Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Chillerama

Originaltitel: Chillerama__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2011__Regie: Adam Green, Joe Lynch, Adam Rifkin, Tim Sullivan__Darsteller: Richard Riehle, Adam Rifkin, Ray Wise, Sarah Mutch, Eric Roberts, Owen Benjamin, Joel David Moore, Kristina Klebe, Kane Hodder, Lin Shaye u.a.
Chillerama

Die ultimative Hommage ans Autokino und den dort zelebrierten B-Horror: “Chillerama” mit Eric Roberts

Ein Friedhof. Ein Typ gräbt die Leiche seiner Frau aus. Nicht etwa, weil er sie so sehr vermisst. Nein, sie hat ihn wohl Zeit ihres Lebens nie so richtig rangelassen. Zeit, sich dafür zu revanchieren. Immerhin können die toten Lippen der Holden doch sicherlich noch einen Blowjob simulieren. Doch oh weh, die Dame ist noch deutlich lebendiger als geglaubt und beißt dem Typ die Eier ab. Der wankt in Richtung eines Autokinos, das an dem Tag seine letzten Vorführungen vier sleaziger Trashfilme erleben soll, bevor es einem großformatigen Bauvorhaben weichen muss.

So gestaltet sich der Einstieg in die Horroranthologie „Chillerama“, die fortan mit den Regeln des schlechten B-Horrors spielen und ihn, das Kino im Allgemeinen und das Autokino im Speziellen feiern wird. Wir erleben nun folgende Kurzfilme:

„Wadzilla“

Loser Miles ist so ein Langweiler, dass sogar seine Spermienproduktion eingeschlafen ist. Ein Spermium pro Abspritzvorgang ist schon ein echter Erfolg. Von seinem Doktor (Ray Wise) erhält er ein Wundermittel, das seine Spermienproduktion anregen soll. Blöd nur, dass dieses Mittel etwas anders wirkt, als gewollt. Es produziert nämlich nicht mehr, sondern nur größere Spermien. Die, einmal an die frische Luft gelangt, immer weiter wachsen. Wie das eine, das zu einem hochhaushohen Ungeheuer anwächst und riesigen Appetit auf Menschenfleisch entwickelt. Selbst die herbeigerufene Armee unter Führung von Eric Roberts (“The Expendables“) weiß nicht wirklich Rat …

Chillerama

Spermzilla in Action … grummel, groaaaar!!!

Adam Rifkin („Detroit Rock City“, „The Chase“) eröffnet den Reigen der respektlosen Kurzfilme mit einer in Look und Feel perfekten Hommage an den Monsterschlockfilm der 50er und 60er Jahre. Er selbst liefert als Miles eine großartige Slapstickshow ab und gibt den irren Ton des Filmes damit selbst perfekt vor. Rifkin erzählt mit einem irrwitzigen Tempo und lässt eine schräge Idee auf die nächste folgen: Da werden Modellpanzer durch Modellstädte geschoben, setzt es schlechte Rückprojektionen, sind die liebevollen Stop Motion Animationen des Riesenspermiums immer als solche erkennbar und bespringt das Spermium die Freiheitsstatue und halbiert Menschen. Und während der Film im gigantischsten Moneyshot der Filmgeschichte kulminiert, wissen wir endlich, was die Freiheitsstatue drunter trägt … tja, so sind sie, die kleinen Französinnen! Den einzigen Kritikpunkt an dem gelungenen Auftakt nimmt eine Figur in „Chillerama“ selbst vorweg: Zu wenig Titten … Geschichte zwei kann diese Scharte nicht auswetzen …

„I was a Teenage Werebear“

Der Grund dafür ist ein ganz einfacher: “I was a Teenage Werebear” ist ein astreines, schwules Musical mit Werbären … Ja, richtig gehört! Ricky, seines Zeichens Highschooljüngling und sich seiner Sexualität noch nicht sooo bewusst, wird beim schwitzigen Ringen von einem Typ in den Arsch gebissen und mutiert fortan bei Erregung zum Werbären.

Ich bin kein Homo! Ich bin ein Werbär!

Auf dem Papier und auch in der Umsetzung ist Episode 2 von „Chillerama“ ein echt wahnwitziges Ding. Ungehemmt und schief wird alle Nase lang losgesungen. Es geht um Toleranz, verpackt in einen der typischen Rebellenfilme a la James Dean und Marlon Brando. Eben mit dem Twist der arschfixierten Werbären. Leider ist Tim Sullivans („2001 Maniacs“) Beitrag gefühlt die schwächste Episode in „Chillerama“. Zu unpointiert die Geschichte, zu langatmig der Aufbau. Klar, der Look der Werbären alleine ist ein Riesenbrüller, obendrein make-up-technisch fantastisch schlecht umgesetzt, aber so richtig zünden will „I was a Teenage Werebear“ nie so recht. Die mit herrlich knalligen Farben arbeitende Episode ist unterhaltsam … mehr aber leider auch nicht. Vielleicht kann ER das ja wieder richten?

„The Diary of Anne Frankenstein“

Chillerama

Jason Vorhees Darsteller Kane Hodder gibt Hitlers “Tötungsmaschine”.

Wer ER ist? Natürlich Adolf Hitler! Der bringt gleich zu Beginn der Episode die ganze Familie von Anne Frank um und lässt ein Buch namens „Tagebuch der Anne Frank“ in Auftrag geben, um damit irgendwann viel Geld zu verdienen. Bis dahin liest er ein Buch, das er im Versteck der Familie Frank gefunden hat. Diese hörte nämlich eigentlich auf den Namen FrankENSTEIN und konnte Totes zum Leben erwecken. Hitler baut sich daraufhin seine eigene Tötungsmaschine zusammen und erweckt sie zum Leben. Blöd nur, dass die verwerteten Reste aus dem KZ eine jüdische Killermaschine ergeben, die auf Adolf Hitler nicht wirklich gut zu sprechen ist …

Du bist so geil, wenn du Massenmorde begehst!

Adam Greens („Hatchet I + II“) Beitrag zu “Chillerama” ist der wahnwitzigste und respektloseste Teil des ganzen Unterfangens! Komplett in Schwarz-Weiß und hörbar in „Mono“ gedreht sprechen alle Figuren – auch im Original – deutsch, während Joel David Moore („Hatchet“) als Hitler ein fantastisches Kauderwelsch vom Stapel lässt und damit seine Figur komplett zum Abschuss freigibt. Sein Hitler singt Lieder, laut denen er niemals böse sein wollte und merkt nicht, dass seine Eva Braun mit all seinen Soldaten vögelt. Dabei lässt einen der fiese Seitenhieb auf Anne Frank gleich zu Beginn noch durchaus hart schlucken, doch mit der Zeit wird die Episode so verrückt, dass man aus dem Lachen gar nicht mehr herauskommt. Ein fantastischer, wirklich böser Spaß für Zuschauer mit ganz schwarzem Humor! Für manchen politisch korrekt Verblendeten könnte diese Episode aber auch ganz schön scheiße sein … Apropos:

„Deathication“

Deathication brüstet sich mit der Tatsache, dass der Film die Schließmuskelfunktionen seiner Betrachter komplett aushebeln würde. Die Folge ist eine in verschiedenen Abstufungen von braun ersaufende Fäkalienschlacht sondergleichen …

Dieser Film wird sie mit ihren eigenen Fäkalien vergewaltigen!

Zum Glück ist dieser „Film“ nur ein kurzes Intermezzo vorm eigentlichen Ende von „Chillerama“. Hier wächst sich nämlich der beherzte Biss der Ex in die Eier des Grabschänders vom Beginn des Filmes zu einer waschechten Zombieepidemie aus und mündet in …

„Zom-B-Movie“

Chillerama

In Zom-B-Movie geht es, der Name deutet es an, um Zombies. Sexgeile Zombies …

… und damit die Rahmenhandlung von “Chillerama”, denn immer wieder kehren wir nach den kurzen Filmen in das Autokino zurück und sehen, wie die Zombieinfektion um sich greift. Das mündet in ein wundervoll abstruses Zombiegemetzel … inklusive Orgiencharakter. Denn die Zombies haben seltsam viel Bock auf Sex. Und so wird in den letzten 20 Minuten gemetzelt und gevögelt, dass es nur so scheppert. Wenig stilsicher (rein vom Geschmäcklerischen her gesehen ;-) ) von Joe Lynch („Wrong Turn 2“) in Szene gesetzt und einen grandiosen Abschluss für „Chillerama“ bildend, in dem noch einmal so richtig die Sau rausgelassen wird. Dabei inszeniert Lynch als einziger in einem ziemlich modernen Look. Während alle Filmchen vorher eher im Grindhousigen Look daherkamen (von der Hitlerepisode ganz zu schweigen), schafft er Distanz zum gebotenen wilden Treiben mit überzogenen Splattereffekten, neonblauleuchtendem Blut und Make Up und teils wundervoll unpassend eingestreuten Filmzitaten.

„Chillerama“ zelebriert den schlechten Geschmack. Egal welche Körperflüssigkeit man sich vorstellen kann, sie wird in dem Episodenfilm irgendwann über die Leinwand laufen. Die Episoden schwanken in der Qualität, sind aber durchweg hoch unterhaltsam und mit Hang zum Unperfekten umgesetzt. Dabei erkennt man in jeder Einstellung die Liebe der Macher zum Medium Film. Diese zelebrieren sie mal platt, mal rotzig frech und mal bitterböse und können sich durch die Bank auf ihre spielfreudigen, formidablen Darsteller, die mit sichtlichem Spaß bei der Sache sind, verlassen. Das ergibt einen solch verrückten Eintopf an Eindrücken, dass wohl jeder irgendetwas finden wird, was ihm bei diesem wilden Trip so richtig gefallen wird. „Chillerama“ mag nicht perfekt sein – welche Anthologie ist das schon -, aber er ist einfach mal irre kultig!

Die deutsche DVD und Blu Ray kommt von Tiberius Film/Sunfilm und ist mit einer FSK 16, die beweist, dass die FSK durchaus Spaß versteht, ungeschnitten. Dazu gibt es eine ganze Wagenladung an interessanten Extras!

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Tiberius Film/Sunfilm__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

Tagged as: , , , , , , , ,

Categorised in: Reviews, the Horror Pit

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 6693887 andere Actionnerds