| Originaltitel: Pretty Lethal__Herstellungsland: USA, Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: Vicky Jewson__Darsteller: Uma Thurman, Iris Apatow, Lana Condor, Maddie Ziegler, Lydia Leonard, Avantika, Millicent Simmonds, Michael Culkin, Kate Freund, Krisztián Csákvári, Gábor Nagypál u.a. |

„Pretty Lethal – Schön tödlich“ bietet Ballet Fu.
Zig Asia-Streifen brachten uns Kung Fu. „Equilibrium“ brachte uns die Gun Kata, die „John Wick“ als Gun Fu perfektionierte und uns zudem Horse Fu, Dog Fu, Car Fu und Bike Fu präsentierte. Und nachdem „Ballerina“ zuletzt nicht auf die Idee kam, zelebriert nun „Pretty Lethal“ erstmals Ballet Fu. Ebenjenes ist auch ganz unterhaltsam geraten, für den Film selbst gilt das nur bedingt.
Eine Gruppe amerikanischer Ballerinas soll in Ungarn einen großen Auftritt bestreiten. Doch die Anreise steht unter keinem guten Stern. Der Flug gerät äußerst holprig und verspätet sich extrem. Danach geht das Gepäck der Damen verloren. Und nun gibt auch noch der Bus, in dem sie unterwegs sind, irgendwo in der ungarischen Pampa den Geist auf.
Die Reparatur scheint nahezu unmöglich und auch die Handys wollen ihren Dienst partout nicht verrichten. Also ziehen die Ballerinas zu Fuß los. Sie hoffen auf ein nahe gelegenes Örtchen, von dem aus sie sich einen neuen fahrbaren Untersatz besorgen wollen. Als sie tatsächlich einen kleinen Ort erreichen, orientieren sie sich sofort in Richtung eines eigenartigen Hotels. Hier geht es drunter und drüber, scheint diese Lokalität doch eine Art Magnet für finstere Gesellen zu sein.
Wenig später hat die Trainerin / Managerin der Ballerinas eine Kugel im Kopf und die Damen werden im Keller des Hauses eingesperrt. Doch schnell regt sich in den Ballerinas Widerstand. Sie proben den Aufstand und nehmen den Kampf mit den Lumpen auf. Erstaunlicherweise erweisen sich ausgerechnet ihre den Schönen Künsten dienenden Tanzfertigkeiten als ziemlich tödlich!
Wenig groteske Actiongroteske
„Im Herzen einer jeden Ballerina fließt das Blut einer Kriegerin.“
„Pretty Lethal“ ist einer dieser Filme, die für ihre simple Prämisse – hier: Ballerinas im Kampf gegen Fieswichte –, erstaunlich viel Anlaufzeit benötigen. Es wird viel geschnattert, gezickt und getanzt, bevor wir überhaupt in Ungarn ankommen. Die Figuren bekommen wir dabei kaum näher gebracht. Wir wissen nur die grundlegendsten Sachen und werden im weiteren Verlauf des mit 85 Minuten Nettolaufzeit nicht eben langen Filmes nicht viel mehr erfahren.
In Ungarn angekommen, bleibt der Ablauf zunächst gleich: Schnattern, Rumzicken und sogar für ein Tänzchen ist in dem seltsamen Hotel Zeit. Wurde dann die Managerin der Ballerinas getötet, kommt „Pretty Lethal“ immer noch nicht aus dem Knick. Denn die im Keller eingesperrten Ballerinas glauben aus seltsamen Gründen immer noch, dass ihnen, als Zeuginnen eines Mordes, unkompliziert von den Mördern geholfen werde.
Parallel wird noch eine weitere Baustelle aufgemacht. Denn die von Uma Thurman seltsam overactete Chefin des Hotels will die Ereignisse für eine persönliche Vendetta nutzen. Was ihre Figur im Gemeinhin so ausmacht? Who cares! Hauptsache noch mehr Story-Ballast, den keiner braucht.

Diese Ballerinas kann nichts schrecken! Copyright: Amazon Content Services LLC.
Es benötigt mehr als 30 Minuten, bis die Ballerinas dann endlich mal zuschlagen. Kurz bekommen wir angeteast, was die produzierenden Actionexperten von David Leitchs 87North Productions hier vorhaben. Denn ein typischer Tanzmove einer Ballerina zeitigt nun ziemlich derbe Folgen für einen Lump. Etwa zehn Minuten später haut „Pretty Lethal“ dann erstmals richtig einen raus und lässt mehrere Ballerinas mit mehreren Lumpen in einem engen Gang aneinander geraten.
Das Ergebnis ist fantastisch koordiniertes Chaos, in dem es oberflächlich drunter und drüber geht, die Kicks und Hiebe sowie diverse brutale Nicklichkeiten aber auf den Punkt sitzen. Was Second Unit Regisseur Shahaub Roudbari („The Gray Man“) hier abfeuert, macht Lust auf mehr. Und dieses Mehr rollt nach weiteren 15 Minuten an.
Nun zünden Regisseurin Vicky Jewson („Close“) und Drehbuchautorin Kate Freund eine lange Actionszene, die unter der Führung von Roudbari ordentlich Spaß macht. Endlich erleben wir einmal alle Ballerinas gleichzeitig in Action. Und die dürfen sowohl in Solos als auch in Teamformationen Schrankwand-hohe Typen „zertanzen“. Dabei kommen in die Tanzschuhe eingebrachte Cuttermesserklingen ebenso schlitzig zum Einsatz wie gefundene Messer oder Hämmer.
Die Folge ist ein enormer Blutzoll und teils kuriose Choreografien, in denen unsere Ballerinas wundervoll leichtfüßig unter den Lumpen wüten. Untermalt wird das ganze obendrein sehr passig mit klassischer Musik. Woran es fehlt, sind echte Highlights. Ich hätte mir etwa eine Plansequenz gewünscht, bei der die Kamera von Heldin zu Heldin fliegt und zeigt, wie diese jeweils einen Gegner plätten. Derartige Spielereien hat „Pretty Lethal“ aber leider nicht zu bieten.

Uma Thurman hat ganz eigene Ziele in „Pretty Lethal“. Copyright: Amazon Content Services LLC.
Und das Gemetzel unter den Fieswichten gerät leider insofern etwas eintönig, dass keine der Heldinnen ein besonderes Move-Set hat beziehungsweise sich nicht in ihren Bewegungen von den anderen unterscheidet. Und die Tatsache, dass man nun immer von einer Heldin zur anderen umschneidet, lässt die Actionszene insgesamt etwas „ruckelig“ wirken. Es fehlt ein wenig an Fluss und an Geschmeidigkeit in der Montage.
Das größte Problem: Man ist nach wie vor nicht in der Story drin. Man hat vermutlich eine der Ballerinas inzwischen in sein Herz geschlossen, aber die anderen sind einem schlicht egal. Einfach weil „Pretty Lethal“ einen nicht so recht an seine Heldinnen heranlässt und deren Konflikte ebenso wie ihr Überlebenskampf seltsam egal wirken. Und weil das Drehbuch gerne auf die Lumpen fokussiert, die meiner Meinung nach sicher mal deutlich überdrehter angelegt waren. Das deuten ein oder zwei Lumpen (etwa der Doc) an. Doch in der jetzigen Filmform wirken die Bösewichter insgesamt luschig, gesichtslos und kein Stück fies.
So haut dann in Summe auch die wirklich feine Großactionszene nie so rein, wie sie könnte. Das Schlimmste: Sie ist die letzte Actionszene im Film. Denn „Pretty Lethal“ arbeitet nun auf einen vollkommen antiklimaktischen Showdown hin, der mit einer echt nicht schön anzusehenden, alles klärenden Explosion endet. Das ist ein wirklich gewaltiger Downer. Man sieht nicht einmal wie die Oberfieswichter des Streifens verrecken. Gute Action geht anders.
Was mir an „Pretty Lethal“ durchweg gefiel, war der Schauplatz des Hotels. Es mutet irgendwie altertümlich an, ist irre weitläufig und detailverliebt ausgestattet. Hierbei wechseln sich klar einzuordnende Settings wie die Küche mit herrlich seltsamen Räumlichkeiten ab, wo die Wände mit Plüsch und eigentümlichen Kunstwerken verziert sind. Die Ausleuchtung mit zum Teil knalligen Komplementärfarben unterstreicht den meines Erachtens intendierten, final leider nie so wirklich herausstechenden, comichaften Charakter des Filmes. Die Musik macht Laune und bindet sowohl klassische Musikstücke als auch den cool renovierten Snap-Hit „Rhythm is a Dancer“ gelungen ein.

Wird nicht gekämpft, wird sich versteckt. Copyright: Amazon Content Services LLC.
Darstellerisch ist „Pretty Lethal“ wirklich ein irrer Mix aus Licht und Schatten. Uma Thurman („The Old Guard 2“) gefiel mir hier aufgrund ihres überzogenen Spiels so gar nicht. Allerdings habe ich mehrfach bei mir gedacht, dass sie vielleicht als einzige das Drehbuch verstanden hat und eben für eine Groteske grotesk aufspielen wollte. Blöderweise ist sie damit nun ziemlich alleine. Von den Bösewichtern etwa hat das keiner verstanden und entsprechend farblos geraten sie auch.
Die Ballerinas hingegen haben mir insgesamt ganz gut gefallen. Ich war, bin und bleibe allerdings kein großer Fan von „Quiet Place“-Star Millicent Simmonds, die hier durchgehend wie ein Fremdkörper im Film wirkt und interessanterweise sowohl vom Drehbuch als auch dessen Figuren nur zu gerne „vergessen“ wird. Ich persönlich konnte am besten mit der superhübschen Avantika („Tarot“) als Grace bonden. Auch und vor allem, weil ihre Figur am lebendigsten rüberkommt, guten Humor transportiert und in der Action ordentlich austeilt.
Als Stars sind eigentlich Lana Condor („Operation: Valiant One“) und Maddie Ziegler (Tänzerin in zig Videos der Sängerin SIA) als zutiefst verfeindete Princess und Bones vorgesehen. Beide machen einen okayen Job, aber so recht wollten ihre eindimensionalen Figuren bei mir nicht verfangen. Vollkommen im Abseits steht leider Iris Apatow als Zoe, die eigentlich nur da ist, um für die gehörlose Millicent Simmonds als Übersetzerin zu fungieren.
„Pretty Lethal“ ist zumindest nicht tödlich langweilig…
Was am Ende bleibt, ist ein Film, der gefühlt durchgehend mit angezogener Handbremse laboriert. Man hat ein wenig das Gefühl, dass der Actioner von Frauen in entscheidenden Positionen mit vielen Damen im Cast für ein vornehmlich weibliches Publikum inszeniert wurde. Und da Frauen nun nicht zwingend als große Actionfans bekannt sind, gibt es folgerichtig in „Pretty Lethal“ nicht so viel davon zu sehen. Und was man sieht, ist dank des Ballet-Fu-Ansatzes eher verspielt geraten, spart mit Highlights, geht in Sachen Gewalt nicht zu sehr nach vorne und gerät wie der gesamte Rest vom Film eher schnatterig als taff.
Der daraus resultierende „Frauenactioner“ unterscheidet sich final kaum von schwachen „Männeractionern“. Die Story ist so beliebig wie total egal. Die Figuren geraten leblos, die Dialoge sind öde, das Tempo lahmt immer wieder und die Darsteller scheinen nie so recht gebrieft worden zu sein, was „Pretty Lethal“ sein soll. Der mutet nämlich schon an, als würde er sich gerne mal in Richtung Actiongroteske verabschieden wollen, tut es letzten Endes aber nie, weil hier niemand so richtig liefert. Eine Großenttäuschung ist der eigentliche Showdown. Als Hingucker bleiben die amüsante Kombination aus Ballett und Kampfsport, die Großactionszene in Richtung Finale, der tolle Schauplatz des eigentümlichen Hotels und die ebenso hübsche wie taffe Grace.
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Der Film wurde am 26. März 2026 bei Prime Video eingestellt. Hier läuft er mit einer Empfehlung ab 16 ungeschnitten.
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