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Das Gesetz bin ich

Originaltitel: Mr. Majestyk__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1974__Regie: Richard Fleischer__Darsteller: Charles Bronson, Al Lettieri, Linda Cristal, Lee Purcell, Paul Koslo, Taylor Lacher, Frank Maxwell, Alejandro Rey, Jordan Rhodes, Bert Santos, Luis Ramírez, Howard Beasley u.a.

Das Gesetz bin ich

Das Gesetz bin ich

Mediabook Cover A von “Das Gesetz bin ich”

Harte Schale, von Narben gezeichnet. Stattlich und widerstandsfähig. Wächst besonders in Freiheit zur vollen Reife. Wenn man sie knackt, kann man sein rotes Wunder erleben. Und muss vielleicht ein paar Kugeln Schrot schlucken.
Was auf die Melone zutrifft, lässt sich ebenso gut über Charles Bronson sagen. Der wandelnde Archetyp eines jeden späteren Actionhelden pflegt als „Mr. Majestyk“ in der Hochphase seines Schaffens weiter das Bild vom gerechten, wehrsamen Solisten, mit dem man sich besser nicht anlegen sollte. Als Melonenfarmer und ehemaliger Army-Ranger verbindet er gute, ehrliche Arbeit mit einer Vergangenheit, die ihn dazu befähigt, notfalls die verdiente Routine des Lebensabends zu unterbrechen und in alte Einzelkämpfer-Muster zurückzukehren.

Zum Einstieg lässt Richard Fleischer erste kleine Provokationen auf den Landbesitzer los, die ihn langsam aus der Reserve locken sollen. Diese frühen Abschnitte bieten zum Auftakt einfachere, in sich noch geschlossene Problemkonstellationen, die einerseits den Zweck einer Aufwärmübung verfolgen, andererseits aber bereits unbemerkt auf die komplexeren Ereignisse vorbereiten, die der Regisseur nachfolgend mit Hilfe eines raffinierten Erzählbogens entfesseln wird. Eine Konfrontation an einer Tankstelle zwischen dem Tankwart und einer Gruppe Zigeuner weiß der eigentlich so wortkarge Majestyk als einmischende dritte Partei noch mit dem Witz entwaffnender Logik gewaltfrei zu lösen; am Melonenfeld ist hingegen bereits Waffengewalt nötig, um einen Kleinkriminellen mit Mafia-Methoden (Paul Koslo) von den eigenen Werten zu überzeugen. Durch diese Vorfälle präsentiert Fleischer dem Publikum nicht nur die von ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn geprägte Denkweise und die effiziente Methodik des Protagonisten, nebenbei werden Pfade ausgelegt für die Haupthandlung sowie eine Romanze am Wegesrand, auch wenn letztere unterentwickelt bleibt und einen fast zweckmäßigen Charakter beibehält (man führe sich Bronsons pragmatische Anmache in einer Bar vor Augen, in der Filmmitte, als der Baum eigentlich schon längst lichterloh brennt). Selbiges muss man über die Andeutungen von Rassismus- und Minderheitenthemen sagen, die zweifellos angeschnitten, schnell aber wieder fallen gelassen werden. Eine noch stärkere Ausarbeitung der Einwanderungsthematik wäre grundsätzlich denkbar gewesen (wobei der Film in Colorado spielt und somit nicht in unmittelbarer Grenze zu Mexiko). Der völlig wertungsfreie, rein auf Leistung und Erfahrung geeichte Charakter der Hauptfigur reicht aber eigentlich aus, um in dieser Hinsicht eine klare Ansage zu machen.

Als sich dann das Gesetzt einmischt und die Dinge so deutet, dass eine himmelschreiende Ungerechtigkeit entsteht, ist die Trockenübungsphase abgeschlossen und der Plot startet richtig durch. Bis in die 90er Jahre und darüber hinaus haben sich Actionfilme immer wieder ein Beispiel an diesem Kniff genommen, ob „Con Air“ oder die „Undisputed“-Reihe; wer schließlich zu Unrecht von der Hand des Gesetzes gestraft wird, dessen Rache schmeckt am Ende um so süßer. Das wäre durchaus die ideale Entschuldigung für ein simples Auge-um-Auge-Drehbuch, doch so einfach macht es sich ein Elmore Leonard erfreulicherweise nicht. Die Art und Weise, wie hier Folge und Wirkung eine Kette unglücklicher Ereignisse auslösen, hat eine gewisse Klasse, die man bei der Exploitation-Verpackung nicht erwarten würde.

Werft einen Blick auf “Das Gesetz bin ich”

Obwohl „Das Gesetz bin ich“ über eine grimmige äußere Erscheinung verfügt und vor allem im Blockhütten-Finale auch mal die Blutbeutel auspackt, müssen es nicht einmal in jeder Phase die ganz drastischen Mittel sein, um den Zuschauer emotional abzuholen. Salven von Maschinenpistolen, die sich in die grünen Bäuche der zusammengetragenen Melonen bohren, sind beinahe so schmerzhaft anzusehen wie Menschenopfer in vergleichbaren Filmen, weil Fleischer sich eben die Zeit nimmt, im Vorfeld zu zeigen, welche Mühe es erfordert, dieser Arbeit nachzugehen, die Majestyk das Überleben sichert.

Auch wenn die Grundformel sicher keinen Bronson-Fan überraschen können wird (Der Mann, dem unfairerweise alles genommen wird, rückt die Dinge per Selbstjustiz wieder ins rechte Licht), der Handlungsablauf als solcher nimmt doch immer wieder unvorhersehbare Wendungen, in denen sich die Kräfteverhältnisse zwischen Majestyk und seinem Hauptwidersacher permanent verlagern. Das beinhaltet eine Unmenge an Drohungen (bei denen Al Lettieri ebenso viel Zorn wie Unsicherheit versprüht) und plötzlichen Angriffen, wobei schon die Konstellation im symbolischen Sinne viel über die Verteilung der Potenzen verrät: Renda (Lettieri), stets mit einer Horde Untergebener im Schlepptau, die ihre Colts und MGs auch gerne mit einem Hauch von „ejaculatio praecox“ bedienen, und auf der anderen Seite Majestyk, der einem Gegenspieler schon früh seine Flinte abnimmt (ihn also gewissermaßen entmannt) und klarstellt, dass nur er eine Waffe mit dieser Durchschlagskraft tragen darf.

Das letzte Drittel gehört dann vollständig der Action. Diese zeichnet sich zunächst durch Autos aus, die bei der geringsten Berührung mit einem roten Feuerball in die Luft fliegen. Weshalb der Fahrzeughersteller Ford dennoch so begeistert war, dass er Ausschnitte aus „Das Gesetz bin ich“ für einen Werbespot verwendet haben soll, lässt sich mit den Offroad-Szenen erklären: Die dürften der Federung des verwendeten Pickup zwar mächtig zugesetzt haben, die waghalsigen Sprünge über Fels und Stein, durch Bäume hindurch und Abhänge hinab sind allerdings so dynamisch und fließend inszeniert, dass sie als druckvolle Country-Alternative zu Steve McQueens urbaner Car-Chase-Nummer durchgehen, die zwei Jahre zuvor mit „Getwaway“ entstand. Mit einer intelligent konzipierten Belagerungssequenz in einer Blockhütte und ein, zwei flapsigen Bemerkungen ist der Status Quo dann auch wieder hergestellt. Die nächste Melonenernte muss ruhiger verlaufen sein, denn eine Fortsetzung gab es nicht.

So mag man jedenfalls seinen Bronson. „Das Gesetz bin ich“ überzeugt mit einem sorgfältigen Skript und einem Hauptdarsteller im besten Alter. Mit 52 Jahren auf dem Buckel, gegerbter Ledervisage und Graustich im Haar haben andere Darsteller ihre guten Zeiten längst hinter sich, dieser hier entfaltet in dem Alter gerade erst sein Bouquet.

7 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von “Das Gesetz bin ich”

Etwas ungewöhnlich klang die Meldung, dass man sich nun bei Wicked-Vision auch mal um einen Bronson kümmern würde. Heimisch fühlt sich das Label schließlich eher im allgemeinen Horror-Bereich und hat dort auch seine Fanbase entwickelt. Ganz risikofrei dürfte das Vorhaben also nicht gewesen sein. Dem Vernehmen nach ist die Veröffentlichung von „Das Gesetz bin ich“ aber bereits als erfolgreich zu bezeichnen. Ob das nun für einen breiten Horizont der Hauptklientel spricht oder für eine neu erschlossene Käuferschicht, sei mal dahingestellt; für echte Fans, die ihren Bronson so gut wie möglich umgesetzt haben wollen, ist das Label jedenfalls nicht die schlechteste Heimat.

Auch bei “Das Gesetz bin ich” darf man zwischen drei verschiedenen Mediabook-Artworks wählen. Cover A (444 Exemplare) ist im stylishen Retro-Design gehalten und gibt die 70er, in denen der Film entstand, am besten wieder. Cover B (666) ist eine Collage der wichtigsten Darsteller und erinnerungswürdigsten Actionsequenzen; Cover C (333) zeigt Bronson in voller Montur mit seiner Flinte. Alle Varianten beinhalten ein sehr lesenswertes 24-Seiten-Booklet mit einem Text von David Renske, der sich zunächst auf den Hauptfilm bezieht, um anschließend zu einer Retrospektive auf die Karriere des Hauptdarstellers anzusetzen, die – aus Marketing-Sicht gar nicht so dumm – im Booklet zum folgenden Wicked-Bronson „10 To Midnight“ weitergeführt wird. Man kennt diese Episodenstruktur bereits aus den Booklets zu den famosen Jean-Rollin-Editionen. Am Ende des Booklets wartet sogar noch ein Interview mit Charles Bronson, das aus einem Presseheft zum Film entnommen wurde.

Der Hauptfilm und alle Extras sind wie gewohnt als Blu-ray und DVD enthalten. In Sachen Technik lassen sich nun keine Wunder erwarten: Das Bild basiert auf dem gleichen Master wie alle anderen Blu-ray-Versionen weltweit. In der ersten Szene fallen leichte Verschmutzungen auf, die sich schnell auf ein Minimum reduzieren, Filmkorn ist satt dabei. Die Farben liegen im für die 70er so typischen Sepia-Spektrum. Echtes HD-Feeling kommt nicht unbedingt auf, dazu ist auch die Schärfe nicht ausgeprägt genug, allerdings ist die Qualität allemal ausreichend, um einen reuelosen Filmgenuss zu garantieren. Ähnlich sieht es mit dem DTS-Stereoton aus: Zweckmäßig, aber solide.

Schaut man sich heimische und internationale DVD- und Blu-ray-Releases zu Bronson-Filmen an, so scheint es relativ schwierig zu sein, Extras zu ihnen zusammenzutragen. In dieser Beziehung holt die Wicked-VÖ das absolute Maximum raus. Zum einen gibt es wieder einen Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen und Dr. Gerd Naumann. Schon zu Beginn des Kommentars kündigen sie an, sich teilweise weit vom Hauptfilm zu entfernen und in der Tat werden viele generelle filmhistorische Fakten eingestreut, die sich allerdings durchaus auf „Das Gesetz bin ich“ ableiten lassen.

Das zusätzliche Videomaterial umfasst wie üblich ein Set aus Trailern, Bildergalerien und Informationen rund um die Präsentation. Dazu gibt es drei Interviews mit einer Lauflänge von mehr als einer Stunde. So gibt Nebendarstellerin Lee Purcell viele Erfahrungen preis, die sie beim Dreh im Allgemeinen und mit Bronson im Speziellen gesammelt hat. Kameramann Richard H. Kline bezieht sich in seinem Interview hauptsächlich auf die Actionsequenzen. Ein besonderes Schmankerl ist das Interview mit Regisseur Richard Fleischer, das eines der letzten oder vielleicht das letzte vor seinem Tod im Jahr 2006 gewesen sein dürfte. Er bezieht sich nicht speziell auf „Das Gesetz bin ich“, sondern lässt seine Karriere Revue passieren und schließt interessanterweise damit ab, dass ihm das DVD-Zeitalter die Anerkennung zukommen ließ, auf die man hinarbeite, wenn man Filme dreht.

Also: spannender Film, solide Präsentation, reichlich Extras – was will man mehr?
Sascha Ganser (Vince)

Bildergalerie von “Das Gesetz bin ich”

Das Gesetz bin ich

Bronsons Vince Majestyk mag ein Mann wie ein Felsen sein, dem weiblichen Geschlecht ist er allerdings nicht ganz abgeneigt.

Das Gesetz bin ich

Mit Kleinganoven wie Bobby (Paul Koslo) wischt der Melonenfarmer den Boden auf.

Das Gesetz bin ich

Gegen die Kurzsichtigkeit und Arroganz des Gesetzes kann er kurzfristig aber nichts ausrichten.

Das Gesetz bin ich

Sein größter Gegner ist Frank Renda (Al Lettieri, r.), ein heimtückischer Killer, mit dem nicht gut Melonen essen ist.

Das Gesetz bin ich

Doch Majestyk sitzt ihm jederzeit im Nacken.

Das Gesetz bin ich

Das hat seinen Preis in Form des denkwürdigen “Texas Melon Massacre”.

Das Gesetz bin ich

Spektakuläre Autostunt-Aufnahmen lassen selbst den Autohersteller vor Entzücken vom Bürostuhl hüpfen.

Das Gesetz bin ich

Ist aber auch praktisch in jeder Lebenslage, so ein Pickup.

Das Gesetz bin ich

Bronson schleicht sich gemächlich ins Finale…

Das Gesetz bin ich

…und findet, dass die Holzhütte nochmal einen neuen Anstrich benötigt.

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Copyright aller Filmbilder/Label: Wicked Vision / MGM__FSK Freigabe: FSK16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja / Ja

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