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Raptor

Originaltitel: Raptor__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2001__Regie: Jim Wynorski als Jay Andrews__Darsteller: Eric Roberts, Corbin Bernsen, Melissa Brasselle, Tim Abell, William Monroe, Harrison Page, Lorissa McComas, Frank Novak, Grant Cramer, Teresa DePriest, Eric James, James Cromwell u.a.
Raptor

Eric Roberts auf Dinojagd in “Raptor”

Ein Büro. Darin hockt Roger Corman, der Trashpapst höchstpersönlich, und schaukelt sich die Eier. Da klingelt sein Telefon:

Corman: Jau?
Jim Wynorski: Hallo Roger! Alles roger?
Corman: Jau, sehr witzig, was gibt’s Bob Robertson aka Salvadore Ross aka H.R. Blueberry aka Jamie Wagner aka Jay Andrews aka Bob E. Brown aka Tom Popatopolous aka Noble Henry aka Arch Stanton aka JIM WYNORSKI? Mit welcher von deinen hundert Identitäten habe ich denn die Ehre?
Jim Wynorski: Ich spreche heute als Jay Andrews zu dir. Und ich habe eine tolle Filmidee! Ich war nämlich bei meinem persönlichen Kartenleger, der für mich in die Zukunft geschaut hat! In drei Jahren wird Steven Spielberg einen Film mit Sauriern in die Kinos bringen…
Corman: Saurier?
Jim Wynorski: Ja, kein Scheiß! Und da hab ich mich gefragt, ob wir dem Steven nicht zuvorkommen wollen und schon jetzt unseren eigenen Saurierfilm drehen wollen! Ohne Budget, ohne gute Tricks, dafür mit großen Titten und viel Gekröse. So was gab’s ja noch nie!
Corman: Hm, klingt spannend! Um was soll es denn da gehen!?
Jim Wynorski: Na um Saurier … und sagen wir einen Sheriff, der in seiner kleinen Stadt über viele tote Körper stolpert, die scheinbar von einem wilden Tier gerissen wurden. Etwa einem Puma. Er zieht eine dick bemoppte Expertin hinzu, mit der er mal was hatte. Und die weiß auch lange nicht, was das für ein Viech war. Derweil zeigen wir einen miesen Wissenschaftler, der in seiner riesigen Fabrik Dinosaurier geklont hat!
Corman: Woraus?
Jim Wynorski: Details, Details, … wen interessieren schon Details!
Corman: Hm, und warum klont er die Viecher?
Jim Wynorski: Details, Details, …!
Corman: Ich werde ungeduldig! Wo bleiben die Hupen?
Jim Wynorski: Da habe ich eine tolle Darstellerin an der Hand. Die habe ich in einem Softporno entdeckt, da spielte sie eine Indianerin, die gut 15 Minuten auf einem Planwagen durchgenudelt wird und ihre Riesenmöpse zeigt! Epische Szene. Ich werde ein Remake davon drehen, auf der Ladefläche eines Trucks! Und das Besondere: Die Frau ist die Tochter vom Sheriff! Das Früchtchen hihihihi.
Corman: Das gefällt mir!
Jim Wynorski: Ja, du Sau, das glaube ich dir! Und ich werde auch die Scham der Dame zeigen! Google mal Lorissa McComas und genieße die Riesenschläuche!
Corman: Google? Das hat doch keine Zukunft. Ich nutze Netscape! Aber ich sehe, was du meinst. Mach die ordentlich nackig, dann hat sich der Film schon gelohnt!
Jim Wynorski: Aber ich möchte den Film freilich auch als Parabel verstanden wissen. Wie die Natur zurückschlägt und sich an den Menschen rächt!
Corman: Wofür sollten sich Saurier an Menschen rächen wollen?
Jim Wynorski: Details, Details, …
Corman: Und wie entkommen die Viecher aus der Fabrik, wo man sie – ich spinne mal herum – mit Laserstrahlen gefügig machen könnte?
Jim Wynorski: Laserstrahlen? Coole Idee! Und ich denke, für den Ausbruch der Viecher fällt uns auch noch was ein. Aber das ist ja nur eine Detailfrage. Apropos: Also wenn der Sheriff und die Tierexpertin dem fiesen Wissenschaftler dann auf die Spur gekommen sind, bringe ich einfach noch ein paar Militärs unter und alle werden dann in der Fabrik von den Raptoren umgebracht!
Corman: Und wie tricksen wir die Raptoren?
Jim Wynorski: Mein Sohn hat eine tolle Handpuppe von den Viechern. Die filme ich leicht von unten und schon haben wir einen tollen Raptor. Wenn du mir ein paar Dollar mehr gibst, kann ich auch noch Gummi-Raptoren-Arme herstellen lassen, die wir dann immer mal ins Bild halten können und die die Hauptdarsteller berühren und so. Jump Scares, du weißt schon!
Corman: Lass uns auch einen Stop Motion Saurier im Film unterbringen! Damit der Spielberg sieht, dass wir nicht scherzen und auch ultramoderne Technik zum Einsatz bringen!
Jim Wynorski: Wow, das wird ja richtig aufwändig! Ich brauch dann auf jeden Fall noch Kohle für zwei Hubschrauber, eine Modellfabrik, einen Minibagger und Eric Roberts!
Corman: Scheiße, der Bruder von Julia Roberts macht auch noch mit? Wieso sagst du das nicht früher! Der Blockbuster ist uns sicher! Sag mal, hat die Lorissa McComas eigentlich ein Dreieck oder ein Parallelogramm an der Mumu?
Jim Wynorski: Details, Details, …

Wenige Monate später war „Raptor“ fertig und wurde kein Blockbuster. Er kam nicht einmal ins Kino. Woran das lag? Gute Frage, wie man an den geheimen, von der NSA ausgegrabenen Gesprächen zwischen Corman und Wynorski gemerkt hat. Eigentlich standen hier von Anfang an alle Zeichen auf Hit: Gummi-Raptoren, steife Pappmachesaurier, lächerliche Modelltricks, langweilige Fabrikgänge, ein angenervter Corbin Bernsen als Mad Scientist, ein zwischen gelangweilt und was-geht’n-hier-ab schwankender Eric Roberts („The Expendables“) in der Hauptrolle, viele Detailfragen, die der Fantasie des Zuschauers überlassen werden, Leerlauf en masse zwischen den Dinoattacken, eine öde Dino-Vision in Kotzgrün, riesige Silikonmöpse und miese Splattereinlagen, bei denen irgendwelche Sauriermodellkörperteile in Gedärmen herumwühlen. Wer will so etwas nicht sehen? Erstaunlicherweise sieht das zumindest optisch gar nicht mal so verkehrt aus, was zu weiten Teilen allerdings auch daraus resultiert, dass man tatsächlich auf Film gedrehte B-Filme heute – und damit meine ich in Zeiten der gelackten, viel zu glatten HD Kamerabilder – per se einfach toll finden will und meines Erachtens auch darf. Viel mehr Positives fällt mir nicht ein. Wenn ich allerdings auch einräumen muss, dass für mich einige der oben genannten Punkte nicht zwingend nachteilig sind. Man kann damit durchaus seinen Spaß haben. Man muss nur wollen und ein kleines Faible für Meisterwerke a la Corman und Wynorski haben.

Ein interessanter Fakt sei noch genannt: Es gibt von dem Film einen Director’s Cut, der den Film um viele belanglose Szenen streckt, die dem Tempo von „Raptor“ nicht gut tun. Highlight ist die Szene, die zumindest eine Detailfrage von Corman klärt. Nämlich jene um die Scham der Nackedeidarstellerin. Witzigerweise ist deren großer Auftritt im Original gerade einmal 20 Sekunden lang. Man sieht ihre riesigen Silikonhupen und Schnitt. Im Director’s Cut aber dauert die Szene ungelogen 8 Minuten! 8 nicht enden wollende Minuten. Nach vier Minuten fing ich tatsächlich an zu spulen, weil ich dachte: „Wie lange geht das denn noch?“ Und da musste ich merken, dass ich gerade mal bis zur Hälfte gekommen war! Epische Szene! Und so erotisch! Das beste daran: Wynorski hat nur zwei Gegenschnittaufnahmen des begatteten Mannes gedreht. Und ansonsten voll bei der Dame draufgehalten. Diese bekommt man nun in immer neuen Einstellungen zu sehen, während von dem Typ jede der beiden Gegenschnittaufnahmen etwa 15 Mal wiederholt werden muss, um eine Art Fluss in die Szene zu bekommen! Ein fantastisches Schauspiel und alleine schon die 4-5 Euro für den Film wert!

Die deutsche DVD kommt von Marketing Film, hat den Director’s Cut an Bord und ist mit einer FSK 16 uncut!

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Marketing__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Nein/Ja

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Categorised in: Creature Feature, Reviews

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