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Maschinenland – Mankind Down

Originaltitel: Revolt__Herstellungsland: Großbritannien, Südafrika__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Joe Miale__Darsteller: Lee Pace, Bérénice Marlohe, Amy Louise Wilson, Kenneth Fok, Tom Fairfoot, Alan Santini, Edwin Jay, Barileng Malebye, Steven Ward, Noko ‘Flow’ Mabitsela u.a.
Maschinenland Deutsches Cover

Von dem etwas überladenen Cover und dem seltsamen Titel nicht abschrecken lassen! “Maschinenland” aka “Revolt” hat seine Momente!

Soldat Bo, gerade noch im Einsatz gegen einen gesichtslos bleibenden, übermächtigen Gegner, erwacht nach den Auswirkungen einer starken Detonation bar jeder Erinnerung in einer engen Gefängniszelle. Eine in einer Nachbarzelle inhaftierte französische Ärztin rückt ihn zumindest ansatzweise ins rechte Licht:

Bo sei in Kenia, wo ein Krieg zwischen den Einheimischen und einer Macht aus dem All tobe. Die Außerirdischen hätten sich schon die meisten Teile der Welt Untertan gemacht. Was sie jedoch von der Menschheit wollen, das wisse sie nicht. Bo und der Ärztin gelingt irgendwann die Flucht aus ihrer misslichen Lage und sie beschließen gen Norden zu pilgern.

Dort sei eine große US-Army-Base, wo man vor den Attacken der Aliens sicher sei. Auf ihrer Flucht durch ein zerstörtes Land müssen sie bald feststellen, dass in einer solchen Ausnahmesituation die Aliens noch das kleinste Übel sind…

Schaut in das actionreiche Science-Fiction-Road-Movie „Maschinenland“ hinein

Südafrika, das Kenia überzeugend doubelt, drückt „Maschinenland“ seinen optischen Stempel auf. In erdigen, warmen Sepiafarben entfaltet sich eine leider wenig innovative Story, die sich schnell als Road Movie im zarten Science-Fitcion-Action-Gewand entpuppt. Den Regeln des Genres folgend, entfaltet sich die Story nur ganz allmählich vor den Augen des Zuschauers und macht sich das „Der Weg ist das Ziel“-Grundprinzip aller Road Movies zu eigen.

Daraus ergibt sich eine nicht immer schlüssige Handlung, die leider mehr Fragen aufwirft, als sie zu beantworten vermag. Vieles bleibt in „Maschinenland“ einfach im Dunklen: Dazu gehören die Motivationen der handelnden Parteien, die Schicksale einiger Charaktere und die große Frage nach dem handlungsübergreifenden „Warum?“. Wirklich befriedigend ist das letzten Endes nicht. Dieser Ansatz lässt „Revolt“, wie „Maschinenland“ im Original heißt, wie den Pilotfilm einer Serie oder die Eröffnung einer Filmreihe wirken, nicht aber wie eine eigenständige filmische Vision.

Maschinenland Aliens kämpfen gegen Menschen

Die Aliens haben Spaß am Killern von kleinen Menschlein.

Die zumindest technisch keinerlei Grund zum Klagen liefert. Die bereits erwähnte, angenehm warme Optik von Roland-Emmerich-Kameramann Karl Walter Lindenlaub wird von schönen Kamerafahrten und Totalen von südafrikanischen Wüstenlandschaften noch aufgewertet. Das Kamera-As gab zudem sichtlich alles, „Maschinenland“ einen filmischen, grobkörnigen Look zu geben. Zudem fand man viele Schauplätze, denen man tatsächlich abnimmt, dass hier ein Krieg getobt haben könnte. Entsprechende Trümmerlandschaften sorgen für eine nicht unerhebliche, dichte Atmosphäre.

Die in die Sets gesetzten CGI-Aliens mögen zwar etwas arg eigenwillig designt sein, sehen allerdings formidabel aus und offenbaren kaum Effekt-Schwächen. Im späteren Verlauf hinzukommende neue Varianten funktionieren genauso gut, von den detailfreudigen Mutterschiffen der außerirdischen Lumpen ganz zu schweigen. Das kolportierte Budget von 4 Millionen Dollar mag man Regie-Debütant Joe Miale so kaum abnehmen.

Maschinenland Lee Pace und Bérénice Marlohe auf der Flucht

Lee Pace und Bérénice Marlohe fliehen vor den Aliens.

Auch das Tempo von „Maschinenland“ ist mehr als passabel. Miale hält seinen Film beständig in Bewegung und liefert diverse actionreiche Momente ab. In denen geht es durchaus ruppig zur Sache. Vor allem die Aliens lassen ihre Kontrahenten nur zu gerne in blutigen Wolken aufgehen. Das erlaubt sogar gewitzte Actionmomente, etwa wenn Bo auf einen Kerl mit Kalaschnikow zurennt, der von einem Alien pulverisiert wird und Bo sich die für Sekundenbruchteile herrenlos in der Luft schwebende Waffe greift und weiterfeuert.

Dadurch, dass die Menschen die Aliens überwiegend nur mit Sprengstoff geknackt bekommen, wirkt die Action, obschon immer meist kurzer Natur, dank des häufigen Einsatzes von Panzerfäusten und Granaten recht aufwändig. Leider hat die Action aber auch einige haarsträubend dumme Momente. Wie jenen, wenn Bo und die Ärztin vor einer ganzen Armee Außerirdischer fliehen, diese mit ihrem Auto scheinbar mühelos abzuhängen vermögen und trotzdem einen Stopp einlegen, um sich in einem herrenlosen, einsam in der Gegend herumstehenden Haus mitten im Laufweg der Aliens zu verstecken. Einen dümmeren Moment der aktuellen Filmgeschichte zu benennen, fällt mir gerade wirklich schwer.

Maschinenland Alien-Mutterschiff

Was haben die Aliens nur mit unserem Planeten vor?

Schade ist auch, dass die Chemie zwischen Bo und der Ärztin, also zwischen Hauptdarsteller Lee Pace („Guardians of the Galaxy“) und Bérénice Marlohe („Skyfall“) überhaupt nicht stimmt. Während Pace als Held der Chose noch eine unvermutet starke Figur macht, nimmt man der zumindest sexy verdreckte Klamotten tragenden Marlohe weder die Ärztin noch irgendeinen der kolportierten emotionalen Momente ab. Wie der Film dann aber mit der Figur verfährt, kann man auch über das schlechte Schauspiel der Aktrice kaum erklären.

Was am Ende bleibt, ist ein optisch beeindruckendes, stark getrickstes Alien-Invasions-Road-Movie, das mit einem Hauch einer Story ausgestattet für 90 Minuten gut unterhält und ordentliche Action präsentiert. Leider lässt „Maschinenland“ unbefriedigend viele Fragen offen. Während Lee Pace als Held ungeahnte Actionman-Qualitäten offenbart, ist sein weiblicher Sidekick alles andere als eine Offenbarung. Die Chemie zwischen beiden passt nicht. Zudem schafft sie es nie, den Helden aufzubrechen. Selbiger wird durch das in Sachen Charakterzeichnung nicht gerade starke Drehbuch zusätzlich alleingelassen. So wirkt ausgerechnet der Held des Filmes wenig nahbar. Sein Schicksal berührt nicht und man bleibt immer ein wenig außen vor. Und das trotz grandios inszenierter Einzelszenen! Die Momente rund um den Kriegsfotografen seien genannt, da diese in ihrer wirkungsvollen Simplizität und ihrer gewitzten Umsetzung voll reinhauen. Vielleicht bekommt Regisseur Miale die Gelegenheit, in Sachen „Maschinenland“ befriedigender nachzulegen. Dann seien ihm die Problemchen seines Langfilmdebüts nachgesehen. Doch selbst wenn nicht, wünscht man ihm bald ein gewitzteres Drehbuch, das es ihm ermöglicht, sein zweifellos vorhandenes Talent noch besser auszuspielen.

6 von 10

Die deutsche DVD/Blu-ray zum Film erscheint am 26. Oktober 2017 von Koch Media und ist mit einer Freigabe ab 16 ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Koch Media__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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