Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Terminal Force

Originaltitel: Galaxis__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1995__ Regie: William Mesa__Darsteller: Craig Fairbrass, Brigitte Nielsen, Richard Moll, Sam Raimi, John H. Brennan, Fred Asparagus, Kristin Bauer van Straten, Roger Aaron Brown, Cindy Morgan, Louisa Moritz u.a.
Terminal Force

Brigitte Nielsens Betonfrisur ist auf der Suche nach einem magischen Edelstein.

Alles an „Terminal Force“ ist einfach liebenswert. Die Story ist liebenswert bekloppt und bei diversen ähnlichen Filmen liebenswert dreist zusammengeklaut. Die Effekte sind liebenswert naiv und durchschaubar. Die Action ist liebenswert steif inszeniert und Hauptdarstellerin Brigitte Nielsen erinnert auf eine liebenswerte Art und Weise an Ivan Drago aus „Rocky 4“, in dem sie ja selbst mitgespielt hat. Das Ergebnis ist liebenswert schlecht und ich verrate euch ganz genau, warum:

Jed Sanders ist gerade aus Peru zurückgekehrt. Hier hat er endlich einen Edelstein gefunden, dem er bereits seit Ewigkeiten hinterherjagte. Zurück in der Heimat kommt er aber gar nicht dazu, seinen Erfolg zu feiern, denn ein paar Lumpen haben beschlossen, ihm den Edelstein abzunehmen und ihn zu verscheuern. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, taucht auch noch ein 1,80 Meter großer, weiblicher Außerirdischer mit Betonfrisur auf und erzählt eine schier unglaubliche Story:

Der von Sanders gefundene Stein sei ein wichtiges Relikt ihrer Zivilisation. Mit einem Zwillingsstein vereint, könne er für fruchtbare Felder usw. sorgen. In den falschen Händen könne er aber auch das Ende allen Lebens bedeuten. Auftritt Kyla. Ein pomadig daher quatschender Vollhorst, der lustig morphen und ansonsten nur viel quatschen kann. Irgendwie soll der sehr gefährlich sein, Betonfrisur-Babe erklärt aber nie warum. Auf jeden Fall entbrennt nun eine große Jagd und Sanders ist immer mittendrin…

Auch wenn es bisher noch nicht so herausklang, so sind doch Actionbretter wie „Dark Angel“ oder „Terminator“ mehr als offensichtliche Vorbilder dieses augenfälligen Trashers: So jagen hier zwei Wesen aus einer anderen Zeit/Welt einander. Dazwischen zirkuliert ein Menschlein, das mit großen Augen zugucken darf, wie Polizeireviere fein säuberlich zerlegt werden, und das von anderen Welten hört, die frappierend an die „Terminator“-Franchise erinnern.

Terminal Force

Drei Tage Knast? Die Frise hält!

Vor allem in der Zukunftswelt darf sich die Visual-Effects-Abteilung austoben. Im Originaltrailer zum Film wird denn auch deutlich hervorgehoben, dass hier Genies am Werk gewesen seien, die schon diverse A-Kracher mit ihrem Können aufgewertet haben. Hier sieht man dann nur, dass wenn das Budget nicht stimmt, auch die größten Genies nicht viel reißen können. Was ziemlich gut funktioniert, sind ein paar dahingleitende Raumschiffe (ich meine nicht die Raumkämpfe, die sind wiederum mies!), die komplett auf Modell-Shots setzen, und ein paar sehr druckvolle, wirklich gelungene Miniatur-Explosionen. Der Rest… oh weh… Die Palette des Versagens reicht von peinlichen Rückprojektionen mit absolut mies hineinkopierten Darstellern (deren Konturen sogar blau leuchten) bis zu absolut misslungenen Morphing-Effekten, bei denen ein sich zum Androiden verwandelndes Kind als absoluter Fail betrachtet werden muss und darf. Und wenn der Android sich dann auch noch in liebenswert mies umgesetzter, holpriger Stop-Motion-Animationstechnik durch die Kulissen hangelt, guckt man dreimal auf das Entstehungsjahr des Filmes…

Auf der Erde angekommen sind da nur noch ziemlich schwach einkopierte Explosionen, die äußerst negativ auffallen. Ansonsten treibt der Film hier seine Story gut voran und sorgt eigentlich für ein ganz ordentliches Tempo. Das Problem ist nur, dass einige Figuren immer wieder ins Palavern verfallen, obwohl sie gar nichts zu erzählen haben, was die Spannung mehr als einmal in den Keller krachen lässt (nicht dass sie vorher sonderlich extrem gewesen wäre). Leider lenkt dann auch kein Overload an Action von derartigen Momenten ab, denn prinzipiell hat es davon erstaunlich wenig. Meist ist sie auch noch erstaunlich kurz. Den größten Actionanteil hat der Showdown, der allerdings ungelenk montiert wurde und meist in Off-Screen-Ableben mündet. Die deutsche FSK 18 Freigabe verblüfft daher doch ziemlich, denn brutal ist die Action auch sonst zu keinem Zeitpunkt. Da die Außerirdischen mit Laser-/Energiewaffen arbeiten, gibt es im ganzen Film nur ein einziges Mal Blut zu sehen, ansonsten ist da nur etwas Funkenschlag, der auf tödliche Treffer hinweist.

Terminal Force

Er macht viel Wind… trotzdem, die Frise sitzt!

Brigitte Nielsen („Mercenaries“) lässt sich mit ihrer Betonfrisur nicht ein einziges Mal beim Schauspielen erwischen. Vielleicht hat der Haarfestiger gleich die ganze Mimik und Gestik mit einbetoniert. Etwas abstrus wirkt ihr Brustharnisch, der andeutet, dass ihre Moppen schon 1995 eher auf Höhe Bauchnabel hingen. Ob das erotisch sein sollte, kann ich leider nicht sagen. Mich hat diese Kostümentscheidung verfehlt. Die anderen Darsteller versuchen diese Scharte auszuwetzen und machen mit Overacting das nicht vorhandene Nielsen-Acting weg. Allerdings muss man darauf stehen, um es nicht nervig zu finden. Total auf die Ketten geht einem in jedem Fall Richard Moll („Versprochen ist Versprochen“) als Kyla, der viel zu theatralisch daherkommt und durchgehend nur Müll erzählen darf, ohne irgendwann einen bedrohlichen Charakter zu entwerfen. Craig Fairbrass („The Outsider“) lässt sich früh abmurksen, Sam Raimi („Tanz der Teufel“) schaut ultrakurz vorbei und John H. Brennan wirkt als Sanders, als seien Kurt Russell oder Roddy Piper nicht abkömmlich oder zu teuer gewesen…

Und dennoch macht „Terminal Force“ aus beinahe unerfindlichen Gründen durchaus Laune! Die Inkompetenz in diversen Bereichen regt immer wieder zum Lachen an, die stocksteife Brigitte Nielsen ist ein Fest für die Augen, das ermittelnde Cop-Duo redet den größten Schwachsinn der Filmgeschichte, der Stop-Motion-Android hat einen Visual-Effects-Oscar verdient und die sich ungeniert bei allen möglichen Filmvorbildern bedienende Story ist an Dreistigkeit und Sinnlosigkeit nicht zu überbieten. Das ist ganz klar der pure Trash, allerdings von der durchaus spaßigen Sorte. Vollends zünden kann er aber leider nie. Deshalb gibt es letzten Endes auch nur:

„Terminal Force“ erschien im Juni 2015 gemeinsam mit dem „zweiten Teil“ von Eurovideo und der MIG Filmgroup auf DVD, ungeschnitten und ab 18 freigegeben. Technisch wirkt die DVD von „Terminal Force“ leider alles andere als frisch.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: MIG Filmgroup, Eurovideo__Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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