| Originaltitel: Turbulence__Herstellungsland: Großbritannien, USA__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Claudio Fäh__Darsteller: Hera Hilmar, Jeremy Irvine, Kelsey Grammer, Olga Kurylenko, Lionel Robert Blanc, Arianna Calgaro, Alessandro De Cominato, Peter Gantzler, Trish Hughes u.a. |

Olga Kurylenko kämpft in „Turbulence“ im Heißluftballon um ihr Leben.
Im Leben von Zach knarzt es an allen Ecken und Enden. Er und seine Frau müssen eine Fehlgeburt verarbeiten. Dabei glänzt er gerne mit Abwesenheit, was es gewaltig zwischen ihm und seiner Frau Emmy kriseln lässt. Und in der Arbeit muss er Entlassungen durchdrücken, die Reaktionen provozieren. So hält ihm einer der Gekündigten bei einer Festivität plötzlich eine Waffe ins Gesicht – erschießt final aber sich selbst.
Trotzdem scheint Zach diesen Wink des Schicksals verstanden zu haben. Er will zumindest in seinem Privatleben endlich aufräumen. Mit seiner Frau möchte er darum eine Art nachgeholte Flitterwochen in den Dolomiten verbringen. Ein wenig Spa-Time hier, gutes Essen da und als Highlight eine gemütliche Heißluftballonfahrt, um die atemberaubende Natur zu genießen. Es wäre ein Anfang, um die Risse zu kitten.
Auf dem Weg zu dem Flug mit dem Heißluftballon erhält Zach jedoch seltsame Messages von einer gewissen Julia. Er habe wohl ein Geheimnis und er solle 500.000 Dollar bezahlen, damit dieses Geheimnis ein Geheimnis bleibt. Der Zuschauer weiß zu diesem Zeitpunkt bereits, dass Zach an einer Hotelbar von einer Dame namens Julia offensiv angeflirtet wurde. Was sich daraus entwickelte, lässt „Turbulence“ jedoch im Dunklen.
Während Zach und Emmy vom Navigator des Heißluftballons in die Sicherheitsaspekte des bevorstehenden Fluges eingewiesen werden, taucht plötzlich ebenjene Julia auf und entpuppt sich als weiterer Fahrgast. Kaum abgehoben, verhält sie sich zunehmend aggressiver und bedrängt Zach immer extremer. Emmy kann sich darauf freilich keinen Reim machen. Da dreht Julia durch. Einen Todesfall später steigt der Ballon höher und höher, Feuer bricht in der Gondel aus und auch das Wetter wird immer ungemütlicher.
Survival-Thriller mit Olga Kurylenko
Es gibt in „Turbulence“ einen Moment, in dem bricht eine der Figuren durch eine beschädigte Stelle des Korbes und kann sich nur mühsam festhalten und somit ihren Absturz verhindern. Die Kamera filmt parallel eine Figur, die vollkommen ungerührt dem Beinaheabsturz zuschaut. Sie erschrickt nicht, sie schnellt nicht vor, um zu helfen, sie ist vollkommen teilnahmslos. Und genauso ergeht es dem Zuschauer beim Betrachten von „Turbulence“.
Regisseur Claudio Fäh („Sniper: Homeland Security“) schmeißt Leute aus dem Korb des Heißluftballons, lässt hier Feuer ausbrechen, die Luft immer dünner werden, den Ballon gegen Felswände knallen und einen Charakter mit einem Messer auf die anderen losgehen – und trotzdem schaut man dem Ganzen nur teilnahmslos zu. Die Gründe dafür sind schnell ausgemacht. Der Survival-Thriller wirkt unglaubwürdig konstruiert und muss mit Figuren arbeiten, die sowohl schlecht geschrieben als auch mies gespielt sind.
Vor allem Olga Kurylenko („Misdirection“) als Julia habe ich meines Erachtens noch nie so schlecht spielen sehen wie hier. Sie legt ihre Julia so unsubtil an, dass einem als Zuschauer vollkommen egal ist, ob sie da nun ein echtes Geheimnis mit Zach hat oder nicht. Man wünscht sich eigentlich nur, dass sie irgendwer aus dem Korb schmeißen möge. Am besten bei extremer Höhe.
Ihr „Antagonist“ Zach wird von Jeremy Irvine („Return to Silent Hill“) so blass, aalglatt und ausdruckslos verkörpert, dass man ihn direkt der Olga hinterher schmeißen möchte. Und der Drehbuchautor muss sich direkt fragen lassen, was es für einen Sinn macht, sowohl den Protagonisten als auch den Antagonisten als Arschlöcher zu zeichnen. In einem Setting, in dem man am besten mit einem von beiden mitfiebern möchte, weil sonst die Dramaturgie des Filmes null funktioniert. Drehbuchautor Andy Mayson („No Way Up“) hat davon allerdings sichtlich noch nie etwas gehört und „Turbulence“ geriet, wie er nun eben geriet.
Die Figuren zwischen den beiden sind egal – Kelsey Grammer („The Expendables 3“) als Navigator des Heißluftballons – oder langweilig – Hera Hilmar („Mortal Engines“) als Emmy –, so dass man auch hier keinerlei Mitfiebermasse vorfindet. Emmy darf sich im Verlauf des Filmes zwar einigermaßen wandeln, ihr plötzliches Tough-Cookie-Verhalten wirkt aber arg an den Haaren herbeigezogen und unglaubwürdig.
Gelangweilt schaut man so dem Auf und Ab des Ballons zu. Wie angedeutet, müht sich Fäh, eine Menge passieren zu lassen, es bleibt einem aber eben komplett egal. Zumindest gefallen die tollen Naturbilder, wenn der Ballon mal in der Totalen gezeigt wird. Das sind absolut beeindruckende Momente. Und auch wenn der Ballon mal richtig Tempo entwickeln darf, entstehen da Bilder, die fetzen.
Ansonsten tut sich Fäh aber schwer mit der optischen Umsetzung. Den Bildern in dem Korb haftet durchweg eine frappierende Künstlichkeit an. Nichts davon wirkt auch nur ansatzweise vor Ort oder gar im Freien gedreht. Zudem begrenzt Fäh bei den Korbszenen den Fokus überdeutlich, damit man ja nie zuviel Drumherum um den Korb sieht. Und das Drumherum ist immer unscharf, sieht ergo niemals echt aus.
Fäh findet obendrein keine Mittel und Wege, die Höhe, in der sich der Ballon befindet, wirksam zu inszenieren. Selbst wenn hier Charaktere auf dem Rand des Korbes balancieren, kommt beim Zuschauer nie ein Gefühl von Höhenangst oder Panik um das Überleben der Charaktere auf. Vergleicht man „Turbulence“ in diesem Aspekt etwa mit „Fall – Fear Reaches New Heights“, sieht es für Fähs Survival-Thriller zappenduster aus.
„Turbulence“ schmiert sauber ab
Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass „Turbulence“ neben den schönen Naturbildern noch zwei weitere Pluspunkte hat: Der Score von Marcus Trumpp hat mir ziemlich gut gefallen und in den letzten 20 Minuten war ich auf einmal erstaunlich gut im Film drin. Fäh macht hier aber auch ordentlich Action und bringt die Story zu einem erstaunlich runden und vor allem konsequenten Ende. Leider ist selbiges in einem wesentlichen Aspekt trotz diverser gestreuter falscher Fährten arg vorhersehbar geraten. Ihr seht, sogar an den positiven Aspekten gibt es hier zu mäkeln.
Kurzum: „Turbulence“ packt aufgrund seines desolaten Figureninterieurs, schwacher schauspielerischer Leistungen und einer arg unglaubwürdigen Dramaturgie nie zu. Zieht den Zuschauer nicht in den Überlebenskampf seiner Figuren hinein und wird niemals wirklich spannend. Technische Unzulänglichkeiten brechen dann der Mimikry von Gefahr vollends das Genick.
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Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film kommt am 20. März 2026 von LEONINE Studios. Die Datenträger haben eine Freigabe ab 16 und sind in der Form ungeschnitten. Extras zum Film findet man keine. Ihr könnt den Film natürlich auch streamen.
In diesem Sinne:
freeman
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