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Savage Hunt – Blutige Jagd

Originaltitel: Savage Hunt__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Roel Reiné__Darsteller: James Oliver Wheatley, Colin Mace, Anthony Barclay, Priya Blackburn, Noush Skaugen, Fotina Papatheodorou, Katrin Vankova, Jonas Talkington, Raymond Steers u.a.
Roel Reine entfesselt eine Savage Hunt.

Ein Bär sucht nach Futter in Roel Reines „Savage Hunt – Blutige Jagd“.

Wer zuletzt ein wenig die Social Media Kanäle von Roel Reiné („Classified“) verfolgte, der wurde von dem Regisseur wiederholt darüber informiert, dass er auf den Filmmarkets dieser Welt unterwegs war, um seinen neuen Film zu verkaufen. „Savage Hunt“ heißt der neue Streifen, den sich Tiberius Film für den deutschen Markt gesichert hat.

Jace Scheider ist der Bauherr des „New Haven Resort and Spa“. Das Bauprojekt eines multinationalen Unternehmens ist in der Gegend zwar unbeliebt, verschafft einigen Einwohnern eines angrenzenden kleinen Ortes aber auch Arbeit. Die daraus resultierenden Konflikte sind nicht Jaces einzige Sorge. Seine Frau will sich von ihm scheiden lassen. An dem Tag, als sie ihm auf der Baustelle die Scheidungspapiere übergibt, kommt es zu einem Zwischenfall. Ein schrecklich zugerichteter junger Mann kommt aus dem Wald gestolpert.

Es handelt sich um einen Umweltaktivisten, der gegen das Bauprojekt protestieren wollte, dabei aber einem äußerst aggressiven Bären über den Weg lief. Der griff zudem eine Kollegin des Aktivisten an. Auf der Suche nach der Aktivistin lassen einige Cops ihr Leben. Und die Aktivistin kann nur noch tot geborgen werden. Dieser Bär, soviel ist klar, hat Lust am Töten. Und er setzt sein brutales Werk immer weiter fort.

Der Rangerin Kate Deeks ist klar, dass sie die Hilfe des ehemaligen Rangers Joe Regan benötigt. Doch der seit dem Tod seines Sohnes zurückgezogen lebende Joe hat keine Lust, sich an einer Bärenjagd zu beteiligen. Als jedoch sogar Kate von dem Bären angegriffen wird, denkt er um. Zumal er das Gefühl hat, dass der aggressive Bär einst auch seinen Sohn getötet haben könnte.

Schaut in den Film hinein

Roel Reiné inszeniert den Kampf Mensch gegen Natur

Beginnen wir mit dem Positiven: Roel Reiné weiß nach wie vor, wie man Filme in Szene setzt. Seine Kamera ist immer in Bewegung, schwelgt in den natürlichen Sets, umkreist die Figuren und fliegt in Form von Drohnen über die Landschaft. Und Reiné setzt bei seinem tierischen Antihelden durchweg auf einen echten Bären. Klasse!

Blöd für einen Filmemacher ist jedoch, wenn sogar die wenigen Pluspunkte seines Werkes für Probleme sorgen. So verliert sich Reiné teils in seiner Optik. Als Zuschauer hat man irgendwann echt genug von in Zeitlupe fließenden Gewässern und sich wiegenden Bäumen. Außerdem hatte Reiné die wirklich dämliche Idee, die Farben seines Filmes stark zu korrigieren. Er wollte sichtlich einen kalten, gritty Look erzeugen. Dazu entzog er seinen Bildern alle Farben. Infolgedessen mutet „Savage Hunt“ in Teilen beinahe wie ein Schwarz-Weiß-Film an. Und das ist über 90 Minuten hinweg echt eintönig anzusehen.

Zudem besorgte Roel Reiné auch noch die unter den Bildern dillernde Musik. Die ist ab und an zwar schön atmosphärisch, irgendwann kann man das Ethno-Gejaule aber echt nicht mehr ertragen. Und weil Reiné und das Drehbuch von Chad Law („Shrapnel“) es nicht schaffen, die Ereignisse zu verdichten und dadurch Tempo und Spannung zu erzeugen, legt sich alsbald bleierne Schwere auf die Augenlider.

Zumal „Savage Hunt“ einfach nur die üblichen Klischees des Tierhorrors abhakt. Der Streifen präsentiert nicht eine einzige neue Idee. Alles verläuft nach Schema F. Außerdem nervt, dass das Drehbuch zwar diverse Figuren fabulieren lässt, dass der Mensch selbst Schuld an den Umständen sei, weil er den Lebensraum der Tiere immer mehr verkleinere und so Reaktionen provoziere. Parallel dämonisieren Regie und Drehbuch den Bären ihres Filmes aber über alle Maßen. Das geht soweit, dass der Zuschauer bald mehr auf Meister Petz hält und den Showdown eigentlich gar nicht sehen will.

Der wird zunächst im Survival-Duktus inszeniert. Joe nähert sich hier immer mehr dem Tier an. Bis sich unser „Held“ und der Bär gegenüberstehen. Alle anderen bisher eingeführten Figuren sind in den letzten 30 Minuten Film im Übrigen vollkommen egal. Was die ersten 60 Minuten herzlich sinnlos macht. Und leider weiß man da längst, wie der Film enden wird.

Zumindest gibt sich das stark trainierte Tier Mühe. Dennoch wird auch dieser Pluspunkt von „Savage Hunt“ ins Gegenteil verkehrt. Denn Reiné bekommt einfach keinerlei Druck in die Tierattacken. Diese wirken vielmehr eher spielerisch. Nur mittels PCs eingefügte Blutspuren deuten an, dass es hier ruppiger zugehen soll. Reiné lässt seine Figuren im Todeskampf nicht einmal schreien! Das Ergebnis reißt kein Stück mit und mutet leider total harmlos an. Da helfen auch die tollen Make-Up-Effekte an den späteren Leichenfunden kein Stück weiter.

Dazu gesellen sich reichlich dämliche Momente, in denen der Bär plötzlich neben irgendwelchen „Helden“ auftaucht. Teils auf frei einsehbaren Wiesen. Er scheint sich wohl beamen zu können.

Dank eher unterwältigender schauspielerischer Leistungen sind einem die Schicksale der handelnden Figuren total egal. Nicht einmal der von James Oliver Wheatley („High Ground“) gespielte Joe Regan funktioniert für den Zuschauer. Und das, wo ihn Roel Reiné ein pathetisch überinszeniertes Trauma andichtet, das einem wohl die Tränenkanäle fluten soll. Blöderweise ist selbiges so abgenutzt und schal, dass vor lauter Augenverdrehen kein Wasser angestaut werden will.

„Savage Hunt – Blutige Jagd“ ist alles andere als bärenstark

Wie ich einleitend anmerkte, war Roel Reiné zuletzt auf der Suche nach Verleihern, die seinen Film international auswerten. Und auf dem Papier hat „Savage Hunt“ meiner Meinung nach einige Punkte, die internationale Verleiher zugreifen lassen könnten. Immerhin ist der Film ein Vertreter des beliebten Tierhorrorgenres, es gibt blutige Bärenattacken und zahlreiche Opfer und Roel Reiné ist für seine handwerklichen Fähigkeiten bekannt.

Trotzdem dürften angesichts des filmischen Ergebnisses einige interessierte Käufer schnell abgewinkt haben. Denn dummerweise ist „Savage Hunt“ total verunglückt. Der Film kommt einfach nicht zu Potte, ist kein Stück spannend, langweilig erzählt, tempomäßig schlecht getaktet, in seinen Tierattacken vollkommen druck- und harmlos geraten und final nicht ansatzweise mitreißend in Szene gesetzt.

Aufgrund der schauspielerischen Leistungen drückt man irgendwann dem „Lump“ des Filmes die Daumen. Kurzum: „Savage Hunt“ ist vollkommen misslungen. Pluspunkte gibt es für die handwerklich gute Umsetzung, wenn Reiné die eigentlich atmosphärischen Bilder nicht eben selbst mittels Farbkorrektur kaputt macht, und für den tierischen Hauptdarsteller.

02 von 10

Der Film ist bereits auf diversen Streamingportalen zu sehen. Auf DVD und Blu-ray kommt er am 15. Januar 2025 von Tiberius Film. Ungeschnitten und mit einer Freigabe ab 16.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Tiberius Film__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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Categorised in: Creature Feature, Reviews

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