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Blue City

Originaltitel: Blue City__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1986__Regie: Michelle Manning__Drehbuch: Walter Hill, Lukas Heller__Darsteller: Judd Nelson, Ally Sheedy, David Caruso, Paul Winfield, Scott Wilson, Anita Morris, Luis Contreras, Julie Carmen, Allan Graf, Hank Stone, Tommy ‘Tiny’ Lister, Rex Ryon u.a.
Blue City

Walter Hill war als Produzent und Drehbuchautor an „Blue City“ beteiligt, einem Großstadtwestern mit Judd Nelson in der Hauptrolle

Zwei ehemalige Brat Pack Stars unter der Regie einer Regisseurin, die danach nur zwei Folgen „Miami Vice“ und eine Episode der „Freitag, der 13te“-TV-Serie runterkurbelte – das war ein finanzieller Flop und gab fünf Nominierungen bei den Razzie Awards.

Perfekt mag „Blue City“ auch nicht sein, aber diese Häme hat der Film mit Walter Hills sicherer Produzentenhand im Hintergrund nicht verdient. Schon der Beginn zeigt den Einfluss Hills, wenn Billy Turner (Judd Nelson) in diesem Kleinstadtwestern mit dem Bus anstelle der Postkutsche ankommt, während sich Ry Cooder im Hintergrund einen zurechtklampft, es folgen typischen Merkmale wie eine Kneipenschlägerei, die Nacht im Kittchen und das Abholen des eigenen Motorrades (anstelle des Pferdes), ohne das der Stadtcowboy nicht komplett wäre.

Racheplots waren damals wieder im Kommen, der Teeniefilm eh schon etabliert und so schrieb Walter Hill, der auch für das Script mitverantwortlich war, Ross Macdonals Romanvorlage so um, dass der Held nun ein junger Mann ist, ein Draufgänger ohne festen Job, der an sich nur Daddy besuchen wollte (oder sich zumindest von ihm nach der Schlägerei aus dem Knast holen zu lassen), doch er erfährt vom Polizeichef Luther Reynolds (Paul Winfield), also dem Sheriff des Großstadtwesterns, dass sein Vater ermordet wurde. Ganz im Sinne des Actionkinos der 1980er ist der offizielle Polizeiapparat bisher unfähig gewesen den oder die Täter zu schnappen.

Billy sinnt auf Rache und sein erster Verdacht fällt auf den halbseidenen Gangster Perry Kerch (Scott Wilson), der nun seine Geschäfte in Blue City betreibt. Heißsporn Billy beginnt einen Privatkrieg vom Zaun zu brechen…

Blue City

Billy Turner (Judd Nelson) will den Mord an seinem Vater aufklären

Hier springt also die Besetzung von Werken wie „Breakfast Club“ und „St. Elmo’s Fire“ umher, da ist es mit der Credibility schon etwas schwer, doch „Blue City“ ist in der Abteilung überraschend gut: Judd Nelson („Nurse 3D“) spielt den Helden als Heißsporn zwischen Junge und Mann, er wird nie zum Actionhelden, sondern fuchtelt meist nur mit der Waffe rum. Ally Sheedy („Wargames“) hingegen gibt das Mädel, das noch im ersten Job ist und sich auch erst ans Erwachsensein gewöhnen muss, während David Caruso („King of New York“) als ihr älterer Bruder und bester Freund des Protagonisten auch typische Kleinstadtjungenschicksal (körperliche Arbeit nach Ende der Higschool) recht glaubwürdig verkörpert. Paul Winfield („Street War – Straßen der Gewalt“) als Polizeichef liefert eine herrlich relaxte Performance ab, während Scott Wilson („Johnny Handsome“) bestimmte Gangsterklischees bewusst auf die Spitze treibt, was ihn als potentiellen Fiesling schwächt, den Film aber auflockert.

In diesem Sinne sind auch die Sprüche Billys zu verstehen, der seinen Privatkrieg fast wie ein Lausbub angeht (nach der Sprengung von Kerchs Auto muss er diesem mehrfach ins Gesicht reiben, dass er es war) und dabei mit losem Mundwerk vor sich hin plappert („I’m new at this, I’m a bank robber trainee“). Doch trotz dieser komödiantischen Momente gibt sich „Blue City“ keinesfalls der postmodern-ironischen Perspektive hin, es liegt auch einiges an Härte und Kälte in Westerntradition in dem Film, denn der anfangs noch amüsante Privatkrieg fordert irgendwann auch Todesopfer.

Blue City

Dabei bedient sich Billy durchaus rabiater und nicht ganz legaler Methoden

Dabei ist es konsequent, dass Billy nie so richtig derbe loslegt, die Actionszenen also auf dem Teppich (und damit glaubwürdig) bleiben, andrerseits hätten einige Schauwerte mehr dem Film durchaus gut getan. Gerade dem Finale fehlt der Knalleffekt und den hätte „Blue City“ durchaus brauchen können. Zumal die unterkühlte Neon-Noir-Inszenierung genug „Miami Vice“-Flair atmet, um auch mal eine größere Ballerei verantworten zu können.

„Blue City“ sieht aber schick aus, wenngleich das Drehbuch nur bedingt preisverdächtig ist. Die Westernallegorien und die Sprüche kann man begrüßen, die obligatorische Romanze zwischen Billy und Annie (Ally Sheedy) hätte man aber mit etwas mehr Elan runterfrühstücken können und an mancher Stelle ist der Film etwas vorhersehbar. Trotz des eskalierenden Privatkriegs zweier Egos wird lange Zeit offen gelassen, ob Kerch tatsächlich der Vatermörder ist, doch das Handeln einer bestimmten Figur und die von Annie gesammelten Informationen nehmen die Auflösung schon vorweg, 10 bis 20 Minuten bevor der Film sie am Ende enthüllt. Und natürlich gibt es das Klischee, dass der beste Freund oder die Freundin des Helden schwer verletzt, entführt und getötet werden müssen, ehe es zum Showdown kommt, und da bedient „Blue City“ das Genre recht vorhersehbar.

Doch trotz seiner Makel kann man „Blue City“ als stilistisch interessanten Stadtwestern rezipieren, der dank einiger Schauwerte, der unterkühlten Inszenierung und einiger flotter Sprüche durchaus Kurzweil bietet – zumal man die Brat Pack Stars Judd Nelson und Ally Sheedy in Rollen sehen kann, die bewährte Vorgängerparts aufgreifen und doch variieren.

Knappe:

Hierzulande ist der Film bisher nur auf VHS erschienen und ungekürzt ab 16. In den USA gibt es eine DVD von Paramount.

© Nils Bothmann (McClane)

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