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Perversions of Science

Originaltitel: Perversions of Science__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1997__Regie: Walter Hill, Russell Mulcahy, William Malone, Tobe Hooper, William Shatner u.a.__Produktion: Joel Silver, Walter Hill, Richard Donner, Robert Zemeckis, Gilbert Adler u.a.__Darsteller: Yancy Butler, Keith Carradine, Jamie Kennedy, Jason Lee, Jeffrey Combs, Ron Perlman, Jeff Fahey, Heather Langenkamp, Kevin Pollak, Adam Arkin, Lolita Davidovich, Lin Shaye, Chris Sarandon, Maxine Bahns u.a.
Perversions of Science

„Perversions of Science“, unter anderem produziert von Joel Silver, Walter Hill und Richard Donner, versucht das „Geschichten aus der Gruft“-Rezept auf Science Fiction zu übertragen

Nach dem Ende von „Geschichten aus der Gruft“ wollten es HBO und das Produzentengespann aus Joel Silver, Walter Hill, Richard Donner, Robert Zemeckis und Gilbert Adler noch einmal wissen und lancierten mit „Perversions of Science“ eine ähnlich gelagerte Serie, die allerdings nur eine Staffel durchhielt.

Auch hier eine Anthologie, mit dem Fokus auf Science Fiction anstelle von Horror, mit dem weiblichen CGI-animierten Roboter Chrome anstelle der männlichen Cryptkeeper-Puppe als Gastgeberin, mit zweideutigen Sexwitzchen in der Anmoderation anstelle von Wortspielen zum Horror und Gewalt, doch sonst sehr ähnlich. Teilweise wirken die gleichen Regisseure und Drehbuchautoren wie bei „Geschichten aus der Gruft“ mit, wieder geht es häufig um böse oder unmoralische Menschen, die in einer außergewöhnlichen Situation Lehrgeld bezahlen müssen, wobei manche Folgen grimmiger, andere humorvoller sind. Allerdings sind die meisten Folgen, so wie die Serie insgesamt, deutlich weniger einprägsam als das bekannte Gruft-Vorbild.

Wie bei der Cryptkeeper-Anthologie inszenierte Walter Hill („Tomboy“) die Pilotfolge gleich selbst. Doch „Dream of Doom“, geschrieben von David S. Goyer („Batman Begins“), ist ein inszenatorisch anfangs interessantes, aber schnell ermüdendes Experiment um Traum und Wirklichkeit, in der ein Uni-Dozent an seinem Verstand zweifelt, und legt dabei schon keinen besonders guten Start hin. Mit Gilbert Adler („Bordello of Blood“) inszenierte ein weiterer Teil des Produzentenkerns die zweite Episode, „Anatomy Lesson“, in der ein Doktorenfilius im Teenageralter psychosexuelle Impulse anscheinend zum Serienmord kanalisiert – bis er einen Penner (Jeff Fahey) trifft, der ihm unheimlich erscheint. Eine deutliche Steigerung, zwar mit etwas wenig Handlung für seine 25 Minuten, aber netten Ansätzen und einigem Rätselraten bis zum überraschenden Schluss.

Die volle Komikdröhnung bietet dann „Boxed In“, inszeniert von William Shatner („Star Trek V – Am Rande des Universums“) selbst, der zudem noch als Würdenträger einer Sternenflotte antritt, was natürlich ein Augenzwinkern in Richtung der Trekkies darstellt. Hauptaugenmerk liegt allerdings auf seinem Schwiegersohn in spe, ein Pilot (Kevin Pollak), der im All enthaltsam lebte, trotz eines weiblichen Vergnügungsroboters an Bord. Als die Zukünftige jedoch Zurückhaltung signalisiert, schließt er das mitgebrachte Teil an, nur um natürlich zu erfahren, dass seine baldige Braut sich umentschieden hat und er nun den widerspenstigen Roboter verstecken muss, mit entsprechenden Komplikationen. Grober Slapstick, der aber ganz vergnüglich daherkommt und gerade von dem Casting des oft unterschätzten Kevin Pollak („Keine halben Sachen“) in der Hauptrolle lebt. Episode 4, „The Exile“, ist mit Jeffrey Combs („Doctor Mordrid“) und Ron Perlman („Pacific Rim“) ebenfalls stark besetzt, doch das Verwirrspiel um einen geisteskranken Massenmörder, seine Inhaftierung und seinen Zellenkameraden wird von Minute zu Minute egaler, da können weder die Hauptdarsteller noch Regisseur William Malone („Haunted Hill“) viel gegen das maue Script von David J. Schow („The Crow“) ausrichten.

In „Given the Heir“ spielt Yancy Butler („Harte Ziele“) die wohlhabende Lisa Gerou, die via Zeitreise in unsere Gegenwart reist und dort nach einem Mann sucht, von dem sie besessen zu sein scheint. Eine eher träge Veranstaltung, deren finalen Plottwist man teilweise schnell vorausahnt und die bis dahin wenig zu bieten hat. Die sechste Folge, „Planely Possible“ ist eine von zweien, die Russel Mulcahy („The Scorpion King: Rise of a Warrior“) inszenierte. Es geht darin um einen Mann, der seine Frau bei einem Mord verlor und sich in seiner Trauer bereit erklärt an Experimenten eines Wissenschaftlers teilzunehmen, der ihn in alternative Realitäten schickt. Dort soll er nichts verändern, doch sobald er die Gattin sieht, sind alle Warnungen passé, was für ein chaotisches Nacheinander immer schlimmer werdender Einzelrealitäten sorgt, die immer schlimmer und immer anders sind und dabei wenig erzählerischen Zusammenhalt, aber immerhin reichlich kruden Humor und krude Effekte bieten.

Mit „Panic“ liefert ausgerechnet Tobe Hooper („Texas Chainsaw Massacre“), in Sachen Formkurve ja nicht der beste Horrorregisseur, das Highlight der Serie nach einem Drehbuch von Andrew Kevin Walker („The Hire: The Follow“) ab. Basierend auf dem „War of the Worlds“-Hörspiel von Orson Welles, das viele Zuschauer damals für real hielten, geht es auch hier um eine Radiosendung an Halloween, die auf das Konto eines Carson Walls (Achtung, Wortspielalarm) geht und eine Alien-Invasion beschreibt, was wiederum zu Verwirrungen auf einer Halloween-Party sorgt. Schwarzhumorig kostet „Panic“ die Grundidee aus und hat mit Jason Lee („Der Staatsfeind Nr. 1“) und Jamie Kennedy („Killer Beach“) auch zwei starke Hauptdarsteller, die hier die Gastgeber der verhängnisvollen Halloween-Party geben. Nach diesem Highlight wird es in „Snap Ending“ gleich wieder schwächer. Mit Will Wheaton ist der nächste „Star Trek“-Gaststar an Bord, Sean Astin hat eine Gastrolle und fungiert als Regisseur der Episode, in der ein potentielle Kontamination eines Raumschiffs für Streitigkeiten der Crew sorgt. Leider holt „Snap Ending“ wenig aus dem Psychokrieg heraus und lässt viel Potential ungenutzt, auch wenn immerhin die Pointe etwas hat.

Schwach geht es in der neunten Episode, „Ultimate Weapon“, weiter, in der Heather Langenkamp („Star Trek: Into Darkness“) als Ehefrau auftritt, die Alpträume über außerirdische Besucher hat. Weil dies eine Sci-Fi-Serie ist, ist natürlich etwas dran an den Träumen, doch Regisseur Dean Lopata und Drehbuchautor Gilbert Adler machen daraus nur ein albernes Komödchen auf Boulervardtheaterniveau, in dem Leute betrunken sind, sich voreinander in einem Haus verstecken und lauter so lustige Dinge aus der einfach gestrickten Humorschublade tun. Dagegen ist die finale, erneut von Mulcahy inszenierte Episode „People’s Choice“ immerhin ein herrlich absurdes bis abstruses Comedy-Teil, in dem identisch aussehende Haushaltsroboter den Menschen der Zukunft die Arbeit abnehmen. Doch das Modell des Protagonisten wird immer wieder von seinen Robo-Genossinnen attackiert, während der Mann zunehmend eifersüchtig aus die technologische Haushaltshilfe gestimmt ist. Mit reichlich Seitenhieben auf den Konsumwahn, einer witzigen Schlusspointe und einer netten Parabel der Robotertechnik als Nachfolge von Sklaverei und Dienerschaft ist „People’s Choice“ ein erfrischend starker Abschluss der Serie.

Doch kleine Highlights wie „Panic“ und „People’s Choice“ können kaum vergessen machen, dass andere Episoden reichlich egal sind, Chrome als Gastgeberin nie den Charme des Cryptkeepers erreicht und die sexuelle Komponenten vielleicht brave US-Bürger im Bible Belt auf die Barrikaden bringt, für den Rest der Welt als eher plumpe Provokation erscheint. Eine durchwachsene Sache, weshalb die Einstellung nach einer Staffel nicht so sehr verwundert.

Ob „Perversions of Science“ im deutschen Fernsehen lief, ist mir nicht bekannt. Auf DVD wurde die Serie bisher wohl in Japan ausgewertet und diese ist dann auch noch out of print, aber die Folgen sind auf Videoplattformen wie YouTube zu finden.

© Nils Bothmann (McClane)

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