| Originaltitel: Lost on a Mountain in Maine__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2024__Regie: Andrew Boodhoo Kightlinger__Produktion: Sylvester Stallone u.a.__Darsteller: Luke David Blumm, Paul Sparks, Caitlin FitzGerald, Griffin Wallace Henkel, Ethan Slater, Bates Wilder, Mason Cufari, Jacob Heimer, Laurent Rejto, Nancy Marie Nicosia u.a. |

Sylvester Stallone produzierte „Verloren in der Wildnis“.
„Verloren in der Wildnis“ erzählt die wahre Geschichte von Donn Fendler. Der ging 1939 als kleiner Junge in der Wildnis um den Berg Mount Katahdin verloren. Tagelang wurde nach ihm gesucht, was die bis dato größte Suchaktion des US-Bundesstaates Maine markierte. Diese Geschichte wurde in einem Sachbuch aufgearbeitet und nun auch als Film umgesetzt. Die Story packte Actionstar Sylvester Stallone („Alarum“) so sehr, dass er als Produzent fungierte.
Die Welt befindet sich Mitte 1939 im Chaos. Europa steuert auf den Zweiten Weltkrieg, was Auswirkungen bis in die USA hat. Donald, das Familienoberhaupt der Familie Fendler, wird von einer tiefen inneren Unruhe ergriffen. Der Vertreter reist für seinen Job beständig quer durch das Land und spürt am Verhalten der Menschen, dass die Welt vor einem Umbruch steht. Seine Unsicherheit und seine Angst bekommen vor allem seine Söhne Ryan und Donn zu spüren.
Die beiden befinden sich in einem steten Wettstreit um die Liebe ihres Vaters, der sie jedoch mehr und mehr von sich stößt. Als er einen mehrtägigen Angelurlaub in einen eintägigen Wanderausflug abwandelt, platzt Donn die Hutschnur. Passiv aggressiv nimmt er zwar an der Wanderung auf den Mount Katahdin teil, dabei kommt es jedoch zu einem folgenschweren Zerwürfnis. Donald kehrt aufgrund der sich drastisch verändernden Wetterbedingungen um.
Ryan und Donn jedoch klettern mit einem Führer weiter. Die Sicht wird immer schlechter, die Brüder beginnen sich immer heftiger zu streiten, bis Donn urplötzlich wie vom Erdboden verschollen scheint. Der Führer kehrt mit Ryan zum Fuße des Berges zurück. Entgegen seiner Hoffnung ist Donn nicht hier angekommen. Der ist vollkommen orientierungslos in der Wildnis unterwegs und kämpft mehrere Tage um sein Leben.
Sylvester Stallone produzierte ein Survival-Drama nach Tatsachen
„Verloren in der Wildnis“ ist eine Ode an die Willensstärke des Menschen. Donn macht über neun Tage hinweg die Hölle auf Erden durch. Die Wildnis ist nicht geneigt, ihm das Überleben einfach zu machen. Die Wetterbedingungen schlagen innerhalb von Sekunden um. Während die Versorgung mit Wasser gesichert scheint, hat Donn bei seiner Suche nach Essen durchweg wenig Glück.
Kleine Angelerfolge, die Schönheit der Natur und das zu Beginn unbekümmerte Wesen Donns lassen ihn seine verzweifelte Lage spürbar nicht als solche begreifen. Donn erlebt hier ein großes Abenteuer. Doch je länger es dauert, umso bedrohlicher wird die Lage. Parallel sind wir dabei, wie seine Eltern die Suche nach dem Jungen vorantreiben. Vor allem Donns Mutter mobilisiert ausdauernd Gott und die Welt.

Ryan und Donn wetteifern um die Liebe ihres Vaters.
Schade ist, dass die Spannung in „Verloren in der Wildnis“ trotz der packenden Survival-Ausgangslage arg auf Sparflamme köchelt. Es geht dem Film mehr darum, dass alle Figuren erkennen, was sie bislang falsch gemacht haben. Dass man also vom Geiste her wieder zusammenwächst. Entsprechend wird der Film in Richtung Finale immer meditativer. Beschwört Fabelwesen herauf und arbeitet mit Halluzinationen, um die Getrennten kurz wieder zu vereinen – damit sie erkennen, was sie aneinander haben.
Das ist emotional ganz stimmig in Szene gesetzt, lässt den Film aber ausgerechnet in Richtung Finale immer mehr an Zug verlieren. „Verloren in der Wildnis“ packt immer weniger. Zudem formuliert er unnötigerweise auch noch mehrmals aus, wie wichtig doch Glaube und Zuversicht für den Menschen seien. Auch dank der aufdringlichen Musik wird der Film zum Ende hin also nicht spannender, sondern sehr pathetisch. Und lässt so Körner liegen.

Donns Vater (weißes Hemd) und vor allem dessen Ehefrau stoßen eine umfassende Suchaktion an.
Inszenatorisch kann man „Verloren in der Wildnis“ keine Vorwürfe machen. Wenn Regisseur Andrew Boodhoo Kightlinger („Dust of War“) die Natur grimmig bebildern will, schafft er das mit kontrastarmen und entsättigten Farben mühelos. Doch der Regisseur feiert auch immer wieder die Schönheit der Natur. Jetzt dürfen die Farben knallen und eine anheimelnde Stimmung generieren. In diesen Momenten ist die Musik auch immer stimmig eingesetzt.
Interessant ist, dass Kightlinger darauf verzichtet, Donn zuviel über sein Seelenleben verraten zu lassen. Es gibt also keine Stimme aus dem Off oder zu viele Selbstgespräche. Kightlinger arbeitet zumeist rein über das, was man sieht. Als störend empfand ich die immer wieder eingeworfenen Interviews mit Zeitzeugen. Diese nehmen der Inszenierung immer mal wieder von ihrer Kraft, zumal sie nichts Erhellendes zum Film beitragen. Man hätte diese Momente sehr gerne im Abspann reichen können, mitten im Film zerstören sie ein wenig dessen Kohärenz.

Luke David Blumm als Donn Fendler in „Verloren in der Wildnis“.
Die Darsteller schlagen sich durch die Bank sehr gut. Luke David Blumm ist als Donn hervorragend und changiert überzeugend zwischen mal ausdrucksstarkem und mal zurückgenommem Spiel. Auch die anderen Kinderdarsteller im Film überzeugen. Als ambivalente Vaterfigur macht Paul Sparks („The Bikeriders“) einen guten Job, während Caitlin FitzGerald („The Trial of the Chicago 7“) als Mutter Fendler immer ein wenig zu aristokratisch und über den Dingen stehend agiert.
„Verloren in der Wildnis“ packt nicht wie erhofft
Prinzipiell bietet die Geschichte von „Verloren in der Wildnis“ viel Potential für einen spannenden Survival-Film. Doch Drehbuch und Regie drehen irgendwie nicht an den richtigen Reglern. Donns Überlebenskampf ist gefühlt einfach nicht packend genug. Auch und vor allem, weil der Film zu oft von ihm weggeht und die suchende Familie in den Fokus nimmt – ohne hier sonderliche Erkenntnisgewinne liefern zu können.
Trotzdem verfehlt die emotionale Komponente nicht ihr Ziel und so hilft es auf jeden Fall, den Film mehr als Familiendrama und weniger als Survival-Thrill zu begreifen. Wobei auch der Familiendrama-Part nicht so richtig funktioniert. Am Ende stehen sich der Familiendrama-Part und der Survival-Part immer mal wieder gegenseitig im Weg. Das bekommt man spätestens bei dem arg kitschigen Ende zu spüren, das nicht zündet, wie intendiert, weil man dafür nie genug in dem Film drin war. Gute Darsteller und eine feine technische Umsetzung bilden zumindest echte Pluspunkte.
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Der Film erschien am 14. Februar 2025 von dem Label Pandastorm Pictures ausschließlich auf DVD. Diese ist ungeschnitten ab 12 freigegeben. Ihr könnt den Film auch streamen. Ende Juni läuft er zudem bereits bei dem TV-Sender One.
In diesem Sinne:
freeman
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