| Originaltitel: It’s a Wonderful Knife__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2023__Regie: Tyler MacIntyre__Darsteller: Jane Widdop, Joel McHale, Justin Long, Jess McLeod, Katharine Isabelle, Aiden Howard, Erin Boyes, Sean Depner, Zenia Marshall, William B. Davis u.a. |
Slasher an Weihnachten, das haben schon Vertreter wie „Black Christmas“, „Fröhliche Weihnacht“ oder die „Silent Night, Deadly Night“-Reihe durchprobiert, in jüngerer Zeit versuchte sich „It’s a Wonderful Knife“ an dem Setting.
Die Inspiration durch den Weihnachtsklassiker „It’s a Wonderful Life“ steckt bereits im Titel. Hauptfigur ist die Teenagerin Winnie Carruthers (Jane Widdop). Ihr Vater David (Joel McHale) arbeitet für den Großindustriellen Henry Waters (Justin Long) und lässt sich selbst an Heiligabend von diesem zur Arbeit kommandieren. Waters kauft Häuser und Betriebe auf, nur das Heim des Großvaters von Winnies bester Freundin steht seinem Traum von einem riesigen Mall-Bau im Weg, denn der alte Mann will nicht verkaufen. An Heiligabend wird erst der Großvater von einem Killer im Engelskostüm weggeschnetzelt, danach taucht der Mörder auf einer Teenager-Weihnachtsparty auf und ermordet auch noch die Enkelin. Man könnte meinen, dass Henry unter der Maske steckt – und er tut es auch, wie Winnie herausfindet, als sie den Killer mittels Stromschlag um die Ecke bringt, nachdem er sie und ihren Bruder attackiert. Das frühe Ableben des Schlitzers ist ein kleiner Aha-Effekt für den unvorbereiteten Zuschauer, nachdem „It’s a Wonderful Knife“ mit ordentlich Tempo einsteigt.
Ein Jahr später ist David nun der Head Honcho in Angel Falls, konzentriert sich allerdings vor allem auf Winnies Bruder Jimmy (Aiden Howard), weil der mittlerweile mit ins Geschäft eingestiegen ist. Dass es Winnies beste Freundin erwischt hat, scheint niemanden mehr so zu interessieren, alle sagen ihr, sie solle darüber hinwegkommen. Ihr Freund betrügt sie mit einer ihrer Freundinnen, wie sie auf der nächsten Teenager-Weihnachtsparty herausfindet, angeblich weil sie emotional zu abwesend ist. Also fühlt Winnie sich rundum ungeliebt und wünscht sich nie geboren worden zu sein, so wie George Bailey in „It’s a Wonderful Life“, in dem ihn dann ein Engel eine Welt ohne ihn zeigte, in der es allen schlechter ging, weil es keinen George Bailey gab.
Winnie wird in eine ebensolche Parallelrealität katapultiert und hier geht es den Bewohnern von Angel Falls massiv schlechter: Weil niemand den Mörder aufhielt, starb an jenem Weihnachten auch Jimmy, außerdem geht der Serienkiller weiter um. Winnie sucht verzweifelt nach einem Weg, um ihren Wunsch rückgängig zu machen…
Schaut euch den Trailer zu „It’s a Wonderful Knife“ an
Die komödiantisch-selbstreflexive Kreuzung aus Slasher und anderem Genre, das gab es in den letzten Jahren häufiger: Zeitschleife in „Happy Deathday“, Körpertausch in „Freaky“, Zeitreise in „Totally Killer“. Hier also die „It’s a Wonderful Life“-Prämisse, was schon eine witzige Idee ist, da Frank Capras zuckersüßer Festtagsklassiker so weit von Mord und Totschlag entfernt zu sein scheint wie kaum ein anderer Film. Regisseur Tyler MacIntyre („Tragedy Girls“) und Drehbuchautor Michael Kennedy („Heart Eyes“) scheint dummerweise kaum mehr als diese reizvolle Grundidee eingefallen zu sein, denn ansonsten lässt „It’s a Wonderful Knife“ die meisten Chancen für Meta-Gags und Komik liegen. Die Prämisse mit Weihnachtsmärchen und Phantastik sorgt dann auch für ein Finale, dass dann selbst von der Parallelrealität entkoppelt zu sein scheint und sich als übelst lahmarschiger und kreuzlangweiliger Stinker erweist, obwohl „It’s a Wonderful Knife“ hier doch am besten zu Hochform auflaufen sollte.
Doch leider verschießt MacIntyres Film sein Pulver fast komplett im ersten Drittel, wenn das Tempo hoch ist, der Killer halbwegs kreativ mordet (etwa in einem Schneemann versteckt oder als Kussunterbrecher der rüden Sorte) und sein eigenes Ableben via Elektroschock weder zimperlich noch handelsüblich ist. Dummerweise schaltet „It’s a Wonderful Knife“ danach mehrere Gänge runter und kommt nie mehr so richtig in Schwung. Ein, zwei Mordszenen haben noch Drive, leiden aber darunter, dass einem die meisten Figuren egal sind – entweder ist es Metzelmaterial wie der Kiffertyp oder die abgewrackte Arschloch-Variante einer netten Figur in der Parallelwelt, der man eh kaum eine Träne nachweint. Die Identität des Mörders ist zudem bekannt, sodass das Rätselraten ausfallen muss, auch wenn „It’s a Wonderful Knife“ immerhin einen Twist dazu einbaut, der jedoch bemüht wirkt. Dass sich Henry mittlerweile zum Bürgermeister emporgeschwungen und seinen einfach gestrickten Bruder als Sheriff installiert hat, macht die Sache zwar auf dem Papier brisanter, wird vom Drehbuch allerdings ebenfalls kaum genutzt. Nett ist immerhin der inszenatorische Kniff, dass die Parallelrealität von den Bildern her entsättigter, grauer und weniger farbenfroh daherkommt, aber das entschädigt dann nur etwas für die schreiberischen Defizite.
So kommt „It’s a Wonderful Knife“ dann kaum in die Pötte und verbringt viel Zeit mit Winnie, die erst ihre Lage checken, dann ihre Entscheidung verfluchen und dann einen Ausweg finden muss. Hilfreich dabei ist die Außenseiterin Bernie Simon (Jess McLeod), die jeder nur Weirdo nennt, die aber eigentlich herzensgut ist. So herzensgut, dass Winnie gleich noch das Ufer wechselt, nachdem sie weniger als einen Tag mit Bernie verbrachte hat, mit der sie in ihrer eigentlichen Realität nie etwas zu tun hatte. Winnies Tante und ihr Bruder sind ebenfalls homosexuell, vielleicht liegt es in der Familie. Es ist ja an sich lobenswert, dass MacIntyre und Kennedy hier progressiv sein wollen, dummerweise ist dies so plump gemacht, dass es eher aufgesetzt als natürlich wirkt. Aber „It’s a Wonderful Knife“ ist eh kein sonderlich filigraner Film – auch die Tatsache, dass zu Beginn kaum jemand Winnie ihre Trauer zugestehen will und alle die Morde vergessen wollen, das wirkt schon arg überzeichnet. Vielleicht ist es auch eine gewollte Hommage an den etwas plakativen Stil des immerhin knapp 80 Jahre älteren Vorbildfilms, wirkt aber nicht sehr organisch.
Wobei sich „It’s a Wonderful Knife“ auch mit dem Hauptrollencasting keinen allzu großen Gefallen getan hat. Jane Widdop („Yellowjackets“) wirkt immer etwas überfordert und etwas blass, hat nicht die Ausstrahlung und das Charisma eines memorablen Final Girls. Justin Long („The 4:30 Movie“) geht dann den umgekehrten Weg und overactet sich als Bürgermeister, CEO und Möchtegerndiktator einen Wolf, was als Comedy funktionieren könnte, wenn der Rest des Films mit ähnlicher Überzeichnung arbeiten würde. Joel McHale („Becky“) als Vater und Jess McLeod („Death Note“) als Außenseiterin mit Filmfaible liefern dagegen in größeren Nebenrollen mehr als brauchbar ab.
So ist „It’s a Wonderful Knife“ dann eher ein Film der vertanen Chancen, der kaum über seine Prämisse hinausdenkt. Als Satire auf kitschige Weihnachtsfilme ist er offensichtlich nicht gedacht, als Horrorkomödie eh zu wenig witzig und als Slasher etwas zu betulich, zumal nur sporadisch geschlitzt wird und viele Figuren egal sind. Auch Besetzung und Charakterisierung der Hauptfigur sind nicht gerade optimal, sodass in erster Linie einige inszenatorische Ideen und die temporeichen ersten 20 Minuten bleiben. Dann doch lieber nochmal „Happy Deathday“, „Freaky“ oder „Totally Killer“.
Knappe:
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Capelight/AL!VE hat „It’s a Wonderful Knife“ hierzulande auf DVD und Blu-Ray veröffentlicht, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben. Als Bonusmaterial gibt es Trailer.
© Nils Bothmann (McClane)
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