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Reborn

Originaltitel: Reborn__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Julian Richards__Darsteller: Barbara Crampton, Michael Paré, Kayleigh Gilbert, Rae Dawn Chong, Chaz Bono, Monte Markham, Alexa Maris, Bob Bancroft, Bob Levitan, Annie Quigley, Christopher McGahan, Chris Valenti u.a.

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Reborn Cover

Das Mediabook Cover A von “Reborn”, limitiert auf 222 Stück

Elektrizität ermöglicht Leben. Das wissen wir spätestens, seit Luigi Galvani im 18. Jahrhundert Froschschenkel zum Tanzen brachte. Filmemacher ließen sich dann auch nicht lange bitten, Elektrizität als Metapher für den Wiederanfang in Anspruch zu nehmen. Über Epochen hinweg spielte sie vor allem im Phantastischen Film immer wieder eine gewichtige Rolle. Was wir also nun in neueren Kleinproduktionen wie „Reborn“ sehen, ist das Konzentrat aus mehr als einem Jahrhundert Filmgeschichte, banalisiert bis zur völligen Selbstverständlichkeit.

Was könnte von diesem Identitätsfindungs-Horrordrama mit der Laufzeit einer Black-Mirror-Episode auch mehr zu erwarten sein als eine komprimierte Sammlung von Standards, die im Klischeebeutel zum x-ten Mal mit heißem Wasser aufgegossen wird? Je nachdem, wie man filmisch sozialisiert ist, kann man in der Prämisse von „Reborn“ jedenfalls alle möglichen Ahnen entdecken. „Frankenstein“ selbstverständlich ganz vorne, zumal Barbara Crampton eine tragende Rolle spielt, die ja mit „Re-Animator“ einen Frankenstein-Nachfahren ersten Grades in der Filmografie stehen hat. Welch ein Clou also, sie hier zu besetzen. Die Außenansicht des Krankenhauses, in dem zu Beginn des Films ein totes Baby durch einen Blitzeinschlag wieder zum Leben erweckt wird, sieht passenderweise dann auch aus wie der überdimensionale Nachbau einer Blitzfangmaschine aus dem Labor eines verrückten Wissenschaftlers.

Vielleicht sieht man aber auch die Geburtsstunde einer neuen Superheldin, die sich fehlgeleitet wie der Bursche aus „Brightburn“ zu einer dunklen Macht entwickelt, der man lieber nicht im Weg steht. Elektrifizierte Superkräfte werden von den Comic-Göttern schließlich gerne verteilt; von „Storm“ über „Electro“ bis zu „Thor“, „The Flash“ und „Shazam“ haben es sogar schon einige auf die Leinwand geschafft, viele andere stehen in ihren kleinen Panels bereit, noch auf die große Leinwand auszubrechen. Und spüren wir in dem Zusammenhang nicht auch eine Note Coming-of-Age? Mit „Carrie“ und „Firestarter“ jongliert die Presse, weil sie sieht, wie eine Heranwachsende, längst noch nicht Herrin ihres Handelns, mit übermenschlichen Kräften ausgestattet über Verlängerungsrohre ihrer verwirrten Gefühle verfügt, mit denen sie ihre Umgebung quasi in Rauch auflösen könnte, wenn sie wollte.

Doch diese Vielzahl an Einflüssen bedeuten in „Reborn“ nichts Konkretes, sondern einfach nur, dass Autoren-Neuling Michael Mahin so ziemlich alles absorbiert hat, was er zu dem Thema in die Finger kriegen konnte. Ungewöhnlich an seinem Drehbuch ist allenfalls der Umstand, dass das aus dem Nest gefallene Küken den Weg zurück in den Baum sucht, anstatt wie üblich mit einem mächtigen Flügelschlag das Nest gezielt zu verlassen. Daraus entwickelt sich eine Parallelmontage der Handlungsstränge von Wunderkind Tess (Kayleigh Gilbert) und ihrer von Schuldgefühlen geplagten Mutter Lena (Barbara Crampton, “Castle Freak“), die sich einander langsam annähern, bis sie pflichtgemäß und ohne große Überraschungen in einem Funkenschlag explodieren.

Schaut in den Trailer

Der vom Videoclip-Stil der 90er Jahre inspirierte Vorspann überzeugt noch mit stylishen Credits über traumhaft schönem Naturschauspiel aus Blitzen und Wolken, danach normalisiert sich der audiovisuelle Pegel auf das erwartete Videotheken-Maß. Chaz Bono darf die Prämisse als schmieriger Pathologieassistent auf den Weg bringen, indem er das reanimierte Findelkind wie eine Elster in sein eigenes Nest bringt und aus mehr als undurchsichtigen Gründen aufzieht. Es ist die Geburtsstunde von Kayleigh Gilbert, die man wohl ohne große Übertreibung als das große Ass des Films bezeichnen kann. Geschminkt und aufgemacht wie eine Mischung aus Frankensteins Braut, Wednesday Addams und Edwardine mit den Blitzhänden braucht es nur wenige Minuten, bis sie ihre Präsenz voll ausspielen kann. In dieser Art Film erwartet man kein großes Schauspiel, um so mehr wird man von den riesigen Augen überrumpelt, die als weit geöffnete Fenster zu kindlicher Freude, Wehklagen und schäumender Wut in Erscheinung treten, ergänzt von einem ebenso großen Mund, dessen Zahnreihen stets die Panoramen über ihnen zu kommentieren scheinen, selbst wenn keine Worte gesprochen werden. Das ist keine im konventionellen Sinn herausragende Leistung, die immer den Ton des Moments treffen würde, aber es ist doch eine expressionistische Darbietung, die man so schnell nicht vergessen wird.

Etwas ungelenk wird die Schauspielerei als solche dann auch zum Thema des Films gemacht, weil Barbara Crampton, sicher nicht ganz ohne die eigene Karriere zu reflektieren, eine verzweifelte Altdarstellerin mimt, die gerade im Begriff ist, ihren letzten Strohhalm zu ergreifen, als sie sich für eine Rolle im neuen Peter-Bogdanovich-Film bewirbt (eine Gelegenheit, die Bogdanovich persönlich für einen kleinen Cameo nutzt). Wenn die Mutter mit der Tochter ein Stück über die Entfremdung von Mutter und Tochter probt, ohne dass sie die Identität ihrer Mitspielerin kennt, werden Meta-Dimensionen betreten, aus denen leider kaum etwas von Wert geborgen wird. Ein Gag um den Aufbruch des typischen Traum-im-Film-Konstrukts gelingt zwar kurz vor dem Ende, aber auch hier wieder ohne einen greifbaren Bezug zur eigentlichen Prämisse, so dass der gesamte doppelte Boden zum Thema Schauspielerei quasi auf der falschen Bühne verlegt ist.

Ironischerweise hätten Drehbuch, Regie und Cast (u.a. auch mit Rae Dawn Chong („Phantom Kommando“) als Schauspielagentin und Michael Paré („Astrocop“) als recht nutzloser Detective) für einen mit Computereffekten vollgestopften Mittelklasse-Kinofilm vielleicht sogar gereicht. „Reborn“ ist auf Effektspektakel ausgelegt, hat gerade davon aber viel zu wenig zu bieten. Hier und da schlägt mal eine Steckdose ein paar CGI-Funken, der Lichtgestalter am Set dirigiert ein Orchester aus flackernden Glühbirnen und eine besonders unsympathische Figur macht dann auch mal onscreen Bekanntschaft mit einem Elektromast. Aber wenn schon jemand so grimmig schauen kann wie Gilbert, möchte man schließlich auch sehen, wie sich ihr Innenleben auf der Leinwand absolut kompromisslos entlädt. Stattdessen wird dem Zuschauer zu viel vorenthalten, das Ergebnis eines abstürzenden Aufzugs etwa oder die Amokfahrt eines herrenlosen Autos. Abgespeist wird man mit einer ranzigen Oma-Leiche aus dem Puppenkoffer und ein paar außer Kontrolle geratenen Leuchtmitteln. Natürlich ist das dem limitierten Budget anzurechnen, aber wer große Versprechungen macht, muss eben groß liefern. Auch wenn Gilbert ihr Bestes tut; Blicke töten nun mal nicht wirklich.

„Reborn“ klingt also nicht nur von Titel wegen austauschbar, er ist es auch insofern, als dass er aus einem Grundgerüst ohne Verkleidung besteht und kaum etwas über die elementare Ebene hinaus zu bieten hat. Kayleigh Gilbert ist eine kleine Entdeckung, zumal ihre emotionalen Ausbrüche stimmungsvoll in Szene gesetzt werden, ihre Partnerin Barbara Crampton beweist nach wie vor viel Leinwand-Charisma und überhaupt hat Julian Richards die besten Momente seinen Darstellern zu verdanken. Nur ist ein „Re-Animator“ nicht etwa wegen toller Schauspielleistungen zum Kult-Klassiker geworden, sondern wegen der Eskalationen der Geschehnisse. Davon hätte Richards ein paar gebrauchen können.

4 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von “Reborn”

Mediabooks

“Reborn” erscheint über Rawside Entertainment in drei verschiedenen Mediabook-Varianten

Rawside Edition #8

Ein typischer Festival-Kandidat feiert Heimkinopremiere. „Reborn“ wurde dem deutschen Publikum erstmals beim Fantasy Filmfestival im Herbst 2019 präsentiert, Anfang Dezember 2020 folgte dann die Auswertung für das Wohnzimmer über Rawside Entertainment, dessen achte Veröffentlichung hiermit vorliegt.

Die Verpackung

Natürlich richtet sich die Auswertung mit Blick auf die Gesamtauflage nur an einen sehr ausgewählten Kreis. Insgesamt 666 Einheiten wurden gepresst, gleichmäßig verteilt auf drei unterschiedliche Motive mit einer Auflage von je 222 Stück. Als Verpackung dient wie gewohnt ein Hochglanz-Mediabook. Das hier besprochene Motiv A basiert auf einer Variante des Originalposters. Farbliche Übergänge von Schwarz bis Rot dominieren das sehr minimalistische Motiv, das lediglich einen Türrahmen sowie die davor stehende Hauptfigur zeigt. Die Tagline „Carrie for the Z Generation“, die sich unangenehm an das jugendliche Publikum anbiedert, wurde zum Glück nicht übernommen; abgesehen vom stilisierten Titel befinden sich keinerlei Schriftzüge auf der Front.

Das gilt auch für die anderen beiden Motive. Cover B ist dabei wieder eine Zeichnung, die hemmungslos und ausbeuterisch vorgeht, wenn es darum geht, die vermeintlichen Schauwerte des Films zusammenzufassen, wobei zu sagen ist, dass die Elemente links und rechts im Bild jeweils nur Sekunden des Films einnehmen. Immerhin wird dem hübschen Vorspann mit dem von Blitzen erhellten Hintergrund Tribut gezollt. Cover C zeigt einfach nur Kayleigh Gilbert mit blutverschmiertem Gesicht im Halbprofil, aber der gleißende Hintergrund und die Leuchtpartikel machen dieses Motiv äußerst interessant.

Das Booklet

Im Inneren finden wir zwischen der Blu-ray und der DVD mit gleichem Inhalt wie immer ein 24-seitiges Booklet, dessen Text einmal mehr vom umtriebigen Christoph N. Kellerbach verfasst wurde. Der Stoff erlaubt es ihm, gleich in mehreren Themenbereichen ausschweifend zu werden und mit Referenzen zu jonglieren. Sehr schön ist es, dass er seinen Text mit Aussagen von Regisseur Julian Richards untermauert (die offenbar aus dem bereitgestellten Pressematerial stammen) und diesen mit einer längeren Biografie beehrt, die immer den Bezug zum vorliegenden Werk sucht. Auch die wichtigsten Darsteller werden mit Kurzbiografien versehen, wobei aber nicht einfach trocken die bisherigen Stationen abgehandelt werden, sondern auch Casting-Details eingeflochten und Verbindungen gezogen werden.

Die Extras

Damit ist die reichhaltigste Informationsquelle auch schon abgefrühstückt, denn bei den Extras gibt es diesmal nicht viel zu holen. Der Trailer liegt einmal in Deutsch und einmal in Englisch vor. Ferner wird eine Bildergalerie geboten, die allerdings nur aus Szenenbildern besteht. Weil „Reborn“ offenbar wieder vom gleichen Synchronstudio ins Deutsche übersetzt wurde wie die letzten Rawside-Filme, kommt noch ein Synchro-Making-Of dazu. Das läuft diesmal aber kaum länger als eine Minute und hat lediglich sehr kurze Auftritte von Lara Lamberti (auf Barbara Crampton) und Manuel Vaessen (auf Monte Markham, der Cramptons Psychologen spielt) zu bieten.

Bild und Ton

Jene deutsche Tonspur liegt ebenso wie der englische Originalton in DTS-HD Master Audio 5.1 vor (bzw. auf DVD in Dolby Digital 5.1) und bietet solide Qualität ohne große Ausreißer nach oben oder unten. Das Bildformat ist 2,35:1. Die Schärfe liegt auf einem guten, die Bildsauberkeit auf einem sehr guten Niveau. Die Farben tendieren in vielen Sequenzen speziell zu Beginn ins Bläuliche, insgesamt versucht man sich aber an einer natürlichen Beleuchtung, bei der das Tageslicht weich in die Innenräume fällt. Im Finale wird es mit vielen dunklen Passagen heikel, aber die Lichtquellen werden hier für die mörderischen Auftritte der Protagonistin effektiv genutzt.

Deutsche Untertitel können auf Wunsch zum Hauptfilm geschaltet werden. Bemerkenswert ist noch das animierte Menü – wenn es auch nur dezent animiert ist (basierend auf einem Ausschnitt aus dem Filmvorspann), so sieht man solchen vermeintlich überflüssigen Aufwand immer seltener. Unter dem Strich auch wegen des mageren Bonusmaterials sicher nicht die schönste Veröffentlichung von Rawside. Letztlich entscheidet aber der Film. Wer von „Frankenstein“ bis „Carrie“, von Comicfilm bis Coming of Age, von Tim Burton bis Stephen King alles abnicken konnte und sich eine zusammengewürfelte Version dieser Zutaten in einer Low-Budget-Produktion gut vorstellen kann, der ist sicherlich bei „Reborn“ gut aufgehoben.

Bildergalerie

Reborn

Die Geburt verläuft nicht ganz so glatt wie erhofft.

Reborn

Chaz Bono als zwielichtiger Pathologiemitarbeiter mit unklaren Ambitionen.

Reborn

So läuft nur einer, der es in die Actionfreunde-Hall-of-Fame geschafft hat: Michael Paré.

Reborn

Wo ließe sich melancholisches Gestarre besser proben als vor einem Crying-Freeman-Plakat?

Reborn

***FRRRZZZZZZZ***

Reborn

So wie diese Damen sich verhalten, darf sich ihr Karma über einen kleinen Stromstoß nicht beschweren.

Reborn

Kayleigh Gilbert kann ziemlich fies gucken.

Reborn

Empfohlen von Peter Bogdanovich.

Sascha Ganser (Vince)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Rawside Entertainment / Wicked Vision__FSK Freigabe: FSK18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja / Ja

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Categorised in: Reviews, the Horror Pit

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