| Originaltitel: Death Valley__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1981__Regie: Dick Richards__Darsteller: Paul Le Mat, Catherine Hicks, Stephen McHattie, Wilford Brimley, Peter Billingsley, Edward Herrmann, Jack O’Leary, Mary Steelsmith, Gina Christian, Kirk L. Kiskella, Frank J. Cimorelli, Arnold C. Waterman, Fred W.S. Newton, J.P.S. Brown, Roy Gunsberg u.a. |


„Death Valley“ ist der zweite Titel der neuen „Thrill Kill Collection“.
Nicht jeder Psychokiller-Thriller nimmt sich erst einmal Zeit für eine rührselige Verabschiedung zwischen Vater und Scheidungskind. Normalerweise laufen noch vor den Opening Credits erste Aderlässe zu einem blutigen Rinnsal der Vorwarnung zusammen; diesmal jedoch wird im Stil eines Familien- und Beziehungsdramas ein gemütlicher, kalter Wintersonnentag im Central Park verbracht, als habe man alle Zeit der Welt. Anstatt auf die Schaukel zieht es die Beiden allerdings auf die Parkbank, wo sie alte Männer zu einer Partie Schach herausfordern. Paul Stanton (Edward Herrmann, „Richie Rich„) ist nämlich kein gewöhnlicher Vater, sondern Professor der Universität von Princeton. Sohn Billy (Peter Billingsley, „Cyber World„) ist ganz offensichtlich der Spross des Vaters: Ein sonderbarer, überdurchschnittlich intelligenter Knabe, der im Alter von zehn Jahren bereits so altklug daherredet wie nur irgend möglich.
Entsprechend philosophisch-verklausuliert gerät die Verabschiedung am Ende des Treffens. Es wird kurz warm in der Herzgegend, aber nur für einen Augenblick der gegenseitig erlaubten Schwäche unter Gleichgesinnten. Einen skurrilen Anblick bieten diese beiden Käuze da vor der Haustür von Mutter Sally (Catherine Hicks, „Chucky – Die Mörderpuppe“), während sie in ihrer eigenen Welt schweben. Für den Jungen wird es in Zukunft buchstäblich noch wärmer, denn es wartet ein Umzug in den tiefen Westen Amerikas, zu Sallys neuem Lebensgefährten Mike (Paul Le Mat, „Puppet Master„), der seinem leiblichen Vater zumindest in Sachen Intelligenz nicht das Wasser reichen kann. Womöglich verfügt er aber über eine gewisse Bauernschläue, die in vielen praktischen Situationen des Lebens hilfreich werden könnte – bei der Abwehr eines Killers zum Beispiel…
Klimatische Extreme, soviel verrät bereits der Filmtitel, spielen in „Death Valley“ eine wichtige Rolle. Wichtig sind sie insbesondere für die Thriller-Aspekte, die Dick Richards aufzubauen gedenkt, in dem er die Spannung möglichst lange schwelen lässt, um sie idealerweise auf dem Höhepunkt der Nervosität aufzulösen. Richards hatte bei seiner vorausgehenden Regiearbeit „Marschier oder stirb“ (1977) bereits ausgiebig mit den atmosphärischen Eigenschaften heißer Umgebungen experimentiert, als er Terence Hill durch die marokkanische Wüste peitschte; auch seine Philip-Marlowe-Adaption „Fahr zur Hölle, Liebling“ (1975) zehrte bereits von einer schwülen Atmosphäre. Das Death Valley in der Mojave-Wüste soll die Hitzerekorde in Richards‘ Vita nun in die Höhe treiben.
Billy jedoch zeigt Cowboy Mike, der sich plötzlich in sein Leben geschmuggelt hat, zunächst die kalte Schulter. Distanzen müssen nicht nur mit dem Flugzeug überbrückt werden, sondern auch in der zwischenmenschlichen Kommunikation. In der ersten Phase des Kennenlernens bietet „Death Valley“ hauptsächlich Trial-and-Error-Comedy nach dem Funktionsprinzip eines Roadrunner-Cartoons: Während Mike unermüdlich neue Versuche startet, das Vertrauen von Billy zu gewinnen, lässt Billy ihn immer wieder durch intellektuelle Überlegenheit trocken auflaufen. Nicht nur Peter Billingsleys äußerliche Erscheinung, inklusive des strohblonden Haars und der Flaschenböden auf der Nase, sondern die ganze Konstellation erinnert ein wenig an „Jerry Maguire“, nur dass ein Paul Le Mat eben kein Tom Cruise ist. Aber wenn schon nicht „Führ mich zum Schotter!“ gerufen werden kann, dann doch zumindest „Führ mich zum Killer!“.

Indem es die geografischen Pole des amerikanischen Westens und Ostens aufgreift, spielt das Drehbuch ein Stück weit mit geltenden Vorurteilen um die Bildungsverteilung zwischen Prärie und Urbanität. Der Cowboy als amerikanischer Archetyp wird im Laufe der Handlung mehrfach vorgeführt, jedoch in der finalen Betrachtung keineswegs der Lächerlich preisgegeben. Das lässt sich vor allem an Paul Le Mats Figur ablesen, den man nach der idolisierten Vorstellung des leiblichen Vaters im Prolog mühelos als unsympathisches Landei hätte zeichnen können, doch Autor Richard Rothstein hat Größeres mit ihm vor. Das Herz des Jungen soll er nämlich gewinnen, und zwar in einem beharrlichen, aufopferungsvollen Kampf, der weit mehr umfasst als die konkrete Lebensgefahr, in der sich alle Beteiligten bald wiederfinden.
Mit einer Trailer-Park-Sequenz, die dem bis hierhin angeschlagenen familiären Ton völlig widerspricht, wird besagter Killer eingeführt. Kehlenschlitzer und Busenblitzer wirken wie aus einer anderen Welt, die eher der sich aufbäumenden Slasher-Welle jener Zeit entspricht als dem eigenwilligen Ansatz dieses Films. Es bietet sich eine tonal durchaus inhomogene Aufbereitung zweier Pfade, die sich unter Garantie kreuzen werden, um die bis dahin schwierige Beziehung zwischen dem Jungen und seinem neuen Stiefvater – soviel filmisches Drama-Grundwissen dürfte selbst unter beinharten Horror-Fans vorausgesetzt werden – auf eine neue Stufe zu heben.
Zugegeben: Ein Thriller, der einen vorlauten Bengel und die Beziehungsprobleme seiner Erziehungsberechtigten in den Vordergrund stellt, dürfte bei der Zielgruppe erst einmal keinen guten Stand haben: Es dauert lange, bis „Death Valley“ sich ans Eingemachte begibt, und wenn es soweit ist, bleibt es zumindest in Bezug auf blutige Schauwerte einigermaßen unspektakulär, obgleich das Gebotene immerhin reichte, um bei den Prüfstellen mit nervösem Zeigefinger eine Indizierung zu bewirken. Kompensiert werden die eher zögerlich umgesetzten Vorzüge, wie sie ein herkömmlicher Slasherstreifen auf seine Prioritätenliste setzen würde, zunächst fast beiläufig durch die Einführung von Stephen McHattie in der Rolle des zwielichtigen Fremden mit stechendem Blick. Auf einmal stiehlt er sich in einem Diner in der Uniform eines Kellners in die Handlung, nimmt also für den Anfang eine Erscheinung an, die man sonst eher als Dekoration in der Peripherie verstehen würde.
Mit zunehmender Laufzeit spielt McHattie seine Leinwandpräsenz immer weiter aus und reißt so nach und nach die Handlung an sich, ohne dazu zwingend dauerhaft in Person auf der Leinwand vertreten sein zu müssen. Das Augenmerk bleibt weiter vor allem auf das Familienkonstrukt gerichtet, das weiterhin durchgehend auf die Probe gestellt wird. Den Beziehungen zwischen Billy und Mike, aber auch zwischen Mike und Sally kann auf diese Weise großzügig Raum zur Weiterentwicklung gegeben werden. Nebenher bleibt McHattie als Faktor X zu jeder Zeit in unmittelbarem Einflussrahmen, ebenso wie sein auffälliger Cadillac, der auf den staubigen Highways deutlich in Tradition von Spielbergs „Duell“ (1971) und dessen Abklatsch „Der Teufel auf Rädern“ (1977) dämonisiert wird. All dies geschieht stets aus der Perspektive des Jungen, der sich im Laufe der Handlung somit einen massiven Wissensvorteil gegenüber den Erwachsenen ausspielt.
Das führt streckenweise zu einem raffinierten Spiel mit den Regeln des Suspense. Gerade beim Besuch einer Westernstadt für Touristen werden gekonnt Situationen erzeugt, in denen die Gefahr, umgeben von Schaustellern in Cowboy-Verkleidung, aus dem Grenzbereich zwischen Spiel/Fiktion und Ernst/Realität heraus derart verschleiert werden, dass man selbst als Zuschauer nicht mehr genau sagen kann, welche Reaktion auf das Leinwandgeschehen gerade angemessen ist. Ebenso überzeugt eine später folgende Seek-and-Hide-Sequenz durch den Einsatz langer, statischer Distanzaufnahmen, in denen die Flucht- und Schleichwege von Jäger und Beute regelrecht kartografiert werden.
Andere Szenen wiederum wirken dafür recht episodisch, insbesondere jene um eine zuckersüchtige Babysitterin, deren Undiszipliniertheit nicht nur sie selbst, sondern auch den Jungen in eine äußerst missliche Lage bringt. In solchen autarken Abschnitten werden Comic Reliefs bemüht, die nicht unbedingt vonnöten gewesen wären, weil sie eher von dem zentralen Katz- und Mausspiel ablenken, das sich zwischen dem Killer und dem Jungen keineswegs nur auf der instinktiven Ebene abspielt, sondern auch auf einer unausgesprochenen intellektuellen Ebene, die sich in den kalten Blicken in beide Richtungen widerspiegelt.
Für einen finalen Twist, der eigentlich nur auf zweiten Blick so bezeichnet werden kann, ist natürlich auch noch Platz. Derartige Höhepunkte inszeniert Richards stets mit den filmtechnischen Entsprechungen eines Paars aufgerissener Augen – Zeitlupen, Gegenschnitte und den zwischen Stille und volle Pulle pendelnden Soundtrack von Dana Kaproff inbegriffen.
Seine reißerische Wirkung, die in den Geltungsrahmen von Zehngroschen-Pulp-Magazinen aus der Tankstellen-Magazinablage hineinreicht, gewinnt „Death Valley“ auch gerade durch sein Nebeneinander aus lautstark angeleiteten Verrücktheiten und sprödem Familiendrama aus der Patchwork-Kiste, gepaart mit der nüchternen Aufmachung eines Wüstenthrillers, der sich nicht entscheiden kann, ob er ins Vorabendprogramm gehört oder im Nachtprogramm versteckt werden müsste. Das ist natürlich weder Fisch noch Fleisch. Zudem sollte man wohl keine generelle Aversion gegenüber Hauptrollen pflegen, bei denen es sich um besserwisserische Zehnjährige handelt, wobei Peter Billingsley durchaus einen der markanten Sorte abliefert. Ein wahrlich Misstrauen erregender Stephen McHattie in Hochform und der doppelbödige Handlungsverlauf entschädigen aber für jede Schwachstelle, die sich aufgrund der äußerst ungewöhnlichen Schwerpunktsetzung ergibt – und inmitten all der Slasher, die zu Beginn der 80er Jahre entstanden, ist dies nun mal einer der wenigen, die konsequent ihre eigene Linie verfolgten.
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Informationen zur Veröffentlichung von „Death Valley“
Thrill Kill Collection #2
Es ist schon ein wenig kurios, wie unachtsam bisher mit „Death Valley“ umgegangen wurde, einem Film voller Potenzial für eine Wiederentdeckung, der aber zugegeben nach wie vor schwer an eine bestimmte Zielgruppe zu vermitteln ist. Bisher ist in Deutschland tatsächlich nur eine VHS erschienen, und die hat sich auch noch mit der Schere an den ein, zwei Stellen zu schaffen gemacht, in denen überhaupt etwas Blut zu sehen ist. 1985 kam es sogar zu Indizierung wegen „sittlicher Gefährdung“ Jugendlicher. In den 80ern wurde diesbezüglich aber natürlich ohnehin mal etwas schneller aus der Hüfte geschossen; hier dürfte außerdem verschärfend mit eingespielt haben, dass es ausgerechnet ein kleiner Junge ist, der sich gegen seinen Widersacher zur Wehr setzen muss, wodurch man wohl ganz direkt den moralischen Kompass bei der natürlichen Entwicklung der Jüngeren gefährdet sah.
Inzwischen sieht man das alles etwas lockerer, und so wurde es zumindest ab der einsetzenden Blu-ray-Ära ein wenig aktiver um den Film. Bereits 2012 erschien über Shout Factory in den USA und in Kanada ein Blu-ray/DVD-Set, das den ungeschnittenen Hauptfilm mit einem Audiokommentar von Dick Richards und Trailern und TV-Spots präsentierte. Andere Länder wie Frankreich und Australien zogen in den folgenden Jahren nach.
Da Wicked Vision mit dem Titel „Silent Madness“ gerade eine neue Sammelreihe eröffnet hatte, die sich um Thriller jeglicher Art dreht, war 2025 auch die Zeit für eine Veröffentlichung in Deutschland gekommen. Im Hochsommer, gerade zur rechten Zeit für einen solchen Film, erschien „Death Valley“ somit als zweite Ausgabe der „Thrill Kill Collection“ und darf sich nur zwei Monate nach dem Auftakt der Reihe zu ihrem Vorgänger in den Schuber gesellen.
Die Verpackung
Damit das Schuberschieben auch gut funktioniert, kommt auch dieser Titel im transparenten Scanavo Case. Ein Wendecover sorgt dafür, dass das Artwork nicht nur mit schwarzem Rahmen und kleinem „Thrill Kill Collection“-Print zu sehen ist, sondern auf der Rückseite auch ganz ohne Fremdelemente auf voller Fläche.

„Death Valley“ ist die zweite Ausgabe der „Thrill Kill Collection“ und kommt wieder inklusive Wendecover ohne Rahmen.
Was wiederum das Cover angeht, gibt es eine kleine Überraschung. Verbreitet ist nämlich sonst fast ausschließlich das Originalposter, auf dem lediglich ein Profilshot der Hauptfigur zu sehen ist, der mit einer im Thriller und Horrorfilm recht verbreiteten Einstellung kadriert wurde, bei der eine Hälfte des Gesichts außerhalb des Bildes liegt. Dieses Motiv war aber immer schon mehr als befremdlich, weil der zum „O“ geöffnete Mund, die wegen der grellen Beleuchtungseffekte künstlich wirkende Haut und die wegen der spiegelnden Brillengläser tot wirkenden Augen wohl eher an eine Gummipuppe erinnern. Hier mal ausnahmsweise von der Leitlinie abzuweichen, möglichst immer das Originalposter zu verwenden, ist da gar nicht mal so eine schlechte Idee.
Genutzt wurde letztlich das türkische Poster, das tatsächlich auch wesentlich besser funktioniert: Im Hintergrund erstreckt sich das Death Valley, die Hand mit dem blutigen Messer ragt aus dem Off ins Bild und auf der Klinge spiegelt sich Catherine Hicks, die an den Fingernägeln kaut, wie man es auch vom Zuschauer erwartet. Und Billy ist trotzdem noch Mittelpunkt des Bildes. Hier bekommen wir also deutlich mehr Informationen über den Inhalt, die jedoch nicht plump als Collage angeordnet sind, sondern sich zu einer organischen Komposition verbinden, die darüber hinaus die Atmosphäre des Films sehr gut einfängt.
Dass die Messerspitze über den schwarzen Rahmen hinausragt, ist übrigens noch ein nettes kleines Signature-Detail des Layouters. Auf den türkischen Titel „Küçük Kahraman“, der übersetzt so viel bedeutet wie „Kleiner Held“, hat man natürlich verzichtet und stattdessen lieber den aus dem Original unverändert übernommenen deutschen Titel „Death Valley“ in die weiße Fläche am oberen rechten Rand eingebaut.
Das Booklet
Ganz verzichten muss man auf das Originalmotiv trotzdem nicht, denn es ziert in hochauflösender Qualität das Cover des 24-seitigen Booklets, auf dessen Backcover noch eine weitere actionreiche Szene zu sehen ist, bei der eine Hand durch eine Holzverkleidung in Billys Richtung greift.
Christoph N. Kellerbach betätigt sich zum Auftakt seines Textes erst einmal als Historiker, indem er das namensgebende Death Valley auf seine mythologischen und geologischen Hintergründe abklopft sowie seine Verwendung als Filmkulisse rekapituliert. Schließlich verknüpft er die Zusammenhänge zur Entwicklung der Grundidee zum Film mit den Biografien von Drehbuchautor Richard Rothstein und Regisseur Dick Richards, deren Interessen wohl in einem ähnlichen Wirkungsbereich verankert waren. Im Anschluss kommt es zur Vorstellungsrunde etlicher Darsteller und zusätzlicher Beteiligter hinter der Kamera, wobei sich durch gewisse Details aus deren Lebenslauf immer wieder kleine Querverweise ergeben, die zum Teil erklären, wieso die Crew ausgerechnet in dieser Form zusammengekommen ist.
Kurz geht er auch noch auf die Dreharbeiten ein, die im Dezember 1980 stattgefunden hatten, allerdings kommt der Postproduktion wesentlich mehr Beachtung zu, da die schwierige Vermarktung durchaus zu den interessanten Aspekten eines Filmes gehört, den man bis heute nicht hundertprozentig in eine Schublade stecken kann, was ihm aber nach Aussage des Autoren eben auch etwas Zeitloses verliehen habe. Bevor die Booklet-Credits einrollen, bekommen wir dann sogar noch einmal das ganzseitig abgedruckte türkische Originalplakat mit dem türkischen Titel „Küçük Kahraman“ zu Gesicht.
Im Gegensatz zum US-Pendant, das als Dual-Format-Edition mit Blu-ray und DVD erschienen war, steckt in der „Thrill Kill Collection“ nur die Blu-ray. Das ist ein wenig schade für die eigentlich immer noch in der Mehrheit befindliche DVD-Only-Käuferschaft. Dass im Gegensatz zur „Black Cinema Collection“ aber bei der „Thrill Kill Collection“ keine Bonus-DVDs geplant sind, wurde vor dem Start der Reihe angekündigt. „Silent Madness“ hatte zwar eine zweite Disc im Paket, das war allerdings eine 3D-Blu-ray.
Das Bild
Das Bild schreit jedenfalls regelrecht „Die Wüste lebt“. Grelles Blau leuchtet über den Wüstenlandschaften und wird vom wimmelnden Filmkorn zum Leben erweckt, darunter bietet sich eine massive Palette von Gelb-, Beige- und Grauschattierungen, mit denen Sand und Gestein an Struktur gewinnen. Die Haut der Darsteller wirkt fleischig-rosa und gesund, die Kleidung wirkt wie von gängigen Waschmittelanbietern aus der Werbung gewaschen, die Konturen sind scharf. Angesichts der letzten Veröffentlichung, einer Kassette im Vollbildformat, gibt es hier also ein Upgrade von 0 auf 100. Das Bildformat entspricht mit 1,78:1 übrigens der US-Disc.
Der Ton
Auch beim englischen Ton lesen sich die technischen Daten im Vergleich mit dem US-Pendant absolut identisch: Geboten wird sowohl eine 2.0-Stereo-Spur als auch eine 5.1-Surround-Spur, beide in DTS-HD Master Audio. In den Musik- und Dialogszenen gibt es nicht allzu viele Unterschiede, das Grundrauschen der Wüste erzeugt im Surround-Modus aber etwas mehr Räumlichkeit, ohne ein Spektakel an die Wand zu malen, versteht sich. Sowohl Instrumente als auch Dialoge kommen absolut präzise aus den Lautsprechern, da gibt es keinerlei Grund zur Klage. Der deutsche Stereo-Ton fällt im Vergleich erwartungsgemäß ab. Schon das Opening Theme kommt etwas wackliger (und eine halbe Note zu hoch) daher, die Stimmen wirken dumpfer und die Hintergrundgeräusche indirekter. Dennoch bleibt auch diese Exklusivität der deutschen Scheibe vor echten, eklatanten Mängeln bewahrt.
Die Audiokommentare
Wie man sich beinahe schon gedacht hat, konnte auch der Audiokommentar mit Regisseur Dick Richards von der Shout-Scheibe übernommen werden. Die Moderation übernimmt Edwin Samuelson, ein selbsterklärter Cinephiler, der unter anderem die Review-Seite „AV Maniacs“ gegründet hat und als Filmemacher an unzähligen Dokumentationen beteiligt war. Das Gespräch entwickelt sich eher in Richtung Q&A als in eine echte Diskussion; Samuelson stellt konkrete Fragen und Richards beantwortet sie zumeist anhand von drei, vier Sätzen. Das kann dann später auch schon mal zu dem ein oder anderen Moment des Schweigens führen.
Mit der Zeit bekommt man anhand der Antworten des Regisseurs natürlich eine gewisse Vorstellung von seiner Arbeitsweise und wird auch an ein paar Einzelheiten zum Dreh herangeführt, mitunter wird das Zuhören aber auch ein wenig anstrengend, weil beide Sprecher eher monoton klingen und Richards darüber hinaus auch ein wenig nuschelt. Gut also, dass es nicht nur englische und deutsche Untertitel zum Hauptfilm gibt, sondern auch deutsche Untertitel zu diesem Kommentar.
Deutlich lebhafter und eingespielter geht es da schon im – exklusiv für diese Edition aufgenommenen – deutschen Audiokommentar zu. Kein Wunder, kommt doch hier das vertraute Doppel Dr. Kai Naumann und Laurent Ohmansiek zusammen, und zwar laut eigener Aussage zum insgesamt neunten Mal. Die Früchte der heiteren Konversation bestehen wie üblich in einer Mischung aus Fun Facts, filmtheoretischen Analysen und filmhistorischer Einordnung. Gleich zu Beginn hauen sie auch gleich mal ein ziemliches Pfund raus, als sie verraten, dass sich „Death Valley“ vom Kino-Flop zum Dauerbrenner im amerikanischen Fernsehen entwickelt hat und dort in einer verlängerten Fassung präsentiert wurde. Das wird zwar auch schon kurz im Kellerbach-Booklet erwähnt, den Nebensatz hat man aber schnell überlesen. Da fragt man sich natürlich schon, wie die Materiallage diesbezüglich ausschaut und warum es diese Fassung nicht als Bonus gibt oder zumindest die zusätzlichen Szenen separat abgerufen werden können. Auch die US-Scheibe bot nichts dergleichen.
Die Extras
Dabei hätte die Edition durchaus noch das ein oder andere Extra vertragen können. Wenn man mit den Kommentaren durch ist, bleiben nämlich nur ein paar Krümel in Form des Trailers, eines TV-Spots und einer kleinen Bildergalerie übrig. Wobei… nicht ganz. Wer ein bisschen auf die Suche geht, findet zumindest noch ein Osterei, dessen Fundort und Inhalt wir auf Seite 2 dieses Artikels verraten. Ansonsten freuen wir uns bereits auf die dritte Ausgabe der „Kill Thrill Collection“, die auch bald auf diesen Seiten erscheinen wird.
Sascha Ganser (Vince)
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