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Redcon-1 – Army of the Dead

Originaltitel: Redcon-1__Herstellungsland: Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Chee Keong Cheung__Darsteller: Oris Erhuero, Carlos Gallardo, Mark Strange, Katarina Leigh Waters, Martyn Ford, Joshua Dickinson, Michael Sheehan, Akira Koieyama, Euan Macnaughton, Marc Baylis u.a.
Redcon-1 - Army of the Dead Cover

“Redcon-1 – Army of the Dead” erzählt von einem Zombie-Outbreak in England.

In England proben die Insassen eines Hochsicherheitsgefängnisses den Aufstand. Angeführt wird der Ausbruch von einem Mann, der hinter Gittern Opfer der Genexperimente eines fiesen Arztes wurde. Dabei hat sich etwas in dem Anführer verändert. Er wurde zum Träger eines speziellen Virus’. Auf freiem Fuß verteilt er den Virus munter unter der englischen Bevölkerung. Die mutiert infolgedessen zu blutrünstigen Zombies. Die werden in einer gewaltigen Quarantäne-Zone eingepfercht.

Das Militär ist sich derweil sicher, dass auch der Arzt in der Quarantäne-Zone verweilen muss. Und dass er ein Gegenmittel für das Virus hat. Also schickt es einen Platoon aus amerikanischen und englischen Elitesoldaten los, um in die Zone einzudringen und den Arzt herauszuholen.

Ein Himmelfahrtskommando nimmt seinen unvermeidlichen Lauf. Für das nur 72 Stunden Zeit bleiben. Denn dann soll die Quarantäne-Zone, ihr ahnt es, ausradiert werden.

Schaut in “Redcon-1 Army of the Dead” hinein

„Redcon-1 – Army of the Dead“ beginnt extrem aggressiv. Schnittbilder präsentieren Menschen, die andere Menschen töten, und Tiere, die andere Tiere töten. Irgendwann fallen dann auch noch Zombies über Menschen her. Unterlegt ist die derbe Schnittkanonade mit einem Off-Kommentar, der die gesamte oben geschilderte Grundsituation des Filmes in den ersten fünf Minuten herunterrasselt.

Drehbuch und Regie müssen infolgedessen in den darauffolgenden Minuten nicht wirklich etwas erzählen. Wenige Augenblicke nach Filmbeginn sitzt unser achtköpfiges Platoon schon in Gummibooten und reist gen Quarantäne-Zone. Hier angekommen startet dann ein Marathon an Actionszenen, in denen das Platoon empfindlich ausgedünnt wird. Leider ist einem das weitgehend egal, weil „Redcon-1“ nicht daran denkt, dem Zuschauer die Soldaten nahe zu bringen. Es reicht nicht einmal für die Darreichung hinlänglich bekannter Klischees, da hat der erste schon Dreck gefressen.

Redcon-1 Mark Strange

Mark Strange (Mitte) sorgt für einige Martial-Arts-Action.

Nach 75 Minuten wähnt man sich dann schon auf dem Weg in Richtung Showdown, als Regisseur Chee Keong Cheung („Bodyguard – A New Beginning“) auf einmal doch Lust am Erzählen zu entwickeln scheint. Befreit von störendem Figuren-Ballast geht es plötzlich um einen Mann und ein kleines Mädchen, die sich gemeinsam gegen einen fiesen Militär stellen müssen. Und die Szenen zwischen den beiden sind durchaus gelungen. Dadurch und dank kleinerer Überraschungen in der Handlung wird auch die bis dahin eher lieblos abgespulte Story ein wenig aufgewertet. Spannend oder gar komplex wird der Film aber nie.

Dessen Hauptaugenmerk liegt nun einmal auf flotter Action. Und davon hat „Redcon-1“ einiges zu bieten. Absolutes Highlight ist dabei Actionszene Nummer zwei in einem Hochhaus. Hier atmet der Streifen eine rüde Gewalttätigkeit. Mit Vorschlaghämmern, Feuerwehräxten, Schwertern, Messern und vollautomatischen Waffen werden hier die Hochhausgänge mit zermatschten Zombie-Körpern geflutet. Die Szene ist so krass und vor allem kompakt auf den Punkt inszeniert, dass sie einfach nur Spaß macht und mörderisch rockt. Leider schafft es „Redcon-1“ nicht noch einmal, eine solche Szene abzuliefern.

Zombie

Zombie-Alarm in England.

Der Film flüchtet sich danach mehr in eine Art Dauerfeuermodus. Handgemachte, genial schlotzige Kopfschüsse dominieren nun das Brutalitätsspektrum. Außer Feuerwaffen kommen kaum noch andere Argumentationsverstärker zum Einsatz. Auch die Martial-Arts-Fähigkeiten der Darsteller ruhen. Selbst aufgefahrenes Kriegsgerät (Panzer, Geschützwagen) darf nie ins Gemetzel eingreifen. Zudem mischen sich immer wieder inszenatorische Misstöne unter. So manche Zeitlupe wirkt ungünstig platziert. Diverse Schnitte wirken verschleppt. Einige Situationen kommen seltsam gebremst rüber. Chee Keong Cheung bekommt einfach keinen richtigen Druck mehr in die Action. Was selbige irgendwann reichlich repetitiv und eintönig wirken lässt.

Dabei hat „Redcon-1“ durchaus hübsche Ideen, um die Action zu dynamisieren. So wird früh im Film etabliert, dass die Zombies zunehmend intelligenter werden. Sich an ihre früheren Leben erinnern. Wer schießen konnte, kann es als Zombie auch. Wer Kung Fu konnte, kann auch als Zombie um sich treten und kicken. Eine nette Idee, die Puristen sicherlich nicht schmecken dürfte und obendrein nie konsequent zu Ende geführt wird. Am traurigsten geraten dahingehend alle Szenen um eine paramilitärische Zombie-Einheit. Ideales Futter für eine Giga-Actionszene, die es aber nie gibt.

Schade ist auch, dass Drehbuch und Regie zu Beginn beinahe zwanghaft darauf versessen sind, die Heldentruppe auszudünnen. Die ist aber eigentlich angenehm „kerlig“ geraten und hätte in den richtigen Händen mit coolen Sprüchen und viel Testosteron-Gehabe fettes Partypotential besessen. Aber so kann sich kaum eine Dynamik unter den Figuren entwickeln. Schnell verläuft alles in gewohnten Bahnen – inklusive Verrätern in den eigenen Reihen.

Redcon-1 mit Oris Erhuero

Oris Erhuero gibt den Anführer der Zombiekiller.

Als Held der Chose agiert Oris Erhuero („Black Mask 2: City of Masks“), der einen soliden Job macht und vor allem gegen Ende ein paar schöne Szenen spendiert bekommt. In der Action wirkt er leider immer ein wenig zurückhaltend, obschon er physisch eine echte Kante ist. Die Darsteller um ihn herum sind durch die Bank nur da, um zu killen und zu sterben. Darunter Carlos Gallardo („Planet Terror“), Wrestlerin Katarina Leigh Waters („Karate Kill“), Akira Koieyama („47 Ronin“), Mark Strange („Batman Begins“) und „Undisputed 4“-Hüne Martyn Ford. Wirklich schauspielern tut eigentlich nur Euan Macnaughton („Stolz und Vorurteil & Zombies“) als Auftraggeber der Soldatentruppe.

In technischer Hinsicht ist „Redcon-1“ ein Mix aus Licht und Schatten. Der Regisseur ist durchgehend um eine flotte Bebilderung bemüht. Zudem rechnet man ihm hoch an, dass er eine Vielzahl an Schauplätzen präsentiert und es immer wieder schafft, beeindruckende Massenszenen auf die Beine zu stellen. Obendrein ist die Konzentration auf durchgehend handgemachte Spezialeffekte eine Wohltat fürs Auge. Einzig ein paar digitale Rauchwolken über englischen Großstädten fallen etwas negativ auf.

Mit dem Begriff „digital“ wären wir beim Thema Schattenseiten angelangt. Denn „Redcon-1“ transportiert einen sehr glatten Digitallook, der dem ansonsten betriebenen Aufwand durchaus abwertend gegenübersteht. Der Film sieht in der Folge leider sehr billig aus und kann diesen Malus auch nur in extrem wenigen Szenen abschütteln. Die beliebig belanglose Filmmusik passt dazu wie die Faust aufs Auge.

“Redcon-1 – Army of the Dead” hätte mehr aus sich machen können

Actionfans können bei „Redcon-1“ aufgrund seiner enormen Actiondichte und der gebotenen Brutalitäten definitiv mal ein Auge riskieren. Vor allem die zweite große Actionszene rockt ordentlich und auch in den anderen Actioneinlagen gibt es immer wieder mal Momente zum Zungeschnalzen. Auch aufgrund der Idee, den Zombies Actionman-Qualitäten angedeihen zu lassen.

Das große Problem des Filmes ist das Drumherum um diese Actionszenen. Die ersten 75 Minuten ist die eigentliche Handlung einfach zu egal und trifft diverse falsche Entscheidungen. In den letzten 40 Minuten tritt sie zwar plötzlich deutlicher zu Tage und hätte in der Form schon eher aufkommen dürfen, ABER sie verlängert den ohnehin viel zu langen Film noch einmal ordentlich. Eine dichtere Atmosphäre und der eine oder andere echte Gruselmoment hätten dem Film auch nicht geschadet. Beides wird der Actionausrichtung geopfert. Den Billiglook nimmt man „Redcon-1“ richtig übel, gibt sich der Film davon abgesehen doch deutlich aufwändiger.

05

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erscheint am 27. Juni 2019 von OFDb Filmworks. Der Film ist mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: OFDb Filmworks__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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