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Embattled

Originaltitel: Embattled__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2020__Regie: Nick Sarkisov__Darsteller: Stephen Dorff, Elizabeth Reaser, Donald Faison, Karrueche Tran, Saïd Taghmaoui, Drew Starkey, Darren Mann, Drew Scheid, Ava Capri, Michael Wayne Foster u.a.
Embattled MMA Drama mit Stephen Dorff

Stephen Dorff gerät in “Embattled” in einen tragischen Vater-Sohn-Konflikt.

Erst vor wenigen Tagen erschien in Deutschland Sean Patrick Flanerys „Born a Champion“, in dem der Mime seine Liebe zum Jiu-Jitsu zelebrierte. Ebenjene Kampfsportart, die ein wesentliches Element des heute so großen MMA darstellt. Neben dem Kampfsport fokussierte das Drama allerdings auch stark auf die Figuren und besaß als Herz eine schöne Liebesgeschichte. Auch „Embattled“ ist kein reiner Martial-Arts-Actioner. Der Drehbuchautor David McKenna, der unter anderem die Vorlage für „American History X“ geschrieben hat, schuf ein stark charakterzentriertes Skript, das auf einen ultimativen Vater-Sohn-Konflikt hinausläuft.

Jett und sein Vater Cash bauen wieder Vertrauen zueinander auf. Sie waren lange Zeit voneinander getrennt, weil Cash sich an Jetts Mutter vergriffen hatte, weshalb diese den aufstrebenden MMA-Star aus dem gemeinsamen Haus schmiss. Seitdem ist Cash zum Superstar seiner Liga aufgestiegen und macht Millionen. Jett, inzwischen volljährig, entwickelt großes Interesse, auch im MMA erfolgreich sein zu wollen, weshalb er sich irgendwann von seinem Vater trainieren lässt.

Die Mutter von Jett akzeptiert dies, allerdings nur im Sinne der Wünsche ihres Sohnes. An einer Wiedervereinigung mit Chase ist ihr nämlich so gar nicht gelegen. Immerhin beteiligte sich ihr Ex nicht einmal an den kostenintensiven Operationen für den gemeinsamen Sohn Brian, der am Williams-Syndrom leidet. Doch zumindest Jett und Chase finden tatsächlich zueinander. Allerdings nur solange, bis Chase genau die gleichen Verhaltensweisen auffährt, die einst zur Trennung von Jetts Mutter führten.

Genau in diesen Momenten der Eskalation erinnert sich Jett, was damals WIRKLICH zur Trennung seiner Eltern geführt hatte. Irgendwann explodiert dann auch Jett, die Weltöffentlichkeit bekommt Wind von dem zerrütteten Vater-Sohn-Verhältnis und fordert einen ultimativen MMA-Fight: Vater gegen Sohn, Chase gegen Jett…

Schaut in das MMA-Drama mit Stephen Dorff hinein

Wie eingangs erwähnt, stellt Drehbuchautor David McKenna vollkommen auf seine Figuren ab. Er interessiert sich nicht für MMA-Fight-Taktiken, nicht für das Business, nicht für eventuell finstere Seiten. Ihm geht es einzig und allein um die Eskalation der Figurenkonstellation aus Vater, Sohn, Mutter und krankem Jungen. Dazu entwirft er ungemein plastische Figuren mit zig Ecken und Kanten. Alleine die Anlage von Stephen Dorffs Chase ist schlicht und ergreifend großartig.

Wofür sich der Mime mit einer absolut erstklassigen Performance bedankt. In der Öffentlichkeit entwirft er einen grandiosen Wiedergänger des aktuellen MMA-Superstars Conor McGregor. Entwirft einen biestigen Widerling mit Schnellfeuermundwerk, der alles und jeden beleidigt und bloßstellt, nur um im Rampenlicht zu stehen. Abseits der Kameras gibt er den geradezu liebevollen Familienvater, in dem es allerdings brutal brodelt. Und kommt der Vulkan in ihm aus den nichtigsten Gründen zum Ausbruch, schlägt er sogar Kinder und zerstört sein eigenes Glück.

Embattled mit Stephen Dorff

Chase ist der unumstrittene Star seiner Liga.

Spätestens in diesen Momenten ist Stephen Dorff („Blade“) furchterregend gut und sein Charakter einer der perfektesten und fiesesten Bösewichter aller Zeiten. Ein Bösewicht, der seinen eigenen Sohn vor dem Finalkampf anruft und ihm mit ruhiger Stimme erklärt, dass er ihn am Folgetag töten werde. Und er meint es verdammt ernst.

In dem jungen Darren Mann als Jett hat Dorff einen perfekten Gegenpart. Jett weiß anfangs nur zu gut, wie er seinen Vater und dessen Marotten zu nehmen hat. Aber wenn der Vater dann austickt, ist dieses Kontrollelement weg. Dann verliert auch Jett die Kontrolle über sein Leben. Er landet in brutalen Amateurfights oder muss in Sparrings gegen weitaus erfahrenere Kämpfer ran. Am besten ohne jedweden Schutz, der sei nur für Pussys. Dorff und Mann haben echt eine unglaubliche Chemie miteinander und ziehen den Zuschauer mittenrein in diese toxische Beziehung, die richtiggehend schöne, aber auch unfassbar rohe Momente gebiert.

Embattled Vater gegen Sohn

Die Weichen für den Kampf zwischen Vater und Sohn sind gelegt.

Die Action spielt in diesem stark gespielten Drama (auch Elizabeth Reaser („Ouija“) als Mutter und Drew Scheid als am Williams-Syndrom leidender Brian spielen bockstark, mit Donald Faison („Scrubs“) verirrte sich zudem ein weiteres bekanntes Gesicht in den Cast) eine eher untergeordnete Rolle. Direkt zu Beginn steigt ein kurzer Fight von Cash, in dem Dorff in erster Linie seinen perfekt gestählten Body ins rechte Licht rückt. Dann dominieren Trainingssequenzen von Jett und er bestreitet einen kleineren Fight als MMA-Debüt. Zwischendurch darf auch Chase noch einmal kurz ran und dann ist schon der Showdown im Octagon fällig.

Dieser wird ausgiebig zelebriert, geht über fünf Runden und bietet ein ordentlich geskriptetes Hin und Her zwischen Vater und Sohn. Leider ist der Fight nicht sonderlich gewinnbringend in Szene gesetzt. Die Kamera ist immer viel zu nah an den Kämpfern dran. Es wird viel geschnitten. Ab und an geht auch mal der Zusammenhang in den Fights flöten und allzu oft wird auf Reaktionen vollkommen uninteressanter Personen gegengeschnitten.

Stephen Dorff als Conor McGregor Widergänger

Stephen Dorff lehnt seine Figur deutlich an Conor McGregor an.

Unglücklich gesetzte, extrem zerdehnte Zeitlupen lassen zudem Momente unfreiwilliger Komik aufkommen. Dafür passt die Härte des Fights und hat man immer den Eindruck, dass hier ein großer Wert auf Realismus gesetzt wurde. Positiv hervorzuheben ist auch der Ausgang des Fights. Der verzichtet auf die große Kitschkeule und verpasst allen Figuren das Ende, das sie verdient haben. Was ebenfalls angenehm realistisch rüberkommt.

Der dialoglastige Film wird von Regisseur Nick Sarkisov sauber und stilsicher in Szene gesetzt. Rund um Jett und seine Familie dominieren warme Farben, während Cashs Welt eher in kalte Farben getaucht wird und der Luxus die Bilder dominiert. Ein druckvoller Soundtrack pumpt zusätzlich ordentlich Leben in das Filmtreiben.

„Embattled“ ist garantiert kein typischer MMA-Film

Der gesamte Ansatz von „Embattled“ ist wirklich hochinteressant. Die Art und Weise, wie Regie und Drehbuch das Vater-Sohn-Gespann erst zusammenwachsen lassen, um es dann umso eindrücklicher auseinanderzureißen, verfängt sofort beim Zuschauer. Was natürlich auch an den großartigen Schauspielern liegt, wobei sich vor allem Stephen Dorff als absoluter Glücksgriff erweist. In der deutschen Fassung kommt er sogar noch einen Zacken krasser rüber als im Original, da er hier die mega aggressive Scott-Adkins-Synchronstimme von Jan-David Rönfeldt erhalten hat.

Schade ist, dass die MMA-Fights in ihrer Inszenierung mit der dramatischen Wucht des Filmes nicht mithalten können. Zwar kommen sie in weiten Teilen sehr realitätsverbunden daher und geraten auch reichlich brutal, aber die Kamera geht zu sehr mittenrein und gibt den Fights nicht den gebührenden Raum. So verliert dann leider sogar der finale Vater-Sohn-Konflikt an Impact.

7 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erscheint am 29. Juli 2021 von Universal Pictures und ist mit einer FSK 16 ungeschnitten. Ein Making-of zum Film gibt es auch, leider käut das weitestgehend nur die Handlung wider.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Universal Pictures Home Entertainment__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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