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Bullet

Originaltitel: Bullet__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Nick Lyon__Darsteller: Danny Trejo, Torsten Voges, Jonathan Banks, Kyle Villalovos, Eve Mauro, Seri DeYoung, Eric St. John, Gerald Webb, Tinsel Korey, Eric Etebari, John Savage, Julia Dietze u.a.
Bullet

Aus “Machete” wird “Bullet”. Der neue Danny Trejo Fließband-Actioner.

Danny Trejo war jahrelang eines der Filmgesichter aus Reihe zwei, deren Namen man sich nicht merken konnte, deren Auftritte aber irgendwie immer in Erinnerung blieben. Das bemerkte auch der mit Trejo verwandte Tausendsassa Robert Rodriguez, der Trejo in vielen seiner Produktionen einprägsame Rollen verpasste (man denke an „From Dusk Till Dawn“ oder „Desperado“). Und irgendwann schrieb Rodriguez seinem Cousin sogar eine Hauptrolle auf den Leib. Die Grindhouse-Kultfigur „Machete“ bescherte Trejo relativ spät relativ viel Aufmerksamkeit. Obwohl bereits „Machete Kills“ nicht mehr so gut lief, wusste Trejo den späten Aufwind für seine Karriere zu seinem Vorteil zu nutzen. Plötzlich hatte man das Gefühl, dass ihm jedes zweite B-Movie-Drehbuch der Traumfabrik zugeschickt wurde und er mindestens bei jedem zweiten auch sein Mitwirken zusagte. Inzwischen ist Trejo omnipräsent. In Haupt- und Nebenrollen. Nur die Qualität der Projekte, die will einfach nicht mehr stimmen…

Ein ähnliches Fazit muss man leider auch zu „Bullet“ ziehen. In selbigem spielt Trejo einen Cop namens Frank, der von allen nur „Bullet“ genannt wird. Der knallharte Polizist hat zumindest privat auch einen weichen Kern, denn er kümmert sich rührend um seine drogensüchtige Tochter und deren Sohn. Doch eines Tages wird Franks Enkel entführt. Ebenso die Tochter des Gouverneurs von Kalifornien. Die Gründe hierfür sind schnell klar: Der Gouverneur soll die Hinrichtung eines Bösewichtes aussetzen und Frank soll seine Aussage, die zum Todesurteil für den Übelwicht führte, widerrufen. Doch hierbei haben die Lumpen die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Bullet denkt gar nicht daran, zu kooperieren und zieht los, um seinen Enkel zu retten…

Klingt nach flottem B-Movie-Entertainment? Absolut, aber bis „Bullet“ diese eigentlich simple Ausgangslage installiert hat, sind bereits 30 Minuten Film um. Ohne dass bis dahin wirklich viel passiert wäre. Eine Einstiegsszene um einen geplatzten Drogendeal verläuft im Nichts und die parallel montierten Untaten des Oberbösewichtes entbehren jedweder Spannung. Ist dann endlich klar, worum es in „Bullet“ gehen soll, bekommt der von Robert Rodriguez produzierte Film immer noch nicht den Schalter umgelegt.

Frank spaziert nun durch irgendwelche Straßen und wird gefangen genommen. Er kann fliehen, spaziert wieder durch irgendwelche Straßen und wird wieder gefangen genommen. Erneut flieht er… „Bullet“ verdichtet seine Ereignisse nicht, spitzt sie nicht zu und bekommt einfach keine Spannung in den langweiligen, klischeedurchsetzten Plot. Wenn Frank dann 20 Minuten vor Schluss beschließt, dass es an der Zeit sei für einen amtlichen Showdown, reibt man sich recht verwundert die Augen, weil das auf einmal vollkommen aus der Kalten kommt. So richtig funktionieren will die Story von „Bullet“ also nicht.

Der einzige, der hier eine Machete trägt, bin ich!

Und auch in der Action hakt es. Der Bodycount ist enorm. Frank dürfte knapp 20 bis 30 Lumpen umnieten. Und er ist dabei auch nicht sonderlich zimperlich. Leider kommen alle Bluteffekte aus dem Rechner. Ebenso die Mündungsfeuer und die Trefferwirkungen in der Umgebung. Was zu Beginn noch anständig ausschaut, nimmt mit fortschreitender Filmdauer immer peinlichere Züge an. Trejo wuchtet sich arg unbeweglich durch die Action. Um ihn behänder wirken zu lassen, wird das Bild einige Male sichtlich beschleunigt. Doch selbst dann wirkt Trejo seltsam steif und plump. Wodurch freilich auch die Dynamik der Actionszenen selbst leidet. Auch der lange Showdown, der eintönige Schleichsequenzen mit kurzen Ballereinlagen verknüpft, muss ohne spektakuläre Momente auskommen. Ein schlechter Witz ist eine MMA-Einlage von Trejo. Diese wird arg lang vorbereitet und erschöpft sich dann in zwei Moves unseres Helden. Der im ganzen weiteren Film auch nichts mehr präsentiert, was wirklich mit MMA zu tun hat. Stattdessen dominieren die Shootouts und nur eine ultrakurze, unspektakuläre Autoverfolgungsjagd sorgt für etwas Abwechslung.

Abseits der Action arbeitete Regisseur Nick Lyon mit einem stark farbkorrigierten Look. Hierbei lässt er seinen Film immer wieder ins Gelbe kippen. Was bei den Darstellern für mal wirklich üble Hautteints sorgt. Teilweise wirkt der Film, als sei er asiatischer Herkunft, so seltsam gelb sehen die Darsteller aus. Flashige und mit Sounds unterlegte Überblenden sollen „Bullet“ ein wenig moderner wirken lassen. Das funktioniert ganz ordentlich, wird aber irgendwann auch extrem überreizt. Schauplatztechnisch sieht man dem Film sein niedriges Budget deutlich an. Gedreht wurde überwiegend abseits belebter Straßen und in diversen Hinterhöfen. Einzig der Beginn und das Ende finden an verschiedenen Wüstenschauplätzen statt, die sich optisch stark vom Rest abheben und richtig wertig aussehen. Zumal hier die Farbkorrekturen Pause haben…

Darstellerisch ist Danny Trejo eben Danny Trejo („Bad Asses“). Zugegeben, es gibt eine Szene, in der er durchaus mal ein wenig spielt und seine emotionale Seite präsentiert, direkt danach ist er aber einfach wieder Trejo. Das kann er nunmal am besten. Und genau dann funktioniert er auch am besten. Leider wirkt er inzwischen in der Action deutlich zu alt für diesen Scheiß. Als Gouverneur agiert John Savage („Bereavement“), der einfach die ganze Zeit hinter einem Schreibtisch hockt und Käse labert. Er wird kaum mehr als einen Tag am Set von „Bullet“ verbracht haben. Den Antagonist von Frank gibt Jonathan Banks („Breaking Bad“, „Blind Side“), der überzeugend fies sein darf, aber zu wenig Screentime eingeräumt bekommt. Für das Eye Candy sorgen Eve Mauro („Cyborg X“) als Cop und die Deutsche Julia Dietze („Iron Sky“), die sogar ihre Hupen zeigt, ansonsten aber eine Figur befeuern muss, die nicht wirklich zu wissen scheint, ob sie den Bad Ass nun hassen oder mögen soll.

Das Ende vom Lied ist ein Actionthriller, der für einen Thriller zu wenig Spannung aufbaut und für einen Actionfilm in seinen ruppigeren Momenten nicht zu überzeugen vermag. Doch „Bullet“ ist dabei trotz diverser Makel nicht einmal schlecht. Er läuft nur einfach viel zu gemächlich und viel zu unspektakulär durch und kann sich in keiner Weise von den aktuell sehr vielen anderen Trejo-Ausstößen abheben. Im Übrigen haben wir die internationale Version des Filmes erhalten. Im Internet kann man auch eine alternative Version von „Bullet“ finden. In dieser sind ganze Szenenblöcke anders angeordnet, die Farbkorrekturen wurden weggelassen, neue Szenen kommen hinzu, andere fallen weg und ausgerechnet die Actionszenen wirken in dieser Fassung deutlich runder (beispielsweise ist der MMA-Fight zu Beginn deutlich länger und auch anders geschnitten). Die ganze Fassung wirkt auf mich schlüssiger und besser in ihrem Timing, obwohl sie auch den „Dramapart“ um Frank und seine Familie vertieft. Auch der Soundtrack macht irgendwie deutlich mehr Laune… Für die in Deutschland erhältliche, internationale Fassung gibt es von mir:

Die deutsche DVD/Blu-ray von „Bullet“ erschien am 20. März 2015 von dem Label Cherrybomb Films und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Cherrybomb Films__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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