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Gnadenlose Rache

Originaltitel: Relentless Justice__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2014__ Regie: David A. Prior__Darsteller: Eric Roberts, Mark Rolston, Leilani Sarelle, Vernon Wells, Sherrie Rose, Lisa Langlois, Mimi Michaels, Tara Kleinpeter, Marco St. John, Garrett Hines u.a.
Gnadenlose Rache

Eine MILF verspricht Eric Roberts in diesem Menschenjagd-Film “Gnadenlose Rache”.

Victoria schreckt aus einem verstörendem Traum auf. In selbigem hat sich ihre Tochter zunächst die Kehle aufgeschnitten, um sich hernach das Hirn mit einer Waffe weg zu blasen. Sofort beschleicht Victoria ein unbehagliches Gefühl. Denn erst einen Tag vor dem Traum brach ihre Tochter mit ihrem neuen Love Interest zum Campen in der Pampa auf. Victoria ist sich ziemlich sicher, dass ihrer Tochter etwas zugestoßen sein muss.

Der Zuschauer weiß zu diesem Zeitpunkt bereits, dass der neue Freund von Victorias Tochter längst das Zeitliche gesegnet hat und dass seine Mörder passionierte Menschenjäger sind. Und eigentlich wollten sie auch zum großen Halali auf das Mädchen starten. Doch das tritt nach wenigen Minuten Treibjagd in eine Bärenfalle und nimmt den Jägern damit allen Spaß. Sie beschließen, das Mädchen gefangen zu nehmen und darauf zu setzen, dass seine Eltern vorbeischauen werden, um ihr Kind zu suchen. Und diese könne man dann ja richtig jagen…

Natürlich tut Victoria den Lumpen auch genau diesen Gefallen. Sie ortet das im Wald herumliegende Handy ihrer Tochter und reitet in dem nächst gelegenen Örtchen ein. Hier trifft sie auf eine Mauer des Schweigens, einzig eine Krankenschwester scheint hilfsbereit und deutet an, dass in der Stadt etwas so gar nicht stimme. Da treten auch schon die Jäger an Victoria heran, präsentieren ihr ihre Tochter und zwingen sie in die große Jagd. Was sie nicht wissen können: Victoria ist im Killen um einiges versierter als sie selbst!

„Wir sehen uns in der Hölle, Schlampe!“
„Du hast nicht die Eier, mich dort zu treffen!“

Die Story von „Gnadenlose Jagd“ ist definitiv nicht die Hellste. In einigen Punkten ist sie sogar richtiggehend dumm. Warum etwa rufen die Menschenjäger Victoria nicht einfach an? Der gesamte, vollkommen unlogische und nur durch Zufälle voran getriebene Abschnitt, in dem die Jäger darauf warten, dass die Retter der entführten jungen Dame auftauchen, wäre obsolet gewesen. Das ist aber nicht das einzige Problem der Story. Diese tritt nämlich mit dem Eintreffen von Victoria vollkommen auf der Stelle.

Jedem Zuschauer ist klar, auf was das Ganze hinauslaufen soll. Auf die große Jagd. Aber Regisseur David A. Prior (im August diesen Jahres leider verstorben) findet immer neue Schlenker, um die Jagd hinauszuzögern. Inklusive eines für den Film vollkommen uninteressanten und die eigentliche Handlung wirklich null tangierenden Story-Strangs um Eric Roberts („The Expendables“). So bekommt der Film zwar zwei herrlich süffisant gespielte Auftritte des Vielfilmers geboten, kann damit aber wirklich gar nichts anfangen. Abgesehen davon, dass man mit Erics Namen auf dem DVD-Cover werben kann.

Gnadenlose Rache

Eric Roberts spielt cool, ist für “Gnadenlose Rache” aber vollkommen überflüssig.

20 Minuten vor Ende besinnt sich „Gnadenlose Rache“ dann wieder auf seine Ursprungsidee und die Jagd beginnt. Endlich. Die kommt allerdings extrem hüftsteif daher. Was freilich auch am Figuren-Interieur liegt. Heldin Victoria ist eine durchaus ansehnliche MILF irgendwo in den niedrigen 40ern. Ihre Jäger dürften locker 20-30 Jahre älter sein. Roundhouse-Kick-Duelle braucht man hier also nicht zu erwarten. Und so wirkt „Gnadenlose Rache“ irgendwann wie ein „Hard Target“ für Best Agers mit entsprechendem Tempo. Denn die Menschenjäger bummeln im mal wirklich gemütlichen Tempo durch den Wald, versuchen dabei aber zumindest halbwegs coole Sprüche zu klopfen. Das hat die deutsche Synchronisation aber nicht mitbekommen…

Dafür macht Victoria in ihrem Tun dem deutschen Titel der „GNADENLOSEN Rache“ alle Ehre. Denn die langt amtlich hin und macht als weiblicher Van Damme mit Rambo-Einschlag eine gute Figur. Da werden Fallen gebaut. Werden Gegner von der Gruppe separiert und kalt gemacht. Und setzt es durchaus derbe Einzelbehandlungen: Ein Finisher um ein Bowie-Messer sieht im Ergebnis sogar höchst spektakulär aus. Ein anderer Gegner wird Gliedmaß für Gliedmaß zerbrochen (auch das eine Glied darf nicht fehlen!) und Genickbrüche und blutige Einschüsse runden das Nicklichkeiten-Repertoir ab. Klingt jetzt alles härter, als es im Film dargeboten wird! Für richtig derbe Splatter-Effekte war sichtlich kein Geld da. Aber der Film atmet schon eine ordentliche Härte.

Gnadenlose Rache

Victoria fackelt nicht lange!

Letzten Endes ist „Gnadenlose Rache“ eine insgesamt recht solide Nummer geworden. Lasst mich präzisieren: Aus der aktuell schier endlos erscheinenden Reihe an Filmen, in denen Eric Roberts in zwei bis drei Szenen mitspielt, ragt dieser Film durchaus positiv heraus. Warum? Nun, die Heldin (Leilani Sarelle aus „Basic Instinct“) ist absolut sympathisch, wird musikalisch von einem geilen Western-Thema begleitet und macht als Racheengel eine ziemlich gute Figur. Ihre Gegner (darunter Vernon Wells aus „T-Force“) haben sichtlichen Spaß an ihren Bad-Ass-Rollen. Die Optik ist funktional und kommt in erstaunlich breitem 2,35:1 daher. Die Story, so dumm sie ab und an auch anmutet, bewegt sich dennoch im Genre-Mittelmaß und die gebotenen Härten haben den einen oder anderen „Autsch-Effekt“ in der Hinterhand. Richtig Stimmung kommt aber dennoch nicht auf. Dafür ist die Action einfach zu behäbig. Sowohl in der Inszenierung als auch in der letztendlichen Choreografie. Das hat der Regisseur oder der Editor sogar bemerkt und beschleunigt in einem Kampf die Action. Mit lächerlichem Effekt. Der das Tempo total verschleppende Mittelteil des Filmes lässt ebenfalls keinerlei Spaß aufkommen. Ein Film der Marke: Kann man sehen, muss man aber nicht.

Die deutsche DVD/Blu-ray zum Film kommt von Maritim Pictures, die leider mal wieder mit einer suboptimalen Synchronisation „glänzen“. Inklusive dem absoluten No-Go: Mehrere Figuren werden von ein und derselben Stimme gegeben, nur dass diese dann verstellt wird. Mit peinlichsten Momenten für das Zuschauer-Ohr… Glücklicherweise ist der O-Ton an Bord der mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnittenen Datenträger.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Maritim Pictures__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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