Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

Undisputed IV: Boyka is Back

Originaltitel: Boyka: Undisputed IV__Herstellungsland: USA/Bulgarien__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Todor Chapkanov__Produktion: Isaac Florentine, Boaz Davidson u.a.__Darsteller: Scott Adkins, Teodora Duhovnikova, Alon Aboutboul, Julian Vergov, Valentin Ganev, Martyn Ford, Paul Chahidi, Tim Man, Andreas Nguyen, Emilien De Falco u.a.
Undisputed 4 deutsches Blu-ray-Cover

Scott Adkins fliegt als Boyka durch “Undisputed 4 – Boyka is back”.

Manchmal fühlt man sich als Actionfan schon irgendwie alleine. Alle erzählen sie einem, das Genre wäre tot. Superheldenfilme seien der neue Actionfilm: Unterhaltsam, überlebensgroß, seltsam unphysisch. Ist Action wirklich tot? Bestimmte Ereignisse lassen mich das zumindest anzweifeln. Etwa wenn ich im Blu-ray-Sortiment des örtlichen Elektronikmarktes stehe und live dabei bin, wie gleich mehrere Kunden zielstrebigen Schrittes zu einem ganz besonderen Stapel Blu-rays laufen, sich einen der Datenträger schnappen und – ohne das sonstige Angebot auch nur eines Blickes zu würdigen – in Richtung Kasse traben.

Welchen Film die sich geschnappt haben? Naja, die Überschrift des Artikels verrät es ja schon: „Undisputed 4“. Und plötzlich fühle ich mich, mit dem Steelbook zum Film bewaffnet, doch nicht mehr sooo alleine. Wer hätte vor nunmehr 15 Jahren geglaubt, dass ein von Walter Hill gestartetes B-Franchise jemals so etwas wie ein kleines Leuchtfeuer fürs Genre werden könnte…

Boyka ist nach seiner Flucht aus Russland untergetaucht. Er will seine Knastvergangenheit abschütteln und versucht tatsächlich, ein besserer Mensch zu werden. Fast scheint es, als sei er gar auf der Suche nach Absolution, wenn er an Underground-Fights teilnimmt, um das Preisgeld an die örtliche Kirche zu spenden.

Eines Tages leiert sein Promoter einen ganz besonderen Kampf an, bei dem mehrere Talentscouts vor Ort sind, die Teilnehmer für offizielle Kampfsportevents in Europa suchen. Doch bei dem Kampf kommt es zu einem Unglück: Boykas Gegner Viktor entpuppt sich als beherztes Stehaufmännchen, das nicht erkennt, wenn es besiegt ist, und Boyka ist irgendwann so sehr in seiner Zerstörungszone gefangen, dass er Viktor gnadenlos niederknüppelt. Mit tödlichen Folgen.

Noch berauscht von seinem Sieg und den anschließenden Lobeshymnen der Talentscouts erfährt Boyka am nächsten Tag, dass sein Gegner im örtlichen Krankenhaus elendig verreckt sei. Nun schlägt das schlechte Gewissen des kampfstarken Russen vollends durch. Er beschließt, Viktors Familie die Kunde von dessen Tod selbst zu überbringen, seine Schuld daran zu offenbaren und um Vergebung zu bitten.

Vor Ort findet er heraus, dass Viktor offenkundig einen Grund hatte, einfach nicht aufzugeben. Er und seine Frau sind bei dem städtischen Verbrecherboss heillos verschuldet. Zwar blitzt Boyka bei Viktors Frau Alma mit seiner Entschuldigung heftig ab, doch er sieht sich dennoch verpflichtet, ihr zu helfen und ihr den Verbrecherboss vom Hals zu schaffen. Etwas zu vorschnell lässt er sich auf einen gefährlichen Deal ein…

Schaut in das Kampfsportmeisterwerk „Undisputed 4“ hinein

Ein kleines bisschen haben wir ja alle geschluckt, als es hieß, dass Isaac Florentine, der gemeinsam mit Scott Adkins das „Undisputed“-Franchise erst so richtig zu einer kleinen B-Sensation gemacht hat, bei Teil 4 nicht mehr im Regiestuhl sitzen werde. Doch als Produzent hat er sich genau den richtigen Regisseur für „Undisputed 4“ ausgesucht…

Zumindest insofern, dass Todor Chapkanov nicht von dem Anspruch beseelt war, das Franchise auf links zu drehen oder einen Oscar anzuvisieren. Stattdessen setzte er einen absolut geradlinigen, wundervoll taffen Actionbrecher in Szene, der nicht nur in seiner Figurenzeichnung und seinen wundervoll überzogenen Klischees von Russland als Paradies des Verbrechens ebenjenen Comic-Charme beibehält, den Florentine mit seinen überzogenen Actionhämmern etabliert hat.

Undisputed 4 Scott Adkins als Boyka

Boyka findet in “Undisputed 4” zu Gott.

So wird jede schnelle Kamerafahrt und jeder flotte Schwenk mit Geräuschen untermalt. Es wird wild gezoomt. Jeder Russe im Film ist ein einziger Drecksack. Und es wird gelogen und betrogen, wo es nur geht. Konterkariert wird dieser Comicstil vollkommen unvermutet von erstaunlich gut funktionierenden emotionalen Momenten! So ist die Annäherung zwischen Boyka und Alma angenehm zurückhaltend inszeniert. Scott Adkins („Eliminators“) und die Alma Darstellerin Teodora Duhovnikova haben zudem eine tolle Chemie miteinander, was noch dadurch befeuert wird, dass Frau Duhovnikova richtig gut spielen kann.

Zudem bringt auch Adkins die zwei Seiten seiner Figur wundervoll auf den Punkt. Da ist die eine Seite, die jeden Sieg frenetisch, teilweise schon überheblich feiert. Die Seite Boykas, die seine Augen so forsch blitzen lässt und bei der man nie weiß, wann sie explodieren und das Gegenüber umhauen wird. Und die andere Seite ist die zweifelnde, die fast schon verzweifelt um Vergebung bittende Seite. In der Boykas Augen so wundervoll leer und traurig rüberkommen. Keine Sorge, ich werden keinen Oscar für Scott Adkins fordern (auch wenn er ihn verdient hat *kichert*), aber man merkt einfach, dass der Mime diese Figur mit Haut und Haaren lebt und sie ihm einfach verdammt gut liegt.

Undisputed 4 Scott Adkins Martial Arts

Air Boyka verteilt Mische!

Von der physischen Seite der Figur ganz zu schweigen. Was Adkins in „Undisputed 4“ unter der kundigen Choreographie von Tim Man („Kill ’em all“) abliefert, macht einfach nur staunen. „Undisputed 4“ türmt Martial-Arts-Highlight auf Martial-Arts-Highlight. Präsentiert eine sich eindrucksvoll durch die Lüfte schraubende Kampfmaschine, die mit wundervoll flüssigen Bewegungen eine Kauleiste nach der anderen spektakulär verbiegt. Egal ob wieselflinke Gegner, riesengroße Gegner oder mal eben mehrere Gegner: Boyka kesselt sie alle um. Brachial und anmutig zugleich.

Und absolut mitreißend. Und das, wo „Undisputed 4“ ein Gegner fehlt, der vom Drehbuch richtig derb überhöht wird. Gerade bei dem riesengroßen – leider extrem unbeweglichen – Endgegner ist das durchaus schade, weil man den durchaus noch deutlich besser hätte aufbauen können. Das Schöne ist dennoch, dass sich in „Undisputed 4“ selbst jene Gegner, die man im Vorfeld direkt als Fallobst verorten würde, als echte Könner ihres Fachs entpuppen und jedem Fight gemeinsam mit Adkins einen unverkennbaren Stempel aufdrücken.

Undisputed 4

Im Showdown wird auch geballert.

Inszenatorisch blitzt vor allem in der durchaus brutalen Action der lange Arm von Produzent Isaac Florentine mehrmals durch. Hier werden Fights nicht zerschnippelt und erst recht wird nicht mit der Kamera gewackelt. Stattdessen dominieren lange Einstellungen und dynamische Kamerafahrten, die obendrein von edlen und gekonnt eingestreuten Zeitlupen gekrönt werden. Die Kamera ist dabei teilweise so nah dran am Geschehen, dass man fast das Gefühl hat, die Fighter müssten um sie herumtanzen. Dadurch wirkt das Ganze gleich noch flotter, ohne dass man jemals den Überblick verlieren würde. Eben ganz großes Actionkino. Und gegen Ende, wenn der eigentliche und von Alon Aboutboul souverän gespielte Bösewicht des Filmes zur Rechenschaft gezogen wird, setzt es sogar noch einen Shootout.

Kurzum: „Undisputed 4“ rockt einfach nur spektakulär gut! Vor allem die zahlreich auf den Zuschauer niedergehenden Fightsequenzen sind einfach eine Klasse für sich: Großartig choreografiert und fantastisch in Szene gesetzt lassen sie jedem Actionfan einfach nur das Wasser im Mund zusammenlaufen. Der bekommt zudem eine geradlinige Story, die den vom Bösewicht zum Helden gewandelten Boyka trotz aller comichaften Anwandlungen der Geschichte erstaunlich emotionale Momente zugesteht. Und Scott Adkins macht als Boyka einfach nur eine fantastische Figur. Wenn nun noch ein besser aufgebauter, beweglicherer Endgegner da gewesen wäre, die Musik geiler gerockt hätte und in den Nebenrollen ähnlich gute Darsteller wie in den Hauptrollen unterwegs gewesen wären, „Undisputed 4“ wäre zumindest aus Sicht des Actionfans absolut tadellos gewesen.

8 von 10


……


Undisputed 4 – B-Action mit wenigen Schwächen

Undisputed IV: Boyka is Back

Obwohl Isaac Florentine nur Produzent ist, langt Scott Adkins auch unter der Regie von Todor Chapkanov wieder ordentlich zu in „Undisputed IV: Boyka is Back“

„Undisputed“ fing als wenig beliebtes Boxerdrama von Walter Hill an, doch nachdem Isaac Florentine („Close Range“) die Regie bei den Sequels übernahm, ließ die Franchise die Herzen von Action- und Martial-Arts-Fans höher schlagen und schuf eine Kultfigur, die dem vierten Teil im Original ihren Namen gibt: Boyka.

Genauer gesagt ist es Uri Boyka (Scott Adkins), jener Knastfighting-Champ, der am Ende von „Undisputed III“ aus dem Gefängnis freikam. Doch „Undisputed IV“ bleibt dem Geist der Figur und der Reihe treu, denn auch in Freiheit arbeitet Boyka daran zu beweisen, dass er der vollkommenste Kämpfer der Welt ist, nun in legalen Wettkämpfen. Im Ring fügt er einem seiner Gegner jedoch tödliche Verletzungen zu. Damit erinnert der Aufhänger an den kurz zuvor erschienen Adkins-Reißer „Hard Target 2“, in dem ähnlich Ereignisse eine Sinnkrise des Protagonisten auslösten; allerdings waren beide Filme ungefähr zeitgleich in Produktion.

Auf der Suche nach Wiedergutmachung sucht Boyka die Witwe seines Konkurrenten, Alma (Teodora Duhovnikova), in Russland auf. Diese ist inzwischen Quasi-Eigentum des Gangsterbosses Zourab (Alon Aboutboul) geworden, seitdem sie ihre Schulden nicht mehr mit den Einnahmen aus den Kämpfen ihres Mannes abbezahlen kann. Denn Alma und ihr Mann eröffneten ein gemeinnütziges Jugendcenter mit der geborgten Knete, was ihren Aufopferungswillen und Uris Versuche sich für sie einzusetzen noch drei bis vier Stufen edler macht, während Zourab der übliche kleingeistige Schmierlappen ist, der sich mit Geld und gemieteten Gorillas als Herrscher über sein kleines Örtchen gebiert.

Boyka beschließt nun für Alma bei den Untergrundmatches in Zourabs Club in den Ring zu steigen um ihre Schuld zu begleichen und seine ihr gegenüber gleich mit dazu. Dafür muss er in wenigen Tagen drei Kämpfe bestreiten, schließlich will er in absehbarer Zeit auch noch an einem regulären Wettbewerb um die Meisterschaft teilnehmen…

Undisputed IV: Boyka is Bac

Uri Boyka (Scott Adkins) will immer noch beweisen, dass er der vollkommenste Kämpfer der Welt ist

Regie führte bei „Undisputed IV“ nicht Florentine selber, sondern Todor Chapkanov, der zuvor als Regisseur wenig gemochter Billigware aufgefallen war. Gerüchten zufolge soll Florentine in seiner Funktion als Produzent allerdings ähnlich bestimmend gewesen sein wie Steven Spielberg als Produzent von „Poltergeist“. Dementsprechend ist „Undisputed IV“ in Sachen Look und Feeling eine würdige wie kontinuierliche Fortsetzung der Florentine-Filme, erneut von seiner Stamm-Editorin Irit Raz („Ninja: Shadow of a Tear“) geschnitten. Jedoch verhält sich „Undisputed IV“ zu seinem Vorgänger ein wenig wie „Jason Bourne“ zu „Das Bourne Ultimatum“: Eigentlich hatte man ein quasi perfektes Ende für die Geschichte der Hauptfigur gefunden; das neue Sequel setzt die Reihe dann würdig, aber ohne große Innovationen oder Aspirationen fort und kann dementsprechend nicht an seine Vorgänger heranreichen.

Im konkreten Falle von „Undisputed IV“ legt dies vor allem am Drama-Aspekt zwischen den Kloppereien, den „Undisputed II“ und III packender in Szene setzten. Sicher kann man den Plot als eine Weiterentwicklung von Boyka sehen: Inzwischen ist er selbstlos und lernt sich mehr für andere einsetzen, entwickelt sogar Gefühle über den Ehrgeiz im Ring hinaus. Dabei setzen Chapkanov und Drehbuchautor David N. White („Special Forces USA“) deutlich auf christliche Motive, sei es das Spenden von Boykas Preisgeldern an die örtliche Kirche oder das Aufopferungs- und Erlösungsthema, das den Boyka-Alma-Plot durchzieht, was manchmal etwas aufdringlich wirkt. Aber immerhin funktioniert das Ganze als Kitt zwischen den Fights und die sieht nun mal der Hauptgrund einen Martial-Arts-Film zu schauen.

Undisputed IV: Boyka is Back

Ein wahrer Alptraumgegner: Koshmar (Martyn Ford)

In der Beziehung liefert „Undisputed IV“ dann auch, gerade da man sich am Stil der beiden Vorgänger orientierte, wobei dieses Mal Tim Man („Kill ‘Em All“) für die Choreographie verantwortlich zeichnet (und zudem in einer Szene als einer von zwei Boyka-Gegnern in den Ring steigt). Zu bestaunen gibt es die gewohnten MMA-Kämpfe, die sich vor allem durch spektakuläre (Sprung-)Kicks auszeichnen, gelegentliche Grappling-Momente (wenn auch weniger als im Vorgänger) und eine erfreulich übersichtliche Inszenierung, die durch dynamisches Verlangsamen in den richtigen Momenten stets die gelungensten Moves der Kontrahenten nochmal so richtig herausstellt. Gelegentlich muss sich Boyka auch abseits des Rings gegen mehrere, oft bewaffnete Schergen beweisen, während man früh den Finalgegner einführt, der danach bis zum Ende fast vollkommen aus dem Film verschwindet: Koshmar (Martyn Ford). Der ist eine eindrucksvolle, unglaublich muskulöse, riesenhafte Erscheinung und wird (fast wie ein Höhlentroll in einem „Herr der Ringe“-Film) von mehreren Aufsehern an langen Stangen in den Ring geführt. Allerdings ist Martyn Ford eigentlich ein Bodybuilder mit etwas Kampfsporterfahrung, weshalb er im Endfight meist nur derbe hinlangt und kaum Schmerzen zu empfinden scheint, während Adkins für die wirklich akrobatische Action da ist, wodurch der Finalkampf nicht ganz so spektakulär wird wie die Showdowns der Vorgänger, in denen Adkins einmal Michael Jai White und einmal Marko Zaror gegenüberstand.

Scott Adkins („Savage Dog“) ist in seiner Paraderolle als Kampfmaschine mit Werten und unbändigem Siegeswillen mal wieder in seinem Element, überzeugt kämpferisch und schauspielerisch als Bad-Ass-Boyka und bringt den Film schon so nach Hause. Das ist auch gut so, denn sowohl Teodora Duhovnikova („The Shepherd“) als Love Interest als auch Alon Aboutboul („London Has Fallen“) als schurkiges Subjekt spielen bloß routiniert ihre Standardparts herunter ohne groß Akzente zu setzen, während der Rest der Nebendarsteller so kleine Rollen hat, dass er kaum im Gedächtnis bleibt. „Boyka“, wie er im Original heißt, ist dementsprechend auf Titelfigur und Hauptdarsteller zugeschnitten.

So liefert „Undisputed IV“ Bewährtes in optisch ansprechender Umsetzung und punktet mit dynamisch inszenierten wie spektakulär choreographierten Kampfszenen. Das menschliche Drama dazwischen funktioniert routiniert und auch sonst bietet der neueste Teil der Reihe brauchbare B-Actionware mit nur wenigen gravierenden Schwächen, aber auch ohne größere Ambitionen. Da waren „Undisputed II“ und „Undisputed III“ doch noch frischer und fetziger – und bessere Finalfights mit beweglicheren Kontrahenten hatten sie auch zu bieten.

EuroVideo veröffentlicht „Undisputed IV“ am 1. August 2017 in Deutschland auf DVD und Blu-Ray. Diese sind mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten. Ein Behind the Scenes, diverse Interviews und eine B-Roll erlauben einige Blicke hinter die Kulissen des Kampfsporthammers.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: EuroVideo__FSK Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja (ab 1.8.2017)

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