| Originaltitel: Influencers__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2025__ Regie: Kurtis David Harder__ Darsteller: Cassandra Naud, Emily Tennant, Jonathan Whitesell, Lisa Delamar, Veronica Long, Georgina Campbell, Dylan Playfair, Isabelle Perrodeau, … |

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CW is back! – und zwar in „Influencers“, der 2025er Fortsetzung eben jenes unterhaltsamen Tom-Ripley-for-the-Social-Media-Era-esken Psycho-Thrillers Kurtis David Harders, welcher nach einem achtbaren Festival-Run im Rahmen seiner Veröffentlichung als ein „Shudder Original“ im Jahr 2023 zu einem sowohl von Kritikern als auch Zuschauern geschätzten Hit für den US-Streaming-Dienst avanciert war. Mit Harder als Regisseur und Drehbuch-Autor sowie seinen beiden Leads erneut mit von der Partie, eröffnet das in Germany schlicht bloß plump „Influencer 2“ betitelte Sequel in Gestalt einer jungen Frau, die in einem südost-asiatischen Land (u.a. seitens nicht aufhören wollender Handy-Benachrichtigungen) offenkundig seelisch schwer aufgewühlt-belastet nach Hause rast – wo sie in der stylischen Berghang-Villa kurzerhand ein Küchenmesser ergreift und sich selbst die Kehle durchschneidet. Plötzlich fängt ihr niedergefallenes Phone zu läuten an – mit dem Namen Catherine Weaver auf dem Display aufleuchtend. Sogleich beginnt sie auf das Gerät zuzukrabbeln – doch gelingt ihr das nicht mehr: Sie verstirbt am Rande eines tollen Infinity-Pools – das viele Blut einen kräftigen farblichen Kontrast zur hellen Umgebung (Kleidung und Wasser inklusive) bildend…
Ein Song erklingt – upbeat und groovy: „Half Polite“ von Nicholas Franchise – während sich ein Übergang nach Südfrankreich hin vollzieht und wir prompt eine sichtlich gut gelaunte, entspannte CW (Cassandra Naud) zu sehen bekommen, wie sie die Uferpromenade Mentons entlang radelt, durch die idyllischen Gassen schlendert, vertraut mit Einheimischen plaudert sowie in ein Gebäude einkehrt, welches sich als das entpuppt, in dem sie wohnt – und das zusammen mit ihrer Freundin Schrägstrich Partnerin Diane (Lisa Delamar). Wie sie die Insel, auf der Madison sie ihrem Schicksal überließ, zu verlassen in der Lage war? Wird nicht thematisiert. Handelt es sich hierbei eventuell um ein Prequel? Nein, definitiv nicht. Zwölf Monate sind sie und Diane bereits ein glückliches Paar – und zur Feier dieses Jubiläums brechen sie nun gemeinsam zu einem romantischen Wochenende in einem luxuriös-ländlichen Château-Hotel auf. Für Diane ist sie übrigens Catherine – wobei ich sie aber dennoch durchgehend CW nenne. Für ihren Aufenthalt dort hatte sie ihnen ein besonderes Zimmer gebucht – allerdings wird ihr beim Einchecken mitgeteilt, dass ihnen jenes leider doch nicht zur Verfügung steht, da man es für einen Special Guest freimachen „musste“…
Widerwillig bezieht sie mit Diane – der das egal ist – also ein kleineres mit schwächerer Aussicht – bevor sie später dann am Pool den betreffenden „VIP“ kennenlernen: Die britische Travel-Influencerin Charlotte (Georgina Campbell). Und schlimmer noch: Sie ist gesprächig, beklagt sich bei CW über die Unterkunft und kommt prima mit Diane zurecht – was in einem Abendessen zu dritt (samt „der Androhung“ weiterer Unternehmungen) mündet. Hatte CW ihre Dämonen bis dato tatsächlich im Griff, schafft es Charlotte binnen weniger Stunden, diese wiederzuerwecken – und so lockt CW sie früh am nächsten Morgen zu einer alten Ruine nahebei, welche sie ihr als einen super Foto-Spot anpreist: Ein Ausflug, den sie nicht überlebt. Fortan fällt die Serien-Killerin in ihr früheres „Muster“ zurück: Mit der Leiche noch nicht gefunden, übernimmt sie Charlotte’s Socials – doch ist sie jetzt (in dieser Phase) ja nicht allein unterwegs; mit Diane die jähe Veränderung ihres Verhaltens nicht unverborgen verbleibend. Verunsichert, traurig und misstrauisch, sieht sich jene (daheim in Menton) von daher mal CW’s Laptop und Taschen genauer an und konfrontiert ihre Gefährtin stracks direkt mit dem, was sie dabei entdeckt – ihr gar nicht erst die Chance einräumend, ihr das „zu erklären“…
Etwas darauf – rund 30 Minuten nach Filmstart – gibt’s nun nochmals einen lässigen, mit dem Anbruch eines neuen Plot-Strangs verbundenen Track – Dan Kanvis: „No Feedback“ – und die Opening Credits von „Influencers“ erscheinen. Wie schon beim Vorgänger, war alles bis dato somit sozusagen ein umfangreicher Prolog – mit einem Abschnitt dessen ich im Vorliegenden allerdings nicht richtig warm geworden bin. Vorrangig lag das an Charlotte (als Figur) sowie an Georgina Campbell („Barbarian“) in der Rolle: Obgleich an sich jeweils zweckdienlich (verfasst und portraitiert), fehlte es mir da irgendwie an einem „markanteren Funken“. Erfreulicherweise vermag das Werk bald nach ihrem Tod zwei feine Sequenzen zu bieten: Eine, im Zuge derer eine sehr mit ihrem Handy beschäftigte Frau in der pittoresken Altstadt Mentons in CW’s Fokus gerät, sowie eine im Anschluss an Diane’s Herausfinden, dass CW sie belogen hat und vermutlich eine Mörderin ist. Der folgende Story-Wechsel bringt einen nun rasch auf Stand, was mit Madison (Emily Tennant) nach den Ereignissen in Thailand passiert ist, wo man sie für CW’s Verbrechen angeklagt hatte, da deren komplette Existenz nicht belegt werden konnte – sie allerdings aus Mangel an Beweisen freigesprochen wurde…
Wieder in Nordamerika, kehrte sie der Öffentlichkeit den Rücken – das aber nicht freiwillig, sondern weil viele ihr nicht glaubten; sie weiterhin für schuldig halten. Bis heute wird sie regelmäßig Anfeindungen deswegen ausgesetzt – hauptsächlich im Web – ergänzt um Telefon-Terror und solche Aktionen wie Pizza-Bestellungen an ihre Adresse, nachdem jemand sie gedoxt hatte. Eines Tages liest sie von dem Fall Charlottes – mit ihr auf Anhieb die Gemeinsamkeiten mit CW’s Modus Operandi gewahr werdend. Frustriert über das ihr Angetane sowie ohnehin gerade arm an Perspektiven, bucht sie sich spontan einen Flug nach Paris – von wo aus sie die letzten Stationen der Frankreich-Reise des Opfers (anhand ihrer hinterlassenen Posts auf „Insta“) abklappert; der Score von Avery Kentis („Incontrol“) mich da zeitweise an Kreationen von Trent Reznor und Atticus Ross erinnernd. Ihre Nachforschungen führen sie zu dem Château, sie erspäht CW auf einem Foto in jener Umgebung und kommt mit Diane’s Mutter (Isabelle Perrodeau) in Kontakt – von der sie erfährt, dass ihre Tochter sich auf Bali aufhalten würde; zusammen mit ihrer Freundin Catherine. Für Madison ist klar, dass es sich dabei um CW handeln muss – also geht’s für sie zügig auf nach Indonesien…
In inzwischen gewohnter Manier mit einem coolen Beat unterlegt – dieses Mal „Nextbot!“ by Harper – verlagert sich das Geschehen fortan auf jene paradiesische Insel im Indischen Ozean, auf welcher der Manosphere Streamer Jacob (Jonathan Whitesell) und die Conservative Social Media Influencerin Ariana (Veronica Long) in einer beeindruckenden Villa residieren, die man schnell als den Schauplatz des Einstiegs wiedererkennt; ebenso wie Ariana als das (irgendwann in Zukunft) im Innenhof ausblutende Mädel. Eines Abends mit seinem Buddy Cameron (Dylan Playfair) in einem Club auf der Piste, trifft Jacob auf Madison: Sie berichtet ihm von ihrer Suche nach CW und zeigt ihm ein Bild von ihr – und tatsächlich läuft er ihr nicht lange danach in einem Restaurant über den Weg; worauf er sie unverblümt auf das anspricht, was Madison ihr vorwirft. Zwar reagiert sie souverän – so, als würde sie keine Ahnung von all dem haben – ist aber durchaus überrascht und verunsichert, das derart konkret zu hören. In ihrer Bleibe zurück, überwindet sie geschwind diese „defensive Position“ – recherchiert rege und erarbeitet sich schrittweise einen Plan, um diese Situation möglichst schleunig und effizient zu meistern; Zeugen und Wissensträger loszuwerden…
Madison und CW begleitend – beidesamt simultan Jägerin und Gejagte – ist „Influencers“ von seiner Beschaffenheit her in verschiedener Hinsicht größer als Teil eins – u.a. seitens der Zahl der Länder, in denen er sich entfaltet, der Einbindungsform zentraler Nebenfiguren sowie der integrierten Themen-Bereiche; darunter spezielle „Online-Auswüchse“ von Toxic Masculinity, das verbreitete Faible für True-Crime-Fälle sowie die Nutzung moderner Technik für Dinge wie Cyber-Stalking, Manipulation und „Gesellschaft leisten“. Dass CW Image-Bearbeitung, Voice-Changer und Deepfakes zu verwenden weiß, ist ja bereits bekannt – und wird nun zudem noch etwa um ein Face-Swap-Videocall-Tool sowie einen individuell programmierten „virtual AI-Companion“ erweitert. Natürlich ist ein Maß an Suspension of Disbelief vonnöten, wenn es um ihre Computer-Skills und ihr Nichtentdecktwerden durch die Behörden geht – doch ist das prinzipiell völlig okay so; zumal der Streifen nicht frei eines Zackens an Humor (überwiegend dunkler Couleur) ist. Wie sie wohl der Insel zu entkommen vermochte, markiert z.B. einen augenzwinkernd-netten „Running-Gag“ – mit Harder im Ganzen eine gute Fun/Ernst-Balance bewahrend, die er zum Ende hin dann aber klar in eine Richtung ausschlagen lässt…
Dass Influencer eine lästige Plage sind, ist bekanntlich unbestritten – und Streamer (insbesondere die In-Real-Life-Sorte) sind häufig ja gar noch schlimmer: Nicht selten eitle Selbst-Darsteller, die für Clout und Geld allerlei Blödsinn reden oder tun sowie einem auf ihrem Gebaren basierend unweigerlich unsympathisch sind – erst recht wenn sie zu der Subkultur chauvinistisch-misogyner möchtegern-„Alpha Männer“ gehören; irgendwo in der Schnittmenge von tragisch-komisch, zum Fremdschämen und bedenklich (schließlich gibt es nicht wenige leicht beeinflussbare Typen, die auf Gestalten wie Andrew Tate, Myron Gaines oder Jacob hier hören). Für letzteren ist das aber eher eine Internet-Persona, die er für seine Follower nach außen kehrt: Im Grunde vertritt er das nämlich überhaupt nicht in jener Ausprägung, steht unter der Fuchtel Arianas (Stichwort: Cuck) und ist privat verhältnismäßig umgänglich. So blockt er CW’s Avancen direkt ab, als sie ihn zum Beischlaf zu animieren versucht, da er seiner Freundin nicht untreu sein will – unabhängig seines Wissens, dass sie mit anderen (in seinem Beisein) schläft; während sie sonst im Netz den Erhalt moralischer Werte beschwört sowie Sätze á la „The Gender Ideology Cult is coming for your Children!“ raushaut. Heuchlerei und falsche Fassaden: Satirisch – aber keineswegs realitätsfern…
Jonathan Whitesell („One Mile: Chapter 2“) bringt die zwei Gesichter Jacobs ordentlich rüber, Veronica Long („Bad Tenant“) portraitiert Ariana ergiebig bitchy und Emily Tennant („Open 24 Hours“) wird nun mehr abverlangt als im vorherigen Film: Madison lebt zurückgezogen, ist nicht mehr blond, hat unverschuldet ihre Karriere und ihren Ruf verloren – alles wegen CW. Sie wird quasi zu einer Impromptu-Ermittlerin – ihrer selbst willen sowie um den Leuten zu beweisen, dass sie sich jene perfide wie attraktive Killerin mit dem eigentlich ja deutlich in Erinnerung bleibenden Muttermal auf einer Wange nicht „ausgedacht“ hat. U.a. charismatisch und sexy, beschert uns Cassandra Naud („It’s a Wonderful Knife“) eine weitere hervorragend passende, gefallende Performance – wobei Harder ihren Part mit zusätzlichen (primär emotionalen) Facetten angereichert hat, die CW eine gewisse tragische Komponente verleihen; evidente Auswirkungen auf ihre Psyche inklusive. Das ihren Abscheu und die Mordserie einst ausgelöste Motiv wird allerdings weiterhin nicht gelüftet. Indes verkörpert Dylan Playfair („Mike & Nick & Nick & Alice“) den Bro-Sphere-Airhead Cameron „authentisch“ anmutend und mochte ich Lisa Delamar („Survive“) in der Rolle Dianes…
Nicht nur für sein nicht sonderlich hohes Budget sieht „Influencers“ klasse aus – was David Schuurman’s („What keeps you alive“) Kamera-Arbeit sowie den schicken, mitunter via Drohne eingefangenen Original-Schauplätzen in Menton, Paris und auf Bali zu verdanken ist: In CW’s Haus oben auf einem kleinen Berg würde ich bspw. auch gern mal verweilen. Die Lebensstile Jacobs, Arianas und Camerons mögen zu beneiden sein – ihre schadhaften Wesen dagegen nicht. Harder’s wechselnder Fokus verhindert zwar einen graduellen Suspense-Aufbau – nach 78 Minuten hat er sogar einfach mal eben noch eine sieben-minütige (sich aber lohnende) Rückblende eingebaut – doch sorgt das zugleich für Abwechslung und mündet schlussendlich in einem herrlich amüsant-campy-verspielt-brutalen over-the-Top-Finale, das Spaß macht – wenn man sich denn auf den betreffenden pulpy Ton einzulassen vermag – komplett mit dem fetzigen Song „Nice!“ von Xanakin Skywok, einem ruppigen Girlfight und einem zufrieden stellenden Ausklang (rund um einen Blick in eine Webcam). Unabhängig dessen, dass der Streifen durchaus was über diese jungen Menschen zu sagen hat, ist er in erster Linie darauf aus, einen zu entertainen – was ihm anständig gelingt; fast so gut wie seinem Vorgänger…
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Hierzulande ist „Influencers“ (unter dem Titel „Influencer 2“) auf DVD und BluRay erhältlich.
Stefan Seidl

(© Jackrabbit Media, Shudder & Plaion Pictures)
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| Copyright der „Influencers“ bzw. „Influencer 2“ Cover-/Postermotive und Pics: Jackrabbit Media / Captive Ent. / Shudder (US) / Plaion Pictures (D)__ Freigabe der dt. VÖ: FSK-18__ DVD/BluRay: ja/ja |





