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Moon 44

Originaltitel: Moon 44__Herstellungsland: Deutschland__Erscheinungsjahr: 1990__Regie: Roland Emmerich__Darsteller: Michael Paré, Lisa Eichhorn, Dean Devlin, Brian Thompson, Malcolm McDowell, Stephen Geoffreys, Leon Rippy, Jochen Nickel, Mehmet Yilmaz, John March u.a.
Moon 44

Michael Pare in Roland Emmerichs Sci-Fi Dystopie “Moon 44”

Roland Emmerich hat schon früh in seiner Karriere auf den internationalen Markt geschielt. Er besetzte seine Hauptrollen meist mit englischsprachigen Darstellern und orientierte sich deutlich mehr am amerikanischen denn am deutschen Kino. Und dass zu einer Zeit, wo man in Deutschland noch arrogant genug war, genau derartige Bestrebungen Filmemachern wie Emmerich offensiv vorzuhalten. Das Spielbergle aus dem Schwabenland waren noch die netteren Bezeichnungen für den Regisseur. Dessen Geduld sollte sich irgendwann auszahlen, denn schaut man sich an, wo der deutsche Film heute international steht und wo Roland Emmerich im Vergleich dazu steht, kann man Emmerich nur beglückwünschen, dass er sich nie hat von seinem Weg abbringen lassen. Anlässlich seines aktuell in den Kinos laufenden Streifens „White House Down“ entstaubte Universum Film einige Frühwerke des Schwaben und putzte sie gar für eine Blu-ray Auswertung heraus. Darunter auch „Moon 44“, der Film, der wohl am allerdeutlichsten von allen deutschen Emmerich-Produktionen über den großen Teich schielte…

„Moon 44“ spielt im Jahre 2038. Unsere Welt wurde inzwischen so weit ausgebeutet, dass man ins Weltall expandieren muss, um die Versorgung mit den notwendigsten Rohstoffen aufrechtzuerhalten. Der Konkurrenzkampf ist dabei so exzessiv ausgeartet, dass ein regelrechter Krieg um die verbliebenen Rohstoffmonde entbrannt ist. Einer der Großkonzerne heißt „Galactic Mining Corporation“ und befindet sich in einer prekären Situation: Die Konkurrenten haben der Firma bereits alle Monde abspenstig gemacht, bis auf „Moon 44“, den das Unternehmen um jeden Preis halten muss. Blöderweise haben die Verantwortlichen des Konzerns die „Galactic Mining Corporation“ so zurechtrationalisiert, dass es kaum noch Männer gibt, die den Mond verteidigen könnten. So entwickelt man einen verzweifelten Plan: Häftlinge sollen die letzte Verteidigungslinie gegen die Angriffe der anderen Firmen bilden. Der Lohn für die Todgeweihten: Straferlass. Und als wäre das nicht schon verzwickt genug, muss sich Agent Felix Stone unter die Häftlinge mischen, um im Auftrag der „Galactic Mining Corporation“ zu untersuchen, wohin die für die Firma ungemein wichtigen Abbauroboter mit den geborgenen Rohstoffen verschwunden sind…

Dieser Film wird im Jahr 2038 verboten! (Werbezeile zu „Moon 44“)

Roland Emmerich hatte für seinen „Moon 44“ schon viele Kreative um sich geschart, die ihm in der Folgezeit halfen, seine Karriere in den USA anzuschieben. Denn nach „Moon 44“ war es endlich soweit und Hollywood wurde bei Emmerich vorstellig. Zunächst sollte er ein Sylvester Stallone Projekt stemmen, das dann in der Produktionshölle einen schnellen Tod starb, weshalb er auf den damals ultrabrutalen „Universal Soldier“ umsattelte und mit dem Lundgren/Van Damme Vehikel seinen Hollywood Einstand gab. Aus der „Moon 44“ Crew waren daran beteiligt: Kameramann Karl Walter Lindenlaub (beispielsweise auch an „Independence Day“ und „Stargate“ beteiligt), seine Schwester und Stammproduzentin Ute Emmerich (an allen Emmerich Filmen beteiligt), Dean Devlin, der in „Moon 44“ eine Hauptrolle inne hat und danach als Drehbuchautor und Produzent an diversen Emmerich Filmen mitwirkte, und Ausstatter Oliver Scholl. Die wohl wichtigste Personalie von „Moon 44“ und „Universal Soldier“ stellte aber Volker Engel dar, der Special Effects Maestro, der in Hollywood unter der Regie von Emmerich sogar zu Oscarehren kam.

Gemeinsam vollbrachte man schon bei „Moon 44“, was vor allem in den frühen Hollywoodjahren zu Emmerichs Markenzeichen werden sollte: Man stemmte optisch beeindruckendes Augenfutter auf die große Leinwand und verbrannte dafür ein eher geringes Budget. Allerdings muss man bei „Moon 44“ festhalten, dass die Konzentration auf die Schauwerte sehr zu Lasten der Story geht. Diese hat nämlich durchaus Potential, das aber weitgehend ungenutzt verstreicht. Am deutlichsten wird das, wenn die eigentliche Story für den Subplot rund um das Zusammenwachsen der Häftlinge mit ihren Fluglotsen vollkommen zurückgestellt wird.

In diesem Abschnitt wird auch umso augenscheinlicher, dass alle Charaktere von „Moon 44“ durch die Bank nicht mehr als laufende Klischees sind. Die Häftlinge sind verroht und wollen endlich mal wieder einen wegstecken, die Losten sind schmale und megajunge Geeks, verwachsen mit ihren Computern. Und Felix Stone ist eben der harte Hund, der irgendwo mittendrin herummäandert und ebenfalls recht ziellos durch die beeindruckenden Kulissen stapft. Irgendwann meint man gar, Felix Stone habe vergessen, warum er eigentlich auf den Mond geschickt wurde. Unterstrichen wird dieser Eindruck durch die sehr sporadischen Auftritte von Malcolm McDowell („Planet der Affen“, „Mirror Wars“), der als Oberbösewicht weitgehend vollkommen obsolet ist und nie im Film ankommt. Gegen Ende kommt dann plötzlich etwas Hektik auf und strebt alles in Richtung großer Showdown.

Dieser ist zwar nett, inzwischen aber auch höchst durchschaubar getrickst. Gerade in der HD Version werden doch so manche Modelltricks extrem offensichtlich und leider sind die aufwändig gedachten Szenen doch ziemlich redundant bzw. sehen alle recht ähnlich aus. Denn wenn in „Moon 44“ Action aufkommt, wird in den immer gleichen Canyons mit den immer gleichen Fluggeräten (modifizierte Hubschrauber) gegen immer gleiche Gegner (Roboter steuern die feindlichen Fluggeräte) gekämpft. Das hat zwar durchaus Tempo und war seinerzeit vermutlich sogar gerüttelt spektakulär, aus heutiger Sicht aber ist „Moon 44“ eher schlecht gealtert. Doch offensichtlich übte Volker Engel hier auch noch, der bei „Moon 44“ zum ersten Mal mit Roland Emmerich arbeitete. Dafür weiß das Setdesign des Filmes auf ganzer Linie zu überzeugen. Die technisch überladenen Schauplätze strotzen nur so vor Details und entwerfen ein düsteres, äußerst effektives Setting für den Film. Von den Mondoberflächen gibt es leider eher weniger zu sehen, da der Film weitgehend in der Abbaustation von „Moon 44“ spielt. Gedreht wurde der Film im Übrigen in einer alten Panzerfabrik.

Die Darsteller rekrutierten sich wieder aus internationalen Gesichtern, hier und da vermischt mit ein paar deutschen Namen. Die Hauptrolle bestreitet Michael Pare („Amphibious“), dem man leider nie so recht anmerkt, ob ihm die Dreharbeiten nun Spaß gemacht haben oder nicht. Mal stapft er gelangweilt durch die Kulissen, dann wirkt er wieder recht engagiert. Als Fixpunkt für den Zuschauer in dem kernigen Männerhaufen geht er aber durchaus in Ordnung. Malcolm McDowell dürfte zur Zeit der Dreharbeiten beinahe der bekannteste Name im Cast gewesen sein, wird aber vollkommen verschenkt und wirkt auch ziemlich angeödet. Dean Devlin macht als junger Fluglotse einen guten, wenngleich auch etwas überengagiert wirkenden Eindruck. Leon Rippey (später in fast allen Emmerich Produktionen dabei) gibt einen ziemlich fiesen Fiesling ab, wird aber vom Drehbuch im Stich gelassen, und Brian Thompson („Die City Cobra“, „Perfect Target“) bekommt die Figur mit der wohl unglaubwürdigsten Charakterentwicklung des gesamten Filmes ab. Als einzige Frau im Cast langweilt sich Lisa Eichhorn ordentlich einen ab. Kurzum: Ein Schauspielerfilm sieht anders aus …

Doch selbiger schwebte Roland Emmerich sicherlich auch nicht vor. Sein „Moon 44“ wirkt wie eine testosterongeschwängerte Plündertour durch das Sci-Fi-Genre und weist zumindest auf dem Papier eine durchaus spannende Story auf. Doch Emmerich verliert irgendwann seine eigentliche Geschichte vollkommen aus den Augen und fokussiert auf einen vermeintlichen Nebenschauplatz. Erstaunlicherweise hält einen dieser Subplot aber gut bei der Stange, denn wie die Häftlinge und die Fluglotsen aneinandergeraten, ist durchaus sauber und flott entlang sattsam bekannter Motive inszeniert. Aus den Ermittlungsarbeiten von Pare hätte der Regisseur aber viel mehr machen können und auch das aufgeworfene Szenario um sich gegenseitig bekriegende Großkonzerne hätte man weitaus gewinnbringender verbraten müssen. Keine Vorwürfe kann man Emmerich in Sachen Look seines Filmes machen. Eifert er auf der Erde noch dem „Blade Runner“ Look nach, tendiert er auf dem Rohstoffmond eher in Richtung „Alien“ und liefert detailverliebte, weitläufige Gänge und Tunnel, in denen aber bis auf das Abfeuern viel zu vieler Klischees nicht wirklich etwas passiert und durch die höchst stereotype Figuren latschen. Doch die düstere Atmosphäre, das wirklich kernige männliche Schauspielensemble und das finstere Setting retten den Film auch durch derartige Unebenheiten. Schade ist, dass Soundtrack Macher Joel Goldsmith keine schönen Themen zum Film einfielen, und dass es schwer fällt, eine eigene Handschrift beim Regisseur Emmerich auszumachen. Der versucht hier nämlich so massenkompatibel zu sein, dass man es schon nachvollziehen kann, dass ihm die deutsche Journalie dies richtig übel nahm und „Moon 44“ einhellig zerriss. Das nicht ganz zu Unrecht, denn uninspiriert, durchschnittlich und reichlich höhepunktlos war der Film schon damals. Heute kommt noch hinzu, dass seine Effektszenen eher schlecht gealtert sind. Dennoch kann man sich den Film reuelos zu Gemüte führen, denn unterhaltsam ist „Moon 44“ allemal.

„Moon 44“ ist Teil der Roland Emmerich Collection von Universum Film und kommt auf DVD oder Blu-ray gemeinsam mit den Frühwerken „Joey“ und „Hollywood Monster“. Die Bildqualität ist bei dem beständig von Nebelschwaden durchzogenen „Moon 44“ ganz in Ordnung, von Referenzniveau aber meilenweit entfernt. Die FSK 16 freigegebene Fassung ist dabei uncut. Eine hübsche Dokumentation zur Karriere Emmerichs rundet die „Moon 44“ Scheibe ab.

In diesem Sinne:
freeman

Roland-Emmerich-Collection Roland Emmerich Collection

Die Roland Emmerich Collection vereint die Frühwerke des international erfolgreichen Schwaben mit Hang zur Zerstörungsorgie.

„Joey“, „Hollywood Monster“ und „Moon 44“ erscheinen im Zuge dessen erstmals auf Blu-ray. „Joey“ und „Hollywood Monster“ sind darüber hinaus erstmals auch in den ursprünglichen deutschen Kinofassungen enthalten! Hier mussten wir in Deutschland bisher immer mit den internationalen, stark gestrafften Versionen Vorlieb nehmen.

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Copyright aller Filmbilder/Label: Universum Film__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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