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Coyotes

Originaltitel: Coyotes__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Colin Minihan__Darsteller: Justin Long, Kate Bosworth, Mila Harris, Brittany Allen, Katherine McNamara, Keir O’Donnell, Norbert Leo Butz u.a.
Coyotes Creature Feature DVD Cover

Kojoten sorgen in „Coyotes“ für puren Horror.

Ausnahmezustand in Los Angeles. Eine Feuerwalze rast auf die Metropole zu und zwingt verschiedenste Wildtiere, in der Großstadt Schutz zu suchen. Das bleibt nicht folgenlos. Immer wieder reißen in Rudeln auftretende Kojoten kleine Haustiere und bauen sich bedrohlich vor den Menschen auf. Auch Chloe, die Tochter des Comiczeichners Scott, bemerkt alsbald die wolfsähnlichen Tiere auf dem Grundstück der Familienvilla. Der Vater will die Tiere vertreiben, muss aber schnell feststellen, dass diese unvermutet groß und sehr aggressiv sind.

Gemeinsam mit seiner Familie verschanzt er sich darum in seinem Haus. Doch die Tiere finden Mittel und Wege in den gewaltigen Bau. Entsprechend muss sich die Familie in den eigenen vier Wänden vor den Tieren verstecken. Da kommt es in dem Nachbarhaus zu einem verheerenden Unfall. Wenig später steht es lichterloh in Flammen und das Feuer könnte jederzeit auf Scotts Haus überspringen. Kojoten hier, Feuer da, der Familie steht eine mörderische Nacht bevor.

Schaut in den Film hinein

Creature Feature mit Witz und Biss

Colin Minihan ist ein Teil der „The Vicious Brothers“, die mit „Grave Encounters 1+2“, „Extraterrestrial“ und „It Stains the Sands Red“ interessante Beiträge zum Spannungskino abgeliefert haben. Sowohl Minihan als auch sein Partner in Crime, Stuart Ortiz, machen aber auch im Alleingang Filme. Die Regie an „Coyotes“ belegt es im Falle von Minihan aktuell eindrücklich.

Minihan etabliert dabei die von den Kojoten ausgehende Gefahr früh. Und er installiert im Zuge dessen direkt den in den nächsten 90 Minuten vorherrschenden, tollen, prächtig funktionierenden Humor. Hernach wird uns die Familie von Scott vorgestellt. Früh merkt man, dass es in der Familie knarzt. Denn Scott lebt für seine Arbeit – zu sehr. Ein Sturm sorgt dann für erstes Ungemach. Ein Baum auf dem Grundstück der Familie wird entwurzelt, kracht auf die Familienkarre und legt obendrein den Strom in der Umgebung lahm.

Fortan leben Scott und Co. in Dunkelheit. Die am Haus vorbeihuschenden Schatten der Kojoten verfangen so sofort. Doch Minihan fährt auch den Ansatz weiter, seinen Film anzuschrägen. Die Charaktere bekommen weiterhin einen starken Humor eingeimpft. Das Real-Life-Pärchen Justin Long („Barbarian“) als Scott und Kate Bosworth („Force of Nature“) als dessen Ehefrau Liv hauen sich herrlich geschliffene Dialoge um die Ohren. Und auch die offen parlierende Tochter Chloe trägt das Dialogherz am rechten Fleck. Kleinere Spleens wie Scotts Aversion gegenüber Blut sorgen für ein paar klasse Lacher.

Wirklich irre sind die im Nachbarhaus tobenden Trip und Julie. Er komplett irre, sie eine nicht auf den Mund gefallene Bordsteinschwalbe. Verkörpert wird Julie von Brittany Allen („What keeps you alive“ und seit Jahren Wegbegleiterin der Vicious Brothers), die nicht nur klasse und herrlich überspannt spielt, sondern auch den hervorragenden Score zum Film komponierte.

„Hörst du das? Klingt als würde jemand singen… oder sterben.“

Julie wird auf dem Höhepunkt der Kojotenattacken ebenfalls im Haus von Scott und Anhang gegen die Tiere kämpfen. Die proben die Home-Invasion und sorgen hier für ein paar knackige, wenn auch eher kurzgehaltene Spannungsmomente. Leider funktionieren die Spannungseinlagen durchweg nicht formvollendet. Das liegt nicht daran, dass man mit den eingeschlossenen Menschen nicht mitfiebern würde. Ganz im Gegenteil, die funktionieren als Identifikationsmasse prächtig. Nein, es sind die Tiere, die in „Coyotes“ irritieren.

Sie werden in einem Mix gereicht. Man bemerkt Animatronics, Puppen-Effekte und echte Tiere. Diese Momente funktionieren gut. Aber „Coyotes“ setzt auch auf computeranimierte Bilder. „Coyotes“ geriet dabei in Misskredit, weil wohl auch KI-generierte Bilder zum Einsatz kamen. Dieses Übergehen menschlicher Arbeitskraft ist in Hollywood nicht gerne gesehen und sorgte für viel Kritik.

Wichtiger jedoch ist, dass die animierten Kojoten irgendwie seltsam ausfallen. Die Tiere sehen wunderschön aus – zu wunderschön. Oder besser: zu perfekt. Sie gehen darin nicht mit den anderen, den klassischen Präsentationsformen zusammen. Es gibt da Szenen, da denkt man gar, man schaue vollkommen verschiedenen Kojoten zu, so wenig matchen die Tiere in ihrem Aussehen. Spätestens da wird man immer wieder aus der Spannung rausgerissen. Zudem wirken die animierten Tiere seltsam ins Bild kopiert, weil beispielsweise ihre Ausleuchtung gar nicht mit der restlichen Beleuchtung der Umgebung zusammengeht.

Obendrein fallen die Attacken der Kojoten ein wenig zu harmlos aus. Es gibt ein paar Gore-Momente rund um eine abgerissene Hand oder einen vollkommen abgenagten Oberkörper, richtig fies wird’s aber nie. Und wer mal richtig böse Beißattacken sehen will, der sollte sich „Muzzle 2: City of Wolves“ zu Gemüte führen. Derartig fiese Wunden hätten „Coyotes“ gut gestanden.

Ein weiteres Großproblem des Creature Features liegt in seiner Dramaturgie. Da wird eine auf Los Angeles zu rasende Feuerwalze thematisiert, findet im Film aber nicht statt. Und wenn das Nachbarhaus von Scott und Co. brennt, hat das keinerlei Auswirkungen auf die Spannungskurve. Das Feuer sorgt nur für ein paar hübsche Bilder im Showdown. Was ich sagen will: Man hat hier gleich mehrere mögliche Spannungsbringer, ignoriert sie aber einfach. Und so eskaliert „Coyotes“ nie zu dem durch, was er eben auch sein könnte.

In Sachen Technik inszeniert Minihan angenehm frisch. Der in Kolumbien gedrehte Streifen sieht toll aus, präsentiert immer wieder schön schräge Perspektiven und setzt wiederholt auf dynamische Split-Screen-Momente, die prächtig funktionieren. Highlight ist eine Split-Screen-Szene, bei der ein Fenster ganz allmählich aufgezogen wird. Je größer es wird, umso mehr nimmt auch die Lautstärke der hier präsentierten Szenerie zu. So drängelt sich das „neue“ Fenster richtig genial in den Vordergrund. Cool.

„Coyotes“ bleibt im Durchschnitt hängen

Was ich dem Film hoch anrechne, ist, dass er für das Verhalten der Kojoten gleich mehrere plausible Gründe liefert. Warum er aber gleichzeitig eine recht perverse Freude daran hat, sie recht brutal aus dem Leben zu reißen (inklusive auf die Kamera spritzende Hirnmasse bei einem Kopfschuss bei einem der Tiere), bleibt mir ein Rätsel. Ein ebensolches Rätsel ist, warum der Film direkt mehrere Spannungsherde aufmacht, diese aber nie sinnig für ein finales Showdown-Inferno zusammenführt.

Die Tierattacken hätten gerne deutlich intensiver ausfallen dürfen und in Teilen ist die Präsentation der tierischen Stars problembehaftet. Dafür funktionieren die menschlichen Figuren super, der ihnen eingeimpfte Humor ist angenehm schwarz und die Darsteller mühen sich durch die Bank redlich. Die weitgehend wertige Umsetzung des Filmes fällt ebenfalls sofort positiv ins Auge. Was am Ende bleibt, ist ein typischer Film der Marke: „Da war mehr drin, trotzdem macht der Streifen Laune.“

06 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erscheint am 13. Februar 2026 von dem Label DCM. Der Horrorspaß hat eine Freigabe ab 16 und ihr könnt ihn auch streamen.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: DCM__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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