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Wenn er in die Hölle will, lass ihn gehen

Originaltitel: The Challenge__Herstellungsland: Japan, USA__Erscheinungsjahr: 1982__Regie: John Frankenheimer__Darsteller: Scott Glenn, Toshirô Mifune, Donna Kei Benz, Atsuo Nakamura, Calvin Jung, Clyde Kusatsu, Sab Shimono, Kenta Fukasaku, Yoshio Inaba, Seiji Miyaguchi, Miiko Taka u.a.
Wenn er in die Hölle will, lass ihn gehen DVD Cover

Scott Glenn will in die Hölle und wir lassen ihn gehen!

In der Familie von Yoshida und Hideo werden seit Jahrhunderten ein Paar Zwillings- schwerter von Generation zu Generation weiter gereicht. In den letzten Tagen des 2. Weltkrieges beschließt der Vater der beiden Brüder die Schwerter an Yoshida weiterzugeben. Bei der Zeremonie dieses Vorganges läuft allerdings Hideo Amok, ist er doch der Meinung, dass er die Familienschwerter genauso verdiene wie sein Bruder Yoshida. Das Ergebnis dieser Aktion: Die Wege der Schwerter und der beiden Brüder trennen sich. Vor allem Hideo ist fortan ausdauernd darum bemüht, das ihm fehlende Schwert zurückzuerlangen.

Rick, ein amerikanischer Boxer, der sich bei Sparringskämpfen weit unter Wert verkauft, ahnt von all diesen Vorgängen nichts, wird aber dennoch mitten in die Fehde hineingezogen. Denn er wird eines Tages von einem Japaner gebeten, ein besonderes Schwert als Tourist nach Japan hinein zu schmuggeln. Da Rick die für seine Dienste versprochenen 2000 Dollar gut gebrauchen kann, sagt er nicht nein und erfüllt alle ihm aufgetragenen Aufgaben. Schon bei der Landung seines Flugzeugs wird er von zwielichtigem Gesindel aufgegriffen und gezwungen, das Schwert herauszurücken. Hier muss er bemerken, dass er nur ein Köder war, um die Schergen Hideos von dem echten Schwert abzulenken. Dieses ist längst unbemerkt in Japan angekommen. Rick kann zwar den Gaunern entkommen, wird dabei aber schwer verletzt und von Yoshida aufgenommen und wieder aufgepäppelt.

Als Rick wieder bei Kräften ist, beschließt er, die Heimreise anzutreten, wird aber erneut von Hideos Mannen aufgegriffen und verpflichtet, das Schwert aus Yoshidas Besitz zu entwenden. Ein ordentlicher Batzen Geld verleitet Rick erneut, wider besseren Wissens ja zu sagen. Er erschleicht sich Zugang zu Yoshidas Besitz und gibt vor, von ihm in Karate unterrichtet werden zu wollen…

Achtung: Kill-Spoiler! Der Bodycount zum Film

„Wenn er in die Hölle will, lass ihn gehen“ besitzt unter Actionfans einen beinahe tadellosen Ruf. Auch bei seinem Kinorun in Deutschland 1983 sammelte er erstaunlich viele positive Stimmen, lief aber trotzdem eher schlecht. Ein Schicksal, dass er zuvor schon in den USA erleiden musste. Die Gründe dafür kann man nur erahnen, denn „The Challenge“, wie der Film im Original heißt, ist ein schwer unterhaltsamer Thriller des Experten für harte Männerstoffe John Frankenheimer („Ronin“, „French Connection 2“). Dieser zeichnet in seinem Film ein erstaunlich ausgewogenes Bild des Schauplatzes Japan. In seinem Film ist Japan ein Land im Aufbruch, irgendwie gefangen in einem Zwiespalt aus Tradition und Moderne, trefflich verkörpert durch die beiden verfeindeten Brüder:

Yoshida steht dabei für das traditionelle Japan. Er lebt nach festen Regeln und Ehrenkodizes ein Leben voller Training und Selbstbeherrschung in einer Art Parallelwelt, um die die Moderne einen großen Bogen zu machen scheint. Sein Bruder Hideo hingegen steht für den Fortschritt. Er lebt in einem gigantischen Gebäudekomplex, hochmodern (für damalige Zeiten) ausgestattet und ein kleines Wunderwerk in Sachen Design. Er bewegt sich nur in schwarzen Limousinen fort und lebt inmitten des aufkommenden Jetsets. Rick wird nun von Frankenheimer mitten in diesen Konflikt hineingeworfen und steht mehr oder weniger stellvertretend für den Rest der Welt staunend dabei, wie ein Land mit derartigen Gegensätzen überhaupt existieren kann. Er entscheidet sich bald für die traditionelle Seite des Konfliktes, auch weil diese ihm, dem hemdsärmeligen Amerikaner, dem Begriffe wie Ehre und Loyalität noch nicht vollkommen fremd sind, am vertrautesten erscheint.

Wenn er in die Hölle will, lass ihn gehen mit Scott Glenn

Boxer Rick stolpert in “Wenn er in die Hölle will, lass ihn gehen” in eine blutige Fehde.

Diese Eingewöhnungsphase nutzt Frankenheimer für ein paar nette Culture Clash Elemente. Etwa wenn Rick durch das pulsierende japanische Leben treibt, beinahe orientierungslos und verloren, verdeutlicht durch einen erstaunlich harten, stakkatoartigen Schnitt und hektische Kameraschwenks, die nach Orientierungspunkten zu suchen scheinen. Genauso orientierungslos erleben wir Rick bei einem Straßenfest, bei dem die Unterschiede zwischen Tradition und Moderne auf wenigen Quadratmetern aufeinanderprallen und ihn erneut orientierungslos zurücklassen. Eine witzige „Das isst der Japaner nun einmal gerne“ Szene findet man freilich auch in „Wenn er in die Hölle will, lass ihn gehen“. Und all das funktioniert erstaunlich gut. Und das ist auch wichtig, denn Frankenheimer zehrt zu Beginn sehr lange von den erwähnten Gegensätzen und der Faszination des Aufeinandertreffens verschiedener Kulturen.

Zwischendurch schaltet er zwar immer einmal kurz in den Actionmodus, hält sich aber noch deutlich bedeckt dahingehend, was den Fan noch erwarten wird. Die Keule holt er nämlich erst im Showdown heraus. Hier darf Yoshida gehörig durch Hideos Henchmen schnetzeln und er tut dies auch mit Inbrunst. Ihm zur Hilfe eilt irgendwann Rick, schwer bewaffnet mit automatischen Knarren. Nun wird Hideos „Festung“ unter großem Blutzoll genommen und am Ende stehen zwei beeindruckende Duelle. Zunächst treffen Hideo und Yoshida aufeinander und bestreiten einen starken, geerdeten und geradlinigen Fight mittels ihrer Familien-Katanas. Dann darf auch Rick gegen Hideo zeigen, was er bei Yoshida gelernt hat und Frankenheimer ändert komplett die Herangehensweise an die Action. Roh, ungeschliffen, hektisch und überstürzt knallen die Kontrahenten aufeinander und verwüsten nebenher ein ganzes Großraumbüro. Zudem wir der Fight zunehmend brutaler und hat einen wirklich üblen Finisher anzubieten.

The Challenge mit Scott Glenn und von John Frankenheimer

Dieses Schwert bringt viel Unheil…

All das inszeniert Frankenheimer sehr straight und geradlinig. Keine Nebenhandlung bläht seinen Plot auf. Die Figuren werden ordentlich umrissen, kleine emotionale Einlagen verstärken die Bindung zum Zuschauer. Einzig die enorme Rivalität zwischen Hideo und Yoshida wirkt ein wenig überzogen. Seine Darsteller hat Frankenheimer hervorragend im Griff. Einzig die wirklich üble Frisur Scott Glenns („Extreme Justice“) hätte ihm so nicht durchrutschen dürfen. Ansonsten geht Glenn in seiner Rolle richtig auf und kann sowohl die anfängliche Naivität und Unbedarftheit als auch die zunehmende Selbstsicherheit und Entschlossenheit seiner Figur hervorragend transportieren. Für den Kampfsportanteil des Filmes wurde er im Übrigen von Steven Seagal („Machete“) fit gemacht!

Als sein mentorhafter Trainer agiert ein souveräner Toshiro Mifune („Die sieben Samurai“), der trotz fortgeschrittenen Alters auch die physischen Seiten seines Jobs grandios absolviert. Bis in die Nebenrollen hinein ist „Wenn er in die Hölle will, lass ihn gehen“ hervorragend besetzt und funktioniert grandios. Ein weiterer Pluspunkt ist der sehr schöne Score von Jerry Goldsmith.

“Wenn er in die Hölle will, lass ihn gehen” bietet hartet Action

Abschließend sei gesagt, dass „Wenn er in die Hölle will, lass ihn gehen“ unlängst nach über 25 Jahren von der Liste der jugendgefährdenden Medien gestrichen wurde und nun sogar für Zuschauer ab 16 freigegeben von dem Label „Explosive Media“ erstmals offiziell und ungekürzt auf einer deutschsprachigen DVD veröffentlicht wird. Bild und Ton des Klassikers sind seinem Alter entsprechend und ganz ordentlich. Die bisherigen Fehlsekunden wurden im Originalton belassen. Endlich kann sich nun jeder Actionfan diesen Film ins heimische Regal stellen. Und es lohnt sich, erweist sich der Film doch auch 32 Jahre nach seiner Entstehung als spannende und gut geschriebene Unterhaltung, die mit harter Action, einem interessanten Japanbild, ordentlichen Darstellern und einer gelungenen technischen Umsetzung zu punkten vermag.

Die deutsche DVD erschien am 7. März 2014 von Explosive Media und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten. Abgesehen vom Film haben sich leider nur eine Bildergalerie und der Trailer auf die DVD verirrt. Ein nettes Booklet bietet ein paar hübsche Backgroundinfos. Inzwischen sind die Rechte zu Koch Media übergegangen. Die bieten „Wenn er in die Hölle will, lass ihn gehen“ seit dem 9. Mai 2019 auch auf Blu-ray an!

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Koch Media__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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