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Mission Cobra – …im Kampf für die Gerechtigkeit

Originaltitel: Mission Kill__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1986__Regie: David Winters__Darsteller: Robert Ginty, Merete Van Kamp, Cameron Mitchell, Olivia d’Abo, Henry Darrow, Sandy Baron, Eduardo López Rojas u.a.
Mission Cobra

In “Mission Cobra” mischt Robert Ginty den fiktiven Staat Santa Maria auf

Zweimal setzte Regisseur David Winters („Guerilla Force“) B-Actionstar Robert Ginty in Szene: 1989 in „Code Name Vengeance“, drei Jahre zuvor in „Mission Cobra“.

Vor dem Filmdreh war Winters erst einmal ordentlich einkaufen. Und zwar Stock Footage von einstürzenden Gebäuden, da der Held nicht nur ein ehemaliger Elitesoldat, sondern auch ein zertifizierter Sprengmeister ist. Als solcher jagt J.F. Cooper (Robert Ginty) im Zivilleben auch mal zum Abbruch bestimmte Gebäude präzise in die Luft, womit er die typischen zerstörerischen Impulse des Actionhelden zu kanalisieren weiß. Außerdem ist er ein guter Kumpel, der seinen alten Army-Buddy Harry (Cameron Mitchell) auf dessen Ranch aufsucht und aufmuntert, denn der plant ein Geschäft zur Versorgung seiner deutlich jüngeren Frau und seines Sohnes – und natürlich ist Loyalität zu Kameraden ja einer Hauptgründe, warum Actionhelden in Schwierigkeiten geraten, vor allem nach Ausstieg aus ihrem Beruf. Deshalb will er Harry bei der Mission unterstützen.

Der Job, der Harrys Ruhestand vergolden soll, besteht darin Rebellen in dem fiktiven Staat Santa Maria in Mittelamerika mit einer Waffenlieferung zu versorgen. Von den Zuständen erfährt man bereits der Eröffnungssequenz, in welcher der Reporter Bingo Thomas (Sandy Baron) im Off über Santa Maria berichtet, während der Zuschauer bereits sieht wie die Militärs des Regimes einen Rebellen an der nächsten Laterne aufknüpfen. Das ist nicht ohne realpolitische Bezüge, schließlich mischte die Reagan-Administration, oft über die CIA, in den 1980ern oft bei Regimewechseln und Regimeunterstützungen in Mittel- und Südamerika mit, um eine Ausbreitung des Kommunismus vor der eigenen Haustür zu verhindern. Solche Motive haben Cooper und Harry offiziell nicht, sie wollen einfach nur gute Rebellen im Kampf gegen böse Unterdrücker unterstützen.

Da Harry aber augenscheinlich zu doof ist Waffen richtig zu verstecken und sich auf die nötigen Papiere verlässt, fliegen sie schon an der Grenze auf und geraten in einen Hinterhalt von Regime-Bütteln, die ihre Ladung klauen, Harry töten und Cooper vermeintlich tot zurücklassen. Doch der will mit ihnen abrechnen und schließt sich so den Rebellen an…

Mission Cobra

Noch weiß J.F. Cooper (Robert Ginty) nicht, dass er Sydney Borghini (Merete Van Kamp), die Frau des regimetreuen Waffenhändlers, an seiner Seite hat

Ein US-Elitesoldat gegen ein totalitäres Regime in Südamerika, das ist pures Actionkino der 1980er, dem David Winters in seiner Doppelfunktion als Regisseur und Drehbuchautor allenfalls am Rande ein paar nicht ganz handelsübliche Facetten hinzufügen kann, und das auch nicht immer mit starker Aussage. Dass sich die blonde Anhalterin, die Cooper bei seiner Reise durch Santa Maria zeitweise mitnimmt, nicht als sein potentielles Love Interest erweist, sondern die Frau von Senor Borghini (Henry Darrow) ist, der den Diktator Ariban (Eduardo López Rojas) mit Waffen versorgt, ist ebenso eine nette Vignette wie die Anwesenheit von Bingo Thomas, der ihn zum Helden hochschreibt – im Gegensatz zu manch anderem Commando-Soldaten, der in der Anonymität agiert, wird Cooper auch intradiegetisch zum Volkshelden hochgejazzt, unter dem Namen Kennedy (der natürlich einige Assoziationen prägt) und zum Robin Hood Santa Marias ernannt. Zwiespältig ist das Ende zu beurteilen. Einerseits kann man es als Bruch mit Erwartungen und Klischees sehen: Die Revolution gelingt nicht so wirklich, Cooper hat fast alles verloren und kaum etwas an den Verhältnissen geändert. Andrerseits gelingt seine Rache auf persönlicher Ebene, mit einem coolen Spruch serviert er seinen Erzfeind ab und fliegt von dannen, nachdem er Harry gerächt hat, weshalb sich das Ganze nicht wirklich nach einem fiesen Ende anfühlt.

Vielleicht liegt das aber auch an den überschaubaren inszenatorischen Fähigkeiten von David Winters, unter dessen Fuchtel „Mission Cobra“ nie so recht Fahrt aufnehmen will. Da diskutiert Cooper mit einem Rebellen amerikanische Heldenikonen wie John Wayne oder Burt Lancaster, womit der Film ihn wohl in dieser Tradition verorten will, was aber eher als Bremser wirkt. Auch die Figurenpsychologie ist nur so halb stimmig, etwa wenn ein Rebell zum Verräter und Freundesmörder wird, nur weil er das Gefühl hat, dass Cooper ihm eine Rebellin ausspannt (mit der er gar nicht zusammen ist). Dass der Film zwischenzeitlich noch einmal Harrys Frau und Kind einbringt, diese aber später gar keine Rolle mehr spielen, ist ein weitere, nicht wirklich nachvollziehbare Entscheidung in einem Film, der nur phasenweise Spannung geriert. Eine davon ist jene Szene, in der sich eine Rebellin undercover in den Präsidentenpalast begibt, wo Ariban regelmäßig neue Gespielinnen empfängt, die diesen aber nicht lebend verlassen. Mit diesem Vorwissen ist besagte Szene bis zum unerwarteten Ende spannend, was man über den Gesamtfilm nicht sagen kann.

Mission Cobra

Die blonde und hellhäutige Olivia d’Abo als lateinamerikanische Rebellin zurechtgemacht

An die Actionszenen geht Winters mit dem Gusto eines Handwerkers ohne größere Ambitionen heran. In einer Montage von Sabotage-Aktionen wird noch mal reichlich Stock Footage von Sprengungen gezeigt, die aber immerhin schon beeindruckend aussehen (vor allem eine Brückensprengung und der Einsturz eines Fabrikschlots). Die sonstige Action, hauptsächlich Ballereien mit zusätzlichem Raketenwerfer- und Sprengfalleneinsatz, ist Hausmannskost mit ganz brauchbaren Stunts und ein paar blutigen Einschüssen, aber grobschlächtiger Kameraführung und simplem Schnitt. Es ist Handwerk ohne große Finesse, aber auch ohne allzu grobe Schnitzer. Nur ist die Action leider in überschaubarem Maße vorhanden – ein Cirio H. Santiago etwa stopfte seine wenig feinsinnigen Ballerfilme dagegen oft mit Shoot-Outs galore voll, sodass Masse vor Klasse ging, aber diesen Weg schlägt „Mission Cobra“ dann nicht ein.

Robert Ginty („Lady Dragon“) schaffte zwar nie den großen Durchbruch als Actionstar, erweist sich aber als verlässlicher Held ohne übertriebene Muskelberge, dem man den Typen, der sich durchbeißen muss, sehr gut abkauft. Mit Eduardo López Rojas („Meine verrückte Familie“), Henry Darrow („Maverick“) und Merete Van Kamp („Das Osterman Weekend“) steht ein herrliches fieses Schmierlappentrio auf der Gegenseite, das leider etwas wenig zum Zuge kommt. Cameron Mitchell („Deadly Prey“) und Sandy Baron („Leprechaun II“) als Buddys des Helden sind okay, während die blonde, hellhäutige Olivia d’Abo („Conan – Der Zerstörer“), die man zur lateinamerikanischen, schwarzhaarigen Rebellin mit gebräunter Haut umstylte, immer etwas unwirklich und wie ein Fremdkörper im Film aussieht.

An den Rändern gibt es interessante Aspekte an „Mission Cobra“, der sich jedoch insgesamt als handelsüblicher B-Actionfilm von Fließband erweist, der seine Ballereien etwas zu sparsam einsetzt und nicht immer besonders stilsicher inszeniert ist. Es gibt gelungene Einzelszenen, Robert Ginty sowie die Schurken machen etwas mehr und die Ballerszenen sorgen für etwas Kurzweil, aber dazwischen gibt es auch viele Längen.

Starke:

„Mission Cobra“ war schon auf VHS ab 16 Jahren freigegeben, allerdings um mehr als zehn Minuten Handlung gekürzt. Die neu erschienene DVD von Cargo Records/Mr. Banker in der Action Classics Collection ist bei gleicher Freigabe ungekürzt, wobei die ehemals fehlenden Passagen nicht synchronisiert wurden, sondern im Originalton mit deutschen Untertiteln daherkommen. Wenn man den Film direkt auf Englisch guckt, bemerkt man den Unterschied eh nicht. Als Bonus gibt es den Trailer, eine Bildergalerie sowie die deutsche Kinoversion, für Leute, die den Film auf Deutsch ohne Sprachwechsel gucken wollen.

© Nils Bothmann (McClane)

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