geben ein hübsches Paar ab. Als großer Antipode Shing muss Andy On („Special ID“) nur physisch glänzen, was ihm leicht von der Hand geht. Ansonsten bleibt er ziemlich unterfordert. Und Nicolas Cage („Joe“) … nun, der Mime schadet dem Film mehr als er ihm nützt. Nick Powell nimmt Cage leider nicht an die kurze Leine und der nutzt das ziemlich schamlos aus. Die Folge ist Overacting, das irgendwie so gar nicht auf den Ton des Filmes passen will. Zu Beginn, bei der Stürmung Bagdads, fällt dies noch gar nicht weiter auf. Da in der Szene eh das Chaos regiert. Doch wenn er dann kurz vor Schluss (Cage hat eine etwas größere Nebenrolle mit etwa 20 Minuten Screentime) wieder auftaucht, ist er in Gestik, Mimik und Intonation beständig drüber und hat in der kurzen Zeit mehr seiner legendären Nic Cage Momente als in seinen letzten 4-5 Hauptrollen insgesamt! Das blöde ist nur, dass „Outcast“ anders funktioniert…

„Outcast“ ist ein sehr sympathischer Abenteuerfilm, der seine überraschungsfreie Geschichte geradlinig und temporeich durchzieht. Ein deutlich präsenterer Bösewicht und ein klareres Ziel hätten der Handlung allerdings sehr gut getan. Man hätte dem Film allgemein einen etwas längeren Atem gewünscht, denn vor allem gegen Ende wirkt es schon so, als wollte man schnell fertig werden. Etwas mehr Laufzeit hätte auch den Charakteren und deren Dynamik untereinander gut getan. Vielleicht wäre man auch einfach besser beraten gewesen, wenn man Cages Szenen komplett gestrichen und die freigewordene Zeit für die eigentliche Handlung genutzt hätte. Neben der häufig aufbrandenden, aufwändigen und gut choreografierten Action sorgen vor allem die Production Values immer wieder für Wow-Momente: Weitläufige, gigantische Sets, tolle Naturpanoramen (von dichten Wäldern zu weiten Wüsten) und eine überzeugende Ausstattung erwecken die Welt von „Outcast“ zu überzeugendem Leben. Der unter den kinoreifen Bildern ertönende, sehr schöne Score ist mir eine kleine Extraerwähnung wert.

Die deutsche DVD/Blu-ray von „Outcast“ erscheint am 17. April 2014. Die ungeschnittene Fassung ist mit einer FSK 16 Freigabe versehen. Interview mit den Hauptdarstellern, eine B-Roll und ein Making Of zum Film runden die Datenträger ab.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Universum Film/Square One__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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