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Freaky

In „Freaky“ kreuzt Christopher Landon Slasherfilm und Body-Switch-Komödie. Als ein Serienmörder eine Schülerin mit einem antiken Dolch verletzt, tauschen beide die Körper. Während der Blissfield Butcher dies als Tarnung für weitere Mordtaten nutzt, will Teenagerin Millie ihren Körper zurück und muss entsetzt feststellen, dass ihr nur 24 Stunden dafür bleiben. Andernfalls bleibt der Tausch dauerhaft. Horrorkomödie mit Meta-Ebene.

Originaltitel: Freaky__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2020__Regie: Christopher Landon__Darsteller: Vince Vaughn, Kathryn Newton, Celeste O’Connor, Misha Osherovich, Dana Drori, Katie Finneran, Uriah Shelton, Alan Ruck, Melissa Collazo, Alonzo Ward, Emily Holder, Nicholas Stargel, Kelly Lamor Wilson, Mitchell Hoog u.a.
Freaky

Mit “Freaky” verbindet Christopher Landon Slasherfilm und Körpertauschkomödie

Mit „Happy Deathday“ und dessen Sequel hatte Regisseur und Drehbuchautor Christopher Landon schon den Zeitschleifenfilm ins Genre der Horrorkomödie gebracht, in „Freaky“ macht er ähnliches mit dem Körpertauschplot.

In diesem Werk geht der Blissfield Butcher (Vince Vaughn) um, den viele für eine Urban Legend halten – so auch ein Quartett von Jugendlichen, das in der Auftaktszene mit Saufen und vorehelichen Sexualaktivitäten beschäftigt ist und von dem Irren durch den Wolf gedreht wird. Dabei macht Landon auch klar, dass er sich im Gegensatz zu „Happy Deathday“ nicht für ein PG-13-Rating zurückhalten muss, weshalb der Bissfield Butcher wesentlich rabiater zu Werke geht als der Babyface-Killer, auch mal eine Weinflasche als Tötungswerkzeug benutzt. Nach getanem Werke lässt er einen antiken Dolch namens La Dola mitgehen, den der Vater eines Opfers in seiner Antiquitätensammlung hatte.

Millie Kessler (Kathryn Newton) ist klassisches Final-Girl-Material: Eine graue Maus, die in der Schule übersehen und teilweise gemobbt wird, während daheim das eine oder andere im Argen liegt. Mutter Coral (Katie Finneran) hat seit dem Tod ihres Gatten ein Alkoholproblem, Schwester Charlene (Dana Drori), kurz Char genannt, ist Deputy des örtlichen Sheriffs und versucht die Mutter mehr schlecht als recht in der Spur zu halten. Millie hängt mit anderen Außenseitern rum: Der offen schwule Josh Detmer (Misha Osherovich), der in einer Kleinstadt wie Blissfield damit direkt ein Exot ist, und die schwarze Nyla Chones (Celeste O’Connor), die so übertrieben politisch korrekt ist, dass selbst Josh sie als Wortpolizei bezeichnet. Außenseitertum ist auch ein klassisches Thema im Slasherfilm, hier nur eben mit einem Twist, da schwarze Figuren wenig und homosexuelle Charaktere so gut wie kaum unter den Protagonisten zu finden sind – in den meisten Schlitzerfilmen sind die Außenseiter immer noch weiße Heteros.

Millie überlebt einen Angriff des Butchers, der sie mit dem La Dola verletzt. Am nächsten Morgen machen Täter und Opfer eine Entdeckung: Sie haben durch die Kraft der mythischen Waffe in der Nacht die Körper getauscht. Während der Butcher seinen neuen Körper und die Arglosigkeit seiner Opfer ausnutzt, sucht Millie nach einem Weg wieder zurückzutauschen und erfährt, dass ihr nur 24 Stunden dafür bleiben…

Freaky

Ist das der echte Blissfield Butcher (Vince Vaughn) oder Millie in dessen Körper?

Schon in den „Happy Deathday“-Filmen wurden die Vorbilder „Und täglich grüßt das Murmeltier“ (Teil 1) und „Zurück in die Zukunft“ (Teil 2) offen im Dialog genannt, bei „Freaky“ steckt es schon im Titel, denn Landons neuester Streich ist gewissermaßen die Slasher-Version von „Freaky Friday“ – ein ursprünglicher angedachter Titel war sogar einmal „Freaky Friday the 13th“. Wobei „Freaky“ das Körpertauschkonzept mal etwas anders nutzt: Tauschen sonst in der Regel einander nahe Personen die Körper, sind es hier Antagonisten. Und die Gegensätze sind nicht nur mehr jene von unterschiedlichen Lebensentwürfen oder von Teenager und Elternteil, sondern von Killer und Opfer, noch dazu mit vollkommen unterschiedlichem Körperbau. Der Butcher muss feststellen, dass er zwar unerkannt unter lauter potentiellen Schlachtopfern wandeln kann, aber nicht mehr die Bärenkräfte wie sonst hat, während Millie die Vorteile des furchteinflößenden Männerkörpers kennenlernt, der dafür von der ganzen Welt gejagt wird.

Das bietet natürlich Comedy-Potenzial, welches vor allem von Vince Vaughn („Hacksaw Ridge“) kongenial gespielt wird. Famos stellt der fast zwei Meter große Kerl ein Teeniemädchen dar, das in seinem Körper steckt, erst gar nicht damit klar kommt, sich später in dieser Form sogar ihrem Schwarm offenbart oder ein Gespräch mit der eigenen Mutter führt. Kathryn Newton („Der Sex Pakt“) schlägt sich auch mehr als wacker als graue Maus, die zur Mörderin mit offenherzigem Auftreten und mangelndem Sozialverhalten wird. Solide, aber auch nicht mehr ist der große Teil des Support-Casts, vor allem Misha Osherovich („Der Distelfink“) und Celeste O’Connor („Ghostbusters: Legacy“) als beste Freunde, Katie Finneran („Bloodline“) als Mutter und Uriah Shelton („The Warriors Gate“) als von Millies Schwarm. Es gibt zwei Nebendarsteller, die noch etwas markanter sind: Dana Drori („Into the Dark: Tentakel“) als patente Schwester sowie Alan Ruck („Ferris macht blau“), der den verbitterten und fiesen Handwerkslehrer der Schule spielt.

Freaky

Neuer Look: Im Körper von Millie Kessler (Kathryn Newton) nimmt der Butcher Änderungen an ihrem Outfit vor

Da gehört es natürlich auch zum Humor des Films, dass es auch diverse Bullys nun mit dem Butcher zu tun bekommen – im glücklicheren Falle mit dessen Körper, in dem Millie ihnen die Leviten lesen kann, im weniger glücklichen Falle mit dessen Persönlichkeit, die in Millies Körper kurzen Prozess mit ihnen macht. So treibt „Freaky“ das Schadenfreude-Konzept vieler Slasherfilme auf die Spitze, wenn irgendwelche Arschgeigen auf blutige Weise bezahlen müssen. Und „Freaky“ mag in seiner Meta-Analyse des Genres nicht so weit gehen wie „Scream“, setzt sich aber mit den Slasherregeln durchaus auseinander, etwa wenn Josh und Nyla beim Wegrennen anmerken, dass sie als schwarze bzw. schwule Figuren als erste dran sein werden, oder wenn eben anstelle der Maskenmannes oder des Berserkers hier eine schmächtige Schülerin mit Kreissäge, Haken und sonstigem Mordwerkzeug hantiert. Mit gorigen Momenten spart Landon dann auch nicht, wenn es irgendwem ans Leder geht, wobei die Mordszenen hier nicht klassisch spannend sind: Meist ist schon klar, wer da gleich schockgefroren oder in der Mitte zersägt wird, zumal die Opfer ja nicht aus dem Hinterhalt belauert werden, sondern einfach nicht wissen, wer da in Millies Körper steckt. „Freaky“ setzt deshalb mehr auf Schadenfreude und Creative Killing – beides aber mit Schmackes.

Doch so reizvoll „Freaky“ in vielerlei Hinsicht auch ist, so gibt es leider manche Kleinigkeiten, die den Filmgenuss etwas trüben. Zum einen gibt es eigentlich nur vier Mordszenen, in denen zwar oft mehrere Opfer dran glauben müssen, aber so sind dann einige Durststrecken in Sachen Geslashe zu vermelden. Zumal selten mal eine positive Figur in ernsthafte Gefahr gerät, sodass das Mitfiebern etwas kurz kommt. Außerdem ist Landon manchmal auch nicht der Subtilste: Nicht nur manches Spiel mit Genre- und Genderkonventionen wird etwas sehr deutlich ausbuchstabiert, sondern auch den einen oder anderen Twist (Stichwort Uhr) quasi mit Ansage gebracht. Auch das zweite Finale ist leider etwas drangehängt und ein unnötiger Nachklapp. Das verdirbt den Film nicht, aber verwehrt ihm den Aufstieg in die Riege der ganzen großen Meta- und Slasherfilme.

Wenn man sich allerdings das arg gebeutelte Slashergenre anschaut, dann gehört „Freaky“ immer noch zu den klar besten Vertretern der letzten Jahre: Das Body-Switch-Konzept ist eine reizvolle Variante, die beiden Leads sind stark (vor allem ein famoser Vince Vaughn) und wenn gekillt wird, dann hart und böse. Nur etwas mehr oder zumindest besser verteilte Kills und etwas mehr Subtilität hätten Christopher Landons großem Slasherspaß jedoch gut zu Gesicht gestanden.

„Freaky“ läuft seit dem 24. Juni in den deutschen Kinos und ist ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Universal__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, seit 24.6.2021 in den deutschen Kinos

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