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Scream Week

Originaltitel: Sneekweek__Herstellungsland: Niederlande__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Martijn Heijne__Darsteller: Carolien Spoor, Jelle de Jong, Jord Knotter, Holly Brood, Yootha Wong-Loi-Sing, Jonas De Vuyst, Ferry Doedens, Kimberly Klaver, Marly van der Velden, Rutger Vink u.a.
Scream Week

Frau Antje bringt einen Slasher aus Holland: “Scream Week”

Dass die Niederländer wissen, wie man Slasher inszeniert, haben sie etwa mit dem insgesamt unterhaltsamen „Schlachtnacht“ 2006 bereits bewiesen. Mit „Scream Week“ schicken sie nun einen neuen Vertreter ins Rennen und beweisen nebenher, dass die alljährliche Sneekweek dem US-Spring-Break durchaus das Wasser reichen kann.

Die von der königlichen Vereinigung für Wassersport in Sneek ausgerichtete Sneekweek steigt jedes Jahr Anfang August in Friesland. Zu Beginn richtete sie sich vornehmlich an Liebhaber des Segelsportes, entwickelte sich über die Jahre aber immer mehr zu einer Art Festival für niederländische Feierbiester. So werden in „Scream Week“ auch Merel und ihre Freunde nach ihrem bestandenen Diplom von der einwöchigen Superparty angezogen. Sie kommen in einer perfekten Behausung unter und hangeln sich von Event zu Event.

Doch über der Gruppe liegt ein schwarzer Schatten. Vor zwei Jahren verursachte man den Tod eines Verbindungsanwärters und kehrte das eilig unter den Teppich. Immerhin wollte man der eigenen Karriere keine Steine in den Weg legen. In Sneek kommen nun dank eigenartiger Zufälle all diese verdrängt geglaubten Ereignisse wieder hoch. Als auch noch einige der Freunde verschwinden, ahnt Merel, dass sie und ihre Freunde von der Vergangenheit eingeholt werden.

Es muss kein Makel sein, wenn ein Film von Minute eins an nur altbekannte Klischees eines Genres oder Subgenres wiederkäut. Warum auch? Lieber gut nachgemacht, als schlecht neu erfunden. Allerdings sollte man dann die sattsam bekannten Klischees auch überzeugend mit Leben füllen und das will „Scream Week“ leider nicht wirklich gelingen…

So weiß die geklaute Handlung („Scream Week“ ist im Grunde eine 1:1 Kopie von „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“) in keinem Punkt zu begeistern. Das liegt vor allem daran, dass der Film fast schon zu versessen die Standards abhakt und dadurch extrem vorhersehbar wird. Hinzu kommt, dass die handelnden Charaktere durch die Bank arg unsympathisch rüberkommen und das als Final Girl gedacht Hascherl so öde und langweilig gezeichnet ist, dass man überhaupt gar nicht mitfiebern will.

Scream Week

Merel und ihr Fuckbuddie ahnen noch nicht, was ihnen bevorsteht.

Dazu gesellen sich psychologisch höchst unglaubwürdige Momente (Die verbliebenen Freunde gehen nach den Morden an ihren Kumpels einfach weiterfeiern!), bescheuert konstruierte Sequenzen (Wer hat nochmal das Edelanwesen gebucht? Wisst ihr nicht? Gut, bleiben wir hier!), blöde Dialoge und ein seltsam luschiger Killer. Dessen „Opfer“ neigen dazu, nicht sterben zu wollen. Und er ist irgendwie zu blöd, ihnen richtig den Garaus zu machen. Das geht soweit, dass ihm eigentlich tot geglaubte Charaktere tatsächlich noch richtig in die Killerparade fahren können.

Allgemein sind die Auftritte des Killers wenig druckvoll. Dass er sich weitgehend aus dem Handwerkskeller bedient, ist auch nichts Neues mehr und so richtig Blutgematsche will er auch nicht generieren. Zudem blendet die Kamera bei den Morden nur zu gerne ab. Die daraus resultierende Harmlosigkeit dürfte manchem Horrorfan nicht schmecken.

Auch die Maskierung des Killers ist mit lahm noch äußerst wohlwollend umschrieben. Zumindest seine Identität ist nicht wirklich zu erraten. Und hier und da gelingt es dem Film definitiv, ein paar falsche Fährten zu legen. Sein Vorbild dahingehend zitiert „Scream Week“ in einer hübschen In-Film-Hommage. Packender wird „Scream Week“ dadurch aber dennoch nicht. Last but not least ist der Slasher viel zu lang und muss so den Zuschauer mehrfach wieder von der Leine lassen, um sich über seine Laufzeit zu retten. Glücklicherweise langweilt einen der Film trotz der langen Laufzeit nicht wirklich.

Scream Week

Die Opferlämmer kurz vor der Schlachtbank…

Einen gewichtigen Grund dafür findet man in der Inszenierung bzw. der technischen Umsetzung des Slashers. In absolut kinotauglichen Bildern wird die niederländische Küste in Hochglanz gegossen. Darunter stampft ein großartiger Trance-, Progressive-Trance- und House-Soundtrack von bekannten Djs wie Armin van Buuren und DJ. Tiesto. Allgemein ist besonders die Inszenierung der Sneekweek absolut lebhaft, dynamisch und glaubwürdig. Wo andere Slasher und allgemein andere Filme schon bei der Inszenierung von authentischen Disco-Sequenzen gerne seltsam steril und steif wirken, haut „Scream Week“ wirklich ordentlich einen raus. Auch die Segelszenen sind richtig cool in Szene gesetzt.

Und die Inszenierung in und rund um das coole Haus, in dem die meiste Handlung steigt, weiß ebenfalls absolut zu gefallen. Leider gibt es zu der stimmigen optischen Hülle keinen passenden aufregenden Inhalt. Erst gegen Ende zieht „Scream Week“ an, erhöht die Schlag- und Kill-Zahl und wird sogar in Maßen aufregender. Leider mag man den nun verbliebenen Helden trotz guter Darsteller immer noch nicht die Daumen drücken, da sie durch die Bank verdient haben, was sie da ereilt. Und genau das ist dann schlussendlich das größte Problem des Filmes: Die Involvierung des Zuschauers will und will nicht funktionieren. So bleibt allenthalben durchschnittliche 0815-Slasher-Kost, die zumindest Ungeübten im Genre als harmlos partylastiger Einstieg durchaus empfohlen werden kann. Alte Hasen kennen zig bessere Slasher und kauen lieber bei denen ihre Fingernägel ab.

5 von 10

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt von Spirit Media / WVG Medien GmbH und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Spirit Media / WVG Medien GmbH__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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