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Iron Sky: The Coming Race

Originaltitel: Iron Sky: The Coming Race__Herstellungsland: Belgien, Deutschland, Finnland__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: Timo Vuorensola__Darsteller: Lara Rossi, Vladimir Burlakov, Kit Dale, Tom Green, Julia Dietze, Edward Judge, Martin Swabey, Emily Atack, Udo Kier, John Flanders, Stephanie Paul u.a.
Iron Sky: The Coming Race DVD Cover

“Iron Sky: The Coming Race” hat Dinosaurier, Raumschiffe und Mondnazis!

Dass die Nazis auf der dunklen Seite des Mondes in einer Weltraumbasis seit 1945 überdauert haben könnten, um von dort irgendwann mit ihren Reichsflugscheiben die Welt zu erobern, war schon eine steile Idee für eine deftige Komödie. „Iron Sky“ machte 2012 zwar nicht allzuviel aus dieser These, hatte aber dennoch einen erstaunlichen Impact an den Kinokassen und im Heimkino. Grund genug also für einen zweiten Teil. Dieser wurde als „Iron Sky: The Coming Race“ wie Teil eins von Regisseur Timo Vuorensola und diversen Crowdfundern zum Leben erweckt.

Nach den Ereignissen rund um die Mondbasis der Nazis ist auf der Erde ein Nuklearkrieg ausgebrochen, der deren Oberfläche unbewohnbar gemacht hat. Die letzten überlebenden Menschen flüchteten sich auf den Mond, wo sie in der ehemaligen Basis der Nazis ein neues Zuhause fanden. Gute 20 Jahre später ist die Erde immer noch unbewohnbar. Und auch um die Mondbasis ist es schlecht bestellt. Der Bau beginnt sich allmählich aufzulösen. Die Vorräte gehen zur Neige. Wie gewohnt haben sich die wenigen Überlebenden mal wieder in Reiche, Arme und Sektierer aufgeteilt. So ist sie eben, die Menschheit.

Doch eines Tages landet eine Reichsflugscheibe von der Erde auf der Mondbasis. An Bord diverse russische Staatsbürger, die es irgendwie geschafft haben, auf der Erde zu überleben. Dazu gesellt sich ein prominenter blinder Passagier. Dieser wird von Obi Washington entdeckt. Die Tochter von James Washington und Renate Richter erfährt von ihm, dass die Erde hohl und damit ein geeignetes Refugium für die verbliebenen Menschen sei. Kurzentschlossen bricht Obi gen Erde auf, um diese Aussagen zu verifizieren. Dabei entdeckt sie nicht nur einen auf einem Saurier reitenden Hitler.

Schaut in die „Mutterficker“-Komödie hinein

Im Vergleich zum ersten Teil traut sich „Iron Sky: The Coming Race“ erzählerisch deutlich mehr und ruht sich nicht nur auf einer netten Prämisse aus. Zunehmend kommt das Drehbuch zum Film ins Fabulieren. Bedient sich bei bekannten Verschwörungstheorien und Fantasy-Stoffen, bringt außerirdische Rassen ins Spiel, treibt ein paar heilige Kühe durchs Dorf und überdreht von Minute zu Minute immer mehr. Dabei mag nicht jede Idee zünden, doch das Tempo des Filmes ist aufgrund einer feinen Ereignisdichte um ein Vielfaches höher als beim teils extrem betulichen Vorgänger.

Die mit dem Holzhammer gereichten Satire-Elemente sind dabei genauso platt wie in „Iron Sky“. Problematisch ist dabei, dass die wenigen gelungenen Momente (die Apple-Sekte, das letzte Abendmahl) so lange breitgetreten werden, bis jedes satirische und humoristische Potenzial aus den Szenen gewichen ist. Was man „Iron Sky: The Coming Race“ zugute halten muss, ist, dass er nicht so ungelenk auf witzig getrimmt wirkt, wie der Vorgänger. So darf der eine oder andere tatsächlich gelungene Gag durchaus ein wenig länger nachwirken.

Udo Kier als außerirdischer Hitler

Hitler und Thatcher kollaborieren!

Schön ist, dass man aus Teil 1 Julia Dietze („Plan B – Scheiß auf Plan A“) als Renate und Udo Kier („Brawl in Cell Block 99“) als Wolfgang Kortzfleisch in den zweiten Teil herübergerettet hat. Beide waren ja großartige Showstealer im Vorgänger. Mit Julia Dietze weiß „Iron Sky: The Coming Race“ aber leider nichts anzufangen. Dafür darf Udo Kier diesmal gar in einer Doppelrolle die besten Szenen des Filmes befeuern. Highlight ist dabei natürlich sein Ausritt als Hitler auf Dinosaurier Blondi.

Die neuen Figuren hingegen funktionieren weniger gut. Wie im Vorgänger ersticken alle Charaktere in Klischees, ohne dass diese mit Wonne ausgespielt werden würden. Wie es in „Iron Sky“ zumindest weitgehend der Fall war. Das trifft vor allem Lara Rossi als Obi Washington, die als natürlich kerlige Techniknerdin ohne echte Sexualität öde wie irgendwas ausgefallen ist. Und die einem infolgedessen freilich auch links und rechts am Pötter vorbeigeht. Dazu gesellen sich ein hibbeliger Russe und ein tumber Muskelberg, die beide keinerlei humoristisches Potenzial bergen. Hier hat der Vorgänger mit seinem spielfreudigen Cast die Nase deutlich vorn.

Iron Sky: The Coming Race Abendmahl mit Schurken

Das letzte Abendmahl mit allen Fieswichten der Menschheitsgeschichte.

In optischer wie in technischer Hinsicht bekommt man bei „Iron Sky: The Coming Race“ die volle Breitseite. Mehr noch als in dem mit ebenfalls beeindruckenden Special Effects aufwartenden Vorgänger entwerfen die Macher des Filmes hier große Bilder. Die Erde innerhalb der Erde funktioniert prächtig. Die Weltraumszenen sitzen. Die aggressiven Dinosaurier machen Laune. Hier sieht man mal wirklich jeden Cent auf der Leinwand. Zumal auch die Ausstattung angenehm detailverliebt ausgefallen ist. Besser als in „Iron Sky“ gefiel mir im Übrigen die Musik von Laibach. Die haben hier etwas deutlich Eigenständigeres auf den Weg gebracht als im ersten Teil.

“Iron Sky: The Coming Race” funktioniert besser als der Vorgänger,…

aber so richtig zündet das ganze Konstrukt um die Mondnazis noch immer nicht. Der Humor ist einfach eine Etage zu tief gelegt. Die satirischen Spitzen werden überstrapaziert. So mancher Running Gag wird totgeritten. Die neuen Figuren wollen nicht zünden und wirken im Vergleich zu jenen des Vorgängers noch blasser und egaler. Zudem wirkt die Schauspielriege – abgesehen vom spielfreudigen Udo Kier – extrem unbedarft in ihrem Tun und walzt die letzten Anflüge von Selbstironie platt.

Dafür gefällt, dass sich „Iron Sky: The Coming Race“ nicht wie sein Vorgänger nur auf einer schrägen Prämisse ausruht. Stattdessen erzählt er durchaus kurzweilig und mit passigem Tempo eine immer verstiegenere Story. Und bekennt sich hierbei am offensichtlichsten zu seinen Trashwurzeln. Welche die erstaunlich steilen Bilderwelten direkt wieder konterkarieren. Wirklich rund ist das Ganze also wieder nicht. Und erst recht ist es keine Offenbarung am Komik-Himmel, aber für einen verregneten Nachmittag ist „Iron Sky: The Coming Race“ allemal unterhaltsam genug.

05

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film kommt von Splendid Film. Mit einer FSK 12 ist das Ganze ungeschnitten. Die Datenträger haben rund 100 Minuten an Extras an Bord.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Splendid Film__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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