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Spider-Man: Brand New Day

In „Spider-Man: Brand New Day“ muss Tom Holland als Titelheld nicht nur damit klarkommen, dass seine Freunde ihn vergessen haben, sondern auch mit einer neuen unbekannten Bedrohung. Beim vierten Teil der Reihe, bei dem Destin Daniel Cretton anstelle von Jon Watts Regie führt, bildet der Held zeitweise eine Zweckgemeinschaft mit Jon Bernthal als Punisher und muss mit Veränderungen seines mutierten Körpers kämpfen.

Originaltitel: Spider-Man: Brand New Day__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: Destin Daniel Cretton__Darsteller: Tom Holland, Zendaya, Jacob Batalon, Mark Ruffalo, Jon Bernthal, Sadie Sink, Tramell Tillman, Liza Colón-Zayas, Marisa Tomei, Michael Mando, Marvin Jones III u.a.
Spider-Man: Brand New Day

In „Spider-Man: Brand New Day“ trifft Tom Holland als Titelheld auf eine unbekannte Bedrohung

Nachdem die vorigen Filme der MCU-„Spider-Man“-Reihe immer das Wort „Home“ im Titel beinhalteten, heißt der vierte Film der Reihe nun „Spider-Man: Brand New Day“, soll also trotz identischem Personal vor der Kamera also eine Art Aufbruch oder Neustart sein, nachdem der Vorgänger „No Way Home“ etwas von einem Abschlussfilm hatte.

Wir erinnern uns: Um das Multiversum zu retten, hatte Peter Parker (Tom Holland) am Ende von „No Way Home“ seine Existenz aus dem Gedächtnis aller Menschen ausradieren lassen – auch aus dem seines besten Kumpels Ned Leeds (Jacob Batalon) und seiner großen Liebe Michelle ‘MJ‘ Jones-Watson (Zendaya). An Spider-Man können sich die beiden und der Rest der Welt erinnern und in genau diese Existenz stürzt sich Peter. Wie ein Einsiedler lebt er allein in einer kleinen Wohnung, verbessert die technischen Gadgets seines Anzugs und räumt unter den Verbrechern in New York auf. Die leitende Polizistin Detective Jean DeWolff (Liza Colón-Zayas) hat er auf Kurzwahl, dem Werdegang seiner Freunde von Erstsemestern zu Absolventen am MIT folgt er nur via Instagram. Regisseur Destin Daniel Cretton, superheldenerfahren durch „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“, sorgt mit einer pointierten Montage-Exposition für eine Bestandsaufnahme von Spider-Man, dem Workaholic, und baut dabei ein paar Verweise auf die Comicvorlagen und die illustre Schurkengalerie des Netzschwingers ein.

Superschurken werden von der Organisation Damage Control verwahrt, doch es häufen sich die Attacken gegen deren Einrichtungen. Spider-Man selbst greift ein, als ein Panzerwagen in eines von deren Gebäuden kracht und ein unbekannter Schurke schließlich Scorpion (Michael Mando) befreit. Der Täter bleibt unbekannt, da er nicht physisch vor Ort ist, sondern sich des Bewusstseins anderer Menschen bemächtigt und von einem Wirt zum anderen springen kann. Ein entsprechender Versuch bei Spider-Man klappt nicht, doch der Held hat es mit einer neuen Art von Feind zu tun. Dies bringt auch leichte Whodunit-Elemente hinein, da „Brand New Day“ die Schurkenidentität lange Zeit geheim hält und damit auch die Frage, wie dieser vorgeht, ob es sich dabei um Magie, fortgeschrittene Technologie oder andere Mittel handelt.

Peter macht sich auf die Suche nach der unbekannten Bedrohung und nach dem Motiv für die Taten. Dummerweise macht sein Körper zu dieser Zeit Veränderungen durch, denn die nächste Evolutionsstufe seiner Spinnen-DNA springt an – eventuell auch durch seine Überarbeitung getriggert. Sein neues Abenteuer muss Spider-Man also unter erschwerten Bedingungen bestehen…

Schaut euch den Trailer zu „Spider-Man: Brand New Day“ an

Hatten die drei Vorgängerfilme einen eher lockeren, flapsigen Ton im Stile vieler Vorlagen-Comics angeschlagen, so ist „Brand New Day“ etwas ernster. Es geht um Einsamkeit, um Trauer und um Überarbeitung, was alles miteinander zusammenhängt. Um den Tod von Tante May und den Verlust seiner Freunde zu kompensieren, stürzt sich der Loner Peter in den Kampf gegen das Verbrechen. Stressbedingte Ausfälle haben allerdings katastrophale Folgen, die beispielsweise fast den Tod einer Polizistin bedeuten. Anstelle von Pillen wählt Peter zur Selbsttherapie lieber ein Gadget zur Spinnen-DNA-Unterdrückung, doch am Ende stehen universelle Fragen: Bekämpft er nur die Symptome oder hilft er sich wirklich? Muss er die Veränderung akzeptieren? Und gibt es psychologische und emotionale Gründe, die sich nicht einfach technologisch unterdrücken lassen? Das Hadern mit der eigenen Superheldenidentität und der vermeintlichen Bestimmung ist ein alter Hut im Genre, doch das Drehbuchduo aus Chris McKenna („Ghosted“) und Erik Sommers („Ant-Man and the Wasp“) nimmt das Thema ernst und erzählt es mit so viel Rückkopplung an Realweltprobleme im (Arbeits-)Alltag, dass es dem Nimbus von Spider-Man als besonders nahbarem und menschlichem Helden gerecht wird.

Spider-Man: Brand New Day

Peter Parker (Tom Holland) sucht Rat bei Bruce Banner (Mark Ruffalo)

Gleichzeitig ist „Brand New Day“ mit seinen Themen und Handlungssträngen selbst für eine 145-Minuten-Laufzeit recht ambitioniert. Die mögliche Kontaktaufnahme zu MJ und Ned, eine Erforschung der Schurkenfigur, das Einbringen einer weiteren (absehbaren) Bedrohung sowie das Anknüpfen an andere Marvel-Properties stehen ebenfalls im Raum. Letzteres lässt „Brand New Day“ in seinen schwächeren Momenten leider wie die Vorbereitung auf weitere Geschichten anfühlen – etwas, das schon einige Comicverfilmungen plagte, sich in den Zeiten sinkender Superheldenpopularität allerdings gewagt bis unklug anfühlt und der Geschichte des eigentlichen Films an Impact nimmt. Immerhin kann „Brand New Day“ trotzdem gut für sich stehen und auch die Einbindung anderer MCU-Charaktere funktioniert meist besser als schlechter. Zur Schlechter-Kategorie gehört Yelena Belova (Florence Pugh) alias Black Widow, die Spidey mit ein paar Informationen versorgt, aber in erster Linie für ein paar durchwachsene Witzeleien sorgt. Zur Besser-Kategorie gehört zum einen Bruce Banner (Mark Ruffalo) als Seelenverwandter Spider-Mans, der ebenfalls mit seiner zweiten Natur zu kämpfen hat. Er hat den altersweisen Blick auf das Ganze, etwa auch die Frage danach, wer denn nun bestimme, welche Teile einer Superhelden-DNA monströs und welche nützlich sind. Zum anderen Frank Castle (Jon Bernthal), der Punisher, der sogar die beste Ergänzung darstellt, nachdem die beiden in dem Disney+-Special „One Last Kill“ schon miteinander zu tun hatten. Zum einen stellt „Brand New Day“ die Unterschiede zwischen der Todesmaschine aus Kinofilmen und Serien für Erwachsene und der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft pointiert heraus (auch mit Blick auf deren Wortwahl), ohne eine der Figuren zu verwässern. Und als die beiden zu einer Schicksalsgemeinschaft werden, hat Castle sogar einen überraschend tiefgründigen Rat für den Spinnenmann, der gleichzeitig hundertpro zu seiner Figur passt.

Über weite Strecken kann „Brand New Day“ seine Charaktere und Handlungsstränge organisch verzahnen, auch wenn der eine oder andere Aspekt manchmal etwas zu sehr aus dem Blickfeld gerät. Schwierig wird es erst, wenn der Film in seinen finalen Akt einsteigt, vom dem man einerseits ahnt, dass er kommen wird, der andrerseits trotzdem wie ein Nachgedanke wird. Auf einen Quasi-Showdown folgen eine antiklimaktische Ruhepause und ein weiteres Finale, das seltsam zwischen Passagen der Be- und der Entschleunigung schwankt. Das alles bringt den Film nicht außer Takt, lässt ihn aber etwas straucheln. Denn emotionale Szenen mit MJ und Ned mögen dem Film auf der Seite der Charakterzeichnung guttun, wirken erzählerisch in dieser Phase aber ein wenig wie Bremsklötze.

Spider-Man: Brand New Day

Spider-Man muss mit dem Punisher Frank Castle (Jon Bernthal) zusammenarbeiten

Peters Gefühlshaushalt bekommt vergleichsweise wenig Screentime, weiß „Brand New Day“ aber doch zu tragen, gerade dadurch, dass die Figuren schon über mehrere Filme miteinander harmonieren. Wenn Peter als Fremder zu einer Party von Ned und MJ geht und Fremder bleibt, dann muss „Brand New Day“ dies nicht auswalzen, MJs neuer Freund muss nur kurz zu sehen sein, und doch erkennt man, welches Leid dies in dem Helden auslöst. Und doch entscheidet sich „Brand New Day“ nicht für den Friede-Freude-Eierkuchen-Weg, dass der Status Quo einfach so wiederhergestellt werden kann. Dass Peter dabei auch ein Opfer seines eigenen Heroismus ist, macht der Film ebenfalls von Anfang an klar: Entgegen seines Versprechens am Ende von „No Way Home“ hat er sich seinen Freunden nicht offenbart, ein entsprechender Brief an MJ liegt unabgeschickt in der Schublade. Doch „Brand New Day“ bläst nicht bloß Trübsal, sondern setzt den bewährten Spider-Man-Humor dosiert ein, gerade wenn der Held mit den Veränderungen seines Körpers klarkommen muss, der Besuch der fallengespickten Punisher-Behausung zum Spießrutenlauf wird oder Peter sich bei der Annäherung an MJ und Ned tollpatschig anstellt.

Action wird in den zweieinhalb Stunden ebenfalls eher dosiert eingesetzt, überzeugt aber eigentlich durchweg. Die Jagd auf den Panzerwagen ist temporeich gemacht, ein Scharmützel mit Scorpion ist solider Standard und die Trademark-Szenen, in denen sich Spider-Man durch Häuserschluchten schwingt, schauen wieder schick aus, auch wenn das CGI gelegentlich etwas besser sein könnte. So richtig auf die Pauke hauen allerdings die letzten beiden großen Set Pieces. In dem einen führt Spider-Man einen zerstörungsreichen Kampf mit besonderer Unterstützung und besonderen Gegnern, bei dem Kräfte und Spezialitäten aller Beteiligten gelungen eingesetzt werden. Der Showdown ist eine ausladende Sache, die sich rein nicht auf Schauwerte verlässt, aber einen Fight gegen eine Gegnertruppe enthält, der grandios choreographiert ist – da ist dem Stunt- und Fight-Team rund Fan Xiaoshuang („Die Unfassbaren 3“), Leonard Woodcock („The King’s Man: The Beginning“) und Marlow Warrington-Mattei („Jurassic World: Die Wiedergeburt“) eine wirklich memorable Einlage gelungen.

Spider-Man: Brand New Day

MJ (Zendaya) kennt zwar Spider-Man, weiß aber nicht mehr, wer Peter Parker ist

In der Hauptrolle spielt Tom Holland („Uncharted“) einen gereiften, aber auch gezeichneten Spider-Man, was ihm toll gelingt und eine Weiterentwicklung der Figur bedeutet. Zendaya („Dune: Part Two“) spielt die große Liebe, die nicht weiß, dass sie eine große Liebe ist, ebenfalls sehr gut, während Jacob Batalon („The Wrecking Crew“) als Comedic mit Sidekick erneut ein Scene-Stealer ist. Florence Pugh („Thunderbolts*“) ist okay, bekommt aber nicht das beste Material, Mark Ruffalo („Collateral“) ist Edelsupport und Jon Bernthal („The Amateur“) als Punisher erbringt die vielleichte beste Leistung des Films. Marisa Tomei („Parker Kane“) hat eine Minirolle, weitere starke Performances gibt es von Sadie Sink („Stranger Things“), Liza Colón-Zayas („The Purge: Election Year“) und Tramell Tillman („Mission: Impossible – Final Reckoning“).

Es ist sicherlich eine gute Idee, dass die „Spider-Man“-Reihe sich neu orientiert. „No Way Home“ hatte funktioniert, aber war immer auch ein bisschen ein Gimmickfilm, weshalb es schön ist, dass „Brand New Day“ erzählerisch stärker daherkommt. Etwas weniger Zukunftsvorbereitung und weniger Tempoprobleme im Schlussakt hätten dem vierten Teil sicherlich gut zu Gesicht gestanden, dafür machen die Set Pieces was her (vor allem die Fighteinlage im Showdown), Peter Identitätskrise besitzt Tiefgang und gute Ploteinbindung, die Bösewichtsfigur ist merklich interessanter und vielschichtiger als viele andere Superschurken. Und dass ausgerechnet der Punisher in diesem Film so gut funktioniert, das war nicht unbedingt zu erwarten.

Sony bringt „Spider-Man: Brand New Day“ am 29. Juli 2026 in die deutschen Kinos, ungekürzt ab 12 Jahren freigegeben.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Sony__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 29.7.2026 in den deutschen Kinos

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