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Spell

Originaltitel: Spell__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2020__Regie: Mark Tonderai__Drehbuch: Kurt Wimmer__Darsteller: Omari Hardwick, Loretta Devine, Lorraine Burroughs, John Beasley, Hannah Gonera, Kalifa Burton, Steve Mululu, Andre Jacobs, Tumisho Masha, Peter Butler u.a.
Spell

Mark Tonderai drehte “Spell” nach einem Drehbuch von Kurt Wimmer

Spätestens seit dem Erfolg von „Get Out“ ist Black Horror wieder in, weshalb manche Filmemacher auf den von Jordan Peele gestarteten Erfolgszug aufspringen wollen. Darunter auch der britische Regisseur Mark Tonderai, der nach dem gefeierten Geheimtipp „Hush“ und dem deutlich weniger geliebten „House at the End of the Street“ viel fürs Fernsehen arbeitete, ehe er mit „Spell“ wieder ins Kino zurückkehrte.

Hauptfigur ist der schwarze Marquis T. Woods (Omari Hardwick), der als erfolgreicher Anwalt in der Großstadt arbeitet, aber ursprünglich vom Lande kommt. In bester Blaxploitation-Tradition kommt nur eine weiße Figur vor, nämlich Marquis‘ Boss bei der Kanzlei, der nur kurz in einer Szene zu sehen ist, sonst ist „Spell“ ein Film über schwarze Communitys und Familien. Marquis ist mit Veora (Lorraine Burroughs) verheiratet und hat zwei Kinder, Samsara (Hannah Gonera) und Tydon (Kalifa Burton), während er sein Elternhaus und seine Vergangenheit in den ländlichen Appalachen hinter sich gelassen hat.

Als Marquis die Nachricht vom Tod seines wenig geliebten Vaters erreicht, macht er sich doch auf den Weg in die alte Heimat, zusammen mit Frau und Kindern mit einem kleinen Flugzeug, das er selbst fliegt. Da man im ländlichen Amerika auch an der Tanke neuen Flugzeugtreibstoff bekommen kann, bleibt auch Zeit für einen Zwischenstopp in bester Backwood-Tradition, wo man komische Blicke von den Locals erntet, wenn man das Ziel seiner Reise angibt. Wobei die Woods gar nicht erst dort ankommen, denn ein Sturm bringt ihren Flieger zum Absturz.

Als Marquis nach dem Unfall wieder zu sich kommt, erwacht er verletzt im Gästebett von Eloise (Loretta Devine), ihrem Mann Earl (John Beasley) und ihrem stummen Sohn Lewis (Steve Mululu), die Marquis allein im Wald gefunden haben wollen. Marquis kommen seine vermeintlichen Retter jedoch seltsam vor – und das mit Recht, wie er bald merken muss…

Spell

Marquis T. Woods (Omari Hardwick) versucht herauszufinden, was seine vermeintlichen Retter im Schilde führen

Schon bald wird klar, dass die Backwood-Sippe sich der Hoodoo-Magie hingibt, wenn voodoopuppenartige Figuren namens Boogity herausgeholt werden. Im Gegensatz zu anderen Voodoo- und Hoodoo-Horrorthrillern wie „Angel Heart“, „Das Ritual“, „Die Schlange im Regenbogen“ oder „Der verbotene Schlüssel“ ist es allerdings kein weißer Protagonist, der mit diesem Glauben und der Magie konfrontiert wird, sondern ein schwarzer. So sind dann in erster Linie soziales Standing und Stadt-Land-Unterschiede für die Gegensätze verantwortlich, nicht die Hautfarbe. Allerdings sorgt das für bestenfalls dezente Neuerungen und wer sich ein wenig mit den Vorgängern von „Spell“ auseinandergesetzt hat, der kann absehen, was die vermeintlichen Retter des Helden mit ihm vorhaben. So zieht „Spell“ Spannung dann eher aus anderen Fragen wie jener, was mit Marquis‘ Familie wirklich passiert ist, denn das lässt der Film über weite Strecken offen.

Bei dem Psychospiel zwischen dem verletzten Marquis und seinen Rettern, die eher Gefängniswärter sind, klingt auch eine Spur „Misery“ an, nicht zuletzt weil der Protagonist wegen seiner Fußverletzung ans Bett gefesselt ist – wenn auch mobiler als Paul Sheldon in dem Rob-Reiner-Film. Doch gerade diese Einschränkungen sorgen nicht nur für Spannungsspitzen, wenn Marquis bei seinen Ausflügen aus dem Bett der Entdeckung entgehen will, sondern auch für intensive Szenen: Wenn Marquis mit kaputtem Fuß über ein regennasses Dach robben muss oder eine Situation mit einem Nagel in seinem Fuß gleich dreifach durchgespielt wird, dann sind das Leiden und die Strapazen des Protagonisten fast körperlich erfahrbar. Die Inszenierung durch Tonderai sorgt für einige einprägsame Momente, gerade in Verbindung mit der durchweg starken Kameraarbeit von Jacques Jouffret.

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Eloise (Loretta Devine) ist die Matriarchin des Backwood-Clans

Leider ist das Script von Kurt Wimmer („The Misfits“) da weniger memorabel. Meist sehr serviert es nur Hausmannkost nach bekannten Mustern, die jedoch ein wenig braucht, um in die Pötte zu kommen. Es gibt einige sattsam bekannte Klischees, darunter die vermeintlich hilfreiche Figur, die jedoch in Wahrheit mit den Schurken unter einer Decke steckt. Beim holprigen Showdown patzen sowohl Drehbuch als auch Regie: Warum eine ganze Gruppe von Übelwichten vor einem einzigen Mann Reißaus nimmt, ist schon etwas Banane, dass die Schurken sich nach einem ersten Moment besinnen, dass sie doch in der Überzahl sind, noch viel mehr. Der einzige Grund für diesen Verhalten liegt darin, dass der Held sonst gar keine Chance hätte. Doch auch Tonderai leistet sich Schnitzer, wenn die Inszenierung im Showdown oft nicht vermitteln kann, wer sich zu welcher Zeit wo auf dem Farmgelände aufhält, was das Finale nur noch sprunghafter und zerrütteter wirken lässt.

Dabei spielt Omari Hardwick („Army of the Dead“) den Protagonisten ziemlich glaubwürdig: Marquis reagiert mit Unglauben darauf, dass seine Retter ihn nicht für voll nehmen und seine Argumente ignorieren, ehe er sich auf das Tarnen und Täuschen verlässt. Den Verzweifelten, den Überlebenskämpfer, den Trickser und den souveränen Anwalt – all das kauft man ihm ab. Noch stärker ist Loretta Devine („Was Frauen wollen“) als hinterhältige Hoodoo-Mutti, die jene Mischung aus südstaatlicher Gastfreundschaft und unterschwelliger Bosheit mitbringt, die viele Backwood-Schurken und -Schurkinnen auszeichnet. So ist „Spell“ dann auch in erster Linie ein Duell dieser beiden Figuren, während der Supportcast deutlich in der zweiten Reihe bleibt, aber solide Leistungen erbringt.

„Spell“ ist ein gut gespieltes, bis auf das hakelige Finale souveräne inszeniertes Stück ländlicher Horror, das jedoch ziemlich nach Schema F funktioniert und sich bei Vorbildern wie „Get Out“ und „Misery“ klar bedient. Ein okayer Horrorsnack ohne große Innovationen, angenehm kurz mit seinen 90 Minuten, aber so wirklich in Erinnerung bleiben am Ende nur die Szenen mit dem Fuß und dem Nagel.

Nach einem kurzen und weitestgehend untergegangenen Kinorun ist „Spell“ inzwischen auf DVD und Blu-Ray von Paramount erhältlich, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Paramount__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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Categorised in: Reviews, the Horror Pit

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