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Neon City

Originaltitel: Neon City__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1991__Regie: Monte Markham__Darsteller: Michael Ironside, Vanity, Lyle Alzado, Valerie Wildman, Nick Klar, Jesse Bennett, Dave Blackwell, Juliet Landau, Monte Markham, Gerald Bola, Nancy Borgenicht u.a.
Neon City

Endzeitaction mit Michael Ironside, Vanity und Westernanleihen: „Neon City“

Im Sog der „Mad Max“-Filme hämmerten ja vor allem italienische Rip-Off-Filmer die Endzeitreißer heraus, doch mit dem erstarkenden Videomarkt wollten auch amerikanische B-Filmer nicht hintanstehen und versorgten das Publikum mit entsprechender Genreware, gern mit ein oder zwei Stars aus der zweiten bis dritten Reihe in den Hauptrollen.

Dieses Mal ist eine Naturkatastrophe mit löchriger Ozonschicht Grund für die Endzeitstimmung, angesichts des Endes der Sowjetunion und des Ozonlochs zum Release-Zeitpunkt ein dringenderes Anliegen als der sonst oft die filmische Endzeit auslösende Atomkrieg. Das Resultat ist das übliche mit der kaum bewohnbaren Erdoberfläche, den Resten Zivilisation und den durch die Rabatte krajohlenden Banditen, derer man sich erwehren muss, so wie Reno (Vanity) in der Auftaktszene. Die kommt dabei von der Traufe in den Regen: Kopfgeldjäger Harry Stark (Michael Ironside) rettet zwar ihr Leben, stellt allerdings fest, dass sie wegen Mordes gesucht wird und sackt sie direkt ein.

Dummerweise will ihm am nächsten Stützpunkt keiner das Kopfgeld auszahlen; dafür muss er Reno nach Neon City bringen. Durch den arroganten Kommandantenarsch wird Stark dann auch gegen seinen Willen mit in den zum Transporter umfunktionierten Laster gepackt, den der Ex-Sträfling Bulk (Lyle Alzado) fährt, den Stark früher mal eingebuchtet hatte. Zur illustren Reisegruppe gehören ein älterer Herr, ein Arzt, ein unlustiger Stand-Up-Komiker, eine reiche Göre und eine Prostituierte, die noch dazu Starks Ex-Frau ist, was schon mal Konflikte vorprogrammiert. Denn „Neon City“ möchte mehr als bloß schnell konsumierbarer Actionschlonz fürs Videoregal sein, sondern ein echtes Endzeitdrama.

Also macht sich der zusammengewürfelte Haufen auf die beschwerliche Reise gen Neon City, hat dabei jedoch mit einigen Widrigkeiten zu kämpfen: Die mörderischen Folgen der Umweltzerstörung bedrohen sie ebenso wie die mutierten Banditen und dann ist einer von ihnen auch noch ein Serienkiller…

Neon City

Kopfgeldjäger Harry Stark (Michael Ironside) soll Reno (Vanity) nach Neon City bringen

Wem der Plot bekannt vorkommt, der dürfte sich an den Westernklassiker „Stagecoach“ erinnern, dessen Grundgerüst hier mit ein paar Veränderungen auf das (eh schon an den Western gemahnende) Endzeitgenre übertragen wird. So haben Regisseur und Co-Autor Monte Markham („Defense Play“) und seine drei weiteren Drehbuchautoren so einiges vor, was aber leider nicht so ganz aufgeht: „Neon City“ ist viel zu vollgestopft mit Figuren und Subplots, die alle gleichberechtigt nebeneinanderstehen, als dass irgendetwas wirklich Zeit zum Atmen hätte. Wenn einer der Mitreisenden erklärt, dass er damals zum Wissenschaftsteam gehört habe, das die Katastrophe auslöste, verpuffen die Enthüllungen wirkungslos, bringen weder den Plot noch die Figur voran, was symptomatisch für den ganzen Film ist. Die potentielle Dreiecksgeschichte zwischen Stark, der Ex-Frau und Reno wird lustlos runtergespult, viele Leute sind nur bessere Stichwortgeber und einzig und allein der sich zwischen Stark und Bulk entwickelnde Respekt atmet noch den lebendigen Geist der Westernvorbilder.

Während das muntere Reisegrüppchen sich darüber klar wird, wie man nun zueinander steht, bildet die Reise nach Neon City nur den groben Rahmen, ohne klaren Mainplot, was leider zum faserigen Bild des Films beiträgt. Der Serienkiller meuchelt nur hin und wieder, seine Identität ist dem Zuschauer bekannt und es treten in erster Linie unbedeutende Nebenfiguren ab, wodurch auch hier nicht sonderlich viel Spannung erzeugt wird. Immerhin machen Monte Markham und sein Kameramann Keith Holland („Death Squad“) das Beste aus dem sichtlich schmalen Budget, wenn sie ihren Endzeitreißer nicht nur in der Wüste, sondern auch mal im Schnee ansiedeln, was durchaus als Anspielung auf verschiedene Schneewestern verstanden werden kann.

Neon City

Auf der Fahrt wird es auch mal brenzlig

Ehe das immer mehr dezimierte Grüppchen nach Neon City kommt (das seinem Namen ausleuchtungstechnisch immerhin alle Ehre macht), Stark im schlappen Showdown den Serienkiller beseitigt und zumindest moralisch über seinen arschigen Ex-Vorgesetzten triumphiert, gibt es eher wenig Action zu bestaunen, die aber als solide Hausmannskost durchgeht: Neben dem Auftakt darf man sich über einen Hinterhalt an einem Stützpunkt sowie eine Attacke der Banditen auf den fahrenden Transporter freuen, was ganz dynamisch in Szene gesetzt ist, aber nie so effektvoll oder spektakulär, dass „Mad Max 2“ um seine Pole Position in Sachen Endzeitaction fürchten müsste.

Ein großer Pluspunkt des Films ist sicherlich Michael Ironside („Turbo Kid“). Der sonst eher auf Schurkenrollen abonnierte Hauptdarsteller macht sich auch als harter Hund von einem Helden gut, überzeugt als vom Leben gezeichneter Mann, der zu viel gesehen hat und dessen Kaltschnäuzigkeit manchmal Irritation bei anderen hervorruft. Vanity („Der Tanz des Drachen“) ist okay als rebellische Verbrecherin, die Genregesetzen folgend dann doch gar nicht so böse ist, während Lyle Alzado („Black Berets“) sich als zum Buddy werdender Endzeitkutscher ebenfalls gut macht. Der Rest vom Fest agiert unauffällig bis durchschnittlich; allenfalls Nick Klar („James Dean – Leben auf der Überholspur“) fällt noch auf, allerdings negativ mit albernem Overacting.

Es ist nicht so, als seien die Ambitionen von Monte Markham bei „Neon City“ nicht lobenswert. Doch sein Endzeit-Western will zu viel auf einmal und erreicht dadurch im Endeffekt zu wenig, zumal die Nebendarsteller für das angestrebte Drama auch zu schwach sind. Ein paar nette Actionszenen und eine gelungene Endzeitstimmung gehören neben einem starken Michael Ironside zu den Pluspunkten des Films, der sich leider reichlich zieht und schnell wieder vergessen ist.

„Neon City“ erschien hierzulande bei Cannon/VMP auf Video, ist ab 18 Jahren freigegeben und ungekürzt. Über eine DVD-Veröffentlichung in einem anderen Land ist mir nichts bekannt.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Cannon/VMP__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein

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