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Epoch

Originaltitel: Epoch__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2018__ Regie: Rich Lee__ Darsteller: Whitney Wagner, Laura Hanks & Al Spencer

Epoch

Den Kurzfilm kann man sich (in der Originalfassung) hier anschauen!

Eines Tages wurde Kameramann Christopher Probst – welcher bis dato bereits diverse Werbe-Clips, Musik-Videos (zu Songs von Künstlern wie Muse, Lady Gaga, Jay-Z, Eminem, den Black Eyed Peas und Taylor Swift) sowie einige Kurz- und Langfilme (darunter „Fire with Fire“, „Detention“ und „Beyond Skyline“) bebildert hatte – seitens des Präsidenten der RED Digital Cinema Camera Company (Jarred Land) darauf angesprochen, ob er denn Interesse daran hätte, das neuste Produkt der Firma – die DSMC2 WEAPON mit MONSTRO 8K VV Sensor – samt der Nutzung von Dollys, Kränen und Drohnen einem Intensiv-Test bei unterschiedlichen Licht-Verhältnissen in rauen Umgebungen zu unterziehen…

Gern sagte Probst zu und kontaktierte Regisseur Rich Lee – mit dem er zuvor schon mehrfach kollaboriert hatte – um ihn mit an Bord zu holen sowie das Ganze konkreter zu planen. Dabei kam ihnen der Gedanke, statt einer „Tech-Demo“ lieber einen dasselbe Bestreben Schrägstrich Ziel erfüllenden narrativen Short zu kreieren, der zugleich auch weitere Möglich- und Zuträglichkeiten (u.a. im Hinblick auf die öffentliche Präsentierbarkeit) mit sich bringen würde. Stracks fand die Idee Anklang, verfasste Lee ein Skript, konnte zusätzliches Budget aufgetrieben sowie eine kompetente Crew rekrutiert werden – und so entstand schließlich der hier nun zur Rezension vorliegende 2018er Sci-Fi-Horror-Zwölfminüter „Epoch“…

Angesiedelt in einer postapokalyptischen Zukunft, in der nur noch wenige Menschen am Leben sind, begleiten wir eine junge Frau (Whitney Wagner), die in ihrem Van in einer Reihe karger Wüsten-Gegenden unterwegs ist – im Rahmen dessen sie stets wachsam (mit einem Gewehr allzeit griffparat) nach Vorräten sucht, in verlassenen Häusern schläft sowie per regelmäßigem Scannen der Funk-Frequenzen auf das Empfangen von Übertragungen anderer hofft. Als sie in einer Kleinstadt einen Laden betritt, stößt sie drinnen auf den noch recht frischen Körper eines Mannes, dem sein Arm abgerissen sowie seine Eingeweide „entnommen“ wurden. Wer oder was dafür verantwortlich war, erfahren wir erst später…

Auf Anhieb wusste mir die Optik des Werks zu gefallen – ebenso wie die Schauplätze, die hübsche Protagonistin und so manches gebotene Detail. Es ist ungemütlich windig und sandig – die Gebäude sind verlassen sowie von der Witterung schwer in Mitleidenschaft gezogen; mit den Leichen der Besitzer zum Teil in ihnen liegend. Alles ist von einer dicken Staubschicht bedeckt – eine Szene mit einem toten Grashüpfer mochte ich in genau dem Zusammenhang. Die Frau packt sich gefundenen Schmuck sowie ein Foto der Verstorbenen ein, zieht sich schützende Kleidung über und bricht erneut auf – wobei punktuelle Einstellungen dem Publikum indirekt aufzeigen, dass sie aus dem Verborgenen heraus beobachtet wird…

Ohne auf Texttafeln oder ein Voiceover zurückzugreifen – also getreu der Devise show, don’t tell – lässt Lee den Betrachter sich ins Geschehen hineinfinden, indem man die Haupt-Figur im Zuge ihrer inzwischen routiniert gearteten Abläufe begleitet: U.a. wie sie im Äther nach Informationen bzw. grundsätzlichen Lebenszeichen horcht, ihre Bestände auffüllt – z.B. mit einem Gerät Benzin aus Tanks abpumpt, haltbare Konserven (und natürlich „Twinkies“) einsammelt oder via Solar-Kollektoren ihre Batterien auflädt – sowie in ihrem Wagen die ausgestorbenen Straßen und Städte dieser Region abfährt, welche bis zu einem fatalen (nie konkreter thematisierten) Ereignis der gutbesiedelte Bundesstaat Kalifornien war…

„Epoch“ beeindruckt mit zahlreichen VFX-Shots, die locker auf dem Niveau ähnlicher in viel teureren Serien und Filmen sind – zumindest im Bereich der um zusätzliche Elemente (á la kaputte Fahrzeuge und Gebäude) ergänzten Backgrounds; wie etwa als ihre Route sie durch einen verwüsteten Windpark oder eine zerstörte Metropole führt. Dem Worldbuilding ist das ebenfalls dienlich, da man das Ausmaß der Lage selbst sieht und sich dabei nicht auf irgendwelche Erzählungen oder schriftliche Schilderungen verlassen muss. Selbstredend hat es auch nicht geschadet, dass sich die gewählten Locations per se bereits prima für eine Materie wie diese eigneten – und somit von allein mit zur gewünschten Stimmung beitragen…

Gedreht auf dem Gelände einer ehemaligen Eisenerz-Grube sowie an verschiedenen Orten um Eagle Mountain, Indio und dem Saltonsee herum, sind die schroffen Bedingungen evident und nachspürbar – mit dem Color Grading sowie digital hinzuaddierten Staub-Schleiern das noch einmal zusätzlich verstärkend. Die von Probst getestete Kamera überzeugt umfänglich – bei Dunkelheit genauso wie am Tage; oder bspw. bei einer Szene im spärlich erhellten Van, bei der man förmlich jede Pore und jeden Schweißtropfen auf Wagner’s Oberkörper gestochen scharf beäugen kann – während die Musik-Untermalung Jon Natchez‘ in Ordnung geht sowie das generelle Sound- und Produktions-Design von achtbarer Qualität ist…

Die Performance Whitney Wagners ruft keine Notwendigkeit zur Klage hervor: Die meiste Zeit frei anderer Akteure on Screen sowie bloß mit einem Minimum an Dialogen, agiert das damalige Model solide in der Rolle der resoluten Umherziehenden. Seither hat sie übrigens nirgends weiter mitgespielt – wohl allerdings geheiratet, ist Mutter geworden sowie nun vorrangig als Social Media Influencer & Content Creator aktiv. Ja, man könnte argumentieren, dass man sie eventuell weniger attraktiv hätte schminken können – schließlich verbindet man mit Van-Life in the Wasteland gemeinhin nicht gerade reine Haut (und so) – doch im Prinzip fügt sich das einfach nur mit in den Eindruck von Style over Substance ein…

„Epoch“ habe ich mir in erster Linie wegen Lee angeschaut – und zwar weil mir sein 2026er „Resident Evil: Requiem“ Promo-ShortEvil has always had a Name“ (anders als sein vorangegangenes „War of the Worlds“ Reimagining) überraschend gut gefiel; so dass ich neugierig darauf war, was er bislang denn noch so (über seine Musik-Video-Arbeiten hinaus) geschaffen hatte. Angesichts der Projekte/Ergebnisse, die er (mitunter gemeinsam mit Probst) vor und nach jenem 2025 veröffentlichten, an sich aber ja bereits 2020 für unter 10 Millionen Dollar in zwei Wochen inmitten des Covid-Lockdowns realisierten Ice-Cube-Streifen abgeliefert hat, war jenes Debakel anscheinend tatsächlich nicht so gewichtig sein Verschulden…

Gepaart mit einer ambitionierten Herangehensweise, ist Probst und Rich weder ein Feeling für die Materie noch handwerkliche Kompetenz abzusprechen. Einzelne nette Preisgaben und Entscheidungen sind zu registrieren – wie das Aussuchen eines Prince Songs aus einer MP3-Playlist – worüber hinaus es einem dank des unüberhasteten Tempos möglich ist, sich mit den betreffenden Zuständen zu akklimatisieren, innerhalb derer eingangs noch unbekannte Bedrohungen lauern, die im finalen Drittel letztlich konkret offenbart werden: Zum einen in Form eines unerwarteten, nicht uninteressanten Twists – zum anderen in Gestalt einer CGI-animierten Kreatur, auf deren Großaufnahme man lieber hätte verzichten sollen…

Um etwaige Spoiler zu vermeiden, werde ich auf jene Punkte nicht genauer eingehen – kann aber dennoch verraten, dass die junge Frau in dieser Phase eine Übertragung der weiteren Überlebenden Jane (Laura Hanks) und John (Al Spencer) empfängt sowie sie prompt die ihr mitgeteilte Position ansteuert, wo sie u.a. die Chance auf Essen und frisches Trinkwasser erhält und sich alle plötzlich dem Angriff eines Mensch-Tier-Hybrid-artigen Wesens ausgesetzt sehen, welches Lee ersprießlich-bedacht überwiegend bloß unscharf oder flüchtig erkennbar zeigt; bis auf in einer Closeup-Einstellung, von deren Weglassen der bis dato positive heraufbeschworene Eindruck dieser Konfrontation auf jeden Fall profitiert hätte…

Fazit:

Obgleich inhaltlich vage sowie insgesamt beileibe nicht sonderlich origineller Natur, ist der postapokalyptische Sci-Fi-Horror-Kurzfilm „Epoch“ Genre-Freunden nichtsdestotrotz durchaus zu empfehlen – und das nicht allein nur aufgrund seiner atmosphärisch-schicken Bebilderung…

7 von 10

Stefan Seidl

Epoch

(© Drive Studios & RED Digital Cinema)

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Copyright des „Epoch“ Promo-Pics und der Screenshots: Drive Studios / RED Digital Cinema__ Freigabe: Not Rated__ DVD/BluRay: nein/nein

 

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Categorised in: Horror, the Horror Pit

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