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Black Water

Originaltitel: Black Water__Herstellungsland: Kanada, USA__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Pasha Patriki__Darsteller: Jean-Claude Van Damme, Dolph Lundgren, Patrick Kilpatrick, Jasmine Waltz, Al Sapienza, Cathal Pendred, Kris Van Damme, Tandi Tugwell, John Posey, Tom DeNucci u.a.
Black Water DVD Cover

Jean-Claude Van Damme und Dolph Lundgren metzeln sich in “Black Water” durch ein U-Boot.

1992 kreuzten sich die filmischen Wege von Dolph Lundgren und Jean-Claude Van Damme erstmals in Roland Emmerichs US-Debüt „Universal Soldier“. In dem knallharten Sci-Fi-Actioner waren sie sich spinnefeind und kultivierten auch abseits der Dreharbeiten eine marketinggerechte Feindschaft. Es brauchte 17 Jahre, bis man wieder gemeinsam drehte. Ergebnis war die starke Universal-Soldier-Fortsetzung „Universal Soldier: Regeneration“, in der sich die Charaktere der beiden Darsteller erneut nicht grün waren.

In dem Actionhelden-Mash-Up-Deluxe „Expendables 2“ stand man 2012 wieder auf verfeindeten Seiten, nur um sich im gleichen Jahr dann endlich anzunähern. Denn in dem brettharten Action-Meisterwerk „Universal Soldier: Day of Reckoning“ verfolgten Lundgren und Van Damme erstmals in einem Film zumindest ähnliche Ziele. Danach ging man sich wieder sechs Jahre aus dem Weg, nur um 2018 dann doch den finalen Schritt zu wagen: Dolph Lundgren und Jean-Claude Van Damme kämpfen Seite an Seite in einem B-Actioner. Und da sage noch einer, Happy Ends seien aus der Mode gekommen. Das Blöde: Das erste friedliche Miteinander ist gleichzeitig die schlechteste Kollaboration der beiden. Mit Abstand…

Wheeler, ein Deep-Cover-Agent einer Regierungsbehörde, erwacht in einer fensterlosen Zelle. Er erhebt sich und beginnt desorientiert herum zu schwanken. Irgendetwas scheint seinen Gleichgewichtssinn immer wieder zu stören. Er krümmt sich und ruft verzweifelt ins Dunkel des Raumes, was hier los sei. Da meldet sich ein Zellennachbar. Es werde noch etwas dauern, bis Wheeler sich an die Bedingungen tief unter dem Meeresspiegel gewöhnt habe.

Der Zellennachbar, der sich als Marco vorstellt, erklärt dem ungläubigen Wheeler, dass er sich an Bord eines U-Bootes befände, in dem die US-Regierung all jene verschwinden lasse, die ihr gefährlich werden könnten. Wheeler ahnt sofort, warum er in dem U-Boot gelandet sein könnte, ist er doch im Besitz zweier Dongles mit Papieren, die die nationale Sicherheit gefährden. Da tauchen auch schon die Wachen des unterseeischen Gefängnisses auf, welches sie selbst als „Guantanamo 2“ bezeichnen. Wheeler ahnt, dass die nächsten Stunden wenig erquickend ausfallen könnten.

Ein paar Foltereinheiten später gelingt es Wheeler, sich zu befreien. Und er setzt alles daran, von dem U-Boot herunterzukommen…

Schaut in “Black Water” mit Dolph Lundgren und Jean-Claude Van Damme hinein

Prinzipiell will man „Black Water“ ob seiner simplen Story wirklich gut finden. Was wurden wir B-Fans schon mit wild ausufernden Storys gequält. Die Begeisterung hält sich dann aber doch in Grenzen, da „Black Water“ seine dünne Handlung nicht gut verkauft. Während der Film stark startet und in eine schöne Actionszene mit handgemachten Trefferwirkungen in Interieurs, Autos und Lumpenpack mündet, bei der Jean-Claude Van Damme mit Sturmgewehr wirken darf, sind die folgenden 30 Minuten Film eine Ansammlung uninteressanter Dialoge.

Darin geht es zum einen um das U-Boot und zum anderen um die Dongles. Ersteres ist noch ganz nett, aber arg dünn, zweiteres installiert dann eines der langweiligsten MacGuffins der jüngeren Filmgeschichte. Datenträger mit wichtigen Papieren, die mal wieder jeder will? Hach nein, wie aufregend. Damit der Film nicht vollends zum Stillstand kommt, feuert Regie-Debütant und Kamera-Ass („Gridlocked“) Pasha Patriki direkt mal einen Twist ab, der null zündet, weil man die bisher agierenden Figuren und deren Motivation eh noch nicht kapiert hat. Zumindest weiß man nun eines: Alle wollen Wheeler ans Leder. Ist ja schonmal was…

Zudem nimmt Wheeler die allgemeine Verwirrung zum Anlass, den nichtssagenden Laber-Marathon zu beenden und endlich zu flüchten. Hier etabliert Pasha Patriki erst einmal eine beachtliche Grundhärte. Wann immer in dem U-Boot Waffen zum Einsatz kommen, wird es rüde: Blut klatscht an Wände, auf Fußböden oder direkt in die Gesichter dahinterstehender Charaktere. Es wird in so gut wie alle Körperpartien geballert. Messer werden in Hälse und Extremitäten gerammt. „Black Water“ macht keine Gefangenen und präsentiert die Bluttaten frei von CGIs. Ein riesiger Pluspunkt!

Black Water Jean-Claude Van Damme als Wheeler

Jean-Claude Van Damme nutzt gerne mal größere Kaliber.

An die Flucht schließt sich der zu erwartende Part an, in dem Van Dammes Wheeler im Inneren des U-Bootes nass durchwischt und diverse Lumpen umnietet. Die Konfrontationen sind dabei ordentlich über den Film verteilt und in dem Stil gehalten wie die Eingangsballerei und die Flucht Wheelers: Also erstaunlich hart und blutig und trotz beengten Schauplatzes nett choreografiert. Leider lässt Wheeler seine Handkanten so gut wie nie sprechen. Nur wenn Van Damme mal wieder auf seinen Sohn Kristopher stößt (wie unter anderem in „Kill ’em All“) gibt es einen kurzen Martial-Arts-Fight, bei dem der Sohnemann Van Damme durchaus die Show stiehlt.

Klingt doch alles ganz gut? In Bezug auf die Action mag da eine Menge passen. Aber zwischen den Actioneinlagen, die durchgehend eher kurzer Natur sind, wird leider (zu) viel gelabert. Und es will einfach nichts passieren, was die Spannung irgendwie pushen könnte. Dazu kommt, dass die gebotenen Settings als „U-Boot“-Kulisse total versagen. Ein so geräumiges, riesengroßes und weitläufiges U-Boot habe ich noch nie gesehen. Dazu eines, in dem kaum Rohre verlaufen, in dem es keine Schotts, keine Ventile und dergleichen mehr gibt. Im Befehlsstand des Kapitäns gibt es nicht einmal ein Periskop!

Zudem hat man schnell den Eindruck, in dem U-Boot müssten mehrere Gänge autark voneinander und parallel zueinander verlaufen, da Wheeler und seine weibliche Begleitung Cassie so gut wie nie Wachen begegnen. Dabei hirschen die enorm viel durch das U-Boot. Zudem fragt man sich, wieso die Lumpen nicht einmal im Film auf den Gedanken kommen, den dann doch ziemlich begrenzten Schauplatz einfach mal richtig zu durchsuchen. Witzig ist auch, dass Besatzungsmitglieder, die vom Heck zum Bug laufen, nicht den Flüchtigen begegnen.

Black Water mit Dolph Lundgren

Dolph Lundgren setzt da lieber auf wuchtige Schwinger.

Kurzum: In Sachen Schauplatz bekommt man hier wirklich einiges zu schlucken. Es macht auch irgendwann den Eindruck, als habe man sich diverse Optionen offenhalten wollen. So nach der Devise: Wir können das Gefängnis auch auf einer Ölbohrplattform (zu der die gebotenen Sets definitiv mehr passen würden) oder einem Riesentanker unterbringen. Da es den Ölplattformknast aber schon in „Face/Off“ und den Schiffsknast schon in „Escape Plan“ gab, nahm man halt das U-Boot und ergänzte ein paar Stock-Footage-Aufnahmen von U-Booten und ein paar billig anmutende Effektshots.

Erstaunlicherweise bleibt man auch von den typischen U-Boot-Klischees verschont. Es gibt keine Gefechte mit anderen U-Booten, keine Wassereinbrüche, kein ungeplantes Absinken, keine Heldentode von Besatzungsmitgliedern in gewasserten U-Boot-Räumlichkeiten und auch das gewohnte Knarren des U-Boot-Körpers unter Wasser hört man hier nie. Das Schlimmste: All diese Momente hätten dem Film vermutlich nicht einmal geschadet.

Einfach weil das kopflose Herumgerenne von Wheeler und Co. sowie seiner Verfolger einfach nicht packt und eben auch gar keine Spannungsmomente aufkommen. Immer wenn man droht, einzunicken, lässt der Film seine Akteure wild herumballern (in mehreren hundert Metern Tiefe… wird schon nix passieren) und blutig verrecken.

Ich weiß, lieber Leser, du hast zwar weitergelesen, aber in Wirklichkeit hängst du noch in der Zeile fest, in der ich schrieb, dass Wheeler mit einer Dame namens Cassie unterwegs sei. Seitdem überlegst du, ob Lundgrens Marco in dem U-Boot einer Geschlechtsumwandlung unterzogen wurde, oder ob der Autor dieser Zeilen ob seiner Enttäuschung über den besprochenen Film bei einem Internetporno mit einer Akteurin namens Cassie hängengeblieben ist und jetzt etwas durcheinander gebracht hat.

Black Water mit Dolph Lundgren und Jean-Claude Van Damme

Gemeinsam sind sie unschlagbar!

Leider ist dem nicht so. Denn Dolp Lundgren spielt in „Black Water“ eine absolut marginale Rolle. Erst nach 68 Minuten wird der Schwede von Van Damme befreit. Bis dahin war er nur für wenige Sekunden zu sehen. Richtig absurd wird es, wenn Lundgren nach der Befreiung gerade mal 15 Minuten mit Van Damme durch das U-Boot latscht und sich dann einfach wieder verabschiedet, als habe er noch etwas Besseres vor. Weit vor dem Showdown. In dem U-Boot… Echt schräg.

Da schluckt man als Fan schon ordentlich. Zumal Lundgren mit seinem stets verschmitzten Lächeln dem Film richtig gut getan hätte. Seine 15 Minuten mit Van Damme sind die unterhaltsamsten im ganzen Film. Wenn er beispielsweise dem Belgier bei einem Telefongespräch mit den Lumpen immer wieder in den Unterleib schlägt, bleibt auch ob der ungläubigen Reaktionen Van Dammes kein Auge trocken. Es ist wirklich eine Schande, dass „Black Water“ nicht durchgehend auf diese Paarung gesetzt hat – wie es uns ja eigentlich versprochen wurde.

Zumindest punktet Lundgren in seinem Kurzauftritt also mit viel Charme, während Jean-Claude Van Damme den ewig harten Hund im Standgas runterspult und solide agiert. Mehr aber leider auch nicht. Seine Co-Stars bleiben durch die Bank absolut nichtssagend. Nicht einmal Patrick Kilpatrick, Van Dammes Gegner in „Mit stählerner Faust“, hinterlässt irgendeinen Eindruck.

In technischer Hinsicht bietet „Black Water“ solides Direct-to-Video-Mittelmaß, bei dem aber ab und an die Kameraführung ein wenig zu hektisch geraten ist. Was gefällt, ist die eingesetzte Komplementärfarben-Optik, die die Handlung im U-Boot dominiert. In selbigem wird auch gerne mal mit harten Schatten gearbeitet, was ebenfalls zu gefallen weiß. In manchen Actionszenen überrascht zudem der Soundtrack mit coolen Soundteppichen! Vor allem bei der ersten Actionszene in und um ein Motel rockt die Musik schon schwer.

Das Van-Damme-Lundgren-Team-up “Black Water” hält nicht ansatzweise, was es verspricht

Was am Ende bleibt, ist ein B-Movie, das auf dem Papier eigentlich das Potential für einen unterhaltsamen kleinen Actionkracher hatte. Doch viele Versprechungen kann „Black Water“ einfach nicht einlösen. Die schlank tönende Story wird total spannungsbefreit runtergespult und entwickelt keinerlei Drive oder Eigendynamik. Viele der lancierten, absolut egalen Dialoge des ohnehin zu langen Streifens strapazieren die Geduld des Zuschauers. Die Handlungen der Akteure und deren unkoordiniertes Handeln in dem U-Boot erst recht.

Selbiges ist sowieso eine einzige Farce. Ein derart unglaubwürdiges Setting hatten nicht einmal die Michael-Dudikoff-Billigheimer „Crash Dive“ und „Crash Dive 2“. Selbst das U-Boot in der Lundgren Gurke „Agent Red“ ist glaubwürdiger und hatte wenigstens ein Periskop!!! So punktet „Black Water“ letzten Endes nur bei zwei Filmbestandteilen: Seiner blutigen, brutalen sowie handgemacht und versiert in Szene gesetzten Balleraction. Und in Sachen Actionhelden-Cast. Auch wenn genau dieser Punkt aufgrund der viel zu kurzen Screentime Lundgrens viele Fans enttäuscht zurücklassen wird, ist die gemeinsame Szenenfolge zwischen beiden Actionveteranen alleine das Sichten von „Black Water“ wert.

4 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erscheint am 22. Mai 2018 von Koch Media und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten. Extras zum Film findet man abgesehen von Trailern keine.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Koch Media__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__ Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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