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V/H/S/99

Originaltitel: V/H/S/99__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2022__Regie: Flying Lotus, Maggie Levin, Tyler MacIntyre, Johannes Roberts, Joseph Winter und Vanessa Winter__Darsteller: Kim Abunuwara, Kyle Bales, Verona Blue, Archelaus Crisanto, Rolando Davila-Beltran, Dashiell Derrickson, Tybee Diskin, Brittany Gandy, Isabelle Hahn, Jackson Kelly, Jesse LaTourette u.a.

Nachdem die „V/H/S“-Reihe 2021 mit „V/H/S/94“ nach sieben Jahren Sendepause für den Streaming-Dienst „Shudder“ wiederbelebt worden war, wollte man das Format nicht wieder so lange ruhen lassen. Schon 2022 legte man mit „V/H/S/99“ nach.

Schaut den Trailer zur Horror-Anthologie

Das DVD-Cover von "V/H/S/99"

In der Horror-Anthologie „V/H/S/99“ geht es hoch her.

Folgende Kurzfilme wurden zum Teil der Sammlung:

„Shredding“

Ein paar Teenager einer Punkband wollen in den sogenannten Kolonieuntergrund eindringen. Das Tunnelsystem wurde berühmt-berüchtigt, als hier während des Auftrittes der Band „Bitch Cat“ ein Feuer ausbrach und die Mitglieder der Band zu Tode getrampelt wurden. Vor Ort verhält sich vor allem Punker Ankur sehr seltsam. Was nicht verwundert, da er befürchtet, die Geister der Band könnten von ihm und seinen Freunden Besitz ergreifen wollen. Auch und vor allem, weil sich die jungen Musiker in der unheilvollen „Grabesstätte“ sehr despektierlich verhalten. Was dann passiert, übersteigt aber sogar Ankurs wildeste Befürchtungen.

„Shredding“ von der Regisseurin Maggie Levin leidet brutal unter seinen unfassbar unsympathischen Figuren. Nicht einmal Ankur will man als Zuschauer überleben sehen. Die Story ist irre vorhersehbar, es gibt keinerlei coolen Twist und schnell macht sich Langeweile breit. Was gut funktioniert, ist die aufgefahrene Maskenarbeit. Die nervig wacklige Videooptik schluckt derweil die blutigsten Splatter-Einlagen komplett. Ein misslungener Auftakt.

„Suicide Bid“

Lily will Mitglied einer Schwesternschaft ihrer Uni werden. Blöderweise hat die von ihr bevorzugte Verbindung ein wirklich seltsames Aufnahmeritual. Lily wird lebendig begraben und muss eine Nacht lang durchhalten. „Erstaunlicherweise“ wird Lily schnell von Panik ergriffen. Derweil taucht an der Oberfläche auf einmal die Polizei auf und veranlasst die Mitglieder der Verbindung zur Flucht. Was das Risiko für Lily deutlich erhöht, denn einsetzender Regen droht ihr unterirdisches Gefängnis zu fluten. Und es scheint, als sei da im Erdreich irgendetwas Unheilvolles.

Die von Johannes Roberts („47 Meters Down: Uncaged“) inszenierte Episode versucht immer wieder, „Buried“-Vibes heraufzubeschwören. Und ja, das Motiv von einem lebendig begrabenen Menschen ist ein Wirkungsvolles, das viel Unwohlsein befördert. Aber viele Elemente verhindern, dass „Suicide Bid“ funktioniert. Hauptproblem ist die vollkommen unglaubwürdig im Film installierte Kamera, die Lily selbst in Hochphasen ihrer Panik am Laufen hält und sich selbst filmt. Sogar als das Wasser in den Sarg eindringt und sie eigentlich mit beiden Händen versuchen sollte, aus dem Sarg herauszukommen, bedient Lily weiterhin die Kamera. Vollkommener irrationaler Quatsch. Die Story verläuft zudem in absolut vorhersehbaren Bahnen und der aufgefahrene Twist ist einfach nur öde. Zumindest mühen sich die Darstellerinnen.

„Ozzy’s Dungeon“

„Ozzy’s Dungeon“ heißt eine Kinder-TV-Sendung, die ihrem Gewinner die Erfüllung eines Herzenswunsches verspricht. Als es die kleine Debra hier ins Finale schafft, kommt es zu einem blutigen Zwischenfall. Und Debras Mutter ist nicht bereit, hinzunehmen, dass ihre Tochter um ihren Herzenswunsch betrogen wird. Mit ihrer Familie entführt sie Spielleiter Ozzy und lässt diesen leiden. Ihr Anliegen: Er soll Debras Herzenswunsch erfüllen.

Nach den beiden unterwältigenden Auftaktepisoden bringt Flying Lotus („Ash“) mit „Ozzy’s Dungeon“ die Anthologie auf Kurs. Die Episode ist kurzweilig, unvorhersehbar, voller Twists und unerwarteter Entwicklungen sowie herrlich eklig. Irgendwann hat man das Gefühl, die Episode ersticke förmlich in Exkrementen und widerlichen Bildern. Sie fühlt sich unangenehm an und als müsse man sich nach dem Genuss derselben erst einmal ordentlich duschen. Garniert wird alles mit einem tollen „What the Fuck“-Finish. Gelungen. Einziger echter Minuspunkt: Die Integration der Kameras macht keinen wirklichen Sinn.

„The Gawkers“

Tyler MacIntyre („It’s a Wonderful Knife“) erzählt von einer Gruppe Jugendlicher, die in bester „Jackass“-Manier durchs Leben treiben. Hier ein Stunt, da ein Prank und überall Hormone. Hormone? Ja, denn mit Sandra hat einer der Jungs eine extrem sexy Nachbarin bekommen, die fortan intensiv bespannt wird. Irgendwann bemerkt Sandra jedoch, was um sie herum passiert und sie rächt sich gar schrecklich.

Der Twist um sexy Sandra ist nett, aber der Rest ist leider kaum mehr als eine absolut durchschnittliche Episode. Der „Jackass“-Part ist kein Stück witzig, wird dafür aber zu lang und breit zelebriert. Und die Jungs sind einem nicht rundweg sympathisch, weswegen man in der Geschichte nicht so wirklich drin ist. Dafür macht in der Episode die allgegenwärtige Kamera endlich mal durchgehend Sinn.

„To Hell and Back“

Nate und Troy sind mit ihrer Kamera Zeugen einer Dämonenbeschwörung. Dabei wird leider der falsche Dämon aus der Hölle herauf beschworen. Beim Zurücksenden des Dämons in die Unterwelt kommt es zu einem Unfall und Nate und Troy landen ebenfalls im Fegefeuer. Hier versuchen sie nun alles, um wieder in ihr Leben zurückzukehren.

„To Hell and Back“ von Vanessa und Joseph Winter ist das Schmuckstück von „V/H/S/99“. Ein Jahr vor ihrem hysterisch witzigen „Deadstream“ üben sie hier schon einmal für selbigen. Die Charaktere sind klasse herausgearbeitet. Die Reaktionen von Kameramann Troy sind genauso witzig wie jene des „Deadstream“-Akteurs Shawn (beide werden von Joseph Winter gegeben). Dazu kommt ein tolles Setting mit wirklich außerweltlich anmutenden Felsformationen, in dem ein paar schön höllische Motive abgefeuert werden. Menschlein drehen sich am Spieß über dem Feuer, seltsame Dämonenwesen schleichen umher und gepfählte und gehäutete Menschen schreien vor Pein. Das Tempo ist ordentlich, der Witz verfängt sofort und am Ende steht ein klasse Finish.

Die Rahmenhandlung?

Wo sonst gerne eine Story die einzelnen Episoden rahmt, bemüht man dieses Mal das Motiv, dass ein junger Protagonist mit der Kamera seines Bruders Animationsfilmchen um Spielzeugsoldaten inszenierte, welche zu weiten Teilen mit den Horrorepisoden von „V/H/S/99“ überspielt wurden. Das funktioniert technisch ganz gut, mutet aber insgesamt arg überflüssig an.

„V/H/S/99“ kann nicht vollumfänglich empfohlen werden

Die Anthologie „V/H/S/99“ hat mit „Ozzy’s Dungeon“ und „To Hell and Back“ zwei wirklich extrem gelungene Folgen aufzubieten. Vor allem „To Hell and Back“ ist als Vorbote des grandiosen „Deadstream“ ein absoluter Banger und extrem unterhaltsam. Mit diesen beiden Episoden können vor allem „Shredding“ und „Suicide Bid“ nicht einmal ansatzweise mithalten. Diese geraten in ihrer Vorhersehbarkeit regelrecht langweilig und versuchen gar nicht erst, mit Twists zu punkten oder mit ihren Subgenres zu spielen. Das Ergebnis ist also mit „durchwachsen“ gut umschrieben.

05 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film kommt von Tiberius Film und leidet in manchen Episoden unter der vom Label leider gewohnten, qualitativ minderwertigen Synchronisation. Zumindest ist der Film mit einer Freigabe ab 18 ungeschnitten. Wenngleich diesmal eh die großen Splatter-Episoden ausblieben. Ihr könnt die Anthologie auch streamen.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Tiberius Film__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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