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Riddick – Überleben ist seine Rache

Originaltitel: Riddick__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: David Twohy__Darsteller: Vin Diesel, Karl Urban, Katee Sackhoff, Dave Bautista, Bokeem Woodbine, Nolan Gerard Funk, Jordi Mollà, Raoul Trujillo, Neil Napier, Antoinette Kalaj u.a.
Riddick

Vin Diesel ist zurück als Riddick!

„Pitch Black“ kam seinerzeit aus dem Nichts und machte seinen Star Vin Diesel auf einen Schlag zur neuen Hoffnung des kernigen Männerkinos. Nachdem der Film eingeschlagen war, versuchten Regisseur David Twohy und Vin Diesel („Fast & Furious 6“) an den Erfolg anzuknüpfen und gingen dafür einen mutigen Weg. Anstatt auf die Stärken des Vorgängers zu setzen, konzentrierte man sich ausnahmslos auf die Hauptfigur desselben und verstrickte sie in eine ausladende Space Opera, die vor allem in der Kinofassung so unrund und lahm ausfiel, dass dem als Franchise-Opener gedachten Film nachdrücklich das Genick gebrochen wurde. Zwar konnte der fürs Heimkino nachgeschobene Director’s Cut von „Riddick – Chroniken eines Kriegers“ noch einige Kastanien aus dem Feuer holen, wirkliches Interesse an einer Fortsetzung hatten aber weder Star noch Macher noch die Produzenten. Vin Diesel wandte sich danach seltsamen Projekten wie „Der Babynator“ zu und David Twohy versank beinahe vollkommen in der Bedeutungslosigkeit. Doch wirklich losgelassen hat die Figur des Riddick beide nie. Als Vin Diesel dann plötzlich seine Actionman-Qualitäten wiederentdeckte, kratzten er und Twohy ein paar Milliönchen zusammen und wuchteten sie auf die Leinwand. Das Ergebnis heißt schlicht „Riddick“ … und ist leider allenthalben durchschnittlich geraten.

Das größte Problem ist, dass „Riddick“ in drei grundverschiedene Filmabschnitte zerfällt, die irgendwie nicht so recht zusammenpassen wollen. Der Film steigt höchst gelungen mit einem in den strahlendsten Sepiafarben inszenierten Auftakt auf einem höchst lebensfeindlichen Planeten ein. Wir sind dabei, wie ein schwerverletzter Riddick vor dem hungrigen Getier des Planeten flüchten muss, sich einen tierischen Freund heranzüchtet und sich für den Kampf mit dem offensichtlich schwersten Gegner der Umgebung gar gegen dessen Gift immunisiert. Riddick selbst nennt diesen Abschnitt seine Rückkehr zu seinen tierischen Wurzeln. Denn Riddick spürte als Herrscher der Necromonger (siehe „Riddick – Chroniken eines Kriegers“), dass er mit der Zeit domestiziert wurde. Obendrein musste er in den letzten Jahren immer auch Augen im Rücken haben, denn überall lauerten Attentäter, Verrat und Missgunst. So kommt es ihm eigentlich sogar ziemlich gelegen, dass ihn ein Bediensteter von Vaako (Karl Urban kehrt für ein Cameo zurück) bei einem Besuch eines scheinbar unbesiedelten Planeten hinterrücks ausschalten will – was freilich misslingt.

Riddick

Riddick muss sich auf einem lebensfeindlichen Planeten behaupten.

In diesem Abschnitt ist „Riddick“ auf das Wesentlichste heruntergebrochenes Survivalkino. Riddick versorgt seine Wunden, passt sich der Umgebung an, wird Teil von ihr. Das kommt ohne viele Worte aus und lebt vor allem von den großartigen, richtig cool getricksten Bildern des Planeten. Und es ist ein wundervolles Kontrastprogramm zu dem letztendlich viel zu überladenen Vorgänger. Leider ist das aber zu wenig Inhalt für die volle Laufzeit und so muss Riddick irgendwann eine Entdeckung machen, die ihn nötigt, eine Art Notrufsignal ins All zu senden. Dieses wird von Kopfgeldjägern abgefangen, die nun auf den Planeten eilen, um sich das Kopfgeld für Riddick zu sichern. Gestört werden sie in ihrem Tun von weiteren Jägern, deren Motiv, Riddick zu verfolgen, lange Zeit etwas schwammig bleibt. Da beide Parteien freilich nicht auf Riddicks nettes Angebot ihm ein Raumschiff da zu lassen und zu verschwinden eingehen, steigt nun Teil zwei des Filmes und erleidet „Riddick“ beinahe vollkommen Schiffbruch.

Denn Riddick tritt nun in den Hintergrund. Der Film fokussiert viel zu stark auf die Jäger und deren Streitigkeiten untereinander. „Riddick“ wird nun zu einer Art Weltraum-Slasher. Denn Riddick schlägt wiederholt aus der Dunkelheit des Raumes zu und dünnt einem Michael Myers oder Jason Voorhees gleich die Jägertruppen aus. Leider vergessen Twohy und das Drehbuch in dieser Phase, dass Riddick seine Verfolger ja nicht grundlos auf seine eigenen Fersen gehetzt hat. Und da die Story so einfach nicht zum Punkt kommt, ziehen sich die Ereignisse plötzlich wie Kaugummi. Ok, wer schon immer mal die linke Titte von Katee Sackhoff (Starbuck aus „Battlestar Galactica“) sehen wollte, der wird hier ganz kurz einen Adrenalinschub erfahren, ansonsten regiert in diesem Abschnitt allerdings die Langeweile. Es passiert schlichtweg nichts und Riddick lässt sich viel zu lange bitten, bevor er losholzt! Was in der Phase als einziges auf hohem Niveau bleibt, ist die gelungene Optik, während der im ersten Abschnitt noch starke Anleihen ans Original nehmende Score nun vollkommen in die Belanglosigkeit abdriftet. David Twohy hat hier seinen Film überhaupt nicht im Griff. Zumindest bekommt man einige hübsch schmierige Schauspielperformances von unter anderem Jordi Mollà („Bad Boys II“) und Wrestler Dave Bautista (“The Man with the Iron Fists”) geboten.

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Zeigt in “Riddick” eine Hupe … Starbuck Katee Sackhoff

Mit einem fulminanten Splattereffekt startet Twohy dann in den Creature Feature Abschnitt seines Filmes! Und holt noch einmal einige Kastanien aus dem Feuer. Leider aber schafft er es nicht annähernd, die Intensität von „Pitch Black“ aufs Neue heraufzubeschwören. So geht das letzte Drittel viel zu schnell vorbei und genau in dem Moment, als man sich als Zuschauer beinahe wieder mit dem Film versöhnt fühlt, ist er auch schon zu Ende. Klar, das Creature Design von Patrick Tatopoulos macht wieder großen Spaß und die Viecher sind schön garstig und auch herrlich seltsam in ihrer Physiognomie. Leider sind sie diesmal aber nur Kanonenfutter für Riddick, der sie teils sogar mit den Fäusten niederringt oder mit einem riesigen „Klappmesser“ viel zu leicht zerlegt. Kurzum: Die Viechers entwickeln sich nie zu einer echten Bedrohung. Leider. Großartig getrickst sind sie dennoch!

Nach wirklich viel zu langen zwei Stunden ist „Riddick“ dann zu Ende. Als Zuschauer fragt man sich beständig, warum Twohy seinen Film nicht verschlankt hat. Weder hat er in seinem Film viel zu erzählen, noch braucht er zum Beispiel den mittleren Abschnitt für das Gelingen des Filmes. Dabei hat er theoretisch eigentlich alles richtig gemacht! Er besann sich auf die Wurzeln des Franchises und ging alles ein wenig kleiner an. Dann machte er Riddick wieder zu diesem animalischen, höchst ambivalenten Charakter, der sich selbst am nächsten ist. Um ihn herum installierte Twohy genug Charaktere, an denen sich Riddick reiben kann, und obendrein gibt es ein paar hübsch fiese Viecher zu bestaunen. Doch Twohy lässt viel zu viele Gelegenheiten für einen coolen Streifen vorüberziehen. Vor allem wirken die Jäger ziemlich luschig und die Viecher hätten einfach viel früher Teil des Filmes sein sollen.

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Kopfgeldjäger heften sich an Riddicks Fersen.

Zumindest fühlt sich Vin Diesel erneut sichtlich wohl in Riddicks Haut. Er ist körperlich ungemein präsent und lässt einem mit seinem tiefen Rasselbass Schauer den Rücken herunterlaufen. Viel spielen muss er dabei im Übrigen nicht. Seine Figur funktioniert dennoch tadellos. Die anderen Darsteller sind allesamt ok, man hätte sich einige Figuren (Starbuck oder der Chef der Jäger, der eine Vergangenheit hat, die ihn mit Riddick verbindet) präsenter gewünscht, aber Twohy vermasselt gerade deren Zeichnung im lahmen Mittelteil komplett.

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Feiert ein leidlich unterhaltsames Comeback als Riddick: Vin Diesel

Was bleibt, ist ein Film, der nur wenige Bezüge zu seinen Vorgängern aufbaut und eigentlich back to the roots wollte, sich dabei aber ziemlich verzettelt. Er zerfällt in drei unhomogene Teile, von denen für sich betrachtet der erste grandios und der letzte ordentlich funktioniert, der Mittelteil aber fast den ganzen Film kaputt macht. Er beschert „Riddick“ unwahrscheinliche Längen, von denen sich der Film niemals so recht erholt. Vor allem wirkt der Showdown viel zu verhalten, vor allem, weil man im Mittelteil beständig das Gefühl hat, dass der Film nur Anlauf nimmt, um dann so richtig einen rauszuhauen. Doch das große Highlight bleibt einfach aus. Zumindest überzeugt der Film in optischen Belangen auf ganzer Linie. Seien es die edlen, sepiafarbenen Planetenpanoramen, die schnittigen Actionsequenzen oder die cool getricksten Viechers. Und Vin Diesel ist endlich wieder in seinem Element. Das ist doch auch was …


Der Extended Cut von „Riddick – Überleben ist seine Rache“

Riddick

Der Extended Cut von “Riddick” erscheint nur auf Blu-ray

Am 14. Februar 2014 erscheint „Riddick – Überleben ist seine Rache“ von Universum Film für euer Heimkino im deutschen Handel. Dabei erscheint das neueste Abenteuer aus dem Leben des Furyaners Riddick auf Blu-ray im Extended Cut. Dieser bietet gegenüber der Kinofassung 8 Minuten mehr Film, schafft es aber nicht, die größte Schwachstelle des Filmes – den langen Mittelteil, bei dem gleich zwei Kopfgeldjägerparteien und viel sinnloses Gequatsche Riddick selbst zur Nebenfigur im eigenen Film verkommen lassen – zu beheben. Doch obwohl der Film schon in der Kinofassung gefühlt deutlich zu lang ist, werten ihn die zusätzlichen Minuten tatsächlich ein wenig auf.

Die neuen Szenen, die Regisseur Twohy zum Kinostart aus dem Film nehmen musste, um „Riddick“ auf unter zwei Stunden Laufzeit zu bringen, konzentrieren sich sowohl am Anfang als auch am Ende des Filmes und schlagen eine stärkere Brücke zu den Geschehnissen in „Riddick – Chroniken eines Kriegers“. Das ist vor allem deshalb nicht uninteressant, weil sich „Riddick – Überleben ist seine Rache“ ansonsten überdeutlich an den ersten Teil, „Pitch Black“, anlehnt.

Der erste neue Szenenkomplex zu Beginn des Filmes erläutert nun weitaus eindrücklicher, warum Riddick die Necromonger verlassen will. Dabei wurde im Vergleich zur Kinofassung die gesamte erklärende Szene komplett umgebaut. Neu hinzugekommen ist in erster Linie ein Attentatsversuch auf Riddick und es wird in den Dialogen deutlicher herausgearbeitet, dass es die Necromonger nicht gerne sahen, dass sich Riddick als neuer Lord Marshall der Necromonger niemals deren Religion unterwerfen wollte. Die neue Fassung von „Riddick“ offeriert hier Karl Urban als Vaako weitaus mehr Screentime, unter anderem da er deutlich mehr über Riddicks Heimatplaneten Furya erzählen darf, den er angeblich wieder gefunden habe. Dazu gibt es einen komplett neuen, nicht ganz optimalen Effektshot von der riesigen Necromonger-Flotte, als Riddick sich in Richtung Furya absetzt…

Im folgenden Survivalteil des Filmes finden sich ebenfalls zwei knackig kurze Erweiterungen. In der einen steckt Riddick sein Revier gegen ein Rudel Hyänen/Hundewesen ab und in der anderen wird sein Versuch, ein Unterwasserwesen anzulocken, um wenige Sekunden erweitert.

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Mehr Vin Diesel dank des Extended Cuts von “Riddick”

Der zweite große neue Szenenblock findet sich dann nach dem Ende der eigentlichen Kinofassung. Diese endet mit den Bildern von den zwei sich verabschiedenden Raumschiffen und geht in den Abspann über. Im Extended Cut hat Riddick offensichtlich wieder zu der Necromonger-Flotte aufgeschlossen und ist auf der Suche nach Vaako. Er richtet den Henchman Vaakos, der ihn auf dem Planeten zu Beginn des Filmes umbringen wollte und verletzt zurückließ. Dieser erklärt ihm vor seinem Tode noch, dass Vaako Riddick tatsächlich zu dessen Heimatplaneten zurückbringen wollte und der Mordanschlag gar nicht auf dessen Kappe ginge. Doch Riddick wirkt fest entschlossen, Vaako zur Rechenschaft zu ziehen…

Insgesamt fügt sich „Riddick“ durch diese Erweiterungen etwas schlüssiger ins Riddick-Universum ein und deutet bereits an, in welche Richtung eventuelle Fortsetzungen gehen könnten. Und dass dabei tatsächlich Vorfreude beim Zuschauer aufkommt, zeigt nur auf, wie viel Potential in dem Franchise nach wie vor steckt. Die große Frage ist nur, welchen grundsätzlichen Weg das Franchise diesmal nehmen wird? Will man wieder zur großen Space Opera werden oder bäckt man weiterhin eher kleine Brötchen? Der durchaus ordentliche Erfolg von „Riddick – Überleben ist seine Rache“ könnte eine Beantwortung dieser Fragen für ein größeres Hollywoodstudio durchaus interessant machen.

Interessant sind auch die Extras zur Heimkino-Veröffentlichung des Filmes. Featurettes wie „Blick hinter die Kulissen“, „Der Einfluss von Regisseur Twohy“, „Die Technik in Riddick“, „Die Welt von Riddick“ und „Triff die Söldner“ erlauben ordentliche Einblicke in die Produktion des Filmes und beleuchten noch einmal die Story „Riddick – Überleben ist seine Rache“. „Held und Antiheld – Vin’s Riddick“ erlaubt Vin Diesel einen Rückblick auf seine Karriere und die Wichtigkeit der Figur des Riddicks für seinen Erfolg. Sehr interessant ist ein Motion Comic, der die Vorgeschichte um Riddick und die Necromonger noch einmal leicht variiert darreicht. Auch der Kinocut befindet sich auf der Scheibe und Trailer zum Film und zu anderen Backkatalog-Titeln von Universum runden die optisch fantastische und tonal mit ordentlich Wucht daherkommende Blu-ray zum Film trefflich ab. Die DVD zum Film ist leider in den Extras abgespeckt und hat ausschließlich die Kinofassung an Bord.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Universum Film GmbH__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja (Extended Cut)/Ja (Kinofassung)

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