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Housebound

Originaltitel: Housebound__Herstellungsland: Neuseeland__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Gerard Johnstone__Darsteller: Morgana O’Reilly, Rima Te Wiata, Glen-Paul Waru, Cameron Rhodes, Millen Baird, Ross Harper, Ryan Lampp, Wallace Chapman, Ian Mune, David Van Horn, Bruce Hopkins u.a.
Housebound

Schon das Cover spielt gekonnt mit den Erwartungen des Zuschauers an den vermeintlichen Haunted House Horror “Housebound”

Kylie kann mit Fug und Recht als Problemkind bezeichnet werden. Schon früh kehrte sie ihrer Familie den Rücken und schlug sich alleine durch. Ihr Weg allerdings war immer ein illegaler. Mehrfach wurde sie deshalb schon verknackt und in Einrichtungen verbracht, die Kylies rebellisches Verhalten zu korrigieren versuchten. Doch all das hat nicht funktioniert. So sieht der Richter in Kylies aktuellem Fall (sie hat einen Geldautomaten geknackt) keinen anderen Weg, als sie zurück zu ihren Eltern zu verfrachten und ihr einen rigorosen Hausarrest inklusive Fußfessel zu verpassen.

Kylie landet in einer Art verkitschter, knallbunter, spießbürgerlicher Vorhölle mit Windows 2000 und 40 Kbit/s Modem. Ihr Stiefvater könnte maulfauler und introvertierter kaum sein, während ihre Mutter mit Dampfplauderin gut umschrieben ist und dabei wirklich jedes noch so nichtige Thema zum Gesprächsinhalt macht. Kurzum: Kylie könnte härter kaum bestraft werden.

Doch es kommt noch schlimmer: Schon am ersten Tag muss sie im Radio mit anhören, wie ihre Mutter bei einer Call-In Sendung anruft und davon fabuliert, dass das Haus, in dem sie seit 20 Jahren leben würde, verflucht sei. Es spuke jede Nacht, Sachen würden verschwinden und ständig seien seltsame Geräusche zu hören. Irgendwann lässt sich auch Kylie von der Paranoia anstecken und geht mit einem Angestellten des Sicherheitsdienstes, welcher ihre Fußfessel überwacht, auf Geisterjagd. Gemeinsam finden sie heraus, dass das Haus von Kylies Familie früher eine psychiatrische Anstalt war, die eines Tages Hals über Kopf geschlossen werden musste…

Im Grunde könnte man noch ewig über die Handlung von „Housebound“ schreiben, ohne Grundlegendes zu verraten. Denn der Film macht sich einen Spaß daraus, mit immer neuen Entwicklungen aufzuwarten. Wähnt man sich zu Beginn noch in einer Komödie mit einer der denkwürdigsten Pinkelszenen aller Zeiten und einem schrägen Stepptanz, wird „Housebound“ plötzlich zu einer Art „Haunted House“-Horror mit einer ordentlichen Prise „Poltergeist“. Dann schlägt er um in eine witzige „Ghostbusters“-Variante, nur um hernach noch diverse Male die Richtung zu wechseln. Irgendwann thrillt es gar heftig, dann wird es richtig horrorlastig und effektiv und irgendwann wird sogar milde gesplattert. Und über allem schwebt ein köstlicher, ein feiner Humor, der ab und an gar in großartigen Slapsticknummern endet.

„Housebound“ ist fürwahr eine filmgewordene Wundertüte, die immer irgendwo zwischen clownesk und richtig spannend laviert und den Zuschauer mit ihren vielen Wendungen bei Laune hält. Leider sorgen diese zahlreichen Kurswechsel aber auch für kleinere Probleme. Dazu später mehr. Vollends überzeugen kann das im kitschigen 50s Stil gehaltene, vor Details überfließende Haus von Kylies Familie, das für das mal finstere, mal überbordende Treiben eine tolle Kulisse bietet. Von Minute zu Minute mutiert es immer mehr zu einem wichtigen Hauptdarsteller. Irgendwann verlagert sich die Handlung wie bei Wes Cravens „Haus der Vergessenenen“ sogar zwischen die Wände des Hauses, was für tolle Suspense-Momente und einiges an Action sorgt.

Housebound

Kylie geht mit ihrem Aufpasser auf Geisterjagd.

Wirklich getragen wird der Film jedoch von seinem wundervoll spleenigen Figureninterieur. Schon Kylie, die Heldin, ist durch und durch ein angenehm sperriger und dadurch so lebendiger Charakter. Denn vieles, was Kylie tut, mutet schon arg nervig an. Sie ist eben der geborene Rebell. Und das kann durchaus anstrengend herüberkommen. Darstellerin Morgana O’Reilly schafft es aber, ihrem Charakter ausreichend sympathische Züge angedeihen zu lassen, so dass die Involvierung trotzdem sehr gut gelingt. Auch die anderen Darsteller erwecken ihre schrägen Figuren überzeugend zum Leben. Als da wären: Die ewig labernde, grundnaive Mutter, der stille, tatkräftige Vater, der geisterjagende Sicherheitsexperte, die tumben Cops der Stadt oder der immer die falschen Fragen stellende Psychiater Kylies. Sie alle bringen viel Leben in das ohnehin sehr lebendige Storykonstrukt.

Was vor allem dem etwas zähen Start zugute kommt. Denn „Housebound“ läuft erst so wirklich rund, wenn er seine Storyprämisse immer mal wieder umwirft und andere Wege geht. Doch bis dahin vergeht freilich auch ein wenig Zeit und die geht dem Streifen nicht ganz so kurzweilig von der Hand. Dafür bemerkt man in dieser Phase (und auch später immer mal wieder) einen interessanten Subtext: Dieser nimmt den allseits beliebten Coming-of-Age-Ansatz her und fragt, wie das Teenageralter und alles, was damit verbunden ist, die Dynamik in Familien verändern und welche Folgen das haben kann. Daraus resultierend gibt es kleine, wehmütige, sehr emotionale Momente, in denen Bedauern ob der in der Phase der Rebellion verschwendeten Zeit durchklingen darf.

Inszenatorisch ist „Housebound“ blitzsauber umgesetzt. Einige dynamische Kameramomente in den Zwischenwänden verblüffen. Bei den nicht ganz so beengten Schauplätzen ist die Kameraarbeit mit verspielt gut umschrieben. Ansonsten regiert eine Inszenierung, die auf Modernismen vollkommen verzichtet. Von der Tonspur knallende Jump Scares erhalten mal mehr mal weniger subtile optische Entsprechungen. Zumal mit den Jump Scares auch gespielt wird, um selbst die ausgebufften Horrorfans zu überraschen oder ihnen ein Lachen zu entlocken. Die brutaleren Momente sind samt und sonders in Handarbeit umgesetzt, geraten bis auf den finalen Knalleffekt allerdings ziemlich harmlos.

Housebound

Kylie mit ihrer herrlich schrägen Mutter.

Wie bereits erwähnt, mutet „Housebound“ wie eine filmgewordene Wundertüte an. Leider auch mit einigen Nachteilen derartiger Überraschungspakete. Denn hier und da meint es „Housebound“ ein wenig zu gut mit den Wendungen. In der Folge passt die Tonalität nicht wirklich zusammen. Die komischen und spannenden Momente sind für sich genommen wirklich toll, ergeben aber keine echte Einheit, stehen einander sogar ab und an im Weg. Etwa wenn einige prächtig funktionierende, spannende Momente überflüssigerweise komisch aufgebrochen werden. In der Folge wirkt „Housebound“ ein wenig unentschlossen und zündet nicht vollends. Zudem könnte der Film etwas straffer erzählt sein. Sobald er allerdings in Fahrt gekommen ist, passt das Tempo. Die Darsteller sind toll, die Story ist spannend und überraschend aufgezogen, die unkonventionellen Figuren sind herrlich menschlich verschroben und der alleinige Schauplatz des Hauses von Kylies Familie wird nie langweilig. Eine Empfehlung ist die neuseeländische Horrorkomödie also allemal wert, an die Kiwi-Kracher vom Formate eines „Braindeads“ kommt „Housebound“ aber nicht heran. ABER: Auf die großartige Szene, bei der Publikum wie Hauptfiguren in absoluter Dunkelheit gefangen sind und nur hören, wie ein anderer Charakter wortgewaltig den Sicherungskasten sucht und so alle Beteiligten perfide in einen hübschen Schock führt, ist selbst ein „Braindead“ nicht gekommen… Das schaffte nur „Housebound“.

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt von der MFA+ Filmdistribution unter deren neuem Hardcore Label. Der Film ist mit einer FSK 16 ungeschnitten und hat noch einige geschnittene Szenen als Extras an Bord. Die erste Auflage erscheint mit einem coolen Hologramm-Cover, das einen netten optischen Gag bereithält.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: MFA+ FilmDistribution e.K.__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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