| Originaltitel: Saai Sau Kwong Lung__Herstellungsland: Hongkong__Erscheinungsjahr: 2002__Regie: Nam Yin__Darsteller: Sammo Hung, Nadia Chan, Ken Wong, David Lee Wai-Sheung, Monica Lo, Tong Ka Fai, Simon Loui, Shek Sau, Emily Kwan, Cheng Chu Fung u.a. |

„The Hidden Enforcers“ bietet blutige Balleraction, aber auch nicht mehr.
15 Jahre ist es her, dass der Hongkonger Inspektor King einen fiesen Lump festsetzen wollte. Der Verhaftungsversuch eskalierte blutig und führte zu nichts. Denn obschon King und seine Kollegen die Untaten des Fieswichtes bezeugen konnten, kam er alsbald wieder auf freien Fuß. Frustriert von dem Hongkonger Rechtssystem quittierte King daraufhin den Dienst und wanderte gen Thailand aus.
Hier adoptierte er vier kleine Kinder und bildete sie zu tödlichen Kampfmaschinen aus. Sein Ziel: Eine schlagkräftige Truppe, die, seinen Befehlen gehorchend, den Lumpen dieser Welt die Hammelbeine langzieht. Jahre später erfüllen die inzwischen erwachsenen menschlichen Waffen Kings ihren ersten Mordauftrag eiskalt.
Entsprechend entsendet King seine Verbrechensbekämpfungstruppe nach Hongkong. Hier sollen sie den Gangster erledigen, den King vor 15 Jahren verhaften wollte. Diesmal läuft der Einsatz aber deutlich weniger reibungslos. Seine Todesschwadron tötet nicht nur den Gangster, sondern auch herbeieilende Cops. Darunter ehemalige Kollegen von King. Was tun?
Geballer mit Sammo Hung
Der von Nam Yin, dem Bruder von Hongkong-Regisseur Ringo Lam („Undeclared War“), in Szene gesetzte „The Hidden Enforcers“ ist kaum mehr als ein billig und schnell runtergekurbelter Reißer. Dennoch überrascht der rumpelig montierte und grobe Streifen mit einigen psychologisch interessanten Einsprengseln. So hält King seine Lehrlinge fern von der Welt. Die haben infolgedessen einen herzlich naiven Blick auf selbige, den King mit seinen reichlich zynischen Sprüchen vom Erledigen der Gegner stark verzerrt. Schnell spürt man, dass aufgrunddessen seinen Schützlingen die Achtung vor dem Leben komplett abgeht.
Wenn die also Gangster wie Cops umnieten, ist das nur nachvollziehbar. Sie folgen den Codes, die King ihnen einimpfte – und die ließen eben jedwede Moral missen. Da erscheint den jungen Werkzeugen Kings sogar die Ermordung von Zivilisten und kleinen Kindern als richtig. Interessanterweise erkennt King sein eigenes Fehlverhalten so gar nicht. Er beschließt irgendwann sogar, seine Zöglinge zu töten, weil sie sich ja so falsch verhalten. Dabei trägt er die alleinige Schuld daran.
Leider macht „The Hidden Enforcers“ aus genau dieser interessanten Ausgangslage nicht viel. Allgemein tut sich das Drehbuch schwer, die dramatischen Aspekte der Story richtig zu händeln. Stattdessen verplempert es viel Zeit auf sinnlose Szenen. Ein zielloser, gefühlt nie enden wollender Besuch einer Disco sei stellvertretend genannt. So wird die in Teilen spannende Story schnell entkernt und der Film folgt einfach nur den vier Zöglingen Kings, die nach ihrem Attentat auf ihre Zielperson vor deren Henchmen durch Hongkong fliehen. Und das ist leider gar nicht mal so spannend.
Denn unsere vier Helden wissen gar nicht, dass sie gejagt werden. Und die Henchmen wissen gar nicht, wen sie da eigentlich jagen. Wirklich zwingend ist das nicht. Entsprechend beginnt „The Hidden Enforcers“ spätestens ab der Filmmitte extrem zu lahmen. Eine egale Szene reiht sich an die nächste und man hat keinerlei Ahnung, wo Nam Yin eigentlich hin will.
Und Nam Yin schafft auch nicht mehr allzu viel Ablenkung. Wurde in der ersten Hälfte noch eine Menge geballert, konzentriert sich in der zweiten Hälfte sämtliche Action im reichlich schnell abgefrühstückten Showdown. Wie bei den restlichen Ballereinlagen wird auch hier dem Actionfan zumindest eine Menge roter Lebenssaft geboten. Denn „The Hidden Enforcers“ hat großen Spaß an platzenden und munter saftenden Bloodpacks.
Leider fehlt es dem Geballer an Highlights und einer schmucken Choreographie. Und es gibt leider nie mehr als das Geballer. Autoverfolgungsjagden oder Explosionen waren im Budget nicht enthalten. Und wenn dann irgendwann die Martial-Arts-Fähigkeiten der Protagonisten gefordert sind, wird es reichlich finster. Denn alles, an dem Sammo Hung („City of Darkness“) nicht beteiligt ist, sieht echt erbärmlich aus und ist gruselig montiert. Und der wenig geforderte Hung kommt mit einem reichlich geerdeten und langweiligen Move-Set aus.
Schauspielerisch ist in „The Hidden Enforcers“ nicht viel los. Sammo Hung bestreitet seine Rolle des Inspektors und der verqueren Vaterfigur im Schlaf. Da das dramatische Potential der Story nie gehoben wird, muss er darstellerisch auch nicht wirklich viel liefern. Seine jungen Zöglinge werden von hübschen Menschen gespielt, deren schauspielerische Fähigkeiten irgendwo bei „nicht vorhanden“ rangieren. In einigen Momenten wirken sie regelrecht hilflos – wie der ganze Film. Und auch die Bösewichtdarsteller geraten durch die Bank wenig charismatisch.
„The Hidden Enforcers“ ist kein Hidden Gem
Prinzipiell steckte in der Geschichte von „The Hidden Enforcers“ das Potential für einen spannenden Actionthriller. Doch Regisseur Nam Yin war der Falsche, um dieses Potential zu erkennen. Er bleibt immer hart an der Oberfläche, lotet seine Figuren und deren Motivationen nicht wirklich aus und verpasst es vor allem, seinen jungen Hauptcharakteren Leben einzuhauchen. Und bevor sich hier die Schöpfung gegen ihren Erschaffer richten darf, zieht Regisseur Nam Yin lieber schnell den Stecker und geht auf Nummer sicher.
So verschenkt er viel Dramatik und Spannung. Doch er trägt nicht die alleinige Schuld an dem insgesamt wenig begeisternden Gesamteindruck des Actioners. Die Schauspieler bleiben durch die Bank blass, die technische Umsetzung ist allenfalls mittelmäßig und die Action mag hübsch blutig sein, rocken will sie aber nie. Im Endeffekt bleibt ein allenfalls mittelmäßiger Actioner ohne echte Seele.
![]()
Der Film wurde bislang über ScreenPower / Eurovideo auf DVD ausgewertet. Ungeschnitten und mit einer Freigabe ab 18. Allerdings war die Bildqualität der Veröffentlichungen reichlich verquast und ein dicker Balken deckte am unteren Bildrand vermutlich im Master fest eingebrannte Untertitel ab. Dadurch gingen aber auch diverse Brutalitäten unter. Schnittberichte hat dies toll aufgearbeitet.
Nun hat sich das Label True Grit um den Film bemüht und ihn in guter Qualität auf Blu-ray veröffentlicht. Dieses Mal mit allen blutigen Nicklichkeiten. Leider übernahm man den schwachbrüstigen Sound der Screen-Power-Veröffentlichung. Das einzige, was hier knallt, sind die Schüsse. Der Rest – und dabei vor allem die Dialoge – ist arg leise abgemischt und lässt den für einen Actioner erforderlichen Druck vollkommen missen. Extras zum Film gibt es keine, zumindest liegt der Veröffentlichung ein kleines, vier Seiten starkes Booklet bei.
In diesem Sinne:
freeman
Was hältst du von dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love
| Copyright aller Filmbilder/Label True Grit__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja |





