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Operation Olympus – White House Taken

Originaltitel: Suddenly__Herstellungsland: Kanada, USA__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Uwe Boll__Darsteller: Ray Liotta, Erin Karpluk, Michael Paré, Dominic Purcell, Ed Anders, Cole Coker, Brad Kelly, Tyron Leitso, Haig Sutherland u.a.
Operation Olympus

Ein Uwe Boll Film, der irgendwie gar nicht wie ein Uwe Boll Film aussieht. “Suddenly” aka “Operation Olympus”

Die deutsche Titelschmiede ist doch immer wieder für echte Stilblüten gut. Aktuelles Beispiel: “Operation Olympus – White House Taken”. Bei diesem Titel wird man von Assoziationen förmlich überrannt! „Operation Olympus” erinnert an „Operation: Broken Arrow“ oder „Operation: Peacemaker“. „Olympus“ verweist mehr als direkt auf den Antoine Fuqua Actioner “Olympus Has Fallen” und „White House Taken“ klingt irgendwie verdächtig nach dem Emmerich Kracher „White House Down“. Und nimmt man auch noch „Taken“ einzeln her, kommen einem die Liam Neeson Kollaborationen mit Luc Besson in den Sinn. Irgendwie beschleicht einen da schon der Eindruck, dass man einfach so viele bekannte Titel wie möglich in einem unterbringen wollte. Den Sinn dahinter hinterfragt man lieber nicht. Der Film heißt im Original im Übrigen „Suddenly“…

Suddenly ist eine Kleinstadt in den USA. Hier geht alles seinen geregelten Gang und kennt jeder jeden. Einer der Einwohner von Suddenly ist Todd Shaw. Der Kriegsheld hat schon tagsüber gewaltig Schlagseite, was allerdings im Vergleich zu seinen Umtrünken des nachts noch gar nichts ist. Verwunderlich ist dieses Verhalten nur insofern, das Todd eigentlich Deputy in der kleinen Stadt ist und eigentlich nach dem Rechten schauen sollte, anstelle den Flachmann zu lehren. So nimmt er mehr oder weniger auch nur am Rande wahr, dass seine Stadt in den Ausnahmezustand versetzt wird…

Es kündigt sich nämlich ein Besuch des Präsidenten der Vereinigten Staaten an. Todd und seine Kollegen werden beauftragt, die Stadt abzusichern und etwaige Unruheherde schon im Vorfeld zu beseitigen. Was Todd und Co. zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen, der Zuschauer aber schon längst weiß: Nicht alle im Vorfeld des Besuches in der Stadt eintreffenden Secret Service Agenten sind wirklich für den Präsidenten tätig. Eine Abordnung plant ganz im Gegenteil einen tödlichen Anschlag auf das Staatsoberhaupt. Sie verschanzen sich im Haus von Witwe Ellen, mit deren verstorbenen Mann Todd einst diente und für die er sich verantwortlich fühlt. So dauert es freilich nicht lange, bis Todd auf die Attentäter prallt…

Operation Olympus

Deputy Todd wird an die Grenzen seiner Fähigkeiten getrieben.

Stünde es nicht explizit im Vorspann des Filmes, man würde niemals glauben, dass Uwe Boll bei „Operation Olympus – White House Taken“ Regie geführt haben soll. Keinerlei Provokationen, keinerlei trashige Einsprengsel, … nichts, aber auch gar nichts, was auf des Doktors Filmhandschrift verweisen würde. Stattdessen entpuppt sich „Suddenly“ aka „Operation Olympus – White House Taken“ als solide und routiniert heruntergedrehter Thriller, dem nur seine eigene Vorhersehbarkeit massiv im Weg steht. Boll lässt sich bei diesem Film, bei dem er zwar produzierte, der aber dennoch durchgehend und nicht ohne Grund nach einer beliebigen Auftragsarbeit riecht, stets zu früh in die Karten gucken. Wer böse und wer gut ist, weiß der Zuschauer immer sofort. Was andere Regisseure für Twists und Überraschungen genutzt hätten, lässt Boll beinahe fahrlässig verstreichen und schafft es so nicht, eine durchgängige Spannungskurve aufzubauen.

Ganz im Gegenteil. Im Mittelteil, wenn „Operation Olympus“ gefühlt nur noch im Haus von Ellen und ihrer Familie fest hängt, schleichen sich einige empfindliche Längen ein, die ein sehr unrundes Tempoempfinden beim Zuschauer bewirken. Langweilig wird die Chose zwar nie, von einem flotten Filmerlebnis ist „Operation Olympus“ aber ebenfalls weit entfernt. Was dem Film obendrein fehlt, ist eine ordentliche Packung Action. Auch hier verpasst Boll diverse Möglichkeiten, einen Gang höher zu schalten. Das geht soweit, dass am Ende bis auf kleinere Rangeleien gar keine Action im eigentlichen Sinne stattfindet.

Operation Olympus

Nicht alle Secret Service Agenten sind, was sie zu sein scheinen.

Dass der Film dennoch einen rundweg soliden Eindruck macht, verdankt der Film seinen Darstellern. Insbesondere Ray Liottas („Cop Land“) Portrait eines Kleinstadtbullen weiß wirklich zu gefallen, da sich der Mime mit Macht dagegen sträubt, einen Kuschelbären von Cop zu entwerfen, der zwar gerne einen säuft, ansonsten aber voll ok ist. Stattdessen ist sein Todd wundervoll unberechenbar, klinkt gerne mal unvermutet aus und bleibt den gesamten Film hinweg erstaunlich unbequem. Was Liotta mit stimmigem Spiel auf den Punkt herüberbringt und sich damit gefühlt für seine peinliche Performance in Bolls „Schwerter des Königs“ entschuldigt. Sein knuffiges „Assault On Wall Street“ Darstellergespann Dominic Purcell und Erin Karpluk hat Boll scheinbar direkt zum “Operation Olympus” Set geschleift. Witzigerweise war das in Wahrheit mehr oder weniger genau andersherum, denn zumindest Purcell war schon weit vor Boll in dieses Remake eines Frank Sinatra Filmes involviert! Doch kurz vor Drehstart war der Posten des Regisseurs plötzlich vakant und Boll übernahm auf Bitten Purcells die Regie. Bei so viel Engagement verwundert es ziemlich, dass Purcell nur langsam in den Film hineinfindet. Erst gegen Ende, wenn die Motive seiner Figur offengelegt werden und er einige starke Momente mit Liotta hat, dessen Figur zum Ende hin erstaunlicherweise noch einmal gebrochen wird, läuft Purcell warm und weiß zu gefallen. Als Gegenspieler der Heldenparty ist er aber durchgehend zu schwach. Dafür war die Verpflichtung von Erin Karpluk eine gute Entscheidung, denn die sympathische Mimin zieht das Interesse mühelos auf sich und sorgt für viel Involvement auf Seiten des Zuschauers. Michael Pare („Amphibious“) schaut als Regular von Uwe Boll ebenfalls vorbei und hat einige sehr feine Momente abbekommen.

Operation Olympus

Michael Pare legt auf den Präsidenten an.

Inszenatorisch bewegt sich „Operation Olympus“ auf ordentlichem DTV Niveau, rutscht aber gerade im Anwesen von Ellen immer wieder auch in Fernsehspiel-Gefilde ab. Wenn Boll plötzlich für den Bruchteil einer Sekunde eine großartige Einstellung auf sein im Schnee liegendes Suddenly wirft, wünscht man sich, er hätte mehr Bilder wie dieses in seinen Film gepackt. Gerade weil ihm die Actionschauwerte fehlen, hätte er eigentlich in anderen Kategorien mehr aufdrehen sollen. Auch der Schnitt seines Films ist arg unaufgeregt und leider lässt die Qualität der Musik von „Operation Olympus“ mit fortschreitender Laufzeit immer mehr nach. Wo am Anfang noch hübsch verspielte Themen unter den Bildern erklingen, schaltet „Operation Olympus“ irgendwann unvermittelt in den Rumtata Rhythmus und haut ein Fanfarenthema nach dem anderen raus. Obwohl das nicht mal zum Film passt.

Amerikagegner Uwe Boll hält sich im Übrigen in seinem in Kanada produzierten Film extrem zurück mit US-Bashing. Stattdessen rückt er seine Bösewichter weit nach rechts außen und verpasst ihnen das in letzter Zeit etwas zu oft verwendete „Mein Land hat mich im Stich gelassen“ Motiv. Am Ende ist die amerikanische Welt wieder heile und der ehemalige Kriegsheld auch im Kleinstadtleben ein Held. Der Tag wurde also gerettet und alles ist super. Und irgendwie vermutet man fast, Uwe Boll sei ein wenig milder geworden. Dass dem nicht so ist, hat er zuletzt im Gespräch mit den Actionfreunden bewiesen. „Operation Olympus“, obwohl ein Freundschaftsdienst für Purcell, riecht darum auch weithin wie eine dieser Produktionen, die Boll annehmen muss, um andere, ihm wichtigere Stoffe zu verfilmen. Und so erweist sich „Operation Olympus“ als sehr geradlinig erzählter, sehr glatter und solider Thriller, der nicht einmal ansatzweise die Handschrift seines Machers zu tragen scheint und daher recht untypisch in der Filmografie von Uwe Boll wirkt. Handwerklich weist „Operation Olympus“ wirklich keinerlei Schwächen auf, hätte allerdings ein packenderes Drehbuch, mehr Spannung und einige zupackende Actionsequenzen vertragen können. Die Darsteller agieren durchweg routiniert und solide. Und so lautet auch mein Fazit für „Operation Olympus“: Routiniert und solide … und leider auch arg belanglos.

Lasst uns hoffen wir, dass der Doktor nie mitbekommt, an welche Filme der Titel seines „Suddenly“ in Deutschland angelehnt wurde, denn an ebenjenen Actionkrachern lässt er ja aktuell kein gutes Haar.

Die deutsche DVD/Blu-ray von „Operation Olympus“ kommt am 22. November 2013 in den deutschen Handel und ist mit einer FSK 16 Freigabe uncut.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: newKSM__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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