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Sword Master

Originaltitel: San Shao Ye De Jian__Herstellungsland: China__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Derek Yee Tung-Sing__Produktion und Drehbuch: Tsui Hark__Darsteller: Lin Gengxin, Kenny Lin, Peter Ho, Jiang Yiyan, Jiang Mengjie, Norman Tsui Siu-Keung, Paw Hee-Ching, Ku Kuan-Chung, Jamie Luk Kim-Ming u.a.
Sword Master deutsches Cover

“Sword Master” ist ein Remake des Shaw Brothers Streifen “Death Duell” und überzeugt in fast allen Bereichen!

“Sword Master” basiert auf einem Roman von Gu Long, der bereits 1977 als „Death Duell“ (aka „Das Todesduell der Tigerkralle“) verfilmt wurde. Die Hauptrolle in dem Streifen des Shaw-Brothers-Studios hatte damals Derek Yee. Der zeichnete 2016 höchstselbst für ein Remake zu „Death Duell“ verantwortlich. Selbiges heißt nun “Sword Master” und stellt ein in vielen Aspekten sehr gelungenes Wuxia-Abenteuer dar.

Yen Shih-San ist ein wahrer Meister im Umgang mit dem Schwert. Und das will er sich und der Welt immer wieder aufs Neue beweisen. Unermüdlich stellt er sich den größten Meistern und kann sie alle besiegen. Nur des sogenannten dritten Meisters wird er nie habhaft. Als Yen endlich herausgefunden hat, wo dieser Meister lebt, muss er von dessen Vater erfahren, dass der dritte Meister vor wenigen Tagen verstorben sei. Das stürzt Yen in eine echte Sinnkrise. Wie soll er weiterleben, wenn es keinen Herausforderer mehr gibt, der ihm ebenbürtig sein könnte? Und als wäre das nicht genug, erfährt er von einem Arzt, dass er nur noch kurze Zeit zu Leben habe.

Derweil lernen wir Ah Chi kennen. Der junge Taugenichts verrichtet die niedersten Arbeiten in einem Bordell und zieht hier die Aufmerksamkeit der jungen Hure Hsiao Li, von allen nur „Prinzessin“ genannt, auf sich. Deren Familie nimmt sich Ah Chis an, als der von einem Kunden des Bordells niedergestochen wird, weil er sich für „Prinzessin“ eingesetzt hat. Dieser unvermutete Heldenmut lässt „Prinzessin“ und deren Familie hoffen, in Ah Chi jemanden gefunden zu haben, der nur in die richtige Richtung geschubst werden müsste, um Unterdrückung und Leid der einfachen Leute abzuschütteln.

Als sie davon erfahren, dass der nahe gelegene Friedhof einen neuen Verwalter hat, der es sich zur Aufgabe gemacht habe, nur noch Gutes mit seinen Kampfkunstfähigkeiten zu tun, bitten sie ihn, Ah Chi im Kung Fu zu unterrichten. Der Friedhofsverwalter, der sich als Yen Shih-San entpuppt, willigt ein und bringt Ah Chi alles bei, was er weiß. Was Yen Shih-San nicht ahnen kann: Sein neuer Schützling ist bei weitem nicht so unbedarft, wie er tut…

Schaut in den optisch berauschenden “Sword Master” hinein

Schon in den ersten Minuten von “Sword Master” hat man als Fan des Wuxia-Genres den Punkt, wo man sich einfach nur lächelnd zurücklehnt und genießt. “Sword Master” macht von Anfang an verdammt viel richtig. Wir erleben Yen Shih-San in Action. Die Choreografie von Dion Lam („Exit Wounds“) und Bun Yuen („Kung Fu Killer“) passt auf den Punkt. Es wird zwar mit Wirework gearbeitet, selbiges funktioniert allerdings prächtig und artet niemals in sinnfreies Herumgefliege aus.

Sword Master Martial Arts

Einer der berückend schönen Todestänze aus “Sword Master”

Fast noch schöner als das ungewöhnliche Setting des Fights (eine vereiste Brücke) ist die Musik von Peter Kam („The Warlords“)! Diese ist wunderschön melancholisch und gibt dem toll in Szene gesetzten Schwertkampf die Anmutung eines traurigen Tanzes. Ein letzter Tanz, der zum einen federleicht und zum anderen für einen der Kombattanten absolut endgültig sein wird. Hernach schwelgt die Kamera in detailverliebten Sets und einer ebensolchen Ausstattung und zündet direkt einen weiteren, wunderschönen Todestanz.

Die Bilder, die Musik, die Ausstattung, die anmutige Kameraarbeit… “Sword Master” ist ein echtes Gedicht für die Sinne. Da ist es fast egal, dass die Geschichte direkt zu Beginn erstaunlich richtungslos wirkt. Der soeben mit Schmackes etablierte Yen Shih-San wird unvermittelt aus dem Film katapultiert und mit Ah Chi eine komplett neue Figur mit dazugehörigem Drumherum eingeführt. Wo “Sword Master” in dem Moment hin will, ist nie so recht klar. Doch vor allem die tolle Chemie zwischen Ah-Chi-Darsteller Kenny Lin („Die letzte Schlacht am Tigerberg“) und der „Prinzessin“-Darstellerin Mengjie Jiang rettet den Film hier mühelos über die Runden.

Mit zunehmender Laufzeit wird glücklicherweise klar, worauf Drehbuchautor und Produzent Tsui Hark („Flying Swords of Dragon Gate“) mit dem Film hinauswill. Die Verwicklungen nehmen zu. Rückblicke und neue Nebenhandlungen rund um neue Parteien machen die Story komplexer. Und irgendwann kreuzen sich die Wege von Yen Shih-San und Ah Chi. Das verläuft geradezu unspektakulär, birgt aber einiges an Spannung! Nun läuft “Sword Master” richtig rund. Zudem hat auch Yen Shih-San Darsteller Peter Ho eine geniale Chemie mit Kenny Lin und natürlich nimmt nun auch die Schlagzahl in Sachen Action deutlich zu.

Alles kulminiert in einen großen Showdown, der aufgrund einer weiteren, effizient aufgebauten Partei mit herrlich schrägen Waffen aufzuwarten versteht und erneut ein paar tolle Fightsequenzen auffährt. Zwar hakt es in dem Showdown dramaturgisch ordentlich, aber die eigentliche Handlung des Filmes wird zu einem guten, mit viel Augenfutter dargereichtem Ende gebracht. Für die verquaste Dramaturgie spricht, dass ausgerechnet der eigentliche Finalkampf seltsam an das bisherige Geschehen drangepappt wirkt und sich irgendwie nicht richtig anfühlt.

Sword Master Kenny Lin

Kenny Lins Charakter Ah Chin ist nicht, was er vorzugeben scheint.

Was manchen sicher auch stören könnte, ist, dass “Sword Master” immer vom Hauch des Künstlichen umweht wird. Viele der Bilder wirken nachträglich per CGI glattgebügelt bzw. spektakulärer gemacht. Zwar sind die hierbei verwendeten Effekte nicht so cheesy, wie zuletzt leider Standard in China, offenkundig sind sie aber dennoch. Auch und vor allem, wenn die „In your Face“-3D-Effekte gezündet werden. Für mich passten die Effekte dennoch gut zur märchenhaften Grundstimmung des Streifens, der sich trotz allem teilweise erstaunlich konsequent gibt. Sobald die Schwerter zum Einsatz kommen, spritzt das Blut, größtenteils zwar in digitaler Form, aber ein junges Publikum war offensichtlich nicht die vorrangige Zielgruppe von Derek Yee.

Was am Ende bleibt, ist einer der wertigsten Wuxia-Streifen aus China seit langer Zeit. Die Story legt nach verhaltenem Start ordentlich an Fahrt und Emotionalität zu. Die Figuren machen teilweise starke Wandlungen durch und bieten den tollen Darstellern viele Möglichkeiten zum Glänzen. Die Action könnte zwar häufiger aufbranden, hat aber auch so ein paar wirklich starke Momente, ist toll choreografiert und mit einem feinen Soundtrack unterlegt. Die aufwändige Ausstattung und die abwechslungsreichen Settings sorgen für zusätzliches Eyecandy. Blöderweise knarzt es ausgerechnet in Richtung Finale ordentlich im dramaturgischen Gebälk, weshalb man leicht unbefriedigt aus “Sword Master” rausgeschmissen wird.

7 von 10

Die deutsche DVD/Blu-ray zum Film erscheint am 2. November 2017 von Eurovideo und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Eurovideo__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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