Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

Lady Bloodfight

Originaltitel: Lady Bloodfight__Herstellungsland: Hongkong__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Chris Nahon__Darsteller: Amy Johnston, Jenny Wu, Muriel Hofmann, Kathy Wu, Sharon Zhang, Chalinene Bassinah, Gary Chan, Lisa Cheng, Sunny Coelst, Dale Crawford, Andrew Dasz, Jai Day u.a.
Lady Bloodfight

Chris Nahon inszenierte “Bloodsport” mit Frauen: “Lady Bloodfight”.

Seit „Bloodsport“ wissen wir, dass in Hongkong in regelmäßigen Abständen Kampfsportturniere, sogenannte Kumites, abgehalten werden. In diesen messen sich die besten Kampfsportexperten aus aller Herren Länder. Und da die Gleichberechtigung auch im Kampfsport gelebt wird, gibt es natürlich auch Kumites für die Damenwelt. Behauptet zumindest Chris Nahon („Kiss of the Dragon“) in seinem brettharten Martial-Arts-Streifen „Lady Bloodfight“.

Vor nunmehr fünf Jahren standen sich die ehemals eng befreundeten Martial-Arts-Expertinnen Shu und Wai im Finale des Kumites gegenüber. Der Kampf dauerte einen ganzen Tag an und mündete in ein Unentschieden. Ein Ergebnis, mit dem beide nicht zufrieden waren. Die Ausrichter des Kumites boten ihnen deshalb an, dass sie bei zukünftigen Kumites als Betreuer von stellvertretenden Kämpferinnen indirekt gegeneinander antreten und ein Ergebnis herbeiführen könnten.

Seitdem sind beide Damen auf der Suche nach der idealen Fighterin, die sie trainieren und zum Kumite entsenden können. Nach fünf Jahren sind beide endlich fündig geworden: Wai trainiert die junge Ling und impft ihr die Geradlinigkeit und Härte des von ihr bevorzugten Stiles ein. Shu hat derweil die Amerikanerin Jane auserkoren und lässt diese eher die metaphysischen Ebenen des Kampfsportes entdecken. Techniken und Härte sind für sie eher zweitrangig.

Mit Shu und Wai als Trainer werden beide Damen zum Kumite zugelassen. Hier bekommen sie es aber nicht nur mit den härtesten Fighterinnen der ganzen Welt zu tun. Für alle vier Frauen wird dieses Kampfsportturnier eine Reise in die eigene, dramatische Vergangenheit…

Schon im Trailer klinken sich die Damen aus „Lady Bloodfight“ ordentlich eine ein

„Lady Bloodfight“ kann man mit Fug und Recht als „Bloodsport mit Damen“ umschreiben. Chris Nahon ahmt mit seinem Film beinahe akribisch den großen Urahnen des Turnierkloppers nach: Erst finden die Fighter ihre Trainer, werden von denen hart im Training rangenommen und irgendwann zum Kumite zugelassen. Hier kommt es zu engen Freundschaften und verbissenen Feindschaften mit anderen Kämpfern und am Ende steht der große Finalkampf. Sogar der Dim Mak kommt zum Einsatz. Doch Nahon räumt den persönlichen Verstrickungen der Figuren weitaus mehr Raum ein und schafft so auch einen dramaturgisch reizvollen Unterbau, der weit über das bloße Gekicke hinausgeht.

Dabei kann er sich vor allem auf seine gleichwohl hübschen wie kampfstarken und ordentlich aufspielenden vier Hauptdarstellerinnen verlassen, die ihre nicht sonderlich komplex gezeichneten Figuren überzeugend mit Leben füllen. Vor allem die Paarung Shu (Muriel Hofmann „Covert Operation“) und Jane (Amy Johnston „The Gate“) funktioniert prächtig und zieht mitten in den Film hinein. Man will wissen, was beide antreibt und man hofft, dass beide am Ende das bekommen, was sie sich erwünschen. Doch auch die vom Drehbuch als „Böse“ auserkorenen Wai (Kathy Wu „Motorway“) und Ling (Jenny Wu „Drown“) geben ein hübsches Pärchen ab und lassen den Zuschauer alles andere als kalt.

Das merkt man vor allem in den knallharten Fights. Hier verzieht man auch auf dem heimischen Sofa immer mal weder schmerzerfüllt das Gesicht, wenn einer der harten Punches einschlägt. Die Ladys von „Lady Bloodfight“ schenken sich nichts und langen roh und ungeschliffen hin. Die Choreografien von Xin Xin Xion sind direkt, geradlinig und absolut auf Effektivität ausgerichtet. Dem realistischeren Ansatz entsprechend wird auch nur in ganz wenigen Szenen an Seilen gezerrt. Auch Sprungkicks hat es eher weniger. Leider gehen in der ab und an etwas schnellen Montage die Feinheiten der verschiedenen aufgefahrenen Kampfstile etwas unter. Und ausgerechnet der finale Kampf ist ein wenig lasch ausgefallen.

Der Brutalitätsgrad ist aufgrund der gezeichneten Choreografie beachtlich. Beim Ground and Pound spritzt das Blut ordentlich. Diverse harte Treffer lassen ebenfalls Blutschwälle durch die Gegend schwappen. Wenn sich irgendwann wie in „American Samurai“ oder „Shootfighter 2“ mit Wushu-Waffen beharkt wird, kommen auch fiese Schnittwunden hinzu. Abseits des Kampfringes gibt es kaum Action zu verzeichnen. Wer sich also Ballereien und Autoaction von „Lady Bloodfight“ erwartet, sitzt vor dem falschen Film.

Regisseur Nahon, der vorwiegend auf eine schnelle und dynamische Bildsprache setzt, gelingen dank toller Kamerafahrten in Verbindung mit dem gelungenen Score immer mal wieder schön elegische Momente. Doch selbst diese können nicht verbergen, dass sein Budget eher schmal ausgefallen ist. So ist die Arena, in der die meisten Fights steigen, ein simples Hufeisen aus Schiffscontainern. Das passt zur vom Film intendierten Wirkung, ist aber nicht wirklich reizvoll anzuschauen. Witzigerweise wird die Firma, die die Container stellte, im Abspann als Sponsor genannt. Auch die beiden anderen „Arenen“ sind eher schmucklos geraten, sind allerdings vom Setting her nicht uninteressant: Eine ist schwimmend angelegt, die andere thront über den Dächern von Hongkong.

Von den ganzen abgeranzten Räumlichkeiten und Interieurs fange ich lieber gar nicht erst an. Erstaunlich wenig holt Nahon aus dem Schauplatz Hongkong heraus. Dagegen weiß die Behausung von Shu sehr zu gefallen. Gerade weil sie so aus den sonstigen eher tristen Sets herausragt.

„Lady Bloodfight“ ist ein würdiger Vertreter des Turnierklopper-Genres. Die simple, aber nicht dumm erzählte Story funktioniert, die Darstellerinnen sind sexy und knallhart zugleich, die Action rockt und die Fights sind äußerst ansprechend in Szene gesetzt. Es sind eher kleine Problemherde, die den Film immer mal wieder ein Beinchen stellen. So sind die Settings durch die Bank allesamt etwas billig angehaucht. Die Installation einer leicht psychopathisch rüberkommenden Kämpferin führt immer mal wieder ungünstig vom Hauptplott weg. Ab und an ist der Schnitt ein wenig zu flott geraten. Und vor allem gegen Ende übertreibt es das Drehbuch mit seinem Mystik-Getue. Im Großen und Ganzen kann man Regisseur Chris Nahon aber nur bestätigen, dass er seine Hausaufgaben in Bezug auf das Genre gemacht und einen äußerst ansprechend in Szene gesetzten Martial-Arts-Vertreter auf die Beine gestellt hat. Der knallt zwar nicht so geil wie des Regisseurs „Kiss of the Dragon“, langt aber dennoch amtlich hin!

7 von 10

Über eine deutsche VÖ ist mir bis dato nichts bekannt. In Großbritannien erschien der Streifen von dem Label Icon und ist mit einer Freigabe ab 15 ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label der UK-VÖ: Icon__Freigabe: ab 15__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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