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L’Avant Dernier

Mit dem Kurzfilm „L’Avant Dernier“ dreht Luc Besson die Grundlage für sein Spielfilmdebüt „Der letzte Kampf“. In dem Kurzfilm bekriegen sich Pierre Jolivet und Jean Reno als Überlebende in einer postapokalyptischen Welt.

Originaltitel: L’Avant Dernier__Herstellungsland: Frankreich__Erscheinungsjahr: 1981__Regie: Luc Besson__Produktion: Luc Besson__Darsteller: Pierre Jolivet, Jean Reno, Fabrice Roche, Luc Besson
L'Avant Dernier

Mit dem Kurzfilm „L’Avant Dernier“ drehte Luc Besson die Vorlage für sein Spielfilmdebüt „Der letzte Kampf“

Eigentlich wollte Luc Besson ja Meeresbiologe werden, doch im Alter von 17 Jahren erlitt er einen Tauchunfall, der ihm diesen Weg verbaute. Schnell entschied er sich für einen Job in der Filmindustrie, arbeitete als Regieassistent und drehte als Autodidakt den Kurzfilm „L’Avant Dernier“, der wiederum die Grundlage für sein Spielfilmdebüt „Der letzte Kampf“ werden sollte.

Wie die Langversion ist dies ist ein dialogfreier Schwarz-Weiß-Film, der in einer postapokalyptischen Welt spielt. Ein Mann hat Sex mit einer Gummipuppe, ein anderer kommt hinzu und erlegt die aufblasbare Gefährtin mit einem Brandpfeil. Der erste Mann rüstet sich aus, sucht nach seinem Angreifer. „L’Avant Dernier“, ebenso wie der englische Titel „The Penultimate“, bedeutet: der Vorletzte. Vielleicht ist der namen- und eigenschaftslose Protagonist der vorletzte Mensch auf der Welt, der nun darum kämpft, der letzte zu werden. Doch so genau ist das nicht klar, „L’Avant Dernier“ ist eher eine Stilübung als ein Erzählfilm, selbst wenn man den zeitlichen Rahmen von etwas mehr als elf Minuten Lauflänge mitdenkt.

Die Männer, die sich da gegenseitig ausrotten wollen, erinnern an Ritter, sind mit Pfeil und Bogen, einer Art Lanze und einer Art Streitkolben bewaffnet und stecken in selbstgebauten Rüstungen. Doch all diese Ausrüstung und Waffen besteht aus den Abfallprodukten einer zerstörten Kultur, aus Plastikabdeckungen, Schläuchen, Motorradhelmen usw., die man Marke Eigenbau zusammengeschustert hat. So klettern die Figuren auch über Müllhaufen und latschen durch Ruinen, durch die Reste der untergegangenen Zivilisation. Besson erweist sich hierbei als Stimmungsfilmer, fängt die Endzeitatmosphäre gut ein, ehe die Männer im Finale aufeinandertreffen und es zum Kampf auf Leben und Tod kommt.

Schaut euch „L’Avant Dernier“ an

Aber „L’Avant Dernier“ bleibt jede Einordnung des Ganzen schuldig – wer die beiden Männer sind, warum sie einander lieber töten als zusammenarbeiten wollen. Ist die Zerstörung der Gummipuppe ein gescheiterter Mordversuch oder bewusste seelische Grausamkeit unter Rivalen, welche lieber die Besitztümer des anderen zerstören als ihm diese zu gönnen? Damit bleibt „L’Avant Dernier“ offen für Interpretationen, aber auch unbefriedigend unkonkret. Es wirkt halt wie ein Übungsfilm für Kommendes – mit Blick auf die Langfilmversion im wahrsten Sinne des Wortes.

So ist es dann vielleicht eher interessant, dass schon einige regelmäßige Besson-Kollaborateure schon hier beteiligt waren. Sein späterer Stammkomponist Eric Serra („Subway“) schrieb hier seine erste Filmmusik, Jean Reno („Die Banden von Marseille“) spielt eine seiner ersten Rollen als Angreifer mit Pfeil und Bogen. Seinen Gegner verkörpert Pierre Jolivet („Zim and Co.“), der gemeinsam mit Besson das Drehbuch schrieb. Besson, Serra, Reno und Jolivet kehrten für „Der letzte Kampf“ in den jeweiligen Funktionen zurück, wobei Jolivet im späteren Karriereverlauf eher als Regisseur und Drehbuchautor denn als Schauspieler auftrat.

Von daher ist „L’Avant Dernier“ eher eine Fingerübung, eine Vorschau auf das, was Besson in „Der letzte Kampf“ speziell und in späteren Filmen im Allgemeinen machen sollte, denn vor allem Stil kann man dem Kurzfilm nicht absprechen. Allerdings bleibt es auch ein Stimmungsbild, das seine Welt eher optisch zeigt als sie inhaltlich erfahrbar zu machen, denn dafür ist das Ganze dann viel zu wenig ausgearbeitet.

„L’Avant Dernier“ wurde anscheinend noch nie auf DVD oder Blu-Ray veröffentlicht, ist auch nicht im Bonusmaterial der Veröffentlichungen von „Der letzte Kampf“ enthalten. Man kann ihn allerdings bei Videoplattformen wie YouTube finden.

© Nils Bothmann (McClane)

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