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M3gan

Originaltitel: M3gan__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2022__Regie: Gerard Johnstone__Darsteller: Allison Williams, Violet McGraw, Ronny Chieng, Amie Donald, Brian Jordan Alvarez, Jen Van Epps, Stephane Garneau-Monten, Lori Dungey, Amy Usherwood u.a.
M3gan Filmplakat

Was wohl passiert, wenn eine intelligente Puppe ein Kind erzieht? “M3gan” spielt die Idee durch.

„M3gan“ beginnt mit einer gruselig (im Sinne von schlecht) konstruierten Szene, die man so schon zigfach gesehen hat, die mit nervigen Figuren aufwartet und die schlicht und ergreifend einfach nur unlogisch verläuft. Am Ende der Szene sollte man als geübter Horrorfan gewarnt sein, aber da James Wan („Malignant“) an „M3gan“ beteiligt war, Produktion und Story besorgte, gibt man den Film noch nicht auf. Prinzip Hoffnung.

Bei besagter Einstiegsszene verliert Cady James ihre Eltern. Ihre Tante Gemma übernimmt darum die Vormundschaft für die Kleine. Doch Gemma ist keine geborene Mutter – geschweige denn ist sie gewillt, sich in diese Rolle einzufinden. Denn Gemma lebt für ihren Job. In dem entwirft sie Spielzeuge mit künstlicher Intelligenz. Ihr aktuell interessantestes Projekt: M3gan. Ein „Model 3 Generative ANdroid“, verstörend menschlich in seiner Optik und ungemein lernfähig.

Als Gemma merkt, dass Cady tatsächlich von ihrer Arbeit fasziniert ist, beschließt sie, „all in“ zu gehen. Denn eigentlich soll Gemma simples Spielzeug mit Minimalintelligenz bauen. M3gan ist ein von ihrer Chefetage gehasstes Nebenprodukt. Zu ambitioniert, zu teuer. Gemma prägt M3gan auf Cady und überlässt ihr ab sofort die Erziehung des Mädchens. Gleichzeitig sammelt sie zig Datensätze über M3gans Funktionieren und macht ihrem Boss das teure Spielzeug als Freundin und Erziehungsperson zahlloser anderer Kinder schmackhaft.

Womit Gemma nicht rechnen kann: M3gan entwickelt sich weitaus schneller weiter, als es jemals vorgesehen war. Mehr und mehr wird sie zur Gefahr für Cadys Umfeld – und Gemma.

Schaut in den Film hinein 

Puppenhorror aus der Feder von James Wan

Eigentlich hat James Wan ja Erfahrung mit Puppenhorror. Man nehme nur mal seinen mega atmosphärischen „Dead Silence“, die creepy Dreirad-Puppe aus „Saw“ oder Annabelle aus „Conjuring“ und das nachfolgende eigene Franchise. Ja, die „Annabelle“-Reihe schwankte in ihrer Qualität über bislang drei Teile doch enorm. Ordentlich unterhalten wurde man dennoch. Nun also „M3gan“.

Die Idee zur Story entwickelte Wan in dem Bestreben, eine Killerpuppe für eine neue Generation zu erschaffen, höchstselbst. Und als Produzent von „M3gan“ verpflichtete er gemeinsam mit Co-Produzent Jason Blum eine interessante Personalie für die Regie: Gerard Johnstone, Macher des schwarzhumorigen „Housebound“.

All das gibt die grundlegende Richtung bereits vor: Eine neue Generation als Zielgruppe – sehr vermutlich die Generation TikTok – und ein nicht immer ernster Grundton. Letzteres muss nichts Schlimmes bedeuten, ersteres… nunja. Für diese Generation wurde der Film schon einmal merklich umgeschnitten. Fast alle Kills passieren im Off, bei den sichtbaren Morden ist es zu offensichtlich, dass das Ableben der Opfer ursprünglich deutlich derber in Szene gesetzt wurde. Wie man hörte, darf man für die Heimkinoveröffentlichung vermutlich mehr roten Lebenssaft erwarten.

Allison Williams überlässt M3gan die Kindererziehung

Allison Williams (rechts) ist von ihrem “Mutterjob” überfordert.

Die Story von „M3gan“ gestaltet sich reichlich tumb. Schnell bemerkt man, wo Drehbuch und Regie hinwollen. Also dass M3gan schnell zu beschützend wird und alles killt, was ihre Cady auch nur ansatzweise schief anschaut. Diese Entwicklung verläuft ohne jedwede Überraschungen und juckt den Zuschauer so gut wie gar nicht, da er aufgrund der miesen Figurenzeichnung nie im Film drin ist.

Highlight dahingehend ist der jedwede Empathie missen lassende Umgang mit dem Tod der Eltern von Cady. Weder trauert Gemma um ihre Schwester noch Cady um ihre Mutter. Das schwere Thema Tod ist eigentlich allgegenwärtig, spielt aber nie eine Rolle. Vor allem die unsympathisch arbeitsfixierte Gemma schmeißt einen mit ihrem Verhalten immer wieder aus dem Film. Da helfen auch die ständig weit aufgerissenen Reh-Augen von Hauptdarstellerin Allison Williams („Get Out“) kein Stück drüber hinweg.

M3gan erzieht die kleine Cady

M3gan widmet sich der Kindererziehung.

Zwischendurch wird es immer mal wieder spannend. Da geht es um interessante Themen. Etwa, wie manche Eltern die Erziehung von sich wegschieben und selbige den Medien überantworten. Wie Künstliche Intelligenz wohl das Verhalten ihrer Schöpfer einordnen würde. Und was passiert, wenn die Künstliche Intelligenz den Menschen überrundet. Leider werden diese Ansätze immer nur in den luftleeren Raum gebrüllt und niemals zu einem schlüssigen Ende gebracht.

Zudem generiert der Film immer wieder Momente, die die Zielgruppe wohl als „cringe“ bezeichnen würde. Mitglieder, die nicht dieser Generation entspringen, werden wohl von unfreiwilliger Komik sprechen. So fängt M3gan immer wieder aus dem Nichts an, zu singen. Oder sie tanzt seltsame Tänze. Einfach so. Hier ist der Film vollkommen out of tune.

Die neue Killerpuppe von James Wan

Irgendwann merkt M3gan, dass sie für ihre Dienste zu schlecht bezahlt wird und läuft Amok. Ein bisschen.

Witzigerweise gelingen dem Film gleichzeitig ausgerechnet mit Musiknummern erstaunlich starke Momente. Wenn M3gan etwa vor dem Showdown „Toy Soldiers“ auf dem Klavier spielt, feixt man ordentlich in sich hinein. Doch diese Momente bleiben Mangelware. „M3gan“ wird gefühlt immer länger, immer egalere Figuren werden abgemurkst und der zweigeteilte Showdown wirkt total kopflos.

Was funktioniert, ist M3gan selbst. Der Cyborg in Mädchenoptik wird in einem fantastisch funktionierenden Mix aus verkleideter Darstellerin, CGIs und Animatronics perfekt zum Leben erweckt. Zudem bekommt der Cyborg ein paar wirklich coole Sprüche und Dialogzeilen zugeschanzt. Dass auch mit ihrer Stimme gearbeitet wird und diese teils heftig umzuschlagen vermag, sorgt für starke Momente. Auch die Mimik der Puppe ist erstaunlich feingliedrig und manchmal durchaus creepy.

Auch das Drumherum – sprich die Optik des Filmes – funktioniert. Der ist zwar deutlich nach dem Blumhouse-Schema entstanden, an nicht zu vielen Schauplätzen stattzufinden, wirkt aber nie billig.

„M3gan“ – Don’t Believe The Hype

Dem Horrorfilm eilte mal wieder der böse „Hype“-Begriff voraus. Unberechtigt. Es mag sein, dass dieser Film für eine sehr junge Generation funktioniert. Eine Generation, die das Horrorgenre vielleicht gerade für sich entdeckt oder allgemein nicht horroraffin ist und diesen Film als eine Art Mutprobe ansieht. Wer aber schon drei oder vier Horrorfilme gesehen hat, der wird über „M3gan“ einfach nur müde lächeln. Der Film thrillt nie, er gruselt nie, drei gezählte Jump Scares werden so random abgefeuert, dass man sich nur über den Krach im Kinosaal wundert, aber definitiv nicht zusammenzuckt, und der Film bekommt keinerlei Atmosphäre aufgebaut.

Unspannend dümpelt „M3gan“ vor sich hin und reizt an den vollkommen falschen Stellen zum Lachen. Das Ergebnis ließ mich genauso unbeeindruckt wie der zuletzt vollkommen überhypte „Smile“. Der ist im Vergleich zu „M3gan“ definitiv der bessere Film, aber auch er war einfach nur ein Gruselfilmversuch für all jene, die sonst keine Berührungspunkte mit Horror haben.

Und wo wir gerade bei „Smile“ sind: Er hat noch eine weitere Gemeinsamkeit mit „M3gan“. Nämlich einen weitaus besseren Vorgänger! Bei „Smile“ ist es der grandiose „It Follows“, bei dem sich „Smile“ ja sogar bis ins „Monsterdesign“ hinein bediente. Bei „M3gan“ heißt der direkte Vorgänger „Child’s Play“. Das „Chucky“-Reboot kam seinerzeit ja leider nicht sonderlich gut an, erzählt aber exakt die gleiche Story und ist in der Nachbetrachtung und im Vergleich mit „M3gan“ der weitaus garstigere, spannendere, witzigere, blutigere und unterhaltsamere Streifen. Lieber diesen neu entdecken, als sich bei „M3gan“ im Kino langweilen.

Knappe:

4 von 10

Der Horrorfilm läuft seit dem 12. Januar 2023 in den deutschen Kinos, hat eine in dieser Form vollkommen überzogene FSK 16 Freigabe und kommt von Universal Pictures. Man kann nur hoffen, dass Universal Pictures Home Entertainment die ursprüngliche Version von „M3gan“ für den Heimkinomarkt auspackt und so der Puppenhorror vielleicht ansatzweise rehabilitiert wird. Ich habe da allerdings meine Zweifel, dass etwas mehr Blut alleine dies schaffen wird.

In diesem Sinne:
freeman

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