Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Altitude – Die Hard in the Sky

Originaltitel: Altitude__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Alex Merkin__Darsteller: Denise Richards, Greer Grammer, Dolph Lundgren, Chuck Liddell, Jonathan Lipnicki, John Posey, Chelsea Edmundson, Jordi Vilasuso, Nick Principe, George Lako u.a.
Altitude

In England heißt “Altitude” “Hijacked” und wirbt mit Lundgren, der eine eher kleine Rolle inne hat.

Die streitbare FBI-Unterhändlerin Gretchen Blair missachtet bei einem Einsatz in Los Angeles mal wieder diverse Befehle und wird dafür in den Innendienst versetzt. Ihren neuen Job soll sie in Washington antreten. Als sie das Flugzeug in Richtung Hauptstadt der USA betritt, ahnt sie noch nicht, was für ein Höllenritt ihr bevorstehen wird.

Denn an Bord sind eine Handvoll Gangster, die von einem der Ihren aufs Kreuz gelegt wurden und sich von ihm die Beute des letzten Coups zurückholen wollen. Das ist gruselig und von den Zeitabläufen her wenig glaubwürdig konstruiert, aber hey, das hier soll nette B-Action werden. Also weiter im Text:

Als der Betrüger bemerkt, dass sich das Flugzeug mit rachsüchtigen Ex-Kollegen zu füllen beginnt, bietet er Gretchen, die sich ihm gegenüber im Small Talk als FBI-Agentin geoutet hat, an, ihr 50 Millionen auszuhändigen, wenn sie ihn nur lebendig aus dem Flugzeug heraus bekommt.

Schon der Trailer zu “Altitude” ist ein eher laues Lüftchen

„Altitude“ beeindruckt durchgängig mit seiner absolut wertigen Inszenierung! Der im breiten Widescreen daherkommende Streifen muss sich vor allem bei den Szenen in den Passagierbereichen des Flugzeugs vor großen Leinwandknallern wie „Non-Stop“ oder „Einsame Entscheidung“ nicht verstecken. Die Kamera schwebt behände durch die Gänge, das Setting ist stilvoll und glaubwürdig aufgemacht und die altbekannten Klischees (rausfallende Atemmasken und dergleichen mehr) haben andere Filme auch nicht besser inszeniert.

Großartig sind vor allem jene höchst unerwarteten Szenen, in denen plötzlich Bildcollagen mit Wagners „Ritt der Walküren“ oder dem dank „True Romance“ unvergesslich gewordenen „The Flower Duet“ untermalt werden. Der erste Auftritt von Dolph Lundgren in Zeitlupe und untermalt von einem coolem Musikstück rockt ebenfalls tierisch!

Auch die Außenansichten vom fliegenden Flugzeug sind vor allem zu Beginn saustark. Gegen Ende mehren sich hier diverse misslungene Effektshots, doch selbst diese sind denen vergleichbarer B-Produktionen noch haushoch überlegen. Leider wird das Setting des Flugzeugs nicht vollkommen ausgenutzt. In den tieferen Innereien wird beispielsweise nicht ein einziges Mal herumgeturnt.

Mit der Inszenierung kann vor allem die Geschichte niemals wirklich mithalten. Diese ist einfach zu Tode konstruiert. Wirkt leblos und schal. Und leidet an einer höchst blassen Heldin. Denise Richards („Wild Things“) nimmt man zwar das FBI-Hascherl durchaus ab, die kampfkräftige Amazone allerdings nicht so wirklich. Was auch daran liegt, dass ihre Kampfeinlagen mit den Lumpen über keinerlei Impact verfügen. Interessant ist eigentlich nur, dass ein seltsam zögerlich installierter männlicher Sidekick eine ziemliche Lusche ist.

Ein echtes Problem ist, dass die Gegnerschar viel zu klein ist und schon früh äußerst empfindlich ausgedünnt wird. Hier verzeichnet man zudem ein paar ungünstige Drehbuchentscheidungen. So wird Dolph Lundgren („The Demon Hunter“) einfach ins Cockpit verbannt! An jedweder Action hat der Schwede so keinerlei Anteil. Er zieht den ganzen Film über nur am Höhenruder und das war es schon. Auch der zweite, actiontechnisch nicht unbeleckte Fieswichtstar Chuck Liddell (den Lundgren schon aus „Riot“ und „War Pigs“ kennt) wird komplett verschenkt.

In den Mittelpunkt rückt dafür TV-Sternchen Greer Grammer, die mit eingefrorener Mimik eine herrlich fiese Lumpin abgibt. Diese untypische Umkehr der Geschlechterrollen auf Helden- als auch Lumpenseite in einem mit Lundgren besetzten B-Streifen ist denn auch das reizvollste Handlungselement an „Altitude“. Der hat vor allem im Mittelteil mit enormem Leerlauf zu kämpfen und tut sich schwer, die Story überhaupt am Laufen zu halten.

Das haben wohl auch die mal eben drei Drehbuchautoren bemerkt und wagen am Ende die Flucht nach vorn. Und heben dabei komplett ab. Auf ungünstige Weise. Der bisher recht geerdete „Altitude“ reiht plötzlich seltsame Idee an seltsame Idee und verhebt sich dabei gründlich. Er wird grob unlogisch und das ganz ohne Not. Der absolute Abschuss dahingehend ist die Szene, in der mal eben 200 Passagiere evakuiert werden. Man fragt sich wirklich, wer auf solch unfassbar dumme Szenen kommt.

Kurzum: Mit ein paar hübschen Szenen baut „Altitude“ zu Beginn durchaus Interesse auf Seiten des Zuschauers auf. Die erstaunliche gute Inszenierung befeuert das nur. Doch das Interesse verflacht aufgrund diverser blöder Drehbuchentscheidungen extrem. Der Film verliert spürbar an Zug und Tempo und generiert in seinem Mittelteil einiges an Langeweile. Das liegt vor allem daran, dass „Altitude“ niemals eine wirkliche Bedrohungssituation etabliert. So sind die Passagiere des Fluges niemals wirklich in Gefahr. Sie werden nicht einmal von den Lumpen bedroht! Genauso saft- und kraftlos ist die Heldin der Chose. Ihr fehlt es an Kampfeswillen und Forschheit. Der Action fehlt es infolgedessen an Durchschlagskraft und Konsequenz. Brutalitäten gibt es keine weiter zu bestaunen. Blutiger wird es auch nie. Und Spannung kommt auch keine auf. Tja, und dann verdirbt es sich der Film mit seinem krampfig auf Knalleffekt getrimmten, blöden und tricktechnisch im Vergleich zum Rest ziemlich misslungenen Finale so richtig mit dem Zuschauer.

4 von 10

Über eine deutsche Veröffentlichung ist mir bislang nichts bekannt. In UK erschien „Altitude“ als „Hijacked“ auf DVD von dem Label 101 Films und wirkt mit einer Freigabe ab 15 ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label der UK-VÖ: 101 Films__Freigabe: ab 15__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

Tagged as: , , , , , , , , ,

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 5198492 andere Actionnerds