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Richie Rich

„Richie Rich“ markiert die Verfilmung der gleichnamigen Comics als Kinder-Comedy mit dem damals angesagten Macauly Culkin in der Titelrolle als reichster Junge der Welt. Der lernt, dass Geld allein nicht alles ist, findet echte Freunde und verteidigt das Familienunternehmen gegen fiese Schurken. Eine der wenigen Komödien von Produzent Joel Silver.

Originaltitel: Ri¢hie Ri¢h__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1994__Regie: Donald Petrie__Produktion: Joel Silver, John Davis u.a.__Darsteller: Macaulay Culkin, John Larroquette, Edward Herrmann, Christine Ebersole, Jonathan Hyde, Michael McShane, Chelcie Ross, Mariangela Pino, Stephi Lineburg, Michael Maccarone, Joel Robinson, Jonathan Hilario, Claudia Schiffer, Rory Culkin, Ben Stein u.a.
Richie Rich

Von Joel Silver produzierte Kinder-Comedy nach Comicvorlage: “Richie Rich”

Eigentlich kennt man Produzent Joel Silver vor allem für seine Leistungen im Actionkino („Stirb langsam“, „Lethal Weapon“), manchmal auch im Horror- und Thrillerbereich (z.B. „Ritter der Dämonen“ oder „Fletchers Visionen“). Zur Komödie zog es ihn selten, weshalb „Richie Rich“, basierend auf den Comics von Alfred Harvey und Warren Kremer, dann doch ein Ausnahmeprojekt in seiner Vita darstellt.

Für die Titelrolle holte man mit Macauly Culkin auch jenen Kinderstar an Bord, der damals wegen „Kevin – Allein zu Haus“ in aller Munde war. Sein Richie Rich ist der reichste Junge der Welt, der Sohn erfolgreicher Unternehmereltern, der in einer schicken Villa residiert, an einer Eliteschule schon auf die Übernahme von Daddys Business vorbereitet wird, seinen eigenen Butler mit dem hochgestochenen Namen Herbert Arthur Runcible Cadbury (Jonathan Hyde) an der Seite hat und alles, was sich ein Junge nur wünschen kann. Nur eines nicht: Echte Freunde, denn für die ist kein Platz im engen Terminplan. Als er nach einem Termin mit ein paar Kids aus sozial schwachen Verhältnissen eine Runde Baseball spielt, ist ein Anfang gemacht, wobei die alle wie aus dem Castingbüro zusammengestoppelt aussehen, erhältlich unter anderem in den Ausführungen weiblicher Frechdachs, vorlauter Frechdachs und dicker Frechdachs.

Während sich Richies Leben damit zu bessern beginnt, haben in der elterlichen Firma einige Brutaloptimierer Probleme mit dem Kapitalismus mit menschlichem Antlitz, für den Richard (Edward Hermann) und Regina Rich (Christine Ebersole) einstehen. Damit der skrupellose Lawrence Van Dough (John Laroquette) an die Macht kommt, legt er eine Bombe in den Privatflieger der Richs. Die Eltern sind nach der Explosion verschollen und Richie, der in letzter Sekunde von Bord ging, muss nun beweisen, dass er dem Geschäft und Van Dough gewachsen ist…

Richie Rich

Richie (Macauly Culkin) darf die dollen Erfindungen von Professor Keenbean (Michael McShane) ausprobieren

Einerseits ist „Richie Rich“ Zuckerbäckerkitsch der allerübelsten Sorte, der Plattitüden der ganz einfachen Sorte auf sein kindliches Zielpublikum einhämmert. Vor allem jene, dass Freundschaft und Gefühle viel wichtiger sind als alle materiellen Dinge. Das wird so penetrant betrieben, dass sich wohl nur Van Dough und Zuschauer von unter fünf Jahren wundern, wenn sich später herausstellt, was da eigentlich im hochgeheimen Tresor der Richs lagert. Außerdem lernen wir, dass auch Reiche nur Menschen sind, denen gegenüber andere (hier vor allem: die unterprivilegierten Kiddies, die zu Richies besten Freunden werden) ihre Vorurteile abbauen müssen.

Genau in diesen Punkten ist „Richie Rich“ allerdings auch ultraverlogen, denn bei allem Geld-allein-macht-nicht-glücklich-Gehabe bestehen die Schauwerte dann doch in der Präsentation des nahezu obszönen Reichtums der programmatisch betitelten Rich-Familie: Katapult im Garten, Rennen mit Golfkarts über das riesige Anwesen, morgendliches Fitness-Training bei niemand anderem als Claudia Schiffer, die sich selbst im Film spielt. Und sogar einen eigenen McDonald’s hat Richie zur Verpflegung von sich und seinen Gästen im Eigenheim, womit man mal eben Product Placement in seiner dreistesten Sorte für die ganz, ganz kleinen Zuschauer betreibt.

Doch ganz abgesehen von dieser fragwürdigen (Doppel-)Moral ist „Richie Rich“ auch ein Film, der mit Doofi-Humor der ganz besonders groben Sorte um sich wirft. Dicke Menschen sind per se lustig und denken nur ans Essen, weshalb man gleich zwei davon einbaut, damit es noch lustiger wird: Den Erfinder Professor Keenbean (Michael McShane) und Richies Spielkameraden Pee Wee (Jonathan Hilario). Kinder sind natürlich schlauer als alle Erwachsenen und weil die Richs Süßigkeiten herstellen, kann Richie seine Freunde als Testesser anwerben, die natürlich die besten Schokoriegelideen haben. Übelwichte wie Van Dough oder seinen Vollstrecker Ferguson (Chelcie Ross) erkennt man dagegen an der schleimigen oder garstigen Art, während Cadbury die treue Seele ist, die irgendwann mal auflockern muss und von Glorias Mutter Diana (Mariangela Pino) umworben wird – dass die beiden ein Paar werden, steht natürlich außer Frage, denn „Richie Rich“ ist einer jener Filme, in denen es überall nur Töpfe und Deckel gibt. Immerhin: Die Szenen, in denen Cadbury auftauen muss und im Biker-Look herumlaufen, gehören zu jenen, die immerhin noch ein Schmunzeln beim Zuschauer jenseits Kindesalters hervorrufen.

Richie Rich

Was dieses Internet so alles kann! Richie, sein Butler Cadbury (Jonathan Hyde) und ihre Freunde bei der Recherche

Der Rest ist grober Slapstick, der entweder auf die zentnerweise dargebrachten Klischees baut oder immer die offensichtlichsten Simpelgags wählt. Da schlürft Richie ganz laut seinen Milchshake im Meeting und unterbricht den fiesen Van Dough damit. Im Showdown schießt man den schurkischen Sicherheitsdienst mit Säcken voller Kuhdung ab und die Männer stinken danach total. Hach ne, wie lustig. Selbst bei der Vorstellung der Marotten der Reichen (etwa die Schaffung eines Mount-Rushmore-artigen Monuments mit den Visagen der Rich-Familie) wird jedes satirische Potential dadurch untergraben, dass es dann um dem Wow-Effekt geht, dass man derartige Beklopptheiten wohl doch eher bewundern als kritisch betrachten soll.

Das ist also eine kindliche Erfüllungsphantasie, weshalb man zumindest den Darstellern von Richies Freundeskreis das Staunen, die Ahs und Ohs ob der ganzen Ausstattung abnimmt. Macauly Culkin als neunmalkluges Wunderkind mit Frisur, die auch einem Yuppie-Figur aus einem Bret-Easton-Ellis-Roman stehen würde, wirkt immer leicht unsympathisch, was aber auch der Figur liegen könnte. Edward Herrmann („The Town That Dreaded Sundown“), Christine Ebersole („Shopaholic – Die Schnäppchenjägerin“) und Jonathan Laroquette („Katzenmenschen“) führen albernes Schmierentheater der einfältigen Sorte auf, Chelcie Ross („Horsemen“) und Michael McShane („Tucker“) machen noch das Beste aus ihren Klischeefiguren und nur Jonathan Hyde („Titanic“) wirkt wie jemand, der noch was aus dem Material zaubern kann, was das Drehbuch ihm hinwirft. Damit steht er aber allein auf weiter Flur.

Natürlich: Kinder können sicher Spaß an „Richie Rich“ haben, aber Kinder sind ja meistens eh begeistert, wenn sie was gucken dürfen, das auf ihre Altersgruppe zugeschnitten ist. Für erwachsene (oder auch nur jugendliche) Zuschauer bietet der Film des braven Komödien-Handwerkers Donald Petrie („Ein verrücktes Paar – Alt verkracht und frisch verliebt“) wenig, mit seinen harmlosen Simpel-Slapstickgags, seinen drögen Klischees und seiner Geld-ist-nicht-alles-aber-viel-Geld-haben-ist-doch-schon-sehr-geil-Message. Joel Silver wandte sich danach auch lieber wieder Action- und Horrorfilmen zu.

Warner hat den Film hierzulande auf DVD veröffentlicht, mit dem Kinotrailer als einzigem Bonusmaterial.

© Nils Bothmann (McClane)

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