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13

Originaltitel: 13__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2010__ Regie: Géla Babluani__Darsteller: Jason Statham, Alexander Skarsgård, Michael Shannon, Mickey Rourke, Emmanuelle Chriqui, Ray Winstone, Gaby Hoffmann, 50 Cent, Sam Riley, David Zayas, Ben Gazzara u.a.
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Mickey Rourke und Jason Statham beehren das Remake des französischen Streifens “13 Tzameti”.

„13 Tzameti“ ist ein französischer Streifen, der vor einigen Jahren einem echten Schlag in die Magengrube gleichkam. Er erzählte von einem Dachdecker, der, aus einfachsten und verschuldeten Kreisen stammend, das Haus eines heroinsüchtigen Mannes und seiner Tochter reparierte. Eines Tages erhielt der Mann einen Brief, der ihn freudig erregt verkünden ließ, dass es seiner Familie bald wieder besser gehen werde. Dieses Gespräch hörte der Dachdecker mit und seine Neugier in Sachen Briefinhalt war natürlich geweckt. Als sich der Hausherr kurz darauf versehentlich eine Überdosis setzt, sieht der Dachdecker seine Chance gekommen. Er entwendet den Brief. Darin enthalten: Ein Schließfachschlüssel.

Er macht das Schließfach ausfindig und findet darin einen weiteren Brief mit Anweisungen, wie er zu einem bestimmten Ort gelangt, und ein kleines Blättchen, auf dem die Zahl 13 prangt. Über alle möglichen Umwege gelangt der Dachdecker zu dem anvisierten Ort und landet in seiner persönlichen Hölle. Denn an diesem Ort setzen Reiche auf eine besonders pervertierte Form des russischen Roulettes. Teilnehmer Nummer 13: Der Dachdecker, der sich nun auch nicht mehr ohne weiteres davonstehlen kann. So oder so, sein Leben steht auf dem Spiel …

Dieser Film war ein Herzensprojekt seines Regisseurs Gela Babluani, der so gut wie ohne Budget mit seinem Bruder in der Hauptrolle die Geschichte in kontrastreichen und künstlerisch durchgeplanten Schwarzweißbildern umsetzte und die Filmwelt Staunen machte. Die einen waren von der formalen Radikalität wie weggeblasen, die anderen wurden von dem zelebrierten Zynismus förmlich von den Beinen gefegt. Und der Rest war nach dem Film fix und fertig mit der Welt, denn so heftig das hier präsentierte Bild des gelangweilten Menschen und seiner Perversionen auch ausfiel, es wirkte immer beängstigend real. Dazu passt auch, dass der in Frankreich gedrehte Film örtlich nie so recht eingeordnet werden konnte. Er wirkte wie universal, als könnte sich diese Geschichte jederzeit an jedem Ort abspielen. Eine beängstigende Vorstellung …

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Mickey Rourke stellt sein Glück auf die Probe.

Dieser radikale und unkonventionelle Film, der einen bis zum Ende packt und nicht mehr loslässt, nur um einen mit dem Gefühl totaler Hilflosigkeit in die Welt zu entlassen, fiel natürlich auch den Verantwortlichen in Hollywood auf. Schnell entwickelte man Remake-Pläne und die Qualität des Drehbuchs und des Originals schienen für viele Darsteller sehr verlockend. Mickey Rourke („Krieg der Götter“), Jason Statham („The Transporter“), Sam Riley („Control“), Ray Winstone („The Gunman“), Curtis Jackson („Escape Plan“), Ben Gazzara („Die Brücke von Remagen“), Michael Shannon („Man of Steel“) … nur einige Namen der im Remake versammelten kantigen Fressenparade! Und das Beste: Gela Babluani kehrte zu seinem Baby zurück …

Und er veränderte nicht viel. Die Namen wurden amerikanisiert, die Schauplätze ebenso (Es bleibt dabei erneut egal, wo das Ganze eigentlich spielt, denn wieder wirkt die Geschichte, als könnte sie sich auch jederzeit ums Eck abspielen.), der Einstieg wird deutlich beschleunigt, die finanzielle Situation der dachdeckenden Hauptfigur Vince verschärft, das Ende minimal dramatisiert (Stichwort: Mülleimer) und einige Nebenfiguren werden ein wenig mehr mit Informationen unterfüttert.

Die Folge daraus: Vince rückt mit Start des perversen Spiels in dem Remake deutlicher als im Original in den Hintergrund. Was aber nicht weiter schlimm ist, da Sam Riley als Vince alle verstörten Reaktionen seines Charakters auch extrem verdichtet hervorragend transportiert und die ganze Chose durch die Menschwerdung der Konkurrenten noch etwas weher tut als im Original. Im Original starben Nummern, hier sind es Menschen.

Dies kommt vor allem Mickey Rourke (dessen Figur es im Original nicht gab, genau wie jene seines Proteges, die von „50 Cent“ irre souverän gegeben wird) und dem Bruderpaar Jason Statham & Ray Winstone entgegen. Gerade die Menschwerdung des Bruderpaares liefert beiden Darstellern die Möglichkeit für ein paar großartige Szenen, in denen Winstone Statham vollkommen unerwartet nicht mühelos im Regen stehen lässt. Man muss aber auch sagen, dass Statham eine glückliche Hand bei der Rollenauswahl bewies, denn schon im Original waren die Brüder mit die reizvollsten Figuren des irren Treibens. Beispielsweise gelingt Babluani in seinem Remake die Schlussszene dank Statham noch einen Tacken spannender, nur weil er diesen ein paar belanglose Worte sagen lässt.

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Jason Statham in einer recht ungewöhnlichen Rolle.

Überhaupt, wer sich geniale Dialoge von „13“ erwartet, ist hier wie im Original im falschen Film. Es geht nicht darum, wer was sagt. Es geht alleine darum, wer was tut und wie er auf welche Situation reagiert. So baut der Film eine unerhörte Spannung auf, denn vorhersehbar ist hier wirklich rein gar nichts. Und spätestens bei den „Spielen“ weiß man eh nicht mehr, was passieren wird. Die „Spiele“ geraten auch im Remake nicht zu einem Splatterfest. Denn obgleich es Kopfschüsse im Minutentakt hagelt, findet Babluani immer Mittel und Wege, dies nicht bildhaft auszuschlachten. Wie im Original klappen die Leute ab und es spritzt erstaunlich wenig Blut … alleine, was sich in diesen Momenten im Kopf des Zuschauers abspielt, reicht, um diese Szenen ultrabrutal werden zu lassen.

Babluani geht stattdessen an anderer Stelle ins Detail: Er fokussiert mehr darauf, wie die degenerierten Reichen auf ihre „Pferde“ setzen und sie wie Vieh zur Schlachtbank treiben. Dieses „Vieh“ weiß durchweg (bis auf Vince!), was es da tut und die Kandidaten tun es aus „freien“ Stücken. Gezwungen werden sie nur von der Gesellschaft und ihrem Versagen in derselben. Schulden sollen abgebaut, Familien und Angehörige gerettet werden. Ein zynisches Weltbild … doch wie unreal mag es sein?

Der wesentlichste Unterschied zum Original ist, dass Babluani dank größerem Budget seinen Film in Farbe drehte. Allgemein dynamisierte er den Streifen etwas. „13“ ist nun schneller geschnitten, hat ein paar hübsche Kamerafahrten und wirkt dank der verwendeten Farbe nicht mehr gar so karg. Allerdings gelingt es Babluani trotz Farbe, dass seine Bilder nicht beliebig oder harmlos werden. Er mag weniger auf Kontraste setzen, dafür findet er hier genau die Einstellungen und Perspektiven, die eine ähnlich beklemmende Wirkung wie im Original erschaffen. Die starren Bilder von den verkrampft zu einer Lampe starrenden „Spielern“ sitzen wie im Original. Und wie im Original wirkt nichts an den Bildern irgendwie zufällig. Dementsprechend bestätigen die Darsteller im Extramaterial (im Übrigen wie die Darsteller beim Extramaterial zum Original!!!), dass für Babluani als erstes die Kamera komme, dann die Darsteller. Und diese Versessenheit merkt man den eiskalten Bildern seines Filmes an.

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50 Cent ist auch dabei…

Gibt es an „13“ denn nun gar nichts zu mäkeln? Schon, allerdings sind dies alles persönliche Empfindungen. Ich denke, der Film wird in seiner zynischen Weltsicht vielen aufstoßen. Und wenn dies passiert und man sich nicht auf den Film einlassen kann, wird man hier echte Mühe haben, durchzuhalten, zumal das Erzähltempo des Filmes ein ganz eigenes ist. „13“ wird angetrieben von Zynismus. Keine der Figuren geht geläutert aus dem Film. Die Spieler sind entweder tot oder geistig verkrüppelt, die Wetter werden nächstes Jahr wieder da sein und der Held der Geschichte? Nunja, seht selbst. Damit sind wir bei meinem einzigen echten Kritikpunkt in Sachen Remake: Ich persönlich empfinde Sam Riley in der Rolle des Vince als sehr stark. Aber er ist meines Erachtens vom Typ her der Falsche für die Rolle. Er wirkt auf mich zu sophisticated in der Rolle. Fast als stünde er ein wenig über den Ereignissen. Als könne er sich normalerweise locker aus allen üblen Situationen retten, in denen seine Figur steckt. Da wirkte der Darsteller des Originaldachdeckers aus „Tzameti“ deutlich mehr wie ein Allerweltstyp, der sich verzweifelten Situationen nicht so einfach entziehen konnte …

Von diesem Manko abgesehen, das Nichtkennern des Originals nicht einmal auffallen dürfte, ist auch das Remake ein offensiver Schlag in die Fresse unserer pervertierten Wohlstandsgesellschaft. „13“ zieht einen von Anfang an in seinen Bann, hält einen fest umschlungen, gönnt einem keinerlei Momente der Hoffnung oder Entspannung und tritt am Ende noch einmal so richtig nach. Getragen wird der Film von einer tollen Ensembleleistung, einem reduzierten, sehr eigenwilligen Score, großartig durchkomponierten, eiskalten Bildern und einer ordentlichen Portion Kopfkino, die einen fragen lässt, was man selbst wohl in einer solchen Situation machen würde. Die Antwort ist ein Gefühl der Ohnmacht … genau dieser fällt im Übrigen im Film die Staatsgewalt anheim, denn die läuft den Ereignissen nur hinterher, ohne irgendwie irgendwem helfen zu können. Der Weg zum Ende des Streifens ist infolgedessen so unkonventionell wie unvorhersehbar. In dem zynischen Weltbild des Filmes wird Glück allein zu einer Art antreibenden Moment für unser aller Leben. Und wie heißt es so schön: Jeder ist seines Glückes Schmied. Es ist nur blöd, wenn einem dies keiner gönnt. Oder um es in den Worten des Filmes zu sagen:

Leben oder Tod! Du bist am Drücker … Und für den Spieler hinter dir gilt das Gleiche!

Die DVD/Blu Ray zum Film kommt von Constantin Film mit einer FSK 16 Freigabe und ist ungeschnitten …

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Constantin Film__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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