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Der Astronaut – Project Hail Mary

Originaltitel: Project Hail Mary__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: Phil Lord, Christopher Miller__Darsteller: Ryan Gosling, Sandra Hüller, Lionel Boyce, Milana Vayntrub, Ken Leung, Mia Soteriou, Annelle Olaleye, Maya Eva Hosein, Bastian Antonio Fuentes, Alice Brittain u.a.
Der Astronaut - Project Hail Mary DVD Cover

Ryan Gosling ist „Der Astronaut – Project Hail Mary“.

Überlebens- und Unterhaltungskünste im Weltraum

Nicht, dass nicht auch die andere Andy-Weir-Adaption der vergangenen Jahre, Ridley Scotts „Der Marsianer“, ihre humorvollen Momente gehabt hätte. Es war jene Art von Humor, bei der einem eh nichts anderes übrig bleibt, weil man sich eben gerade zufällig gerade in einer unvorbereiteten, ungeplanten und ungetesteten Situation befindet, in der einem nicht unendlich viele Leben zur Verfügung stehen, um verschiedene Überlebensstrategien durchzugehen. Da kann ein bisschen Galgenhumor als Reaktion ganz gesund sein. Vielleicht ist er sogar überlebenswichtig, um einen kühlen Kopf zu bewahren und die Lage zu meistern. Trotz dramatischer Zukunftsaussichten passt er ins Gesamtbild. Er ist glaubwürdig.

Bei „Der Astronaut“ sitzt aber nicht mehr Ridley Scott auf dem Regiestuhl. Den teilen sich nun Phil Lord und Chris Miller, die Köpfe hinter den Animationsfilmen „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ und „The LEGO Movie“. Und während es praktisch keinen Unterschied macht, ob man nun dem von Matt Damon gespielten Astronauten Mark Watney oder dem von Ryan Gosling („The Fall Guy„) gespielten Molekularbiologen / Lehrkörper Dr. Ryland Grace über die Schulter schaut, weil beide im Grunde bloß ferngesteuerte Androiden aus der gleichen Bauserie sind, mit denen die realistisch geprägte Tüftler-Science-Fiction in der Praxis ausgeführt werden kann, so macht es sehr wohl einen Unterschied, wer den Androiden steuert, und wie elegant er das tut.

Und so poltert Gosling zum Einstieg mit verfilzter Kopfbehaarung wie eine Ragdoll-Puppe von der Bahre, bar jeder Kontrolle über die eigenen Extremitäten. Schielende Augen, null Auge-Hand-Koordination, der Körper dreht sich desorientiert um die eigene Achse wie das Vincent-Vega-Meme vor einem beliebigen Hintergrund. Aus der technischen Simulation einer realen Notlage auf einer Raumstation wird eine Comedy-Bühne. Keine Frage, da schlägt die Prägung der beiden Filmemacher durch. Und das wird nur noch offensichtlicher, als der Astronaut wider Willen irgendwann Besuch kommt und aus einem Solo-Survival-Abenteuer ein Buddy Movie auf Abwegen wird. Es folgen die Basics interspezifischer Kommunikation mit allen Missverständnissen, die eine solche bereithält. Die Filmgeschichte ist voll von markanten Beispielen für die holprige Interaktion zwischen Menschen und Außerirdischen, hier gliedert sich ein weiteres Exemplar nahtlos in die Ahnenreihe ein.

Ryan Gosling in "Der Astronaut - Project Hail Mary"

Ryan Gosling soll im All die Menschheit retten.

Entertainment als höchste Form der Wissenschaft

Aus Marketingsicht ist die Paarung Lord/Miller und Weir sicherlich ein gewiefter Schachzug. Amazon/MGM/Sony bekommen exakt die Mischung, von der sie sich erhoffen, die breite Masse ködern zu können. Mit Aufgeschlossenheit spielerisch lernen und Spaß dabei haben, lautet das Motto. Man muss zwangsläufig das Gefühl bekommen, endlich mal wieder einen halbwegs intelligenten Originalstoff geboten zu bekommen und keine weitere dieser degenerierten Fortsetzungen, ohne aber, und das ist der große Unterschied zum klein skalierten Special-Interest-Kino, von allzu viel grauer Theorie oder eigenwilligen Perspektiven überfahren beziehungsweise überfordert zu werden.

Schaut in den Trailer

Bei einer solchen Ausrichtung wird allerdings die Anarchie, die wir von den beiden Regisseuren normalerweise kennen, durch das leicht spießige Figurenmaterial mit Jugend-forscht-Attitüde gehörig abgedämpft. Dies ist eben keine Reise auf dem Beifahrersitz des Millenniumfalken, sondern ein kosmisches Puzzle in einem interstellaren Escape-Room. Umgekehrt sind gerade die Szenen mit Beteiligung von Sandra Hüller, die mit deutschem Tiefkühlhumor ganz nach amerikanischem Geschmack auf sich aufmerksam macht und dennoch ihre Würde bewahrt, oftmals unpassend flapsig. Bei Ryan Gosling reicht eigentlich oft eine hochgezogene Augenbraue, um knallend eine Pointe zu setzen. Lord und Miller wollen aber oft mehr Spaß, als ihrem Stoff bekommt. So unterschätzen oft die Ernsthaftigkeit der Lage. Während sie mit dem steinigen Alien-Begleiter des Astronauten relativ frei schalten und walten können, wie sie wollen,weil es in dieser originären Situation keine etablierten Konventionen geben kann, treffen sie in der Vorbereitung des Einsatzes bei Lagebesprechungen und Briefings nicht immer den richtigen Ton.

Ryan Gosling und Sandra Hüller in einer Bestsellerverfilmung

Ryan Gosling und Sandra Hüller wollen das Ende allen menschlichen Lebens abwenden.

In dieser von Kompromissen behafteten Grundstimmung treibt der mehr als zweieinhalb Stunden lange Film schließlich in einer Seelenruhe vor sich hin, kurzweilig genug einerseits, dass man die Überlänge gar nicht so richtig mitbekommt und fast überrascht ist über den Abspann, man andererseits aber doch manchmal gepflegte Langeweile verspürt, so dass vor allem der Wiedersehwert nach der Erstsichtung in Frage gestellt werden muss. Das erzählerische Experimentieren mit der Rückblenden-Parallelmontage wiederum, die die Zeitebenen vor und während der Mission verknüpft, geht ziemlich rund auf. Der kleinteilige Fortschritt der laufenden Mission wird nämlich auf diese Weise spürbar mit Bedeutung aufgeladen, der Kampf gegen das Aussterben allen Lebens erhält also seinen Sinn, als die Menschheit sich zu der nicht länger zu leugnenden Erkenntnis durchringen muss, dass ein Handeln angesichts der Zukunftsaussichten alternativlos geworden ist.

„Der Astronaut – Project Hail Mary“: Kleine Schritte für Ryan Gosling, ein Riesenschritt für Amazon / MGM

Man könnte wohl sagen, „Der Astronaut“ ist ein Blockbuster, wie er zumindest bis vor rund zwanzig Jahren noch im Buche stand: Nur leidlich originell, dadurch ein wenig seicht, aber immer noch „mit Herz und Hirn“, wie man im Volksmund so schön sagt. Getragen von einem Hauptdarsteller, der ohnehin schon vor Jahren seine Lead-Qualitäten unter Beweis gestellt hat und seitdem nur noch sicherer geworden ist in dem, was er tut. Die Ausstattung ist formidabel, der Soundtrack so facettenreich wie das Leben, das er kommentiert.

Am wichtigsten für die Nachwirkung des Films ist aber seine Prämisse. Mit ihr wird an die aktuelle Weltlage gemahnt, wie es im Genre gemeinhin üblich ist, doch anstatt sie zu einem hoffnungslosen Weltuntergangsszenario auszuhöhlen, um mit der Taktik eines Schockbildes aufrüttelnde Wirkung zu erzeugen, werden strukturierte Lösungsansätze in mehreren, einfach verständlichen Schritten geliefert. Ein Box-Office-Hit, der eigene Antworten liefert, anstatt nur Fäden aufzunehmen oder gar neue Fragen zu stellen: Das ist schon eher eine willkommene Anomalie als die übliche Regel unter den Straßenfegern.

6 von 10

Informationen zur Veröffentlichung

„Der Astronaut – Project Hail Mary“ feierte im Frühjahr 2026 seine weltweite Premiere und startete regulär am 19. März 2026 in den deutschen Kinos, noch einen Tag vor dem US-amerikanischen Kinostart. Wer den SciFi-Blockbuster lieber in den eigenen vier Wänden erlebt, kann ihn im Streaming-Abo erleben: Amazon Prime Video hat den Film am 3. Juli 2026 offiziell in sein deutsches Programm aufgenommen. Für Sammler und Liebhaber physischer Medien steht der Heimkino-Release ebenfalls kurz bevor. Der Film erscheint am 27. August 2026 auf DVD, Blu-ray sowie in hochauflösender 4K Ultra-HD im Vertrieb von Plaion Pictures.

Die Standard-Discs versprechen dabei eine starke Ausstattung, die unter anderem fünf gelöschte Szenen, ein Making-of-Featurette und einen exklusiven Audiokommentar des Regie-Duos Phil Lord und Christopher Miller beinhaltet. Ein echtes Highlight für das Sammlerregal folgt schließlich am 22. Oktober 2026 mit einer limitierten Collector’s Steelbook Edition im Hardcover-Schuber, welche neben einem gedruckten Begleitbooklet insgesamt drei Discs enthält – darunter zwei 4K UHDs inklusive einer exklusiven Bonus-Disc.

Sascha Ganser (Vince)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Amazon/MGM/Plaion Pictures__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Ultra-HD Blu-ray/Blu Ray/DVD: Ja/Ja/Ja (ab August 2026)

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